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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1887-08-27 · Heft 28 (27.8.1887) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 28 (27.8.1887)
Date
1887-08-27
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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— &-־ — und begreifen, dass ein Rothschild ״mit ein Mensch ohne Vermögen" bestattet werden sollte. Ich muß gestehen, aus mich hat diese Geschichte gar keinm günstigen Eindruck gemacht, und ich wäre davon mehr ergriffen und erbaut, wenn die Reichen und Geldmächtigen der Erde ihre Menschenliebe und das Gefühl der Menschengleichheit schon im Leben bethätigen, und ihre Bescheidenheit und Wemuth gegenüber der ehrgebietenden Macht der allgemeinen Menschheit mit der lebendigen That beweisen würden. Wenn sie es erst im Tode thun und im Sarge erst ihr Armurhsgesühl bezeugen, wem kommt das zu Nutze, und was hat der Arme davon, oder was kommt der Menschheit dabei heraus? Und dann ist's ja eine allbekannte Sache, dass man mit der Einfachheit und sogenannten Bürgerlichkeit ebenso übertrieben Mid glänzen kann, wie mit dem Luxus, und das geschieht immer, wenn der Reiche es zuweilen den Armen nachmachen will. Einfachheit ziert bescheiden den Armen nur allein, dem Reichen hingegen gilt sie für den größten Luxus. Als Rabbi Gamliel einem in seiner Zeit überhand nehmenden Unfug, die Leichen in kostbare Gewänder zu Neiden, steuern wollte und sich deshalb in einfachen Linnen begraben ließ, da tadelte es der Talmud: ״er begicng dadurch eine Leichtfertigkeit und eine Geringschätzung gegen seine Person, indem dies seiner Stellung und Vermögensverhältnißen unwürdig war"; und doch hat es Rabbon Gamliel nur eines dringenden Bedürsnißes wegen gethan, und dann ist Nabbi Gamliel bezüglich des Reichthums noch lange kein Rothschild gewesen. Nachdem es nun evident bewiesen ist, dass die' Blumen auf Särgen ursprünglich keineswegs zum Schmucke, sondern in erster Reihe einer wirklich vorhandenen Nothwendigkeit dienen, fällt damit auch das dritte, nämlich ökonomische Motiv, die Wohlthätigkeit betreffend, fort und behält dadurch nicht mehr Berechtigung als die zwei ersten Motive. Mein Gott! wenn man alles Uebrige und Überflüssige zu Geld machen und in pnre Wohlthätigkeit uinwechseln wollte, dann fände sich vorher noch vieles Uunöthigere und Ent- Lehrlichere, deren Erlös man zu Wohlthätigkeitszwecken verwenden könnte. Da kämen vor allem die Millionen kostenden Synagogen mit ihren prächtigen Orgeln nebst ihren sonstigen kostspieligen Apparaten an die Reihe. Dann wären auch hierzu die großartigen, monumentalen Grab- und Denkmäler mit ihren vielsagenden und lautpreisenden Aufschriften, die den unvergänglichen Ruhm des Darunterliegenden dem ״Wanderer" verkünden und Reklame für den Todten bei den Lebendigen machen sollen, zu rechnen, die, so nutzlos und gefiihlverletzend sie sind, große Summen verschlingen und ain besten unterbleiben könnten. Ueberdies schließt ja die Blumenspende die Mild- und Wohlthätigkeit nicht aus; der reiche Mann kann beides möglich machen und beim Armen ist's von so geringen Belang, dass es nicht der Rede werth ist. Jetzt kommen wir an das vierte und letzte Motiv, welches dem Verfasser ganz besonders gewichtig erscheint und aus welches er dm größtm Werth legt, insoferne es von ästhetischen Gründen diNirt wird. Nach der feinfühligen Auffassung des Herrn Dr. Jellinek sind die Blumen auf Särgen ״mehr ein Hohn auf den Tod". Ja was vergegenwärtigt mehr das ephemerische, schnelkaufbüchende und leichtvergängliche Leben des Menschen, als die Blumen? Dann müßte auch der bilderreiche Psalmist hier falsch geschaut haben, wenn er uns das düstere und doch so schöne und getreue Bild, vom mmschlichen Leben und seinem raschen Dahinwelken, vor Augen hält: «׳"בבוקר כחציר יחלוף בבוקר יציץ וחלף לערב ימולל ויבש oder: אנוש״ כחציר ימיו׳ כציץ השדח ק