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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1887-09-22 · Heft 31 (22.9.1887) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 31 (22.9.1887)
Date
1887-09-22
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Composition ihr volles Recht zu lassen und auch unbMLstigt. vor- Idem- Publikum zu . stehenhalte dann aber auf eine strenge Meibe- Hqltung^des Zeitmaaßes im Vor- und Nachspiele des Begleiters, —- fo:M>ird es^- schon das Beste sein - und: bleiben! ׳״_ Unerträglich ist auch die Gewohnheit mancher Dirigenten, dem Publicum durch bedeutsames Kopfnicken) Aufblicken, gewaltsames Gesticuliren und carrikirtes Tactiren begreiflich machen zu wollen, dass von ihrer werthen Person, von ihrem Zauberstäbe alles Gelingen allein abhängt. Mag ein lebhafteres Anzeigen und Bedeuten, ja selbst Zurufen unb lautes Tactschlagen in den Proben zu einer größeren Musikaufführung vielleicht manchmal am Platze, ja sogar von Nöthen sein, so mnß doch alles auffällige und eindringliche Gebühren bei der Aufführung selbst entschieden in Wegfall kommen. Denn man darf wohl annehmen, dass die Musiker und Sänger nach einer Reihe von Proben mit den Absichten ׳ und Wünschen des Dirigenten zur Genüge bekannt und vertraut sein müssen, um jeder hampelmännischer Telegraphie vor dem Publicum entrathen zu können. — Was soll man aber dazu sagen, wenn Capellmeister sich so weit vergessen, Angesichts des Publicums mit den Füßen aufstampfen, um ihre Leute in Täct zu bringen? Wird da nicht auch bildlich jeder feine Tact mit Füßen getreten? .Hört da nicht aller gute Ton auf, den man doch vor allem vom Tonkünstler zu verlangen berechtigt sein sollte? Wennnun solche Ungezogenheiten im Theater oder im Concertsaale berechtigten Anstoß erregenso sind sie in der Synagoge oder Kirche als Profanation des heiligen Ortes geradezu zu verdammen. Alles Aufsehen erregende muß gewissenhaft vermieden werden, denn nicht allein die musikalische Composition, welche zu einer kirchlichen Feier bestimmt ist, sondern auch die gesangliche Wiedergabe geistlicher Werke bedingt einen eigenthümlichen Styl, der sich von allen wettlichen Elementen möglichst frei halten und hüten muß, die lärmenden oder schmuckreichen Effecte heranzuziehen, welche der Bühne eigen sind und dort auch ihre Berechtigung haben. Ein geistreicher Musiker sagte, als er gegen die.Vermischung kirchlichen und. weltlichen Styles und die charakterlose Vortragsweise seitens mancher Sänger eiferte, man würde oft nicht wissen, ob man in der Kirche oder im Theater sei, wenn man an beiden 'Orten Eintrittsgeld zahlen müsste! — Man hat vor einiger Zeit Vieles. über das unverkennbare Schwinden edler Gesangskunst geschrieben und mannichfache Mittel und Wege in Vorschlag gebracht, um dem traurigen Verfalle der Kunst zu steuern und Einhalt zu thun. Da sich wohl kaum annehmen lässt, dass die gütige Natur seit einer langen Reihe von Jahren in unserem großen deutschen Vaterlande lauter ganz stimmlose Menschen ' geschaffen habe und auch jetzt noch gleich stiefmütterlich in Bezug auf die Gesangsbegabung unserer Zeitgenossen verfahre — so kann die Schuld, dass nichts Gescheites niehr zum Vorschein kommt, nur an Len Menschen selbst liegen, und zwar muß sie ebensowohl die Lernenden als die Lehrenden treffen; die Ersteren, weil sie es an dem nöthigen Fleiße, der Geduld und Allsdauer im Studium fehlen lassen, ohne welche in keiner Kunst etwas erreicht wird, — die Letzteren, weit sie nicht diejenigell Wege der Lehre einschlagen, die allein zur künstlerischen Ausbildung der jungen Sänger führen können. Welche. Wege sind das aber? Seltsam, dass unsere modernen Kunstreformatoren so oft den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen! Wenn man von einem Verfall der Gesangskunst spricht, so muß doch natürlich eine Zeit der Blüthe vorallsgesetzt werden, denn eine Kunst, die nicht geblüht hat, kann