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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1887-07-16 · Heft 24 (16.7.1887) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 24 (16.7.1887)
Date
1887-07-16
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Selbst diejenigen, welche ännehmen, dass bei ihnen die erforderlichen Bedingungen zutreffen, müssen zuvörderst das von Herrn Lapuya gegründete Counts befragen und sich seiner Zustimmung vorher vergewissern. - Die Einwanderung scheint jetzt nur -— und auch dies in sehr geringem Maßstabe — für die Israeliten der zivilisirten Länder oder die Israeliten Afrikas und der Türkei möglich, die das Spanische sprechen. Schon die Einschränkung beraubt dieselbe ihrer Wichtigkeit und ihres Nutzens für das-Indenthum. Da der Einwanderer ein Kapital mitbringen muß, wäre es eine Chimäre, zu glauben, dass andere Beweggründe als sein Interesse ihn verleiten könnten, nach Spanien zu gehen. Mit anderen Worten, die Frage hört anseine öffentliche zu sein, und hat nur einen privaten Charakter. Es wäre ebenso chimärisch anzunchmen, dass man mittellosen Emigranten Kapitalien verschaffen könnte. Diejenigen, welche so denken,v haben keinen Begriff von den Schwierigkeiten, welche ein Auswanderungswerk bietet, und von der Größe der Summen, die erforderlich sind, um dasselbe zu unterstützen, lind wäre es auch in kleinem Maßstabe.- Selbst wenn eine israelitische Gesellschaft die Mittel besäße, eine dortige Auswanderungs-Strömung zu begünstigen, müßte sie sich die Frage stellen, ob sie ihre Mittel nicht sicherer, nützlicher und weniger gewagt anlegte, wenn sie die Auswanderung nach einem anderen Welttheile lenkte; ob sie nicht die größte Verantwortlichkeit übernehme, indem sie die Einwanderung in ein Landunterstützt, wo noch nicht eine jede Gefahr für die Juden geschwunden ist. Sollten also die Bemühungen des Herrn Lapuya fruchtlos und unbelohnt bleiben? Wir glauben es nicht. Er wird die öffentliche Meinung in Spanien vorbereitet haben, er wird dadurch so manchen israelitischen Kaufmann oder Industriellen nach dort ziehen, seinem Gesichtskreise aus gar .zu streng beurtheilte. Ich werde gleich nach dem Gottesdienst zu ihm gehen, vielleicht ist mittlerweile eine Besserung eingetreten, und meine Gegenwart. könnte dann auf sein Gemüt wirken, denn er ist davon überzeugt, dass ich ihn verehre. Doch wir müssen eilen, es schlägt vier Uhr." Gleich nachdem die beiden Herren ihre Plätze eingenommen hatten, trat Behrens vor. Sein feines Profil wurde durch das Helle Licht der Kerzen beleuchtet und ein leises Beben durchzuckte seine Lippen; seine ebenmäßige, schlanke Gestalt zeichnete sich in dem eng anschließenden, langen Talar vortheilhaft ab, das dichte, kastanienbraune Haar quoll üppig unter dem Käppchen hervor, und seine dunkeln, leuchtenden Augen richteten sich aufwärts, als er das Minchagebet leise vorbetend begann. Man vernahm vorläufig nur den woltönenden Klang seiner Worte, doch immer voller wurde der Tonfall, derselben, und als er das Minchagebet beendet hatte, klang seine Stimme sicher und klar; mit Heller Tenorstimme begrüßte er den nahenden Sabbath, die Töne schwollen höher und höher, und wie eine Zaubermacht ergriff es das Auditoruim, als er von Strophe zu Strophe schöner und herrlicher den Reichthum seiner Stimme entfaltete, auf Adlerslügeln fühlte sich die Seele des Zuhörers emporgehoben, und andächtig falteten sie die Hände in einander, als fühlten sie die Nähe des Höchsten. Als die letzten Töne, mit welcher die Sabbatbraut begrüßt wird, verhallten, hörte man einige Minuten keinen Laut, erst allmälig schien sich der Zauberbann zu lösen, und einzelne Gemeindemitglieder beteten wieder leise mit. Nach Beendigung des Gottesdienstes verließ man langsam die Synagoge, welche heute ungewöhnlich reich besucht war. Zuletzt ging Behrens mit Herrn