Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 31 (22.9.1887)
- Date
- 1887-09-22
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Cisternen, als auch aus offenen Quellen, welche aus dem Boden hervorsprudelten und "׳״מים זדים lebendiges, eigentlich frisches Wasser genannt wurde, im Gegensätze zu dem stehenden Wasser in Cisternen gesammelt. Gegrabene Brunnen mit Quellenwasser gehörten zu den Seltenheiten und erhielten auch zufolge ihrer Wichtigkeit eigene Namen. ״Jsak grub Brunnen," erzahü die heilige Schrift, “ויקרא להן שפות* und gab ihnen Namen, wie sein Vater Abraham sie nannte." Auch knüpften sich an manche Brunnennam en historische Ereigniße, so nannte Jsak seine Brunnen, die er gegraben: "עשק—שטנה uni)רחובות* (1. M. K. 26) Die wasserleeren Cisternen dientey in alter Zeit auch als Gefängniße. In eine solche Cisterne wurde Josef von seinen Brüdern geworfen, daher, der Zusatz:"״והבור ריק אין בום ים/ Die Cisternen waren leer, es war gerade kein Wasser darin (1. M. 37/24). Die Cisternen spielten auch eine wichtige Rolle, als die Jsrackiten zur Zeit des Tempels in Jerusalem dreimal im Jahre an dm historischen Festtagen dahin wallfahrten; durch weite Wüsten, zogen, woher sollten diese Tausende von Männern, Weibern und Kindern genügendes Waffer hernehmcn? Da waren es ebenfalls die Cisternen in der Wüste, welche aushalfen. Mine schöne Legende hierüber erzählt uns der Talmud (Taanis 20.). ״Es war eine Zeit der Dürre, die meisten Cisternen waren bereits leerend kein Regen tritt ein, um sie zu füllen. - Die jüdischen Wallfahrer waren der größten Abensgefahr ausgcsetzt, in der Wüste vor Durst zu verschmachten. Ein Heide, hatte zufällig noch zwölf mit Wasser gefüllte Cisternen. die zerstreut in der Wüste lagen. An ihn wandte sich Nakdimon ben Gorjon, ein sehr reicher und frommer Mann in Jerusalem, und borgte sich die zwölf mit Wasser gefüllten Cisternen für die Wallfahrer aus, unter folgender Bedingung: Cs wurde eine kurze Frist festgesetzt, wenn es bis zu diesem Termine nicht regnen sollte, und die Natur die Schuld nicht abzahlt, so verpflichtet sich Mkdimon dem Heiden zwölf Kikar Gold für das Wasser zu bczahlen. Das Geschäft wurde abgeschlossen, die jüdischen Wallfahrer hatten die Cisternen geleert, der besttmmte Tag erschien, aber noch immer kein Regen. Da schickte der Heide am Morgen des letzten Tages um seine zwölf Kikar Gold. Aber der fromme Nakdimon ließ ihm fagen, dass er noch bis Sonnenuntergang Zeit habe. Der Heide lachte, denn der Himmel war. rein und keine Spur von Regen wahrzunehmen. Es wurde Abend, der Heide ging fröhlich ins Bad, aber schlich tiefbetrübt in das Heiligthnm und betete um - Regen. Da auf einmal umzog der Himmel sich mit dichtein Gewölke. . In Strömen goß die Flut herab, und füllten sich nicht nur die Cisternen, sie überfluteten sogar. Der Heide, kam soeben vom Bade zurück und Nakdimon aus dem Tempel, sie begegneten sich. Da sprach Mkdimon. Jetzt mußt du mir den Ueberschuss an Wasser bezahlen; aber der Heide protestirte, die -Sonne war bereits untergegangen, die festgesetzte Frist vorüber,׳ und hielt seine Forderungen aufrecht. Und Nakdimon ging wieder in beh Tempel, er betete abermals inbrünstig, dass die Sonne wieder zum Vorschein komme, und Gott erhörte das Gebet des frommen Mannes. Ein Wind erhob sein mächtiges Wehen, er verscheuchte die Wolken, die Sonne trat wieder in ihrem strahlenden Glanze hervor, und der Heide musste sich zufrieden stellen." Diese Legende erinnert uns an zwei-historische Vorfälle, an den Propheten Eliahu an! Berge Cärmel,. als er, nachdem der Glauben in Israel wieder hergestellt wurde, nach langer Dürre ebenfalls bei heiterem Himmel zu Gott um Regen gebetet, und sein Gebet erhört wurde (4. Kön. K. 48.). Ferner.als Josua in der Schlacht ber Gibeon die kananiüschen Könige