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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1887-10-02 · Heft 32 (2.10.1887) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 32 (2.10.1887)
Date
1887-10-02
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Kehlkopf: die hier bei Erzeugung der Töne herrschenden Gesetze mü;- fen auch vom Sänger gebraucht werden; da jedoch beim Sänger der Gebrauch des Kehlkopfs und seiner Muskeln nicht für uns sichtbar ist, so muß einerseits aus den erzeugten Tönen selbst erst zurückgeschloffen werden, ob die ThätigkeiL die richtige war, andererffeits durch Vormachen des richtigen Klanges aus die richtige Thätigkeit des Organs hingeleitet werden. — (Forts, folgt.) Nie Juden iu Tunis. In den ״Westermann'schen Monatsheften" (vom August) veröffentlicht F. von Zobelitz einen Reisebericht ״aus Tunis und Ostalgerieu", in welchem folgende Schilderung der Juden vorkommt' ״Einen nicht unwichtigen ethnischen Faktor iu Tunis bilden die Juden. Bis vor zwanzig Jahren war es der tunisischen Judenschaft nicht erlaubt, ihr Ghetto.'zu verlassen -um sich in den arabischen Merteln anzusiedeln; heute haben einige reichere Juden sich hübsche moderne Häuser im Frankenquartier erbaut —׳ doch sind dies nur Ausnahmen; der tunisische Jude hält im allgemeinen zähe und halsstarrig am Althergebrauchtcu fest und verlässt auch gegenwärtig nicht gern das Quartier, in dem seine Vorfahren - Jahrhunderte hindurch unter dem grausamen Drucke despotischer Fürsten und eines fanatischen erbarmungslosen Volkes geseu'zt haben. Infolge dieses sich bis in die neueste Zeit hinein erstreckenden harten Druckes sind die Juden von Tunis in ihrer großen Masse, das׳ eigentliche israelitische Volk, auf einer traurigen Kulturstufe stehen geblieben. Das Licht und die Aufklärung des neunzehnten Säkulums scheinen noch, nicht bis in die engen Gassen dieses Ghetto's gedrungen zu sein, denn die tunisischen Hebräer selbst sträuben sich vielfach gegen die Wohlthaten, die ihnen seitens der französischen Negierung zu theil werden sollen. Sie pflegen die Tradition mit heiligem Eifer, und hängen so innig an den Sitten der Väter, dass sie sogar, alttestamentarischer Anschauung gemäß, emlletoq. Wer junge Cantor. .: Eine Erzählung von Cäcilie L ö w y. (19. Fortsetzung.) ״Es soll zwischen Mutter und Tochter zu heftigen Wort- Wechsel gekommen sein," fuhr Frau Süßkind fort, ״den Inhalt desselben erfuhr natürlich Niemand, doch man munkelt, dass Emma eine stille Zuneigung zu Cantor Behrens empfunden habe, die aber nicht eawiedert wurde, wenigstens hat Niemand bemerkt, dass er sie im Geringsten bevorzugte. Ueberhaupt soll der junge Maim in Damengesellschaft ־ sehr steif und unbeholfen sein und den jungen Leuten hier in Höflichkeitsbezeugungen weit zurückstehen. Sein Gesang reißt hin, ist allgemeines Urtheil, doch seine Eonversation ist durchaus trocken und berührt immer ernste Themata. Dass dies Benehmen auf Emma einen guten Eindruck machte, kann ich nrir denken, denn jedes ihrer Worte ist stets gewählt, -und in ihrem Wesen ist so viel Ruhe, dass Adolf ihr gewiss nicht sympathisch sein mag. Jndess scheint man sie zur Einsicht gebracht zu haben, dass die längst geplante Verbindung nur ihr. Glück befördern könne, denn ich sah sie heute mit ihrem Bräutigam auf der Promenade, und ihre Mienen drückten Zufriedenheit aus." - - ״O, Sie wissen so interessant zu erzählen," sagte Deborah, als Frau Süßkind schwieg und fragend ihren Blick auf das junge Mädchen richtete, um in ihren Mienen den Eindruck der ihre Erzählmlg auf dasselbe gemacht, zu lesen. ״Sie wissen auch gewiss Näheres über das Verhältnis zwischen Felix Weinstein und Flora gegen Vielweiberei nichts einzuwenden haben und sie in Einzelfällen dulden. In Einzelfällen sage ich, denn die Tuniser Juden ׳ sind zu arm oder zu geizig, um