Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 25 (27.7.1887)
- Date
- 1887-07-27
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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zurückzuweisen. Das jüdische Cantorenthum haben wir in den Kreis der Fachwissenschaft eingeführt und hiedurch das An'ehen und die Bedeutung unseres Standes gehoben. Die Noth unglücklich gewordener Berufsgenossen, sowie der von verstorbenen Mitgliedern hinterbliebenen Witwen und Waisen haben wir wiederholt zu lindern gesucht. ' Wenn ich nun all' diesen Errungenschaften noch den einen Umstand hinzusügcn darf, dass wir trotz der kurzen Zeit über ein bedeutendes Vereinsvermögen verfügen, so glaube ich, dass von unserer Seite das Möglichste geleistet wurde.- Gelegentlich der Verlesung des Rechenschaftsberichtes, der Ihnen vor Uebergang zur Hauptaufgabe des heutigen Tages vorgelegt wird, dürfte die irrige Anschauung abermals zum Durchbruche gelangen, dass der Vorstand die österr. ungar. Cantoren - Zeitung unterstützte. Wir haben dieselbe niemals unterstützt, sondern ihr nur das gegeben, was ihr 'für die vielen Veröffentlichungen rechtmäßig zustand. Wenn wir die Zahlungsweise in den einzelnen Vereinsjahren anderten, so beweist dieser Umstand.nur, dass wir bestrebt waren, die Vereinscassa möglichst, zu schonen. ' * Somit eröffne ich die heutige Generalversammlung mit Gott und ״ einem dreifachen Hoch auf unseren geliebten Monarchen, den Kaiser Franz Josef I. (Die Versammlung erhebt sich von dew Sitzen und stimmt ein begeistertes, dreifaches Hoch an.) VereinscSssier A. Fischer erhält das Wort zum Rechenschastsberichte: ״Ich habe wie alljährlich meiner Pflicht Genüge geleistet und den Rechnungsabschluss zu Papier gebracht.' In welcher Weise ich das mir durch Ihr Vertrauen übergebene Amt verwaltet, wird Ihnen aus den einzelnen Daten erhellen und ich brauche darüber nicht viel Worte zu verlieren. »Jehaleleleho sor w’lo picho.« Da mir jedoch das-Lesen schwer fällt, "wird Ihnen College Schiller vorlesen, was der JnhaÜ bietet. (I: Schiller bringt den Bericht, der in nächster Nummer abgedruckt wird, zur Verlesung.) M Rosen feld, Pi sek: ״Es kostet gewiss viel Opfer und Mühe, dieser Arbeit sich in solcher Weise zu entledigen, und ich würde die Anwesenden ersuchen, dem Vorstände sowie dem Vereinscassier unseren Dank auszusprechen." I. Schwarz, Mähr.-Weißkirch e N, beantragt Ertheilung des Absolmoriums. (Geschieht durch Erheben von den Sitzen.) ׳ Schriftführer A. R o t t e r verliest die eingelangten Telegramme: ״Herzlichen Gruß und Glückwunsch von dem leider nicht assistiren könnenden \ Sülzer, Ob.-St.-Veit^ ״Dreifaches Hoch der Versammlung und dem Gedeihen des Vereines von I. Weiß, Tobitschau." Der Vorsitzende begrüßt, die anwesenden Gäste: Dünmann, Wien; Gruschka, M.-Kromau; Friedwald, Miskolz; Rothwein, Butschowch, Weinberger, (vormals in Prag); Zelinka, Korneuüurg, und gibt der Hoffnung Ausdruck, dass dieselben dem Vereine beitreten werden. (Einige erklären, dass sie dies nach Beendigung der Berathungen thun werden.) Auf eine Anfrage' von ׳I. Stransky, Trautenau, wird vom Vorsitzenden eine beruhigende Erklärung über die Rechtsmäßigkeit und Beschlussfähigkeit der Heutigen Versammlung ertheilt. (Die Versammlung stimmt dieser Erklärung einstimmig bei.) Hierauf wird zu Berathung der Statuten geschritten. ■ ' n _ ־ ״Der Verein führt den Namen ״Oesterreichisch-ungarischer Cantoren-Verein" und hat seinen Sitz in Wien." Wird ohne Debatte angenommen. . § 2. Der Zweck des Vereines besteht in der Wahrung und Förderung