Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 28 (27.8.1887)
- Date
- 1887-08-27
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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tatsächlich dem ohnehin so schadhaften Judenthum und der in Parteien getheitten Judenheit aufs Empfindlichste-Letzterer dadurch, dass Sie durch Ihren für humanitäre Zwecke ganz überflüssigen Orden alle zahlungsfähigen Glieder der Gemeinde von den bereits vorhandenen Wohlthätigkeits-Vereinen ableiten; da bekanntlich ihr Orden nicht unbedeutende Mittel erheischt. — Ersterem aber schadet Ihr Orden auf das nachdrücklichste — wie ich dies für Leser denen der Noreft-I^educlüm Or. perplexorum Theil ZU. Absch. 54 in der Urspmche unzugänglich, durch folgenden ׳gedrängten Auszug einer Uebertragung dieses zu erhärten hoffe, gewiss eine Autorität, gegen die Sie nichts zu erwidern haben werden. — ״Nachdem die Bibel in den ersten 12 Kapiteln, im unnachahmlichen Lapidar-Styl, uns über die Schöpfung das Wissenswürdigste — über die ersten Menschen, deren Sprache, Handtierungen, unentbehrliche Erfindungen, wie Beschäftigungen, berichtet führt sie uns in der Person Abrahams den gelungensten Zögling des Herrn vor. Im Kapitel 18 und 19 bedeutet sie uns klipp und klar, warum Abraham der Liebling Gottes war, u. zw." weil er seinen Kindern und seinem Hause nach ihm gebieten wird, dass sie beobachten den Weg Gottes, zu üben Tugend und Recht". Der Semit Wrahain, der sich gegen die damalige, ganz heidnische Welt auflehnte — gegen ihre nichtigen, thörichten, abergläubischen Anschauungen ankämpfte — seiner geläuterten Gotteserkenntnis wegen sogar sich in dm glühenden Kalkofen .אור כשדים werfen lässt — ist und bleibt der erste Fortschrittsmann, wie der 1. Logenbruder, — wenn ich mich zur näheren Verständnis im Sinne דברה תורה כלשון ב״א so ausdrücken darf — der Welt. Zeugnis hievon liefert sein, seinen unzähligen Nachkommen aufgedrücktes und unvertilgbares Bundeszeichen. Au beobachten den Weg Gottes — zu üben Tugend und Recht, was das heißt, erläutert uns der 2. Semit, der Gottesmann Moses, 2. M. M. 34. 5 6, Gott! Gott! ist allmächtig, barmherzig 2c. Den Ewigen deinen Gott sollst du ehriurchten, ihm dich hingeben, anschließen 5. B. M. 18. 21, ist nur ausführbar, erläutert der Talmud, wenn wir die erwähnten Gottes-Eigenschaften möglichst bethatigen — d. h. wie Gott möglichst barmherzig,- gnädig u. s. w. sind — uns bestreben, ־ nach Kräften ihm nachzuahmen. — Das zu erzielen, diesen eigentlichen Lebenszweck-zu erlangen — sind uns nicht weniger als 613 Pflichten, teils Ge- und teils.Verbote als Mittel zur Erstrebung unseres Lebenszweckes — nämlich de Wahrung des Wegesder Weise- Art-Gottes — angeordnet. Diese Mittel מצות sind an und -für sich psychologischen Selbstzwecke — sind aber in ihrer Gesammtheit entschieden nur als Mittel zum höhern, erhabenen Zweck — der Weg, die Weise, Art Gottes zu erkennen und zu be׳ herzigm — zu betrachten: Wir streben also, s. g. Herr Präsident, nach einem und demselben erhabenen Ziele und Zwecke — sind nur in den Mitteln zur Erstrebung dieses erhabenen Lebenszweckes grundverschieden. Während Sie denselben durch zwei einfache Mittel: durch Kunst und Wissenschüft wie aus ihrem Kalender-Beitrag, der übrigens höchst salbungsreich stylisirt — und nur dem, der zwischen den Zeilen zu lesen vermag — bekundet, was eigentlich beabsichtigt wird — ersichtlich — zu erreichen gedenken — war Ihr Vorfahr vor ca. 4000 Jahren der Meinung, dass der "דרך ה nicht so einfach zu erreichen ist — sondern nur durch strenge Beobachtung von Geboten, Gesetzen und Lehren 1. B. M. 26. 5. Ja! der Talmud behauptet sogar, 'dass Bruder Abraham nicht nur 613 Pflichten — sondern sogar עירוב תבשילין beachtet hat, was wir übrigens unerörtert lassen wollen. Ihre zwei angegebenen Mitteln zur Erreichung unseres Lebenszweckes — erinnern mich übrigens an jene schöne Agada des Rabbi Samlai. Dieser vortreffliche Lehrer Israels lehrt: 613״ Pflichten hat Gott Israel am Berge Sinai gegeben" — freilich eine schwer zu lösende Aufgabe. — Da kam David und reducirte sie in Psalm .15 auf 11, Jesaias 33. 15 auf 6 und Chabakuk 2. 