Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 24 (16.7.1887)
- Date
- 1887-07-16
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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— S ״Familienanzahl ist anzugeben", Zeugnis äblegen, wird diese Rückstchtslosigkeit, man sollte es fast nicht glauben, von fachmännischer Seite noch unterstützt. Herr Musikdirector D. Rubin in. Prag empfiehlt nämlich den Gemeinden ledige vacante Cultusbeamte, wahrscheinlich solche, die in feinem Institute zu Cantoren herangebildet wurden. Demnach wäre dieses Institut auch ein Placirungs- Institut.. Ob ein solcher Vorgang zu billigen ist, im Wirkungskreise des Institutes liegt und mit den Intentionen des Herrn Rubin sich gut vereinbaren lässt, steht in Frage. Die Abstellung solcher Manipulationen ist dringend gerathen. Möge die löbliche Redaction darüber ihre Aeußerung abgeben. . - x. y. z. Wir können darin nichts Unrechtes erblicken, dass Herr Rubin die von ihm herangebildeten Zöglinge mit Empfehlungen versieht. Dass.dieselben zumeist ledigen Standes sind, versteht sich fast von selbst, da sie ja eben aus der Schule herauskommen. Nur wenn durch ein bestimmtes Factum erwiesen wäre, dass Herr Rubin einem seiner Schüler als einen '״ledigen Cultusbkamten" in einer Gemeinde empfohlen, die über keine Vakanz verfügt, und hiedurch den im Amt befindlichen, verheirateten Funktionär verdrängt hätte, dann müssten wir gegen sein Gebühren Stellung nehmen. So lange dies nicht geschehen ist, können wir ihm keinen Vorwurf machen, wol müssen wir aber ihm einige Vorsicht anrathen. ׳ Die Red actio n. Meine Chronik. Wie«. Der Verein ״Admath Jesdmrun“ zur Colonisirung Paläsüna's versendet nachfolgenden Aufruf: Stammesgenosfen! Jedem, der die Geschichte der Juden der letzten Zeit verfolgt, sind die Maßregeln bekannt, die seit einigen Jahrzehnten zur Verbesserung der Lage unseres Volkes getroffen worden sind. Was alle diese Mittelchen und Kurpfuschereien genützt haben, ergießt sich aus. der unleugbaren Thatsache, dass heute nicht nur im Norden sondern atzch in den anerkannt civilisirtesten Ländern Europa's der -Judenhass sich in einer für das Judenthum wenig verheißenden Weise breit macht.׳ Erst der jüngsten׳ Zeit war es Vorbehalten, zur endgiltigen Lösung der ewig offenen Judenfrage ein bereits von Lord Benjamin Disraeli -sBeaconssield) und anderen wahren Judenfreunden vorgeschlagenes Projcc: in Angriff zu nehmen. ׳Wir meinen die Colonisation Palästiua's. Arbeit aus jüdischem Boden ist die Devise dieses Unter- -uehmcns. Unser materialistisches Zeitalter sieht nicht mit Unrecht in der Arbeit die Quelle allen Glückes, und Hand in Hand mit der matcrialistischen Arbeit geht die ideale Begeisterung für das heilige Land unserer Väter, für die heiligsten, religiösen und moralischen Principien, die dem Judenthume und der ganzen Menschheit in diesem׳ Lande gegeben wurden. An Arbeit fehlt es wohl auch heute nicht im Judenthume,' woran es aber Noth thut, das ist die freie und unbehinderte Entfaltung der Arbeitskräfte, des Selbstbewusstsein, das dem Manne Kraft und Muth verleiht. Der Versuch ist bereits gemacht und — wie wir'mit Freude constatiren — ist derselbe ein vielver sprechender. Es bestehen bereits in Palästina mehrere Colonien, die von wohlthätigen, hochherzigen Männern unseres Volkes gegründet .und für den Anfang unterstützt, den schlagendsten Beweis liefern, dass der vielverschmähte Jude fähig ist, aus einem verwüsteten, vernachläffigten Boden ein Paradies zu schaffen. Im buchstäblichen Sinne' des Wortes bewahrheitet sich der Ausspruch des Propheten ״Sie ־ werden Hauser bauen und sie bewohnen, Weinberge pflanzen und ihre Früchte genießen" (Jesaja 65, 21.) Ackerbau und Industrie beginnen auszuleben und zeigen deutlich, wie der ebenso viel gepriesene wie gelästerte praktische Sinn des. Judenthums hier Großartiges leisten, konnte. Ein -chwacher Anfang ist gemacht; allein soll das begonnene Werk glücklich vollbracht werden, muß das Eisen geschmiedet werden, so lange es glüht. Eine Anzahl der bereits bestehenden Colonien bedarf dringender Unterstützung, neue sollen gegründet werden, und so bedarf cs der Mitwirkung aller Stammesgenossen, um das große Werk der Aufrichtung unseres gebrochenen Volkes zü vollbringen. Nicht durchÄne vorübergehende Hilfeleistung, sondern nur durch eine systematisch angelegte, auf sicherer Grundlage basircnde gemeinschaftliche Action bann es -gelingen, das herrschende Elend im Judenthume siegreich zu bekämpfen. Brüder! Zu