besiegt, und die Nacht hereinbrach, zu Gott betete,-"״שמש־ בגבעון רוב dass die Sonne in Gibeon.stillstehe und nicht untergehe, bis das Volk den Feind geschlagen", und Gott erhörte fein Gebet (Josua, K. 40). Bei Nakdimon spielten sich beide diese Wunder beinahe gleichzeitig ab. Wie verstehen wir aber die Stelle (Das. V. 44), welche lautet: ולא היה כיום ההוא לפניו ואחריו לשמוע י״י בקול איש“, Einen solchen Tap gab es nicht früher und wird später keinen geben, dass Gott aüf die Stimme eines Menschen gehört batte." Wie, hat Gott einen Eliahu, einen Nakdimon und früher wie später auch andere fromme Männer nicht erhört? Darum machten wir auf diese Stelle besonders aufmerksam, und wollen unsere Meinung darüber äußern. Alle die anderen Männer haben zu Gott gebetet, und Gott hat ihre Stimme erhört. Nicht so scheint es bei Josua in Gibeon gewesen zu sein. Der Feldherr har im Eifer und im Drange der Schlacht gar nicht Zeit und Muße zum Gebete gehabt; es war mehr ein Befehl, ein Gebot an die Sonne, dass sie stehen bleibe. Darauf deuten die Ausdrücke: ׳•אז ידבר יהוש על י״י Damals redete Josua zu Gott, also nicht gebetet; ferner ״ ויאמר לעיני ישראלEr sprach es aus vor den Augen der Kinder.Israel, wie er andere Befehle ertheilt hat; auch der Ausdruck: "׳,לשמוע' בקול איש zu hören auf die Stimme, auf den Befehl eines Mannes", deutet unzweifelhaft darauf hin, dass r Josua nicht gebetet, sondern der Sonne den Stillstand zugerufen hat. Ja, solch ein Vorgang war nicht und wird nicht sein. (S. Jalk. z. St.) . ־W.r . Aphorismen ans Sem Gesangsleben. ׳ Manchem unserer fingcrgewandten Virtuosen scheint es gar nicht in den Sinn zu kommen, dass auch das freie Präludiren am Flügel, vor dem Anfang eines Musikstückes seine Bedeutung hat, indem es in sinniger Weise auf das Lied oder die Arie vorbereiten soll, die Nachfolgen wird. Oder ist es nicht ebenso lächerlich und abgeschmackt wenn eine heitere, lebendige-Arie, mit einem choralartigen, -durch alle möglichen Tonarten modulirendett und mit Vorhalten reich gewürzten-Präludium eingeleitet wird — als wenn dem geisterhaften Grabgesang von Beethoven »In questa tomba oscura« eine süß melodische, mit Doppelschlägen und Trillern überladene Fantasie Seitens des Accompagnateurs vorausgeht? Und doch kommen dergleichen Geschmacklosigkeiten-alle Tage vor! So hörten wir als Einleitung zu der herrlichen Edur Arie der Leonore Beethovens Fidelio . ״Komm' Hoffnung, lass den letzten Trost" von einem solchem Finger- Helden -eine donnernde Scala in E mit aufgehobenen! Pedal durch alle Octaven hindurch sausen und brausen, an welche sich, da die junge Sängerin das Recitativ im Salon nicht sang, unmittelbar jenes zauberhafte Larghetto anreihte!! — Muß man bei solch' einem Musikanten nicht mit dem sel. Dehn sagen, dass sein alleiniger Werth in׳ den dreffirten und exercirten Fingerspitzen sitzt, und dass der ganze Kerl aber auch zu gar nichts zu brauchen ist, sobald man ihn mit einer Nadel in den Finger sticht? Eine große Geschmacklosigkeit der Accompagnateure liegt auch darin, dass sie das Vorspiel, und noch öfters das Nachspiel, eines Liedes oder einer Arie in dreifach beschleunigtem Tempo abjagen, als ob die Theile der Composition, bei welchem der Gesang schweigt, gar nicht zum Stücke gehörten! Scheint einem das Nachspiel — der Abschluß der Begleitung— zu einer Arie zu lang (und es hat in der That für den Coucertsänger etwas Peinliches nach Beendigung seines Vortrages noch 46—20 Tacte eines langsamen Tempo hindurch stehen zu bleiben und dem Begleiter zuzuhören) — so lasse man dasselbe lieber fort, ehe mau durch ein ungeschicktes Eilen den ganzen Eindruck des Gesanges und der Composition verwischt und zerstört! Freilich bleibt die. Verstümmelung eines Kunstwerkes immerhin eines Künstlers unwürdig/ dashalb gewöhne sich der Sänger daran, der