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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1887-09-12 · Heft 30 (12.9.1887) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 30 (12.9.1887)
Date
1887-09-12
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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— 2 -- Reimverse, nämlich von »beor ponecho jehalechunc Bt§ einschließlich »weato tischma min haschomajim«, nebenbei bemerkt die einzige Stelle auch, die auf die Thatigkeit des Cantors an diesen Lagen passt, sind eine hineingeschobene ־ Zugabe von späteren' Deutschen. Zum Beweise, dass dieses Gebet auch im portugiesischen Ritus sich befindet, aber nur sehr kurz und ohne jeden Reim. Nur die Deutschen haben daraus einen ganzen Piut gemacht und viele Strophen noch hinzugethrm." So weit Rappaport. Wenn wir nun an der sicheren Hand dieser in jüdisch-literarischer AÜerthumsforschung gewiss maßgebenden Autorität weitergehen und alles ausschttden, was uns aus späterer Zeit zu stammen scheint, und was folglich auf den Cantor Bezug hat, so muffen wir unbedingt auch den Satz von »hoomdim. lewakesch tefillob« uns hinwegdenken. Und in der That sieht man es ihm auf den ersten Blick gleich an, dass er ein Einschiebsel reinsten Wassers ist; es ist nicht wahrscheinlich, dass ein Originaldichter einen Ausdruck zweimal in einem Athem gleich hmtereinander gebrauchen wird, wie es hier mit »amcho bes jisroel« geschieht, und daher muß wohl auch dieser ganze Satz ein später hinzugekommener sein, um damit den Cantor in dieses Gebet einzuführen. Wir wollen hier nicht untersuchen, ob wirklich das Amt des Cantors kein anderes ist, als ״nur zu stehen und Gebete und Bitten vor Gott für das Volk Israel zu erstehen", denn das würde zu weit führen und uns auch mit den schwärmerischen kabbalistischen Anschauungen über das Gebet, aus welchem auch die Umgestaltung dieses Gebetes wahrscheinlich hervorgegangen ist, in Kollission bringen, was zu vermeiden wir von jeher bemühet waren. Das aber darf uns dennoch erlaubt sein, zu fragen: Wozu brauchte-es denn diesen ganzen Pleonasmus, diese Anhäufung von unnöthigen Ausdrücken, um uns. darin den Cantor zu erkennen geben, wenn schon unter . "שלוחי עמך" die Cantoren zu verstehen wären? Mer. eben darum, wül ebendie שליחי צבור keineswegs ״Abgeordnetedes Volkes"/ sondtru: nur ״Boten" d. h. ״Beamten der Gemeinden" sind —man erwäge nur die beiden, bei den von transitiven Verben abgeleiteten Haupt- Wörtern gebrauchten verschiedenen Formen von מעול und מעילwie hier שלוח und שליח^ von welchen erstere eine nach der erlittenen Thätigkeit benannte Person stüchtig bezeichnet, letztere aber den einer Person immerwahrend anhaftenden Merkmalsnamen •(תואר השם) ausdrückt — gerade deshalb erforderte es diesen großen Aufwand von Wortüberstuß, um die gewünschte Wsicht, wenn auch nur oberflächlich, damit zu erreichen. Allein wenn wir auf den Grund kommen wollen, um zu erfahren, wer denn eigentlich diese Volksabgesandten gewesen sein können, so giebt uns da das Wort ״מימיות״ vollständigen Aufschluß darüber. Heidenheim, in seinem Machsor-Commentär, macht über dieses für den gemeinten Inhalt nicht paffende Wort folgende Bemerkung: ״Zn einer Randglosse des Wormser Manuskriptes ist verzeichnet: Mahram pflegt nur מיות zu sagen, denn מימיות finden wir nur als adjective Bezeichnung eines Schwertes oder sonstiger Waffen. Allein Eben esra, in seinem Koheleth-Commentar, erwähnt dieses Gebet und führt hiebei das besagte Wort unverkürzt an und ohne jede Bemerkung. " Hieraus ersehen wir jedenfalls, dass entweder, wenn dieses Gebet, wie angenommen wird, auf die Beter selbst sich beziehen soll, Las ostgenannte Wort korrigirt und abgekürzt werden muß, oder, wenn es in seiner vollen Richtigkeit dafteht — wie auch Eben esra kein anderes kennt — das Originalgebet nur Männer im Auge gehabt haben könne, die nicht zu beten, sondern einen