Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1887-09-04 · Heft 29 (4.9.1887) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 29 (4.9.1887)
Date
1887-09-04
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/1304829-3453087-3453116--2238-3456465
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Zweifel zieht, mich als Gegner des Herrn Rubin verschreit rc. damit wähnt er dem Herrn Rubin Dankbarkeit und Hochachtung gezollt zu haben, jedoch er thut gerade das Gegentheil, indem er selbst meine ganz gutgesinnte und wohlmeinende Vorstellung in Verdachtigungen uufc Verunglimpfungen verwandelt. Sehr lange bevor Herr Friedmann noch eine Ahnung davon hatte, Zögling des Herrn Rubin zu werden, war ich schon der aufrichtige Verehrer und Freund desselben und bin es in ungeschwächtem Grade fort geblieben, und wie ich überzeugt bin, ist er auch der meinige. Seine Leistungen fürs Judenthum habe ich —״wenn auch nicht sein gewesener Schüler — mehr als irgend Einer gebührend zu würdigen verstanden, wovon ich genügend Beweise geliefert habe. Doch bei mir gelten die Grundsätze; ^ולא תהדר פני גדול, לא תמר פנים הוכח תוכיח את עפית ולא תשא עליו חטא• Dass ich meinen Namen ׳der Oefsentlichkeit gegenüber verschwiegen habe, geschah bloß weil das Thema zu kleinlich ist, Herrn Rubin jedoch will ich meinen Namen schriftlich mittheilen, falls er diesen Wunsch in d. Bl. äußern würde, und ich bin im Vorhinein davon überzeugt, dass er sich durch-meine Vorstellung durchaus nicht verletzt fühlen würde; denn er kennt meinen Charakter und mein wohlmeinendes Streben und weiss, dass Verdächtigungen und Verunglimpsungen nur von demjenigm kommen können, der dazu fähig ist — nicht aber von mir. 36. |). Z. Geehrter Kerr Kedacteur! Ich feite um Aufnahme nachfolgender Zeilen in der nächsten Nummer unseres Vereinsorganes: Sr. WotgeSore» Kerrn Z. Singer, Höer-ßantor und MLses des österr.-uugar. KanLoren-Aereines. Geehrter Herr Präses! > Wenn auch meine Feder viel zu schwach ist, alle Ihre Verdienste um den Cantoren-Verein ihrem Werthe nach aufzuzählen und zu würdigen, so glaube ich doch als eines der ältesten Mitglieder des Cantoren-Vereines mir das Recht vindiziren zu dürfen, Ihnen, hochgeehrter Herr Präses, für ihr offenes, mannhaftes Wort, womit Sie in Ihrem letzten Leitartikel der ״C.-A." gegenüber der absichtlichen oder unabsichtlichen Jgnorirung unserer Sache in gerechter Weise Ihre Stimme erheben, meine und gewiss auch aller mit mir gleich denkenden und fühlenden Fachgenossen Dankbarkeit und volle Anerkennung auszudrücken. Sie haben uns allen aus dem Herzen gesprochen, darum sei Ihnen noch einmal׳ ein herzliches יישר כה. Mögen Ihre wahren, gerechten Worte an hoher und höchster Stelle Berücksichtigung und Gewährung finden! Durch Ihre historische Darlegung und Klarstellung haben Sie 'die Licht- und Schattenseiten des Cantorenthums trefflich markirt und gezeigt, welche Nachtheile durch letztere diesem Stande zugefügt, und Mittel zu einem erfolgreichen Zweck einer Verbesserung vorgeschlagen. Wie nöthig diese, von unserem hochverehrten Herrn Präses angeführten Attribute für jeden intelligenten Cantor sind, der Anspruch auf eine größere Gemeinde'macht, will ich durch ein Beispiel ohne jede Emphase und Selbstüberhebung, die mir ferne ligt, documenüren. Am vorigen Jom Kipur, als unser Herr Rabbiner durch Unwohlsein durch zwei Jahre zu fungircn verhindert war, musste der Cantor selbstverständlich außer der Predigt alles andere vertreten. Außer Col-Nidre, Musfaph und Niele, den Gesang und die Gebete der Haskora und alle diese Gesänge, mit Chor-und Orgelbegleitung, versehen; als Zugäbe wurde mir noch ein langes Register der Stiftungen und Legate in hebräischer Sprache zum Vortrage überwiesen. Als ich bemerkte, dass dies eine Ueberbürdung sei, wurde mir beschieden, dass diese Function keinem Laien, weder Lehrer noch Seeretär, überlassen