Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 30 (12.9.1887)
- Date
- 1887-09-12
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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— 5 — - Der!'CaiWV habe sich "besonders vorzubereken, er lese eilld ring- - Hchdre!ReheG Md'den Festtagen einigemal, er lese, falls er der Wischen Sprache?nicht )nächtig ist, die UebersetzungL derselben, damit -er VM Inhalte ganz durchdrungen sei, denn je mehr, er sie-versteht, desto größer ist die Wirkung derselben. Misere Rabbiner sagen: המתפלל וטעה פימ;1^ ל^מול daher übe sich der Vorbeter׳ in den Gebeten und an vielen Stellen denke er׳ au die :®orte: במקום רגה מם תה^ תפלה-> anstatt Gesang soll andächtiges, Herz und Geinüth. ergreifendes Gebet, .sein. Die. erhabensten und erhebendsten Gebete am Noschhaschönoh und Jomkipur verfehlen'ihre Wirkung auch deshalb, weil sie. so oft im .Jahre auf Hochzeiten und sonstigen Gastmählern unter Jauchzen und Trinken rezitirt ^werden, dadurch werden sie profauisirt und verlieren ihren Werth, daher sollen die Herren Cantoreu diesen Unfug meiden. — Wenn, die Prediger und Cantoren diese Regel beherzigen, daun sind sie Faktoren der erhebenden Andacht. Siklos, im September 1887. Aron Roth , _ . - Bezirks-Rabbiner. Eingesendet. Geehrter Kerr Uedactenr! Das. von Abbe Victor herausgegebene Buch enthält eine solche .Fülle meine:Person betreffende Unrichtigkeiten, dass auch ich mich veranlasst sehe, um Raum in Jhremgeschätzteu Blatte für die nachstehende Abwehr nachzusnchen. ׳ Es ist zunächst unwahr, dass Briman's Verhaftung durch mich veranlasst, und . unwahr, dass,gegen ihn von mir eine Anzeige erstattet wurde. Ich stand der Anzeige wie der Verhaftung. gleich fern. 'Nicht minder unwahr ist die Behauptung, ich sei' behufs Hintertreibung einer in Innsbruck ins Werk gesetzten Talmud-Uebersetzung von der ״Judenschaft" dahin gesendet worden. Ich habe diese Reise auf ״Damit stimme ich vollständig überein, doch Sie meinen sicherlich damit nur die großen Geister, deren Werke 'Epoche machend für Litteratur und Wissenschaft sind". ״Sie entschuldigen, geehrtes Fräulein, wenn ich Ihnen da widerspreche, wir leben in einer Zeit, in der das Vorurtheil gewichen, in der sich Jeder selbst durch eigene Kraft seine Stellung erringt; die Macht des Kastengeistes ist gebrochen, und jeder gebildete Mensch wird die Person ohne Rücksicht auf ihre Abkunft beurtheilen. Wenigstens in der Residenz habe ich dieses Urkheil bestätigt gefunden." ״Und ich wünschte vom Herzen", erwiderte Deborah, ״dass dasselbe auch in den größeren und kleineren Städten der Provinz Eingang fände; vielleicht überzeugen Sie sich, dass diese erwünschte Leit für uns noch nicht gekommen ist". ״Das würde mich dann sehr unangenehm berühren und einen kleinen Wermutstropfen in meine philantropischen Gesinnungen träufeln", sagte Behrens aufstehend. ״Dann thut es mir leid, unser Gespräch auf dieses Thema gelenkt zu haben, denn ich wünsche, dass die Wahrnehmung Sie unberührt lasse und in Ihren Gesinnungen keine Aenderung hervorrufe, die Menschen sind ja im Grunde gut und werden nur von den Verhältnißen beeinflußt. Auch mich würde mein ausgesprochenes Urteil weniger zurückhalten, die Gesellschaft, in der ich gewünscht werde, zu besuchen, als mein angeborener Hang zur Zurückgezogenheit". ״Das bedauere ich aufrichtig, wertes Fräulein, denn mich zieht die Gesellschaft schon deshalb an, weil hier viel musicirt wird und ich Gelegenheit habe, meine Kenntniße, die ich im Conservatorium Erworben, praktisch zu verwerten, denn die jungen Leute wollen ohne meine Gegenwart keine musikalischen Vorträge mehr halten, obgleich sie es doch selbst zu. großer Kunstfertigkeit gebracht haben. Das Vorurteil, dass ich mein Wissen aus der Residenz gebracht, wird wot auch da zu meinen Gunsten entscheiden. — Da mir so viel Löbliches von dem Spiele Ihrer werthen Fräulein Tochter gesagt