Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 24 (16.7.1887)
- Date
- 1887-07-16
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Milliarden ausmacht; dasjenige Englands auch nahezu 3 Milliarden, dasjenige Italiens (300,000 a Kilometer, 30 Millionen Bewohner), mehr als 1% Milliarden. Die Einfuhr nach Frankreich erstieg im. Jahre 1883 nahezu 4 Milliarden, in Spanien 893 Millionen. Im Jahre 1884 hatten: Frankreich 31,200 Kilometer Eisenbahn;/ Deutschland 36,700 England sammt Irland 30,500 Kilom., Spanien 8,600 Kilom., Italien 7,700 Kilom. Man weiß, dass eine große Anzahl Spanirr nach Amerika auswandern, und dass Algier seinerseits ein großes Contingent Spanier empfängt, die dort auf bessere ökonomische Verhältniße als im eigenen Lande hoffen. Ist es richtig, die Einwanderung nach einem Lande zu begünstigen,, dos so zahlreiche Auswanderungen zu verzeichnen hat? Ist die öffentliche Meinung in Spanien genügend vorbereitet für eine jüdische Einwanderung? Es gibt im Lande zweifelsohne sehr viele Gebildete, die erhaben sind über Vorurtheile und von den edelsten Grundsätzen der Civilisation beseelt.... Eine große Menge öffentlicher Persönlichkeiten und spanischer Gelehrten haben seit Jahren die besten Beweise ihrer Sympathien für die Juden gegeben, und der Autor dieser Zeilen hat deren selbst empfangen, aus die er den höchsten Werth legt. Sind aber diese hervorragenden und großmütigen Männer die Herren über die öffentliche Meinung und sind sie sicher, dieselbe handhaben zu können, wie sie es möchten? Es ist Thatsache, dass die Ankunft einer großen Anzahl von Juden in Spanien ein Ereignis wäre; die Phantasie des Volkes könnte sich auftegen, und wer könnte dafür stehen, dass nicht ein Ausbruch entstünde, deren Opfer die Einwanderer wären? Man hat auch mit Recht darauf hingewiesen, dass der Sozialismus in Spanien sehr verbreitet ist, und -außer dem Widerstand, den die jüdischen Auswanderer durch die Vorurtheile der Bevölkerung zu fürchten hätten, würden die jüdischen Handwerker, die jüdischen Kaufleute und Capitalisten bald der Eifersucht, dem Neid und dem Hass Der junge Cantor. Eine Erzählung von Cäcilie L ö w y. (15. Fortsetzung.) Jetzt erhob sich Bankier Guttmann sen. und sprach: ״Sie erlauben, meine Gechrten, dass wir uns wieder in's Hotel begeben, um uns für den Besuch der Synagoge vorzubereiten, denn es ist schon spät und ich möchte meiner Gewohnheit treu bleiben, im Gottes- Hause vor Beginn des Gebetes zu erscheinen, denn ich' liebe die Pünktlichkeit über Alles." ״Ja, in unserem Hause waltet Frömmigkeit", sagte Edmund, ״und ich war ganz froh, als ich meinem Vater in dieser Beziehung die günstigste Auskunft geben konnte, wer weiß, ob mein lieber Vater meinen Wünschen sonst geneigt gewesen wäre". -M ״O, es wäre mein sehnlichster Wunsch", erwiderte Frau Bärwald, ״wenn die jungen Leute ganz im Sinne ihrer Eltern ihre neue Häuslichkeit gründen wollten". ״Wer Mama", sprach Elise, ״kannst du einen Augenblick daran zweifeln, dass mir deine Ermahnungen heilig sind?" ״Nun, ereifern Sie sich nur nicht, mein Kind," sprach Frau Guttmann, ״wir hoffen gewiss alle das Beste von der Zukunft." Hierauf verabschiedete sie sich und auch ihr Gemal und Edmund mit Behrens folgten ihnen. Emma blieb noch auf ein Plauderftündchen bei Elise. vm. Ein schöner Winterabend war dieser Freitag-Abend, an welchen( der junge Simon Behrens zum ersten Male das Gotteshaus inD. der christlichen Konkurrenten und Sozialisten im Allgemeinen