Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 27 (19.8.1887)
- Date
- 1887-08-19
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Betreff ihrer körperlichen und geistigen Erziehung und Bildung? j Wir haben es mit Bedauern wahrgenommen, dass ׳ manche Eltern, die gerade nicht arm sind, bevor sie ihren Kindern eine Libl. Geschichte, Sittenlehre oder ein Gebetbuch kaufen, sie lieber im Religionsunterricht vernachlässigen lassen; das ist gewiss bedauerlich. Mögen Sie den Wink, den Moses den dritthalb Stämmen gab, beherzigen und sich eines Befferen belehren lasten. Die übrigen Stämme am andern Ufer des Jordanflustes, im eigentlichen Kanaan, trieben zwar Ackerbau, dessungeachtet erhielten sich Lei ihnen noch Spuren der nomadischen Lebensweise und zwar namentlich in der Lebensart der ״׳רכבים״• Die Rechabiten bewohnten unter Zelten einen Theil des südlichen Judäa und blieben in ländlicher Treue und Einfalt stets Nomaden. Hören wir was der Prophet ,Jeremias über die ״בני הרכבים״ sagt, wie er den Stamm der - Rechabiten, dieses Hirtenvölkchen, seinen ungehorsamen Zeitgenossen als Musterbild vorführt. So sprach,Gott zu Jeremias: »הלוך מלבית ״ "הרכביםGehe zum Hause der Rechabiten und führe sie in eines der Gemächer des Gotteshauses und reiche ihnen Wein zum trinken". Jeremias that wie Gott befahl; aber die Rechabiten wollten durchaus den Wein nicht berühren, denn sie sprachen: Wir gehorchen der Stimme Jehonanabs, unseres Stammvaters, der uns auftrug "״לבלתי שתות יין keinen Wein zu trinken "ולכלת בנות בתים" und -keine festen Häuser ZU bauen, wir wohnen in Zetten und führen ein Hirtenleben.. Und Gott sprach zu Jeremias: ״Sage׳ den Einwohnern Jerusalems, weil, die Nachkommen Jonadabs, Sohn Rechebs, das Gebot ihres Ahn- Herrn gehalten Und ihr Israeliten wollt mir nicht gehorchen;so bringe ich Unglück über euch, und.den Rechabiten sage: nicht ein Mann soll dem Jonadab SohnRechabs fehlen, ewig sollen'sie vor mir bestehen". So weit spricht Jeremias im 35.'Kapitel von dem Nomadenvolke der Rechabiten.. . W ...... r. (Fortsetzung folgt.). . 'eMetoih Der junge Cantor. Eure Erzählung von Cäcilie L ö w y. (16. Fortsetzung.) Der Doctor war ans Bett getreten und legte besänftigend die Hand auf Deborah's Schulter. Zitternd stand das junge Mädchen am Krankenlager, heiße Thranen rannen über ihre Wangen und machten ihrem gepressten Herzen Lust, aus dem Schlafzimmer hört man das leise Jammern Rachels. Herr Weinstein sandte den Doctor zu ihr, um sie. zu beruhigen. — ״Ich werde heute Nachtwache bei Ihrem Vater übernehmen, sagte er, ״und Herr Süßkind soll verständigt werden, mir zur Seite, zu stehen. Sie müssen sich schonen, Fräulein Deborah, lasten Sie es nur meine Sorge sein, unseren theueren Kranken nach Vorschrift des Arztes zu pflegen. Stehen Sie so viel wie möglich Ihrer Mutter Lei, und seien Sie gettost, der Allgütige wird Helsen. Jetzt gehe ich nach Hause, um mit beix Meinigen den Eingang des Sabbath zu׳ feiern. Also auf Wiedersehen!" Herr Weinstein verließ eilenden Schrittes und mit leisem Seufzer das Haus Destauers und gieng nach Hause, wo er von seiner Frau sehnsuchtsvoll erwartet wurde. Sie saß mit ihren ׳Kindern neben dem gedeckten Tisch, auf welchem die Sabbathlichter brannten. Emma und die kleine Bertha giengen ihrem Vater entgegen, und dieser. legte segnend die Hände auf ihr Haupt, wobei sein Blick suchend im Zimmer herumschaute. Frau Weinstein bemerkte dies und sagte: ״Du vermissest gewiss unfern Felix? Es gelang mir nicht, ihn länger zu Hause zu halten. Verschiedene Erläuterungen I. Me Wtuwenöekränzung der Sarge vom Lakmadischea und öivlischen Standpunkte aus vetrachtet. - Unter, dem Titel ״Blumen, Särge, Gräber" hat Herr Dr. Jellinek vor einiger Zeit einen fulminanten Zeitungsartikel veröffentlicht, in welchem er mit aller Strenge und׳ mit der ihm eigenen Kraft der Beredsamkeit gegen den Mißbrauch,-der mit der Blumenspende bei Todesfällen seit neuerer Zeit auch unter den Juden. getrieben wird, in den Kampf zog und gegen diese anrebliche ״fremde Sitte" und quasi Religionswidrigkeit feurig eiferte.