heftigen Kampf zu bestehen hatten, welcher mit doppelschneidiger Waffe ausgefochten werden musste, nämlich mit der Waffe der schneidigen Rede und der tiefen Gelehrsamkeit. Wer mit der Geschichte Israels einigermaßen bekannt ist, wird wissen, dass im Mittelalter und auch schon viel früher, . als die Leidensgeschichte der Juden angefängen hat, das israelitische Vöilk oft gezwungen wurde, gelehrte Männer aus seiner Mitte auszuwählen und sie in einen bestimmten Ort zu schicken, wo sie mit Apostaten vor Königen und Päpsten Disputationen über ihre Religion zu führen, hatten. So führte Rabbi Zechiel von Paris im Jahre 1235 eine Disputation mit dem Apostaten Niklaus/Dome über Glaubensfachen vor König Ludwig IX. (Vergl. auch שבט יהודה von Rabbi Sal. Virga.) Zu solchen Abgesandten wählte man die Wissenschaft lichsten und gelehrtesten, sowie sprachkundigsten und sprachgewandtesten Männer, indem von dem Ausgang ihrer Vertheidigung der israelitischen Religion die ganze Existenz Israels abhing. Da aber dieser Gewissens- und Gesinnungs-Kampf von beiden Seiten ein sehr erbitterter und daher ein unsicherer war, daher betete man: ״O Gott, sei Du mit den scharfen-Waffen, nämlich bezüglich׳ der Erbringung von Beweisen und unanfechtbaren Dokumenten für die Wahrheit ihrer Behauptungen, als wären es scharfe zweischneidige Vertheidigungswaffeu der Abgeordneten deines Volkes Israel". ״Zeige Du׳ ihnen, was sie sägen,׳ belehre sie, was sie sprechen sollen". ״Lass sie antworten, worüber sie gefragt werden", d. h. gieb ihnen den. nöthigen Muth und die Geistesgegenwart, dass sie nicht erschrecken und verwirrt werden und somit die Fragen, die man ihnen vorlegt, richtig beantworten. Thue ihnen kund, wie sie rühmen sollen." Durch ihre rechtmäßigen Antworten und gute Vertheidigung, wird die angegriffene israelitische Religion dann gerühmt und anerkannt werden. ״Dass sie nicht straucheln mit ihrer Zunge und wanken in ihrem Urtheile", nämlich in der Folge ihrer Rede, bei der Darlegung ihrer Ansichten und der Darbringung ihrer/Beweise ״damit sie nicht beschämt werden an ihrer Stütze und nicht errothen durch-sie ihre Gemeinden". Diese Abgeordneten, die sie zu ihren Dolmetschern und Fürsprechern, zum Schutze ihrer Religion und Nation, abgesandt haben, sind ihre alleinige Stütze, und wenn der Ausfall ihrer Vertheidigung kein günstiger wäre, dann müssten ihre Absender, die Gemeinden, sich ihrer schämen und erröthen darüber,. dass sie keine besseren Vertheidiger gefunden haben. ״Es spreche ihr.Mund׳ auch׳ nichts, was gegen Deinen Willen wäre". Unsere Religionsstreiter' müssen ihre Rede erst wohl überlegen, damit sie nichts Verächtliches und Unstatthaftes gegen die herrschende Religion im Laufe der Rede Herausstoßen, denn nur vertheidigen, nicht aber angreifen soll ihre Ausgabe sein; das-will Gott selbst nicht. ״Denn nur die.Du begnadigst, sind die Begnadigten, und nur die Du belehrest, sind die Belehrten". Die Weisheit und Gelehrsamkeit der. Menschen haben sonst keinen Werth und können keinen, Erfolg haben, wenn Gott, sie nicht verleihet und nicht seinen Segen dazu giebt. . Die Version ״umruchomedio hemo merucbomim" hat dem ("ט״ז (א״ח מי" תקמ׳ב ם״ק ב ihre Existenz zu verdanken, indem er annimmt, dass nach der frühem Leseart "ומלומדין חמה מלומדים" der darauf folgende Beweisvers ״wechanausi es ascher ochaun" feinen " Sinn hätte. Allein Heidenheim stellt darauf mit Recht die Gegenfrage: Wenn diese Version die richtige wäre,,wozu dann noch das darauffolgende ״kemo schejodanu etc." Das würde sich dann ja nur als eine müßige Wiederholung des Vorigen zeigen. Er kon- , statirt nun, dass die alte Leseart ,die allein richtige ist und bezeugt sie noch mehr damit, dass alle Manuskripte dieselbe haben, folglich ist sie allein die zuverlässige. Und das ist's, was ich hiermit erörtern und feststellen lassen wollte. .en.

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