werden kann. Also, wer ist der wirkliche nominelle Stellvertreter des Rabbiners? Kein anderer als der Cantor. Aber die Herren Verfasser des Entwurfes der Cultus-Regelung vermeiden es sorgfältig dieses Prädikat Cantor zu nennen. Durch diese Abschweifung will ich nur zeigen wie unentbehrlich der gebildete Cantor der gebildeten Ge- -meinde ist. Mögen diese es erkennen! Neubidschow. A. S. Meine Chronik. Men. In mehreren Tages-und auch jüdischen Wochenblättern tauchte vor Kurzem die Meldung auf, die jüdischen Colonien in Palästina hätten unter Garantie der״ Alliance Israelite Universelle״ Münzen geprägt. Zur Richtigstellung dieser Thatsache wird der ״israel. Wochenschrift" in Magdeburg aus Cöln geschrieben: Mehrere jüdische Zeitungen, unter ihnen auch die ״Israelitische Wochenschrift Nr. 34" brachten die Mittheilung, es seien in Palästina von den verschiedenen Colonien ״Pessach Tikwah", ״Mikhweh Israel" n. s. w. unter Garantie der ״Alliance Israelite Universelle" in Paris bronzene Scheidemünzen geprägt, resp. verausgabt worden, welche auf einer Seite die Angabe des Werthes, auf der andern die Initialen A. I. U. tragen. — Diese auffallende Nachricht veranlasste mich, an das Central-Comite in Paris eine Anfrage zu richten, und erhielt ich umgehend folgende Erklärung mit der Bitte, dieselbe zu verbreiten. Die Nachricht ist schon von vornherein nicht zu glauben,, da ja die türkische Regierung keinem Institut in Palästina gestatten würde, eigenes Geld zu prägen. Die Sache verhält sich aber folgendermaßen. Das Kleingeld ist sehr rar in Palästina, und wer öfters braucht, muss es sich auf irgend eine Art künstlich ersetzen. So hat denn die Ackerbauschule der ״Alliance Israelite Universelle" in Jaffa, dem Beispiel der deutschen Ackerbaucolonien in Jaffa folgend, für ihren inneren Gebrauch und hauptsächlich für die Bezahlung dev Arbeiter, kleine bronzene Marken (nicht Münzen) Unfertigen lassen, welche der Inhaber sammelt, bis er so viele hat, dass die Ackerbauschule sie mit türkischem Geld einlösen kann. Diese Marken haben an sich keinen Werth, sie repräsentiren 1, 1/2 und 1/4 Paras (der Paras gilt ungefähr 17 Pfennige) und tragen die Chiffre A. L U., cursiren nicht im Lande und haben keine andere Bedeutung, als die Marken, welche die Beamten der Hotels in Paris und anderswo unter sich verwenden, um die Zahlungen und Abrechnungen zu erleichtern. Andere Institute oder Ackerbaucolonien in Palästina können auch ähnliche Marken besitzen, aber gewiss nicht mit der Chiffre A. I. U., da diese Institute oder Colonien nicht unter der Leitung der ״Alliance Israelite Universelle" stehen und durchaus keine Verbindung mit ihr haben. Köln, 21. August 1887. Rabbiner Dr. Frank, Mitglied des Central-Comitös der A. I. U. in Paris. Kremfier. Auf der Reise nach Olmütz wurde dem Kaiser unter verschiedenen Corporationen auch der Kremsierer Cultusvorstand vorgestellt. Der Kaiser ging an den Rabbiner Dr. Frankl-Grün heran, welcher mit Erlaubnis des Kaisers den üblichen Segensspruch deutsch! und hebräisch vortrug. Der Kaiser erkundigte sich nach den Verhältnißen der Gemeinde, ob diese seit seiner letzten Anwesenheit in Kremsier zugenommen, wie sie organisirt ist, ob sie selbstständige Schulen besitzt und wie diese geleitet werden, ob sie gedeihen und welche Wohlthätigkeits-Anstalten diese besitzt. Mit den Worten: ״Es hat mich sehr gefreut" schritt er dankend weiter. Der Kaiser zeigte bei dieser Gelegenheit roiekr sein gutes Gedächnis. Von dem auf sieben Minuten berechneten Aufenthalte widmete der Kaiser drei dem Seelsorger und fühlten sich alle anwesenden Israeliten durch diese ihnen gewidmete Aufmerksamkeit von Seite des Monarchen besonders geehrt. Kanzig. Am 17. September wird die mit . einem Kostenanfwände von 700.000 Mark neuerbaute Synagoge feierlichst eingeweiht werden. •׳' ' . ■

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.