Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 31 (22.9.1887)
- Date
- 1887-09-22
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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zmtsfftützen werde. Redner behauptet, nur. die Inden seren Heutes große Kapitalisten, Adel und Geistlichkeit seiendägegeu verarmt. Abgeordneter Dr. Kronawetter erklärt, er habe auf Grundlage der demokratischen Grundsätze candidirt und müsse , deshalb allen nationalm und confeffionellen Angriffen auf das entschiedenste entgegen- ' treten. Nicht immer eine bestimmte Race sei absolut gut oder absolut schacht.. Der Vorredner sei im Jrrthum, wenn er glaube, nur die Juden seien corrupt und sonst Niemand, jeder Jude sei corrupt und korrupte Christen gebe es nicht. Er (Redner): müsse vermöge seiner Erfahrung anerkennen, er habe brave und honnete Juden gefunden unter seinen Studiengenoffen, .als׳Beamter und unter den Schriftstellern. Er habe immer die Korruption bekämpft und deshalb auch die Anträge der Antisemiten im Reichsrathe, welche gegen die Corruption gerichtet waren, unterstützt; für die Antisemiten - Petition aber könne er als Demokrat nicht eintreten. Man dürfe auch nicht glauben, dass jeder Jude reich und jeder Christ arm sei. Es gebe sehr viele arme Juden, und um durch die böhmischen Güter des Fürsten Schwarzenberg zu fahren, brauche der Eilzug drei Stunden. Gar. so arm sei auch die Geistlichkeit nicht. Er (Redner) könne nie und nimmer von dem Grundsätze der Gleichberechtigung aller Staats- Bürger abgehen und keiner Vorlage .seine Zustimmung gegeben, welche nicht die sachliche Corruptiou bekämpft. Der Kampf gegen das Judenthum sei eigentlich nur ein Kampf gegen das mobile Großkapital und dessen Excesse aber in einer ganz unklaren Form. Um hier Ab- Hilfe zu schaffen, müßte man trachten, dass man aus der Individual- Wirtschaft in eine Collectiv-Wirthschaft hineinkomme. Damit gelange man aber zur socialen Frage. Dass man diese lösen werde, indem män hie und da einen Juden schlage, darüber gebe man sich keiner Täuschung hin. (Heiterkeit und Beifall.) -Sodann wurde die Ver- Irauens-Resolution zur Abstimmung gebracht. Für dieselbe stimmten alle Anwesenden, auch die Antisemiten, mit einziger Ausnahme des Interpellanten, worauf die Versammlung geschlossen wurde. Irebitfch, 16. September. (Blinder Fanatismu's.) Hier in Trebltsch bestehen drei getrennte Gemeinden: Stadt, Unterkloster und Judengemeinde. Die zwei letzteren Gemeinden grenzen dicht aneinander. Als nun nach und nach die von den Juden verlassenen Wohnungen in der Judengemeinde durch christliche Arbeiter- Bevölkerung besetzt wurden, steigerte sich daselbst auch die Zahl der schulpflichtigen, überwiegend slavisch-kathölischen Kinder. Diese wurden, bevor noch der slavische Weizen gar so üppig in die Halme schoß, in den czechischen Schulen der beiden Nachbargemeinden untergebracht. ^orwemM,Jahren ׳Über undberweigerttn die Aiffnahnfr derm Her M; katholischen Kinder. Mit besosidtter ׳ LeidenschästlichAit betrieb fcfcV ׳ Schulleiter^ ist Unterkloster, Felix Prerovsky, die Agitättoitz" M! JHengemeinde!zu zwingen, aG ihremTerritorium. 7eine? Volksschule : mit j czechischer Unterrichtssprache zu errichten, und,.mach etwa, drei Jahre, andauernd Jnstanzenzvges wurde die angefochtene Errichtung einer czechischen Schule in der Treb'itscher Judengemeinde^ durch eine endgilüge Ministerial-Entscheidung aufgetragen. Während' der Zeit des Processes/ als die katholischen Kinder die deutsche Volksschule in ׳ der׳ Judengemeinde besuchten, mussten sie, um den Religions-Unter^ richt zu erhalten, zum Katecheten in die. Unterkloster-Schule gehen. Dort aber behandelte man die armen Kinder sehr rücksichtslos; diese katholischen Kinder dursten auch bei grimmigem" Froste nicht das . Lehrzimmer, betreten, bevor der Katechet kam, und in der.Kirche bei dem Gottesdienste und bei den Religions-Uebungen wurden diese Kinder in Gegenwart ihrer Eltern mit dem Rufe: »Zidi naspatek!