Bärwald und den. Herren Guttmann aus dem . Tempel, und alledrei Herren drückten dem jungen Cantor schweigend die Rechte, und dieser fühlte, ohne dass man belobigende Worte sprach, an dem Händedruck die Zufriedenheit mit seinen Leistungen. der noch zauderte, der sich aber entschließen wird, sich in Spanien niederzulaffen, da man ihm eine so wohlwollende Aufnahme verspricht. Unserer Ansicht nach wird die Niederlassung. einer großen Anzahl von Juden in Spanien ganz allmählich vor sich gehen, von Frankreich und Marocco aus. In den Hafen- und Grenzstädten findet sich gewöhnlich ein weniger beengter Geist;- dort werden die Israeliten auf geringere Vorurtheile stoßen, und sie werden nach einem mehr oder minder langen Aufenthalt in diesen Gegenden in das Innere des Landes dringen können. Es wird dies eine langsame Evolution werden; keine israelitische Gesellschaft hat die Kraft, um sie anzutreiben, und die ernste Verantwortlichkeit auf sich zü laden, die aus einer solchen Intervention entstehen könnte. Nur eine Regierung, die über die Gesetze, die Macht, die öffentlichen Einnahmen bestimmt, könnte ein solches Werk unternehmen. Ohne den moralischen und pecuniären Beistand der spanischen Regierung, muß die Einwanderung der Juden in Spanien der individuellen Initiative überlassen bleiben. Der moralische Beistand eines Werkes, wie das Centrum, ist jedenfalls vom großen Werth, aber unter der Bedingung, keine künstliche -Einwanderung hervorzurufen. Dev Einzug der Israeliten in Spanien muß sozusagen durch sich selbst herbeigeführt werden, durch das natürliche Spiel der ökonomischen Gesetze und der sozialen Kräfte. Emgestn-et. GeeHrter Kerr Aedactenr! Da Sie jederzeit bereit sind, für die Interessen der Cantoren einzutreten, so werden Sie hoffentlich auch nachfolgender Beschwerde in ihrem geschätzten Blatte Raum geben: Nicht genug, dass man von Serie mancher Cultusgemeinden die Cultusbeamten aus leichtbegreiflichen Gründen zum Cölibate zwingen will, wovon die übliche Clausel in den Concursausschreibungen ״Ledige werden bevorzugt" oder die Herr Weinstein, der erste Gemeinderath, lenkte seine Schritte nach dem Hause Dessaueis. Er betrat das geräumige Wohnzimmer, in welchem der Kranke im Bette lag. Die schweren Athemzüge desselben verriethen, dass er schlummere. Dr. Eberhardt saß bei einem Tischchen und verschrieb ein Recept, während Deborah ihrem Vater kalte Umschläge auf's Haupt legte. Als Herr Weinstein grüßte, wurde der Kranke unruhig und begann van Neuem, wie es sich während des Tages schon oft wiederholt hatte, zu phantasiren: ״Ha ich sehe ihn, den schönen Jüngling, der mit seinem Gesang mir die Herzen meiner Gemeindemitglieder abwendig macht, o, er raubt mir mein Amt, warum nahm er nicht erst mein Leben! — Doch nein," rief er sich aufrichtend, während Deborah ihn wieder sanft in die Kissen gleiten ließ, ״ich kann dich nicht verlaffen, mein treues, krankes, hilfloses Weib, und dich, meine engelsgleiche Tochter, mein einziges Kind, mein Trost, meine Hoffnung, du mein leuchtendes Bild in der Finsternis meines Daseins, nein, ich muß leben, leben und leiden! Was wollt ihr von mir ihr finsteren Gestalten, hinweg, hinweg, latst ab, ich muß leben für Weib und Kind, denen das Herz brechen würde, wenn ich so elend unterginge. Ha sie weichen, d e schwarzen Gesellen, ach! es wird, hell um mich, ah, eht, seht, die Pforten des Himmels öffnen sich, zu meiner Rechten Michael, 311 meiner Linken Gabriel, vor mir Uriel, hinter mir Raphael und über mein Haupt Gottes Herrlichkeit! O, Erhabener, Höchster über mir, hilf, hilf!" und wieder richtete sich der Kranke auf und hob seine Hände empor. — Doch ermattet von der Anstrengung sank er zurück und athmete wieder schwer im Schlafe, während große Schweißtropfen von seiner Stirne perlten. iFortsetzung folgt.) : TSR

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