יציץ"? Dann mürben diese und noch viele ähnliche Poesieblumen und Psalmblüthen, die wir in einem tiefergreifenden Bilde auf das allgemeine Grab der Menschheit niedergelegt sehen, ebenfalls ״mehr ein Hohn auf den Tod", und das erhabene Gemälde nicht ein nach der'Natur gezeichnetes, sondern ein Trugbild ׳'׳ sein? Nein, die Blumen allein sind diejenigen, die thatsächlich Mühen" Und ״welken";׳ von ihnen erst sind diese Ausdrücke aus der BlUmenwelt allegorisch auch auf das Leben und den Tod des Menschen übergegangen, und daher gibt es nichts Geeignetere-s den Tod zu veranschaulichen, als geknickte und gepflückte Rosen und Blumen beim Todten ' niederzulegen. Zwar gibt es auch bei freudigen Familienfesten vielen und verschiedenen Blumenschmuck. - und so gehört sich's auch, da doch das Leben dem Erblühen der Blumen vergleichbar ist — mit dem Unterschiede aber nur, dass hier auch Fabrikblu men eins angenehme'Täuschung verursachen und daher dieselben Dienste verrichtend, Verwendung finden können; beim ״Todtengerippe und Leichengeruch", aber,. ba muffen es frischge - pflückte Blumen sein, denn sonst würden sie ihren doppelten Zweck, den aufsteigenden ׳Verwesungsgeruch aufzuhatten und die Luft zu erfrischen, und dann auch als Symbol des Todes zu gelten — vollständig verfehlen Deshalb scheint es ein großer Jrrthum zu sein, wenn der Herr Dr. Jellinek meint: ״nur der harte, leblose Stein ist der passendste Ausdruck für den Tod". Wie kann wohl etwas; was nicht gelebt hat und nicht gestorben istz den Tod vorstellen? .Dann ist ja der Stein nicht dazu bestimmt, um irgend etwas zu versinnbildlichen; hiezu ist seine Dauer gar zu groß, und wäre es auch dann weder von der Natur noch von der Religion aus recht, wenn man solange an einen Todten erinnert und gemahnt werden sollte. Der Stein ist nur.dazu da, um die Grabstätte anzuzeigen, weiter nichts, und.der beste dieser Art ist, der am längsten und dauerhaftesten und in bescheidenster Weise diesen Zweck erfüllt. Schließlich sei noch zur Beruhigung des Herrn Dr. Jellinek, dem das empfindsame Herz immer so beklommen ist, so oft er leider davon Augenzeuge sein muß, ״wie diese arinen Blumenkränze in einem Wagen durcheinander und übereinander, liegen und dann in die Grube geworfen werden, nicht als wären es Liebes- und Freundschaftsspenden, sondern werthlose Steine und Erdschollen", dass das- Mißgeschick der ״lieblichen" Blumenkränze nicht abzuwenden geht, indem der böse 3״chulch.an oruch" über sie diesen grausamen Tod, ״lebendig" begraben zu werden, unbarmherzig verhängt, weil sie das fürchterliche Unglück haben "אמור בדנאה" zu sein. Wären sie nur von.den •,דברים שהביאו אוכל נפש" so würden sie dieser ganzen Misere enthoben sein und hätten sich sodann des besten Schutzes von Seiten des ״Schulchan oruch" zu erfreuen. Man muß sich also in's Unabänderliche fügen. - .... rin Ueber Judentum und Iudenheit. (Orig.-Corresp. vom Riesengebirge). Eine weit trübere Erscheinung am Horizont des Judenthums, als die Ausweisungen aus Preußen, weil sie intellektueller Art — ist die Verbreitung des ״Unabhängigen Orden Bn6 Brith" in Preußen. Der Orden B. B., welcher 1842 in New-Z)ork von einem Verein Höchst würdiger Männer deutscher Abkunft, an dessen Spitze Herr Henri Jones aus Hamburg, gegründet wurde, ist uns theils durch rückkehrende Freunde aus Amerika, theils aber ist uns seine überaus heilsame Wirksamkeit aus einer vor Jahren gelesenen Ab- Handlung in der Z. d. I. genügend bekannt. Der Liebermannsche Kalender pro 5645 bringt uns in seinem Jahrbuch S. 18, ״Einiges über den 17. O. Bnai Brith". Da dieser Kalender vermutlich dem geehrten Leserkreise Ihrer geschätzten Zeitung nicht zugänglich ist, muß ich mich schon zur Skizzirung dieses litterarischen, diplomatischen,, aalglatten Beitrages nebst einer Ansprache des Präsidenten der Mamreh-Loge Sei dessen Installation bequemen. -

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