« (Zurück, ihr Juden!) zurückgedrängt. Zu Beginn des saufenden ,Schuljahres wurde neben der früheren deutschen Gemeindeschule die neue czechische activirt. Bei der Aufnahme zum -Schulbesuche optirten die christlichen Eltern theils für die deutsche, theils für die czechische Schule, und dabei entfiel auf jede derselben beiläufig di? Hälfte. Der Obmann des Ortsschulrathes drang'nun darauf, dass auch, die katholischen Schulkinder an der deutschen Volksschule dem Gottesdienste zum Beginne des-Schuljahres beiwohnten. Als diese Kinder aber in der Kirche ausgestellt waren^. trat der katholische Priester, Herr Pfarrer Nevoral, vor sie hin und rief ihnen in ׳ czechischer Sprache die Worte zu: ״Was wollt ihr hier, ihr Juden?" Weutra. Als sich Se. Majestät gelegentlich der großen Manöver in Neutra aufhielt, sollte dem Empfange der Deputationen nach dem festgestellten Programme .nach der Deputation des Komitats jene des Gerichtshofes und der sonstigen Staatsbeamten empfangen werden. Der mit dem Arrangement betraute Ministerialrath Jekelfalussy - ordnete jedoch an, dass zuerst die Deputation d'er israelitischeu Kultusgemeinde an die Reihe komme. Ursprünglich war letztere in. die Reihe der Deputationen der übrigen Konfessionen ausgenommen gewesen. Im letzten Momente aber war das Programm derart geändert worden, dass die jüdische Gemeinderepräsentanz .als letzte Deputation hätte empfangen werden sollen. Der Vorstand dev Kultusgemeinde wendete sich auf telegraphischem Wege an den Minister Baron Orczy und an'den Obergespan. Die Beschwerde 'fand - die Miscellen. Aas HLecept. Ein Darschan predigt am Jom Kippur: ״Meine Herren! Es steht so mancher hier und sagt das ganze Machsor durch, und wenn Jom Kippur vorbei ist, ist er doch nicht gebessert. Hört ein ״Moschelchen"? Ein Arzt gab einst einem Kranken ein Recept, davon sollte er im Wasser aufgelöst 3 mal täglich einen Löffel voll einnehmen. Nach 8 Tagen kommt der Sohn des Kranken und berichtet, der Vater ist-gestorben. ״Das kann nicht sein", schrie der Arzt, ״hat er mein Rezept nicht genommen"? — ״Doch, aber es wurde immer schlimmer." — ״Dann hat er es nicht nach Vorschrift genommen?" — ״Doch, wir thaten es in Wasser und er nahm 3 mal täglich einen Löffel voll." — ״Was tharet ihr ins Wasser? — ״Nun, was sie uns gegeben: Das Recept." — ״Das Papier? Wart ihr nicht in der Apotheke?" — ״Apotheke? Sie sagten ja nichts davon." — ״Ja, dann freilich ist cs kein Wunder", sprach der Arzt, ״das Papier konnte den Kranken nicht helfeil, das war nur eine Anweisung auf Medizin, die Ihr aus der Apotheke holen solltet." Solche Papiertrinker sind gar viele Pijut-Sager! Das Machsor ist ein Recept, die Apotheke ist in! Himmel, der Apotheker ist der Heilige, gelobt sei er. Der Beter soll sich die Medizin aus der Apotheke holen, die in den Machsor-Recepten verschrieben sind. Wer so verfährt, dem werden die Recepte helfen, die werden nicht ungebessert die Synagoge verlaffen. Die aber nicht die Medizin, sondern das Machsor verschlingen — — deren Zustand kann sich nicht verbessern, sondern, eben durch das Recept, nur verschlimmern." Ion! Kippur sicht vor der Thüre!-Merkt Euch! Dr. Goldschmidt-Birkenfeld. ״Kappores Umschlagen" ,das war ursprünglich eine höchst humane Sitte, wenn auch etwas Aberglaube mit dazwischen floß. Wenigstens hatten die armen Leute, denen ursprünglich die ״Kappores" geschenkt wurden,- zum Eingang, und Ausgang des Jom Kippur eine gute Hühner-Brühe' und einen guten Hühner-Braten. Allmählich-ist das Humane entschwunden und׳ uur der Aberglaube ist zurückgeblieben, wie leider bei so vielen. Die ״Kappores" werden nicht mehr an arme Leute verschenkt, sondern prangen auf der Tafel derer, die ihre Sünden dem Hahn oder der Henne zedirt haben. Im Tempel dürften die -Priester von ihrem eigenen Mehlopfer nicht essen: die heutigen Kappores-Herumschläger lassen sich ihr eigenes — —-Sündopser wohlschmecken! Ein großer Geizhals wollte aber sich selbst dieses Pläsir.nicht gönnen und — ״Kappores - herumschlagen" . Er geht auf den Markt und sieht da eine Frau, mir einem Korbe prächtiger ״Kappores". ״Was soll der Hahn hier kosten?" fragte der Geizhals. 15״ Groschen" ״Oßer", sagte der Geizhals und nimmt den Hahn in die Hand; ״er ist ja viel zu theuer" — schwingt ihn um den Kopf, als ob er ihn besehen wollte und sagt schnell: se kckalifossi! ״Wollt Ihr ihn nicht billiger geben?" — ״Nein!" Noch einmal um den Kopf, behufs genauerer Prüfung natürlich, und --sek temurossi! ״Etwas könnt Ihr doch Nachlassen?" —- Keinen Pfennig!" — Noch einmal um den Kopf: sek kapporossü — ״Wie viel wollt Ihr denn geben?" stagte endlich die Frau. ״Ich brauchte ihn zum Kappores," sagt der Geizhals, jetzt habe ich schon ״Kappores herumgeschlagen!" — Tableau! Magdeb. Wochenschr.