sich den Luxus mehreren Frauen zu gönnen. Die Häuser im Ghetto gleichen ihrer Bauart nach den maurischen. Ein viereckiger Lichthof bildet Heu Mittelpunkt des Inneren, und diesen umgiebt durch gewöhnlich zwei Stockwerke eine Reihe kleiner Zimmer. — Merkwürdig und unschön ist die oft geschilderte Tracht der jüdischen Frauen und Mädchen, die aus einem Hemdartigen Kleidungsstück, das kaum die Hüften bedeckt, und eng anliegenden Pantalons besteht. Man kann sich vorstellen, wie unglaublich hässlich namentlich die älteren, meist sehr üppigen Damen des Ghetto in diesen prallen Tricots aussehen, die erst an den Knöcheln abschließen und den Fuß, der in gestickter!, rvinzig kleinen Pantöffelchen steckt, nackt lassen. Dass-die Jüdinnen auch diese primitive Gewandung mit großer und verschwenderischer Kostbarkeit auszuschmücken verstehen, wenn es darauf ankommt, habe ich bei einer jüdischen Hochzeit gesehen, zu der mir mein unentbehrlicher Barbuschi eine Einladung zu verschaffen wusste. Wie die meisten tunisischen Jüdinnen war auch die Braut von auffallender Schönheit .des Gesichts. In dem oval geschnittenen Antlitz glänzten ein .Paar wunderbare Augen von leuchtendsten Schwarz, über denen, sich dunkel gemalte Bmuen, sich über der Nasenwurzel vereinigend, wölbten. . Hinter den kirschrothen, blühend geschwungenen Lippen blitzten zwei Reihen tadellos weißer Zähne, und die seingezeichnete Nase gab dem ganzen Prosit, das einer edel geschnittenen römischen Kamee glich, den Ausdruck charakter-- vollen Stolzes. Die Schönheit der Gestalt, aber hatte man dem jungen Mädchen durch eine grausame Mastkur, der jede Braut einige Monate lang unterworfen wird, schonungslos geraubt. Leibliche Fülle, d. h. Unförmlichkeit, gilt bei den tunisischen Juden als höchstes Schönheitsideal; je dicker, die Braut, desto begehrenswerther erscheint sie dem glücklichen Bräutigam. Das arme Wesen, das in meiner Gegenwart kopuliert werden sollte, war erst fünfzehn Jahre alt, aber hereits von einem Umfangender sie befähigt hätte, sich auf jedem Berliner? Ich dachte mir immer, dass diese wechselseitigen Verbindungen zu Stande kommen müssen, besondcrs da sich Flora stets für Felix warm interessirte." ״Ja, liebes Fräulein, da haben Sie 'Recht, diese Verbindung erwartet jeder, der einen. Einblick in unsere gesellschaftliche Verhältnisse hat, doch Felix" — Frau Süßkind heftete forschend ihren Blick auf Deborah, die ruhig denselben ertrug — ״ist wol sehr zuvorkommend und höflich, doch hat man nie benrerkt, dass er eine ernste Zuneigung für Flora empfände." ״Unsere Hannah sagte mir," sprach nun Frau Rachel, ״dass sich Herr Felix oft nach unserem Befinden erkundigte und große Theilnahme für uns an den Tag legte, besonders oft fragte er nach Deborah und er ersuchte Haunah auf's Eindringlichste, das Fraulein zu schonen, sie Nachts zu vertreten und Hannah mußte ihm im- - mer das heiligste Versprechen geben, unsere Deborah nach Kräften zu vertreten, einmal drückte er ihr sogar ein Goldstück in die Hand, das unser treues- Mädchen dankend zurückwies. Ich entnehm: aus diesem Betragen, dass Herr Felix Weinstein ein gutes, 'mitleidsvolles Herz haben müsse." , Frau Süßkind richtete einen vielsagenden Blick auf Deborah, doch schwieg sie taktvoll und leitete das Gespräch auf ein anderes Thema. Sie sprach von ihrem guten Manne, der nur noch diesen Sommer reisen werde, da er bereits einen Commis voyageur engagirt, den er mit seinen Reisen vertraut machen wolle, und wie ׳ sie sich freue, fernerhin kein so einsames Leben führen zu müssen, dann empfahl sie sich, indem sie Deborah bat, sie recht bald zu besuchen. Nun servirte Deborah den Caffee und plauderte heiter mit ihren Eltern, die glückstrahlend die ' heitere Miene und das lustige Geplauder ihrer Tochter beobachteten.'s

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