diesem : Behufe wendet sich .der Verein ״Admath Jeschurun“ an Euch mit der ׳Bitte: Schließet Euch demselben an und traget hierdurch ein Schärflein bei, zum großartigen Riesenwerke der Befreiung unseres Volkes aus der gegenwärtigen traurigen Lage durch Gründung von jüdischen Ar- ׳ beits-Colonien im heiligen Lande unserer Väter. -Die Zukunft wird Euer Andenkeu.segnen und die Geschichte Euere That preisen. . ״ Die Vereinsleirung. Beitrittserklärungen und Spenden sind zu richten an: Herrn Dr.' med. Maurice Schnirer, VIII., Tulpengasse 6, M. Spiegel, Kaufmann, il., Unt. Augartenstraße 23, Lazar Rathhaus,. Buchhalter, H.,. Lilienbrunngasse 6. ' _ Wien. Der Herzog Ernst von Coburg-Gotha hat mittelst eines sehr schmeichelhaften Handschreibens .dem bekannten Cello- Virtuosen,lHerrnJoseph^Sulzer^ Sohn des Professor Sulzer und Solospieler^^verQk Hoföper in Wien, die Medaille für Kunst und Wissenschaft am grüusilbernen Bande verliehen. - Wudapest. Fräulein Rosa Suschny, die Tochter unseres verehrten College» I. Suschny in Pest, welche durch zwei Jahre .mit bestem Erfolge als Sängerin am Hoftheater zu Cassel wirkte und daselbst der ausgesprochene Liebling des Publikums war, gedenkt nunmehr die Bühne zu verlassen, um einem angesehenen und reichen ׳ Manne die Hand für's Leben zu reichen. Fräulein S. hat sich mit dem Großfabrikanten Herrn Louis Mosbacker in Kassel verlobt und beendet mit dem Schluß der Saison ihre leider zu kurze künstlerische Laufbahn an der dortigen Oper Zu dem. frohen: Familienereignis gratuliren wir unserem werthen College!: recht herzlich. Werlirr. Professor Dr. M. Lazarus hat in:'Aufträge des rumänischen Comites in. Berlin dem jüdischen Hilfs-Comite in. Botuschani' 10,000 Francs übersendet, welche Unterstützung von Seite des jüdischen Hilfs-Comites an die Abgebrannten ohne Unterschied der Confession gleichmäßig vertheilt wird. Zürich. M. 'W. In der Schweiz lässt die Schächtsrage die Antisemiten nicht zu Ruhe kommen. Die Thierschützler wollen jetzt, .da sie bei der . eidgenössischen Bundesregierung keinen Erfolg zu , erwarten 'haben, bei "den Einzelregierüngen Schritte thun, um ste in ihrem Sinne zum Einschreiten zu bewegen. Die Winterthürer Zeitung, welche diese'Nachricht bringt, bemerkt, hiezu, dass nach der Aufnähme, welche ein gleiches Ansinnen bei der deutschen Reichsregierung gesunde!: hat, auch bei den schweizerischen Einzelregierungen kein großes Entgegenkommen zu erwarten sei; auch sei, nach den-von großen Autoritäte!: über diese Frage abgegebenen Gutachten, es doch sehr zweifelhaft, ob das Schächten eine thierquälerische Tödtungsart sei. Indessen dürften die Israeliten in der Schweiz in dieser. Angelegenheit doch noch manche Beunruhigung erfahren. Wurde ja in neuerer Zeit in einen: Schweizer Städtchen von der zuständigen Behörde, wie dieselbe Zeitung berichtet, die Genehmigung zur Errichtung und. Benutzung eines Schlachthauses nur unter der ausdrücklichen Bedingung ertheilt, dass in demselben nicht geschächtet werde. De Schweizer Israeliten sollten es daher nicht unterlassen, diesen judenfeindlichen Bestrebungen, die unter dem Deckmantel des Thierschutzes sich geltend machen, in der Weise energisch entgegen zu treten, wie solches in Deutschland geschehen ist. Wenn dieses antisemitische Treihen in der I freien Schweiz, wo so viele Israeliten, wie z. B. in Basel, Zürich und St. Gallen sich durch großartige industrielle Unternehmungen um den Wohlstand des Landes so sehr verdient machen, befremdlich und betrübend'zugleich ist, so ist es um so erfreulicher, wenn Männer unseres . Glaubens daselbst auch auf geistigem Gebiete Hervorragendes leisten, wie 'dies z. B. von dem Privatdocenten an der Züricher Universität, Herrn Dr. Stein, gesagt werden kann, dessen Vorlesungen über Philosophie und Pädagogik vom zahlreichsten Auditorium 'an der Universität besncht werden. Es ist ihm auch von der Züricher Regierung das philosophische Lehramt am Polytechnikum übertragen. Bei meiner jüngsten Anwesenheit in Zürich folgte ich seiner Einladüng zu einem Vortrage an der letztgenannten Anstalt. Ich fand den großen Saal bis auf den letzten Platz besetzt. Unter den Zu- Hörern befanden sich auch viele Damen, besonders Amerikanerinnen, sowie der greise Rector der Universität, welcher bei keinem dieser Vorträge fehlt und den Worten des Vortragenden mit gespannter Aufmerksamkeit lauscht.. Besonders erfreulich ist es, dass Herr Dr. Stein voll und ganz dem Judenthurn zugelhan ist und die Satzungen desselben in seinem Hause bethätigt.