ausgesetzt sein. Was sind übrigens die' vom Centrum selbst und allen in Spanien wohlbewanderten Publizisten ungegebenen günstigen Bedingungen? Sie begegnen sich alle in folgenden Punkten: Die Einwanderung muß allmählich und in ganz geringen Verhältnißen vorsichgehen; die Einwanderer müssen ein gewisses Vermögen besitzen, oder die Gewissheit einer gesicherten Existenz. Keinesfalls dürfen arme Leute, hingehen, die von Unterstützung leben müßten. Diejenigen, welche zuerst hingehen dürfen und müssen, sollen mehr oder weniger mit Capital versehene Industrielle und Kanfleute sein. Die kleinen Krämer, Kauf- und Spezereihändler können nicht vorankommen; die Concnrrenz auf diesem Boden ist schon sehr groß in Spanien. Die Kenntnis der Sprache und eine gute Aussprache des Spanischen sind erforderlich. Eine gewisse äußere Eleganz, eine gute Haltung und Distinguirtes in Anzug, Bewegung und Gang sind von nöthen; ja selbst auf den Schnitt des. Bartes kommt es an. Die Israeliten Rumäniens und Rußlands, deren Aeußeres soweit entfernt ist vyn dem spanischen Ideal, und deren Manieren nicht gerade sehr viel Adel aufweisen, würden im Lande nur auf Widerwillen und Verachtung stoßen. . Da diese Bedingungen von allen Wohlgesinnten für richtig befunden werden, so ist der Schluss leicht zu ׳ziehen: Kein armer׳Israelit aus Rumänien, Rußland, dem Orient, noch aus irgend einem Lande, darf zur Z eit nach Sp ani en. Ein jeder muß wissen, dass keine Hülse für ihn in Bereitschaft steht, und dass Keiner ihm zur Seite stehen würde. betrat, um vor der versammelten Gemeinde seinen Probevortrag zu halten. Der reine Schnee glitzerte im Mondenscheine und knirschte .unter den Fußtritten der Leute, die unaufhörlich in. den Tempel eilten; hin und wieder hörte man den einen zum anderen sprechen: ״Ah; heute ist eine gesunde, frische Kälte!" Ganz zuletzt sehen wir noch zwei ältliche-Herren die.schmale Judengässe passiren, die, in kostbare. Pelze gehüllt, schweigend neben einander herschritten. ״Warum so nachdenklich, Herr Berliner?" unterbrach Herr Weinstein das Schweigen. . ״Nun, wissen Sie denn nicht, dass unser Dessauer bedenklich erkrankte," antwortete der Vorsteher, ״ich begegnete eben dem Doktor Eberhard, der, wie Sie wissen, ein alter Praktikus ist, und dieser erwiderte auf meine Frage: nicht unbedenklich? Nervenfieber! — Ich muß Ihnen gestehen, diese Affaire regt mich auf, denn ich habe das unangenehme Gefühl, dass wir nicht im Sinne unseres alten Gemeindebeamten gehandelt, und doch ließ sich nicht voraussehen, dass unser Handeln dem frommen Mann so zu Herzen gehen-wird. Ist er doch klug Und einsichtsvoll, und hätte er doch glauben sollen, dass wir hauptsächlich beabsichtigen, ihm die Bürde des Amtes, das doch für sein Alter immerhin beschwerlich war, zu nehmen. Aber der Gemeindediener, den ich heute einige Mal hinaufschickte, um. nach dem Befinden Deffauers zu fragen, gestand mir endlich, dass die alte Frau jammere:- man hätte ihn im Amte lassen sollen, er wird es nie und nimmer verschmerzen können, dass bei seinen Gemeinde- Mitgliedern alle Frömmigkeit gewichen, dass sie nur noch Sinn haben für den schönen Gesang und vergessen aus ganzem Herzen den Namen des Einzigen anzurufen. ״Hm, hm,"׳ sagte Herr Weinstein, das Haupt wiegend, ״ich war den ganzen Tag im Bureau und habe keine Ahnung von diesem traurigen Ereignis, das mich sehr schmerzlich berührt, doch ich hoffe, Gott wird ihm helfen, und er wird hoffentlich einsehen, dass er von