Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 28 (27.8.1887)
- Date
- 1887-08-27
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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In der -Einleitung theill der Verfasser über die Gründung des 17. 0. B. B. und dessen Ausbreitung in Amerika, unter dem Namen Lodges, mit. Bald nahmen die Mitglieder aller Logen den Namen B. B. an, vergrößerten ihren Kreis durch Aufnahme von Männern aus verschiedenen Berufsklassen und fingen an, neben dem materiellen Zwecke auch geistige Ziele zu erstreben. Durch die B. B. ist dort manche Thräne getrocknet, viel Elend gemildert und endloses Unglück beseitigt worden. Der ehrwürdige Präsident Br. Jul. Bien und der ehrwürdige Sekretär Br.. M. Thalmessinger in New-Iork stammen ans Deutschland. Für die segensreiche Thätigkeit des Ordens B. B. auf materiellem Gebiet zeugen in Amerika die Kranken-, Waisen-, Alterversorgungs-Anstallen und die großartige Bibliothek der Vereinigullg. Schon lange war es lebhafter Wunsch mehrerer Männer, die mit den Tendenzen des 17. O. B. B. bekanntwaren, demselben in Berlin eine Arbeitsstätte zu bereiten. Sie wandten sich deshalb an die ehrwürdigen Brüder B. und T. in New-Aork und fanden bei diesen das freundlichste Entgegenkommen. Im Monat März d. I. traf in B. der ehrwürdige Delegat Br. Moritz Ellinger, ebenfalls deutscher Abkunft, ein, welcher mit den ausgedehntesten Vollmachten (wozu?) seiner Vorgesetzten versehen war. Br. E. trug den Petenten zunächst, die Tendenz des 17. O. B. B. vor, welcher lautet: ״Der 17. O. B. B. hat es sich zur Mission gemacht, Israeliten zu vereinigen in den! Werke der höchsten Interessen der Menschheit, den geistigen und moralischen Charakter unseres Stammes zu entwickeln und zu heben, die reinsten Prinzipien der Menschenliebe, der Ehre und des Patriotismus ihnen einzuprägen, Wissenschaft und Kunst zu unterstützen, die Noth der Armen nub Dürftigen zu lindern, die Kranken zu besuchen und zu pflegen, ,Wittwen und Waisen zu beschützen und denselben auf den umfassendsten Grundsätzen der Menschlichkeit beizustehen." Br. E. erklärte den Berliner Petenten in vielfachen Conferenzen in sehr beredter Weise, dass der O. B. B. keine geheime Gesellschaft(?) ist, — dass er sich die doppelte Aufgabe stellt, seinen Mitgliedern und.den Angehörigen derselben in den Zeiten der Noth imb des Elends materiell beizustehen und zur sittlichen Durchbildung derselben und immer weiterer Kreise, ja zur geistigen Veredlung der ganzen Menschheit anzuregen und anzuspornen. Er zeigte ferner, dass der Orden eine schöne Pflanzstätte wahrer Menschenliebe und eine berechtigte Institution ächter Humanität ist. Alsdann wurde der Freibrief (?) in feierlicher Weise überreicht. Die Constitutions-Groß- Loge hat die deutsche Reichs-Loge ganz unabhängig hingestellt — ihr überlassen, sich selbst Logengesetze auszuarbeiten, und darauf hingewiesen, dass der Patriotismus hoch zu halten sei, unsere Arbeiten und Gesetze daher mit den Landesgesetzen in Einklang stehen müssen. Dagegen haben wir uns verpflichtet: 1. den Namen Bnai Brith. — Söhne des SBunbeä, nach dieser Ortographie ist aber die richtige Uebersetzung ״Bauer des Bundes" vom talmudischen בנאים Baubund, ein bekannter Berliner Architekten-Verein, Bauhütte; der von *בניב ist immer der st. con בני nicht Bnai — beizubehalten. 2. Die Ordensprinzipien ״Humanität und geistige Veredlung des Menschengeschlechtes" zu ebnen und anzustreben, und 3. Logengelder niemals zu politischen Zwecken herzugeben. Das Streben nach Ausbreitung des Ordens in Deutschland blieb nicht ohne Erfolg. Am 30. August 1882 wurde die Germania Loge zu Halle a. S., am 2. April d. I. die Bertold-Auerbach-Loge Nr. 338 zu Berlin installirt. Durch Vermittelung der deutschen Reichstage Nr. 332 zu Berlin bei der obersten Behörde des Ordens, ist die Concordia- Loge Nr. 340 am 17. Juni 1882 durch die Delegaten des ehrwürdigen Executiv-Comites in New-Aork zu Kattowitz installirt, und durch Letztere alsbald die Mamreh-Loge V Nr. 344 in Beuthen O.