wurde", Veranlassung eines'Innsbrucker Clienten unternommen, mit dessen Cousine Aaron Briman ftdj,' trotzdem er verheiratet und Vater mehrerer Kinder war, förmlich verlobte. Wenn nun das diesfalls gesammelte Material für die von Briman geplante Talmud-Uebersetzung Consequenzen' nach sich zog, so erklärt' sich diese Wirkung daraus, dass Herr Professor Bickel und der Verleger Schuhmacher fortan eine Cooperation mit einem Individuum dieser Art begreiflicherweise sehr perhorrescirten. Was nun das in dem Hause eines judenfeindlichen Abgeordneteu von Wien, der auch die Advocatur betreibt, unter Mitwirkung eines ״berühmten Orientalisten" zu Stande gekommene Protokoll Briman's betrifft, so bemerke ich, dass die ganze darin producirte Unterredung eine ebenso kühne wie phantasiereiche Entstellung der Wahrheit ist. Briman war es, der spontan mir von seinen Beziehungen zu Rohling und davon, dass er dem genannten Professor zu einer Zeit, da dieser seine Talmud-Litteratur in die Welt setzte, hebräischen Elementar-UnterrichL ertheilte, Mittheilung gemacht hat, und dies zu meiner größten Ueberraschuug, da ich, dem Streite der Parteien aus diesem Gebiete fernstehend, bis dahin von irgend welchem Zusammenhange dieser beiden Männer keine Kenntnis besaß. Briman erklärte mir, er habe es satt, sich von den Antisemiten auch fernerhin misbrauchen zu lasset!, er wolle seinen Beziehungen zu dieser Elique ein Ende machen, und als Beiveis für den Ernst seiner Absichten wolle er mir eine Serie Rohling'scher Briese ausfolgen, die Rohling schwer coinpromittiren. In der That händigte mir Briman mehrere an ihn von Rohling gerichtete Briefe aus, und da er jenes Schreiben, in 'welchem Rohling sich angeblich berühmte, vor dem Prager Gerichte einen Eid ״um der guten Sache willen" abgelegt zu haben, trotz eifrigen Suchens nicht fand, so reproducirte er in einer an mich gerichteten Zuschrift den Inhalt jener Berühmung. Ich habe mich seinerzeit darauf beschränkt, diese Urkunden zu veröffentlichen, und es unterlassen, jener Eröffnung zu gedenken, die wandte er sich an Dessauer, ״so gestatten Sie mir wol einmal Ohreuzeuge zu sein, wenn ich es nur in Ihrem werthen Hause hören kann". Dessauer erwiderte, dass er zu jeder Zeit ein angenehmer Gast in seinem Hause sein werde, und Behrens empfahl sich. Nachmittag erschien Frau Düßkind im Hause Dessauers, um ihren Glückwunsch zur Genesung darzubringen. Sie zog bald ein Strickzeug aus ihrem Körbchen mit dem Bemerken, dass sie auf ein Plauderstündchen erschienen sei. ״Störend wird ja meine Gegenwart nicht wirken", sagte sie, ״da Sie ja noch Reconvalescent sind und an keine geistige Thätigkeit denken können, Herr Desiauer, und auch Sie, liebe Frau Deffauer, müssen ja noch der Ruhe pflegen. O, ich habe mich fleißig beim Doktor um Ihr Wohl erkundigt und habe mit Spannung und Ungeduld eine gute Nachricht über Ihr Befinden erwartet; nun Gott sei Dank, dass sie die Krankheit glücklich überstanden, jetzt wünsche ich, dass recht viel Glück in Ihr Haus einziehe, damit Sie an all? das Traurige schnell vergessen. Von den Neuigkeiten, die sich in der Stadt ereigneten, sind sie gewiss bereits unterrichtet. Aber manches könnte sie doch noch interessiren, wovon nicht jeder zu erzählen weiß. Man wurde ja so plötzlich von der Verlobung Emma Weinsteins mit Adolf Berliner überrascht; obgleich die Beiden schon lauge so gut wie verspochen waren, hat sich doch noch vor Kurzem ein Hindernis eingestellt, und in vertrauten Kreisen sprach man bereits, dass den Wünschen der Väter, die doch in so inniger Geschäftsverbindung stehen, in Bezug auf die Verlobung ihrer Kinder plötzlich Einsprache von Seite Emmas erhoben wurde. Sie könne sich noch nicht verloben, sagte sie, und wünsche, dass man aus ihre Gefühle keine Pression ausübe. Frau Weinstein wollte dieser Gesinnungsänderung auf den Grund kommen und nahm ihre Tochter in's Verhör. ^Fortsetzung folgt.)