auch nicht verfallen! Wo hat denn aber die Gesangskunst geblüht? In jenem Lande, wo Palestrina und Allegri ihre Kirchenmusiken geschrieben, wo Rafael Sanzio feine Madonnen, Michel Angela sein Weltgericht gemalt, wo Brunelleschi seine Paläste gebaut, Taffo und Ariost ihre Heldenlieder gesungen haben; in jenem Lände, bent noch heute alle bildenden Künstler sehnsuchtsvoll zueiken, um ihe Stndien dort inmitten der alten Pracht und Herrlichkeit zu vollenden: in Italien. Dort stand die Wiege dev Gefangskunst, von dort kamen nicht einige wenige, nein Legionen der größten Sänger .und Sängerinnen, die in den Pflanzstädten edler Sangeskunst, den Conservatorien von Neapel und Venedig, und den Kunstschulen in Rom, Mailand, Bologna und Florenz zur höchsten Stufe der Vollkommenheit ausgebildet wurden. Von Italien kam die Kunst und Lehre des Gesanges nach Deutschland, und alle unsere großen Sänger haben ihre Triumphe italienischer Gesangsmethode zu danken. Denn auch die deutschen Lehrer hatten ihre Schule von italischen Meistern überliefert bekommen und waren ihrerseits bemüht, diese goldenen Lehren edler Tonbildung u. s. w. auf ihre Schüler fortzupflanzen und zu übertragen. Was thut nns also Noth? Zu jenen Regeln und Lehren edler .Kunst zurückzukehren, die wir von den Italienern überliefert bekommen und die sich an Tausenden von Sängern als heilbringend und unfehlbar bewährt haben. Ihre Lehrer verlangten aber auch von ihren Schülern ein mehrjähriges, eifriges und rastloses Studium des Gesanges, und sie verstanden es, den nöthigen Eifer und die erforderliche Ausdauer bei ihren Jüngern wachzurufen, da sie den wissbegierigen Schülern Jahre lang den ganzen Schatz ihres umfassenden Wissens mittheilten und nicht mit ihrem Latein in wenigen Monaten zu Ende waren! — Dass wir für das deutsche musikalisches Drama allerdings noch andere Ansprüche an unsere Sänger stellen müssen, als die oftmals mehr auf sinnlichen Tonreiz gerichteten Bestrebungen mancher italienischen Meister erfüllen können — ist eine andere Sache, eine Wahrheit, von der Niemand tiefer durchdrungen fein kann, als der Verfasser dieser Zeilen. Doch werden deshalb die Traditionen der alten Italiener in Betreff edler Tonbildung, geschickter Athembehandlung, mit einem Worte : der gesummten Technik (nicht als Zweck, sondern als Mittel) für die deutschen Sänger niemals weniger wichtig, oder gar entbehrlich werden. Unsere deutsche Bildung lässt uns noch Mancherlei hinzuwünschen, was den Geist und die Wahrheit des dramatischen Vortrages anlangt, doch ist gerade im Bezug auf diese Lehren (soweit man dergleichen überhaupt lehren -kann) unser Vaterland durchaus nicht arm an trefflichen Lehrkräften, da es reich an Denkern, reich an guten Musikern ist! Wohl aber fehlt es an Solchen, die den Grund zu jener Vollendung durch eine richtige und rationelle Bildung und Erziehung der Stimme zu legen wüssten, und hier bleiben ewig die alten Italiener un'ere Meister! Nie Juden in SutonW. Einer interessanten Skizze von A. Strauß über die Hafenstadt Salonichi am Meerbusen gleichen Namens, nach Constantinopel die größte Handelsstadt der Türkei, entnehmen wir nach der ״isr. Wochenschrift" in Magdeb. folgende interessante Darstellung: Salonichi ist eine jüdische Stadt; der überwiegende Theil der Bevölkerung besteht aus Juden. Doch zeigen diese einen ganz anderen Charakter und sie haben ganz andere Sitten und Lebensgewohnheiten als die in Europa allgemein bekannten Juden. Die Ursachen, weshalb die spanischen Juden in Salonichi und in der Umgebung dieser Stadt sich so massenhaft niedergelassen, weshalb sie da eine dichte Colonie gebildet haben, diese Ursachen werden sich erst ergründen lassen, wenn die Dokumente durchforscht sein werden, welche die gelehrten Juden jener Zeit hinterlassen haben. Unter den hiesigen Juden gibt es — dies lässt sich sofort feststellen — nicht einen

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