Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 30 (12.9.1887)
- Date
- 1887-09-12
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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— b — mir Briman ungesagt Mer die Beziehungen des Jesuiten - Ordens und einiger Hoher geistlicher Würdenträger zur amisemitischeu Partei gemacht hat und welche er durch in feinen Händen befindliche Papiere «weisen zu können behauptete. Ich führe dies heute an, damit die öffentliche Meinung in der Lage ist, an dieser einen Thatsache die Persönlichkeit Briman's und feiner Patrone zu meffen, und ich darf mich wol darauf beschränken, Len ganzen Inhalt dieses famosen Protokolls, die mir darin.in den Mund gelegten Aeußerungen, den mir imputirten Erpressungs- und Bestechungsversuch an Briman als eine plumpe Erfindung zu bezüchnen. Welcher Art muß ein Publicum sein, dem man solche Kost aufzutischen wagt? Mt vorzüglicher Hochachtung Dr. Friedrich El bo gen. Kleine Chronik. Wie«. Ein Wort, recht. inhaltsschwer, das geht von Mund zu Munde; dieses Wort ist von besonder« m Werthe, da es in einer Zeit gesprochen wurde, in welcher der Racenkampf mit der größten Verbissenheit geführt wird, und weil es von einem Manne ausgesprochen wurde, welcher die Mission hat, an der Spitze eines Ressorts belehrend und aufklarend zu wirken und die Erziehung der. Jugend zu überwachen. Minister Dr. v. Gautsch zählt heute schon zu den volkstbümlichsten Männern der Monarchie. Man weiß, dass er hoch Mer den sich unbarmherzig . befeindenden Parteien steht, dass sein Streben und Wirken ausschließlich von Rücksichten für das gemeinsame Wohl geleitet werden, dass bei all seinen Handlungen ihm lediglich das Interesse des Staates vor Augen schwebt, und dass er endlich Energie und Kraft . genug besitzt, um den Strömungen des. Tages Widerstand zu leisten. Bezeichnend für ihn und seine Gesinnung, die in dieser ünbeilschwangeren Zeit nicht unterschätzt werden Lars, ist eine Aeußernng, die er, wie man uns mittheilt, vor Kurzem^ einem jungen Gelehrten gegenüber laut werden ließ, eüt Wort, das von Mund zu Mund geben und in den Herzen Aller Einlass finden sollte. Die Besetzung der Lehrkanzel für pathologische Anatomie an der Universität zu Innsbruck war ausgeschrieben Da meldete sich zur Audienz beim Minister ein junger Docent, Herr Dr. Moriz Löwith, der sich unter Anderen ebenfalls um diese Stelle beworben hatte. ״Exzellenz," sprach der junge Gelehrte, ״ich habe mich um die Stelle beworben und halte es auch für meine Pflicht, mich Ihnen vorzustellen, obwohl ich weiß, dass meine Prätension eine völlig aussichtslose ist, zumal jetzt, in einer Zeit, wo es zwecklos erscheint, gegen die Macht der Vorurtheile, gegen den Einfluss des Racenhasses anzukämpfen." Der Minister hörte den jungen Gelehrten, dessen Oualification, dessen ernstes Streben, dessen Fleiß und Tüchtigkeit ihm wohlbekannt waren, ruhig an, worauf er ihm antwortete: ״In gewisser Beziehung ist es leider so; was jedoch mich betrifft, mögen Sie überzeugt fein, dass ich in der Wissenschaft keine konfessionellen Unterschiede kenne." Einige' Tage später brachte die ״Wiener Zeitung" in ihrem amtlichen Theile die Beruftlng des Docenten Dr. Moriz Löwith als Professor auf den Lehrstuhl für pathologische Anatomie an der Universität zu — Innsbruck. Hroßrvarderrt. ״Ein wahrhaft apostolischer Geist, der Geist der Liebe und der Duldung, weht durch die Ansprachen, welche der neu ernannte Bischof von Großwardein, Dr. Schlauch, anlässlich seiner feierlichen Inthronisation an das gläubige Volk, an die ka- Holische Geistlichkeit und an die protestantischen und israelitischen Vertreter gerichtet hat. Bischof Dr. Schlauch ist einer der gelehrtesten rmd kunstsinnigsten Männer des heutigen Ungarn. Er hat es verstanden, mit den Pflichten feines Amtes die Liebe für sein Vaterland und einen vorurtheilslosen Blick für die kulturellen Aufgaben der Menschheit zu vereinen. Der Diener der Kirche wie der Diener des Staates, der Priester wie der Mensch sprechen in gleich edlem Sinne aus diesen Reden. In feiner Ansprache an das Volk bezeichnete Dr. Schlauch als die Aufgabe des Glaubens, die Wissenschaft zu verkünden, die vom Himmel stamme und zu Gott führe; die Moral zu verkünden, die ihre Quelle im Evangelium hat. Er betonte seine unerschütterliche Treue zu König- und Vaterland wie zu Papst und Kirche, er betonte seine Liebe zur Menschheit. Den ungarischen Clerus ermahnte er zum eifrigen Studium