der socialen-Interessen des Cantorenstandes und der materiellen .Interessen der Vereinsmitglieder." Jon. Stransky, Trautenau: ״Schön seit vielen Jahren drängt es mich, einen Uekelstand zur Sprache zu bringen, der in einer dergrößten Gemeinden der MouarchieMin.. Prag, zu Tage tritt. Daselbst werden Individuen zu cantoralenFunctionen zugelassen, die weder fachliche noch moralische Eignung hiezu besitzen. Sie werden mich fragen, warum.haben Sie, der Sie seinerzeit ebenfalls in Prag als Cantor fungirten, dem nicht abzuhelfen gesucht. Wir Prager Cantoren haben zu diesem Behufe eine Berathung abgehalten und eine 'Eingabe an das Oberrabbinat beschlossen. Nach dem ersten mißlungenen Versuch jedoch, diese Eingabe zu überreichen, haben die Herren Collegen die Flinte in's Korn geworfen, und so ruht dieselbe noch jetzt in meinen Händen. Bei Trauungen, welche daselbst sehr oft in großen Hotels vorgenommen werden, hört man Leute fungiren, -deren sonstige Beschäftigung der Ausübung ritueller Functionen offenbar Hohn spricht, und auf diese Weise wird das Ansehen des Cantorenstandes geschädigt und mit Füßen getreten. Redner beantragt daher folgende Resolution, welche zur Kenntnis des Prager Cultusvörstandes gebracht werden soll: ״Die GeneralversaMmlung des österr.-ung. Cantoren Vereines spricht zur Wahrung des Ansehens des Cantorenstandes ihr Misfallen darüber aus, dass׳ in Prag Leute zu cautoralen Functionen zugelaffen werden, 'welche hiezu weder' fachliche noch moralische Eignung besitzen, wodurch nicht ־ nur die Würde des Cantorenstandes, sondern auch die des jüdischen Cultus untergraben wird." (Diese Resolution, mit deren Ausführung .der Vereinsvorstand dringlich betraut wird, wird einstimmig angeuommen. Ebenso §. 2. in obiger Fassung ) ־ .3 -8 ־ ״Dieser Zweck wird insbesondere erreicht: a) Durch Besprechung -der Standesinteressen in dem Vereinsorgane, der österr.-ung. Cantoren-Zeitung, und Wahrung derselben nach jeder Richtung hin. . b) Durch Anstrebung staatlicher Anerkennung der Cantoren - und Gleichstellung derselben mit geistlichen Functionären. c) Durch Unterstützung berufsunfähiger Mitglieder, sowie der Witwen und Waisen verstorbener Mitglieder, eventuell durch Gründung einer Pensionscassa. 6) Bei Vorhandensein zureichender Mittel durch Gründung einer Cantorenschule." ' ad a) A. Freisinger, Pilsen: Was versteht der Vorstand unter ״Wahrung der. Interessen nach jeder Richtung hin?" Vorsitzender: Ich habe schon früher bemerkt,- dass der Vorstand in die Lage gekommen ist, durch seine Intervention die Stellung eines Caniors in der Gemeinde zu festigen, eventuelle Angriffe gegen das Cantorenthum im Allgemeinen zurückzuweisen, und wir haben auch die Aufgabe, auftretende Uebelstände von Fall zu Fall zu rügen und für deren Abhilfe Sorge zu tragen. - A. Freisinger wünscht eine erweiterte Erklärung. Der Vorstand soll nicht erst die Beschwerde eines Collegen abwarten, sondern sich schon früher mit allen Cultus gemeinden in Verbindung setzen, so dass derselbe gewissermaßen als Anwalt der Cantoren zu fungiren hat. Es gibt viele Gemeinden, w lche nicht einmal etwas von der Existenz des Cantorenvereines wissen, und durch ein diesbezügliches Circular an die Gemeinden könnten diese Intentionen erfüllt werden. Hiedurch würde eine moralische Pression auf die Cantoren ausgeübt werden, dem Vereine zahlreich beizutreten. I. Stransky: Den Ausführungen des. geehrten.Vorredners möchte ich noch hinzufügen, dass der Vorstand gleichzeitig die Gemeinden auffordere, durch jährliche Beiträge den Verein zu unterstützen, da