4. gar auf eine Pflicht. Der Gerechte lebt in .seinem Glauben". Sie sind also katholischer als der Papst — bigotter als der Prophet. Sie heischen zur Erstrebung des "דרך ה zwei Mittel. Dass Sie aber auf dem Holzwege sich Lesinden und mit diesen Mitteln nichts erreichen — beweist ein stattgefundener Skandal unter Brüdern, wegen einer Geld-Lapakie, die die ganze Mamreh-Logein Aufruhr versetzte, Staatsanwalt und Gericht beanspruchte — und sogar bis in die hohen Regionen Rübezahls gedrungen. Wohl aber wäre der הילל השם vermieden worden, wenn die Herren Brüder die Lehre 2. B. M. 22. 24. und 3. B. M. 19. 18 gekannt und beherzigt. Dass Laien sich zu diesem jüd. Logen-Mumpitz vereinen -und eine Nachäffung der Maurerei zum Besten geben — ist eigentlich Geschmacksache — und findet bei unseren Zuständen einigermaßen Erklärung, in dem bekannten talmudischen Ausspruch: לה נתנה תורה למלאכי השרת Nur ist das winzige Wörtchen,אלד nach dem Worte תרוה einzuschalten. Die Thora ist bei dem größten Theil deutscher Juden nur für die Cultusbeamten gegeben und geboten. Sie werden hiefür bezahlt, haben daher Muße und Pflicht dieselbe zu üben. Die Laien hingegen haben die Thora-Bürde mit wenig Ausnahme längst abgeschüttelt. — Dass aber auch unsere Cultusbeamten — sogar bis zum sogenannten Rabbiner, sich zur Förderung und Gründung jüd. Logen mit den obligaten Heimlichkeiten נםתרות die nach mosaischen Begriffen Gott allein angehören — mit Ausschluss unserer Armen -— was bekanntlich die Loge zum großen Orient, das Judenthum schnurstracks verbietet — ist und bleibt mir unerklärlich. — , - Unwillkührlich wird man an die Frage Elias Könige 18. 21. gemahnt und nur die Bewährung des Ausspruches Jesaias 9. 16. wie Jecheskel 34. 1. gibt leider einigermaßen Aufschluss. Eilige senSrt. An die Adresse der ״Gemeinde-Zeitung" in Prag! Wenn nicht blinde Gehässigkeit gegen den Stand der Cantoren das ausschließliche Motiv des Verfassers des unter dem Titel ״Schmerzensschrei eines Cantors" in ihrem Blatte veröffentlichten Artikels wäre, ׳so würde er nicht in so perfider Weise einen Mann angreifen, der ihm nie etwas zu Leid gethan und der sich, Gott sei Dank, eines guten und geachteten Namens in den weitesten Kreisen erfreut. Ist es nicht perfid, mich in einem Athemzuge mit einem Müßiggänger in Verbindung zu bringen? Weiß dieser Mann nicht ganz gut, dass ich während der 3 */,jährigen Wirksamkeit als Cantor in Prag, mich mit dem größten Eifer dem Lehrberufe widmete? Muß nicht die Art und Weise, wie er in dem Artikel meine ) Stellung als Cantor mit der eines Müßiggängers in 'Verbindung bringt, bei all' denen, die diesen Artikel lesen und mich nicht ken nen, den Glauben erwecken, dass ich als Müßiggänger wirklich schon de.n Pfad des Lasters betreten habe? Was der Artikelschreiber von einem Frequentanten der Prager Cantorenschule schreibt, der die Funktion eines Cantors im Hotel versieht, so muß ich der Wahrheit gemäß gestehen, dass mir dieser Herr, den ich gar nicht kenne, nicht vorschwebte, als ich am Cantorentage die erwähnte Resolution begründete. Zu meiner Zeit, als ich noch in Prag war, ״fungirte" dort ein zwar braver und unbescholtener Mann, der aber, nachdem er die untergeordnete Dienste eines Gasthausbediensteten versehen hatte, in die Kutte sprang und dann — eins, zwei, drei, Geschwindigkeit ist keine Zauberei — unter dem Trauhimmel das Cantorat zu Schanden vertrat. Wünscht sich der Artikelschreiber für das' Ehrenamt eines Cantors keine geeignetere Persönlichkeit, dann bedauere ich seinen ästhetischen Sinn. . Dass der Verfasser des oberwähnten -Artikels jedenfalls ein Feind der Cantoren sein muß, - das steht für jeden Unbefangenen fest. Eine arge Wortverdreherei ist es,, wenn derselbe sagt, dass der Cantorentag laut meiner beantragten Resolution kein Recht hat, der Prager Repräsentanz der Cultusgemeinde sein Mißfallen auszudrücken. In dem ganzen Wortlaute der Resolution ist mit keiner Silbe , diese hochansehnliche Körperschaft erwähnt. Wenn beschlossen wurde, diese Resolution der Prager Repräsentanz zur Kenntnis zu bringen, ־ so ist damit noch kein Mißfallen dieser Corporation ausgesprochen. Trau t e n a w, 19. August 1887. . Zonas Stransky, ■ ■ ־ Oberkantor u. Religionslehrer.