der Culturgeschichte, der Naturwissenschaften und der ungarischen Rechtsgeschichte. Nicht von der Verdunkelung des Geistes, nicht vom finsteren Obscurantismus, sondern vom Lichte der Wissenschaft, von der fortschreilenden Aufklärung des'Volkes erhofft ׳der neue Bischof von Großwardein den Sieg jener Religion, welche er als die Religion der Liebe und der Toleranz pries. Die Worte, welche er an die protestäntische und israelitische Deputation richtete, verdienen in dieser - Zeit des Glaubens- und Racenhasses, in diesen Tagen schmachvoller Verrohung des Geistes mit tausend Zungen verkündet zu werden- ״Ich habe jederzeit die Ansichten Anderer geachtet", so sprach Dr. Schlauch zu den Vertretern der protestantischen Gemeinde, ״und für meine Ansichten gleiche Achtung gefordert. Gegenseitige Rechtsachtung ist die sicherste Bürgschaft-des Friedens, Ich werde diesen Frieden niemals stören. Wir haben einen gemeinsamen Brennpunkt, das Vaterland." Und zu den Vertretern der israelitischen Cultüsgemeinde sagte er: ״Die Liebe ist das Fundamental-Dogma meines Glaubens und meiner Kirche; und gleichwie dieser Gedanke alle ihre Gebote durchzieht, so steht es lebhaft jedem katholischen Geistlichen vor Augen, wenn er mit denen verkehrt, die nicht, seiner Kirche angehören. Die Liebe ist das characteristische Denkmal, woran inan den guten Katholiken erkennt. Deshalb, meine Herren, gleichwie ich jener Strömung, fernstehe, welche diesen Gedanken verläugnet, ebenso wollen Sie auch bezüglich meiner hiesigen Thätigkeit auf meine Zuvorkommenheit.und- Rechtsachtung rechnen. Ich bin überzeugt, dass auch Sie mir wie meinen Gläubigen gegenüber dieselben Gesinnungen bethätigen werden?" Das ist die Sprache des wahren, von der Heiligkeit seines Berufes erfüllten Priesters Münz kau: Am 7־. September, 4 Uhr Nachmittags, durchzog eine nach vielen Hunderten zählende Menschenmenge im Festgewandr die Stadt Zittauin Sachsen. Von den Nachbargemeinden Görlitz, und Bunzlau. trafen Deputationen ein, um eine Feier zu begehen, die in den Mauern dieser Stadt seit Menschengedenken nicht begangen, wurde. Ein jüdischer Friedhof sollte durch beredten Mund geweiht und geheiligt werden. Unterzeichneter, als Ehrengast, war Zeuge dieser erhebenden Feier. Die junge Gemeinde, unter der musterhaften Leitung ihres Vorstehers Herrn M. Glaser und der. beigeordneten Herren Goldstein und Gallewsky,.ließ es an Zeit, Mühe und Opfer nicht fehlen, um auch ein Beth-Hachajim zu erwerben. Einer mehrjährigen, sorgsamen Arbeit bedurfte es, um die Mittel zu dem Grundcomplexzu erlangen. Dank den ehrenwerthen Männern der sich entwickelnden Gemeinde, in denen das jüdische Herz die Oberherrschaft behält. Die Leichenhalle gewährt einen freundlichen Anblick, an deren Ostfeite sich die Cermonienhalle mit einer kleinen Kanzel befindet. Nachdem die Leichenhalle von" den städtischen Corporationen, Behörden und Ehrengästen gefüllt und besetzt war, stimmte der israel. Schülerchor einen gut geübten Choral an, den die kleine Gemeinde recht wacker durchführte, Herr Ortsprediger Neubauer bestieg die Kanzel und recitirte mit bewegter Stimme den 23. Psalm, worauf er durch ein erhebendes Gebet die Weiherede einleitete. Den Kernpunkt der vortrefflichen und ergreifenden Predigt bildete der Bibelspruch Genesis, Cap. 23- Vers 4. ״ גר ותושבFremdling und Beisasse bin ich bei Euch, gebet mir ein Eigenthum zum Begräbnis bei Euch, dass ichbegrabe meinen Todten von meinem Angesichte hinweg". Der religiös sittlichen Gemeinde fällt in erster Reihe die Aufgabe zu, Institutionen ins Leben zu rufen, welche für Lebende und Todte eine Stätte der Pietät, ein Zeichen der Toleranz von Andersdenkenden und Andersglaubenden bekunden: Denn wo Mistrauen und Kälte, wo widerwärtige Empfindungen der Lieblosigkeit und Bitterkeit die Bewohner eines Staates oder einer Stadt trennen, die Bande der Herzlichkeit und Eintracht auflösen, die Gefühle des Wohlwollens, des Mitleids, der Erbarmung ertödten, da ist Verderben auf Erden, Entartung in den Herzen! Aber wo Vertrauen und Wärme des Gefühls, wo die sanften, humanen Regungen der wahren Menschenliebe die Gemüter zu einander hinziehen, da ist der Himmel auf Erden, da preiset jeder Mund den einig einzigen Herrn -des Himmels und der Erden, da entstehen dieherrlichsten. Regungen derechten Menschlichkeit und Bru- .dertreue. Wahrlich nicht für den Tod allein sei unser Wirken und Streben, nein, auch für das Leber!; für das Leben hienieden, für das-