׳ Gewiss ist es schön und anerkennenswerth, wenn eiy Mann von der persönlichen Gewichtigkeit und wissenschaftlichen Bedeutung des Herrn Dr. Jellinek gegen Neuerungen und fremden Gebrauch im Judenthume kämpft nur sollte er diesen lobenswerthen- Kampf viel: früher, in seiner Jügend schon und zwar gleich von der Synagoge aus begonnen haben, dann hatten wir jetzt vielleicht einen selbstständigen und reineren, wahrhast jüdischen Gottesdienst gehabt und, dann wäre auch. ihm jeder weitere Kampf viel leichter und aussichtsvoller aügekömmen. Alleinman darf nicht undankbar sein, man muß auch das Kleine und Winzige, von wem und in welcher Größe immer es uns geboten wird, dankbar annehmen; denn nicht allein "״קבל האמת ממי שאמרו wie der ״Israelit" bei der auszugsweisen Reproduction des Artikels mit feinem Sarkasmus bemerkt, sondern man kann auch gleichzeitig dem hinzufügen: ' ״קבל האמת בל מה שהוא Ob nun -die Ausführungen des Herrn Doktor Jellinek in dieser Sache auf strenger Wissenschaftlichkeit und auf erwiesenem geschichtlichen Herkommen, beruhen; dieses gründlich zu erörtern soll, die Aufgabe dieser Abhandlung sein. Im ersten Motive bemüht sich der geschätzte Verfasser, aus diesem an sich harmlosen Gegenstände eine ernstliche Religionsangelegenheit zu machen und womöglich' ihn als Eines von den "דזיבות הלבבות" oder mit dem Autor gesprochen, von den ״ungeschriebenen Die Jugend will ihr Recht, wie man zu sagen pflegt; so wenig ich diese Gewohnheiten, billige, konnte ich nicht widerstehen,'ihn gehen zu lassen, als Adolf Berliner ihn in den Club abholte.. Es sei-heute ein interessanter Vortrag, den ein berühmter Litterat hatten werde, und im Vereine junger Kaufleute könne er heute unmöglich fehlen, hieß es. Die Zeiten ändern sich und mit ihnen die Menschen, dieses Sprichwort fällt mir oft ein,-wenn ich den Lebenswandel der heutigen Jugend sehe. Doch wir wollen speisen, denn es ist heute.recht spat geworden.. Du schaust so ernst drein, liebes Kind", fuhr. Frau Weinstein nach einer Pause fort, ״seid Ihr von den Leistungen des jungen Cantor enttäuscht? Hat er Euern Erwartungen nicht entsprachen?" ״O nein, liebe Frau, der junge Candidat hat uns'über Er- Wartung befriedigt, doch unser alter Dessauer ist krank, gefährlich krank, und was ich gar nicht vermutet hätte, aus Herzleid,-weil wir ihn pensionirten, weil uns,. wie er sich einbildet, seine Leistungen nicht mehr genügten. Ich gieng nach dem Gottesdienst zu׳ ihm und fand leider ein jammervolles Bild des Elends in seinem Hause-; mich dauert die arme Tochter, die helfend'und tröstend zwischen Vater und Mutter steht. Ich versprach ihr, heute Nacht bei. dem Kranken zu wachen, und da ich Süßkind in der Synagogebemerkte, so wünsche ich, dass er mich unterstütze, Du könntest ihn daher gleich durch den Diener davon verständigen lassen;׳in den nächsten Tagen wird unser Krankenverein für die Pflege Sorge tragen, müssen. Heute übernehme ich die Wache, weil sich, da Sonnabend ist, keine Bestimmungen mehr treffen lassen, und ich mit dem Beispiele vorangehen will, dass dem theuern.Krankendie sorgsamste Aufmerksamkeit zu Theil werde." - ״Da handelst Du ganz in meinem Sinne, lieber Mann", sagte Frau Weinstein mit inniger Theilnahme, "doch genieße jetzt mit Ruhe und ohne Aufregung das Abendbrot, damit du gekräftigt deinen Liebesdienst antreten könnest." ygfWEasagr■