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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1887-09-12 · Heft 30 (12.9.1887) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 30 (12.9.1887)
Date
1887-09-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreichisch - ungarische Uränuin eraljonspreis F«c D«rcin«mi<gNcdcr. Ganzjährig . fl.' s.— Halbjährig ff. 2.50 Wikrteljährig fl. 1.25 Fiir Nichtn ttglieder- Ganzjährig fl. 6.— Halbjährig fl. 3.— | Vierteljährig ifl; 1.50 fJTtr das Ausland Ganzjährig fl. 7.— 1 i Mark oder 6 Nudel. Organ t fiir Oe ^ntereffen KOjschep HiUltoren Ml ^vllusbesmlen. Erscheint jeden achten Gag. .B'e g r ü n d e r: Obercantor Jacob Bauer. Medaction 11H Ö Administration Wien, II , Novaragaffe Nr. 27. Inserate werden billigst berechnet. Manuscripte werden nicht retournirt. Nr. 30. Wien, 12. September 1887. 7. Jahrgang. Versthir-ene CriLiuterungen. II. Aer Sinn und die Wedeutung des Heöetes »liejeh im pipijos«.? . Die Zeit ist nicht mehr fern, wo wir dieses Gebet-in verschiedenen Variationen, je nach der Befähigung und den technischen Mitteln des Vortragenden, zu hören bekommen. Darum wird es nicht überflüssig erscheinen, kurz vorher Einiges zur Erörterung und Beleuchtnng desselben zu vernehmen und dessen wirklichen Sinn zu ergründen und festzustellen. Bekanntlich gilt das genannte Gebet allgemein als eine besonderer Herzenserguß für die Cantoren, worin sie sich — diesmal — alle solidarisch vereinigen wollen, um gemeinsam sich vor Gott eine lautere und verständliche Sprache und die nöthige Kenntnis der Gebete zu erbitten. In Rücksicht dieser allgemein verbreiteten und. vererbten Meinung, haben es auch unsere Spnagogencomponisten von jeher nicht ermangeln lassen, diesem — wie es sich später zeigen wird — nicht ganz zutreffenden Texte ihre ganze Aufmerksamkeit und Sorgfall zu verwenden und ihn mit den schönsten Gedanken und reichsten Motiven musikalisch auszusiatten; gleichsam um den Cantor für seine Mühe und die durchs Jahr geleisteten Dienste, bei seinem eigenen Stückchen ein kleines Aequivalent zu bieten. Der größeren Aussührtichkeit wegen sei hier noch bemerkt, dass auch hiebei eine äugenfällige Verschiedenheit der Riten sich geltend macht, indem im polnischen Ritus besagte Composition gleich von ״hejeh. im pipijos" beginnt, während dieselbe im deutschen Ritus von המים״" ihren Anfang nimmt, nach dessen jedesmaligem Introitus diesem Piecen auch benannt werden. Dies vorausgeschickt, wollen wir nun den bisher in seiner Aeußerlichkeit und Oberflächlichkeit besprochenen Text betrachten und untersuchen, ob der innere Sinn desselben mit jener vorgefassten Auslegung sich verträgt, oder ob diesem Texte nicht eine ganz andere Deutung gegeben werde müsse, wenn er überhaupt einen annehmbaren Sinn erhalten und wir in der That wissen, was wir beten sollen. Kann das wol auf den Cantor oder Vorbeter bezogen werden, wenn es gleich am Amfang dort heißt: ״Zeige ihnen (den Cantoren also) was sie sagen; gib ihnen Verständnis für das, was sie sprechen sollen"? Eine solche Bitte im Munde des Cantors auf sich selbst bezogen, macht einen ganz komischen Eindruck, wenn das gedruckte, oder vor der Ersindung der Buchdruckerkunst geschriebene Machsor groß und breit vor ihm liegt, und er nur hineinzuschauen und. das Borzutragende richtig und korrekt abzulesen hat, um seiner-״.schwierigen" Aufgabe vollständig gerecht zu werden. Oder sollte vielleicht diese Bitte auf die Ignoranten und Idioten, die sich dem heiligen Amte eine ש״צ hingeben, und nicht einmal recht lesen und die Sätze sinngemäß zusammenstellen können, Anwendung finden? Abgesehen davon, dass die ganze ehrbare Cantorenzunst sich für solche Gesellschaft schönstens bedanken und indignirt diese sonderbare Zumuthung mit diesen unlautbaren Gesellen in einem Rang zu stehen, mit dein bekannten Worte: ׳?אטד בשופטנא עסקינן״' zurückweisen würde; wäre es auch eine wahre תפלת שואdenn schwerlich würde ein solcher, der nicht lesen und nicht beten kann, durch dieses Gebet plötzlich inspirirt und erleuchtet werden. ״Lass sie antworten,, worüber sie gefragt werden; thue ihnen kund, wie sie rühmen sollen", heißt es ferner. Wem braucht der Cantor beim Beten zur Rede zu stehen und zu antworten, und wozu braucht er von Gott erst eine Weisung über die Art seines Rühmens und! Preisens, wenn derJnhalt dieses Ruhmes und Preises mit großen unverkennbaren Lettern deutlich vorgeschrieben steht? Ebenso ist es schwerlich mit der Amlirung des Cantors in Uebereinstimmnng zu bringen, wenn es' weiter unten heißt: ״ Dass sie nicht straucheln mit ihrer Zunge, nicht wanken in ihrem Urtheile, damit nicht beschämt werden an ihrer Stütze und nicht erröthen durch sie — ihre Gemeinden. Es spreche nicht ihr Mund etwas, was gegen Deinen Willen wäre, denn u. s. w." Alles das kann unmöglich mit den synagogalen Verrichtungen eines Cantors in Einklang gebracht werden, weshalb?' dieses Gebet ebenfalls unmöglich ein specielles ״Cantorengebet" sein kann. Der verewigte S. L. Rappoport führt in einer Anmerkung zu seiner ״Biographie Rabbi Elieser Hakalir's" dieses Gebet an und macht hiebei folgende Bemerkung: Die in diesem Gebete bestndlichen

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