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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1887-09-04 · Heft 29 (4.9.1887) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 29 (4.9.1887)
Date
1887-09-04
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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ILWWWWSMWLKW8WL1 M7 — 7׳ — Werti«. Auf die Spuren des ältesten jüdischen Friedhofes ist inan bei Erdarbeiten in der Georgenkirchstraße gestoßen. Hier befand sich der jüdische Begräbnisplatz bis zur Vertreibung der Juden unter Joachim II. Der Friedhof in der Großen Hamburgerstraße wurde erst nach Zulassung der Juden unter Kurfürst Friedrich 10. angelegt. Irarrkfrrrt a. M. Aus der Provinz Starkenburg wird den ״P. W. Monatsblättern" über folgenden eigenthümlichen Gebrauch berichtet: Es werden in dieser Gegend einige Gebräuche ausgeübt, die Manchem ganz neu und sonderbar Vorkommen. Man wird vielleicht beim Nachdenken diese Gebräuche als Aberglaube und dgl. bezeichnen und dadurch Veranlassung nehmen, über die übrigen ererbten Gebräuche, bie man selber mechanisch ausübt, nachzudenken, ob sie denn einen religiösen Ursprung und überhaupt noch einen Zweck haben׳ Solche ernstes Nachdenken kann schließlich dazu beitragen, dass der Gottesdienst auf dem Lande endlich eine andere Gestaltung bekomme. Es ist hierzulande Sitte am Sabbath, beim ersten Gang der Wöchnerin ins Gotteshaus ״Eholekreisch" zu feiern. Diese Feier geht in folgender 1 Weise vor sich. Wenn der Nörbeter im Abschnitte El-Adon an dem Verse ״Semechim Bezesom" (Sie freuen sich bei ihrem Ausgange) hält, fängt er an zu singen, gewöhnlich eine Volksmelodie z. B. ״Magrit am Thore" oder ״Wandern" u. dgl., damit er den Anwesenden rechtes Vergnügen mache und sie in Stimmung erhalte. .Zur Tora wird gewöhnlich der Vater des Säuglings als Erster .aufgerufen, wenn er auch nicht an der Reihe ist. Nach der Schluss- Beuediction des Aufgerufenen packt der Lehrer seine noch am Freitag zubereiteün einigen Dutzend ״Mischeberachs" aus und fängt sie an auf Verlangen des Vaters zu verwenden. Dieses dauert' eine Weite. Nach dem Mittagsessen versammeln sich dann die Religionsschullinder, die mit großer Ehre eingeladen worden sind, im Zimmer, ivo der Säugling ist. Da erscheint nach langem Sehnen der Lehrer ׳mit der alten dicken ״File" (die meisten Landjuden sagen statt ״Tefilla" ״File", Gebetbuch), denn in den Gebetbüchern jüngeren Datums sind die zu diesem Akte bestimmten Vorlagen nicht gedruckt. Der arme Säugling, der gar nichts weiß, was um ihn vorgeht, wird mitten im Zimmer in die Wiege gestellt, rund herum die Schulkinder auf der Wache, die erwachsenen Damen und Herren sitzen von der Ferne und sehen zu. Aus einmal fängt der Lehrer an, die betreffenden Stücke aus der dicken ״File" vorzulesen, die Kinder ohne die Bedeutung und den Zweck dieses Aktes zu wissen (der Lehrer weiß es gewöhnlich auch nicht), kreischen laut nach. Auf Befehl des kommandirenden Lehrer heben die Schulkinder die Wiege mit dem Säugling in die Höhe, so hoch sie nur können, der Lehrer fragt mit Würhe ״Cholkreisch, wie soll das Kind heißen?" Die Schulkinder, die den Namen vorher von den Eltern des Säuglings erfahren haben, antworten mit lauter Stimme (jedes Kind will sich am besten hören lassen, damit es mehr Gutes bekomme), z. B. Rickchen oder Malchen. Der geehrte Leser kann sich das Getöse vorstellen, wenn an 20—30 Kinder in zumeist sehr engen Wohnungen zusammen sind, die Fensterscheiben erzittern bis zum Zerbrechen und wer an dem Haus vorübergeht, bleibt vor Verwunderung stehen und fragt: ״N' was geht's beim Juden vor, was giebts?" Dieses Gekreisch wird ohne Erbarmen drei Mal wiederholt. Nachdem dieser Akt geschehen ist, bekommen die vom Kreischen angegriffenen Schulkinder ihre Sachen, und die Erwachsenen thnn ihre Schuldigkeit am Tische. Ist das dein Glaube Israel? Korrespondenz der ILedaction. M. S. in T. Die Selchwaarenfabrik I. Thenmann in Wien können wir Ihnen als streng rituell bestens anempfehlen. M. R. in N- Vereins cass. er gegenwärtig nicht in Wien, nach seiner Ankunft werden wir Ihnen Ihr Bereinsconto mittheilen. H. in M Wir ersuchen um Fortsetzung Ihrer Arbeit. Dr. W. .in W- Die Fortsetzung haben wir bereits für diese Nr. erwartet. K. in L. Das Ornat kann, falls Sie es im Laufe dieser Woche bestellen, noch bis zu den Feie rtagen fertig gestellt werden. Wollen Sie sich diesbe;üglich an die Firma G. Pollak & Bruder (siehe Inserat) wenden. Die Redaktion. 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