-Pr. am 27. Januar 1884 durch den Delegirten Herrn S. Berget in Berlin constituirt. Der nun folgenden salbungsreichen Ansprache des zum künftigen Präsidenten der Mamreh-Loge designirten Herrn entnehmen wir folgende Sätze: ״Bewährt sich doch schon jetzt an uns der Segen der Brüderlichkeit, wie sie gekennzeichnet wird durch das Dichterwort:;,wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, in keiner Noth uns trennen und Gefahr", und wie der Psalmist sie besingt: ״siehe, wie gut und schön, wenn Brüder einig walten." Ja, diese Eintracht und Einigkeit zum Zwecke idealen Strebens, sie ist die eine der von uns zu erfüllenden Aufgaben. Die 2- Aufgabe ist, den geistigen und moralischen Charakter unseres Stammes zu entwickeln und zu heben. das ist hier an den Ostmarcken des deutschen Reiches, welche von den Ueberflutungen eines wenig gesitteten Nachbars zu leiden Habers besonders schwierig und erheischt besondere Aufmerksamkeit und erhöhte Anstrengungen. Hier gilt es ein Bollwerk zu errichten, gegen die von Osten her anstürmenden rohen Elemente — aber auch einen Leuchlthurm anzuzünden — eine Rettungsstation zu schaffen für die dem moralischen Ertrinkungstode Schiffbrüchigen und sie hinzuleiten in den sichern Hafen wahrer, unverfälschter Religiosität, die da gipfelt in der reinen Gottesidee und in der Humanität, d. i. der reinen Nächstenliebe. Nur solche Männer soll unser Bund vereinen, welche durch ihr Vorleben und ihre Herzensbildung 311 der Annahme berechtigen, dass sie von dem Streben nach sittlicher Vervollkommnung entiveder schon beseelt, oder dochdesselben fähig sind. Wir müssen uns bewnsts bleiben, dass die Einrichtungen des Ordens — ob sie Gesetze oder Regel, ob Ceremonie oder Ritual heißen — immer nur Hilssmittel sind, die zu unserem Ideal hinzuleiten haben, keinesweges das Ideal selbst, dass sie nur Schale nicht Kern sind, dass sie, wenn auch durch Tradition noch so geheiligt, durch Gewohnheit noch so liebgewonnen, in dem Augenblick wertlos, ja schädlich werden, wo wir klar erkennen, dass sie anstatt durch starres Festhalten die Errungenschäften zu beeinträchtigen, und durch zähe Gewohnheiten das Ziel zu gefährden, den zweckentsprechenden Mitteln, den mächtigen Hebeln des Menschengeistes der Wissenschaft und Kunst zum Opfer fallen müssen. Dieser Bundesgenossen können wir nicht entraten, wenn wir dem Endziel irdi'cher Glückseligkeit, der Gesittung und Veredlung des Menschengeschlechtes uns wirklich nähern wollen. Ohne Anerkennung so einfacher und selbstverständlichen Wahrheit, ist es gar nicht denkbar, dass wir denselben sittlichen Vorsprung, den einst der Bewohner des Haines Mamreh und seine Nachkommen vor der damaligen Mitwelt voraus hatten, auch heute gegenüber unserer Mitwelt beibehalten. Die ganze künftige Thätigkeit unseres Bundes soll eine Wohlthätigkeit sein, nicht in der engen Bedeutung, die diesem Worte beigelegt zu werden pflegt, sondern in dem ursprünglichen weitesten Sinne, d. h. wir wollen nur das thuu, was dem wahren Wohle der Menschheit dient. In welcher Weise dies zu geschehen habe, das wird Sache der Erwägungen und Berathungen sein, die schon deshalb die Oeffentlichkeit ausschließen, weil wir uns gewöhnen müssen, das Gute nur um seiner selbst willen zu thun, ohne dass die Kunde davon durch Unberufene in alle Welt ausposaunt werde." Wir, die wir die Lehre Hosea 4. 17., חבור עצבים אפרים הנחל nach talmudischer Erläuterung: selbst wenn Ephraim, d. h. Israel sich zum Götzendienst vereint lass es ungestört — beherzigen, sind gewiss die Letzten, die eine Vereinigung gleichgesinnter Männer scheel ansehen oder gar begeifern möchten. Das heißt, wenn diese Vereinigung als Brüdergemeinde, oder als Gesellschaft der Freunde — deren viele in großen Gemeinden vorhanden — sich constituirt, um sich gegenseitig materiell wie intellektuell zu fördern. Jedoch jede Regel hat bekanntlich ihre Ausnahme — und in diesem Ausnahme- Zustand befinden wir uns leider der quäst. Vereinigung des 17״. O. Bnai-B.“ gegenüber. Hier bewährt sich wiederum jene Erfahrung: wenn zwei dasselbe thun — ist es lange noch nicht dasselbe. So heilsam und Heilbringend der 17. O. Bnai B. in Amerika entschieden gewirkt und noch wirkt, — ebenso Unheil schaffend ist er in Europa, besonders dem Judenthum — im civilisirten Deutschland. Dort wo unsere Glaubensgenossen, im nur denkbarsten tristen Zustande, aus aller Herren Länder zusammenströmen, ist sicherlich der 17. 0. B. B. ein Hort, Schutz, eine feste Burg der Herumirrenden, ein Centrum, das sie physisch und moralisch fördert, sie vor sicherem Untergange schützt. Hier im civilisirten Deutschland ist der 17. O. Bnai B. nach meiner innersten Ueberzeugung geradezu ein sicher zum Ziele führendes Zerstörungsmittel des ach' ohnehin so sehr siechenden Judenthums. Denn trotz des traurigen Zustandes desselben bezüglich seiner Unkenntnis ist doch fast in jeder namhaften Gemeinde in ergiebigster Weise für alle humanitäre Zwecke — im echten Geiste des Judenthums, den zwar die jetzige Generation leider nicht kennt aber doch als Väterbrauch beibehalten — gesorgt. Wir haben Wohlthätigkeits-, Kranken-, Pflege-, Jungfrauen-, Frauen- und Beerdigungs-Vereine ganz nach Vorschrift der Mischnah Pea Abschnitt I. 1., die auch unser 3idur, der aber leider ebenso wenig wie die Mischnah verstanden wird — ausgenommen. Demnach erübrigt sich nicht nur, s. g. Herr Präsident, Ihre Mamreh Loge V Nr. -344 ganz und gär sondern sie schädigt