Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 24 (16.7.1887)
- Date
- 1887-07-16
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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sasser des besagten Psalmes Moses war, ist unbestreitbar festgestellt, denn alle Commentare, Raschi, Redak, Jbenesri ׳ und Biur halten den Gottesmann Moses für den intellektuellen. Urheber desselben. Auch sind unverwüstliche Spuren , in dem Signalemente dieses Psalmes enthalten, die unleugbar sind, dass Moses der Schöpfer dieses erhabenen Liedes sei, da dessen Name in den Anfangsbuchstaben der Aufschrift desselben enthalten sind.משה — מזמות שיר ליום השבת ׳. Dass er schließlich für den Samstag bestimmt war, besagt ja schon die Aufschrift: ״Ein Psamlied für den Sabbat". (Fortsetzung'folgt-) . Cantor und Lrhrer. Mit lebhaften! Interesse verfolgen wir die Debatte, die sich in der ״israelitischen Wochenschrift^ in Magdeburg über die. Verquickung des Cantor- und Lehramtes in den jüdischen Gemeinden Deutschlands entspannen hat. Da die Verhältniße bei uns in Oesterreich - Ungarn fast analog sind, bringen wir im Nachfolgenden einen diesbezüglichen, unter obigem Titel in dem genannten. Blatte veröffentlichten Artikel, zum Abdrucke und hoffen, dass die geschätzten' Mitarbeiter der öfter, ung. Cantorenzeitung dieser hochwichtigen Frage ihre volle Aufmerk-- samkeit znwcnden werden: Schon seit längerer Zeit beschäftigte die Leser der israelitischen Wochenschrift eine Polemik zwischen Herrn W. Bodenfelde und I. Norden, welche sich im großen Ganzen um die Frage-dreht: Ist es nothwendig, dass die Seminarien ihren Zöglingen eine Ausbildung zu th'eil' werden lassen, welche dieselben in den Stand setzt, allen Anforderungen, welche das moderne Kantorat an sie stellt, gerecht zu. werden, und müssten nicht demzufolge-nur stimmbegabte, musikalisch vorgebildete Zöglinge an denselben ausgenommen werden? Ein persönliches Interesse veranlasste .mich, dieser Angelegenheit einmal näher zu treten, und nach dem bekannten Grundsätze, dass Zahlen beweisen, statistisches Material zur Beantwortung dieser Frage zu sammeln. Durchaus berechtigt ist die Forderung des Herrn I., welcher Verlangt, dass an den Seminarien unter Zugrundelegung eines dies- "bezüglichen, allgemein anerkannten Werkes die Zöglinge zum Cantorat ousgebildet werden, und dass endlich mit dem Schlendrian, welcher nebensächlicherweise diesen Unterrichtszweig - alten, unfähigen und unmusikalischen Personei?, welche den -einzigen Vorzug haben, dass sie vor vielen Jahren auch einmal als Vorbeter stmgirt, überweist, gebrochen werde. Denn-rechnen wir mit den Thatsachen und bestehenden Verhältnißen. Mindestens zwei Drittel-aller deutschen Gemeinden sind nicht in der Lage, neben dem Lehrer auch noch einen Cantor' besolden zu können, und in allen' diesen Gemeinden muß der Lehrer als Cantor .fungiren, und bei fast allen Vacanzen in diesen Gemeinden wird, wenn nicht eben die staatliche Behörde ein Wort mitzureden hat, in erster Linie darauf gesehen, ob der Kandidat ein tüchtiger Cantor ist. Ein einseitig verfehlter Standpunkt wäre indessen, wollte man nun nicht stimmbegabten oder nicht musikalisch vorgebildeten Aspiranten aus diesem Grunde den Eintritt in das Seminar verweigern. Ich bin durch das freundliche Entgegenkommen vieler Collegen in die Lage versetzt, über die. Stellung der Lehrer in den größeren Genieinden ziemlich ausführlich berichten zu können. Da wäre denn die erfreuliche Thatsache zu konstatiren, dass durchweg in fast allen größeren Gemeinden die Lehrer vom Cantorate vollständig befreit sind. In allen diesen Gemeinden ist man Gott Lob. zu der Ueberzeugung gekommen, dass Cantorat und Lehramt glicht durchaus in einer Person vereinigt sein müssen, sondern dass, wenn eine Gemeinde irgendwie dazu in der Lage ist, sie sich auf den Standpunkt stellen muß * Für den Lehrer die Schule, für. den Cantor die Synagoge. Denn nichts ist trauriger und tiefbetrübender; als wenn Jemand auf einen Platz gedrängt wird, den er nicht ausfüllen kann, wenn der Cantor ohne pädagogische Bildung die Schule durch seine Leistungen in derselben zu einem Schreckensbilde in der Gemeinde macht, oder wenn umgekehrt der Lehrer, der eine kantorale Ausbildung nicht genossen, im Cantorate pfuschen zu müssen, sich gezwungen sieht. Dass in dcn großen Gemeinden, wie Berlin, Frankfurt a. M. Breslau, die beiden Aemter von einander getrennt sind, dürfte sich von selbst ergeben, von Gemeinden zwischen 2—5000 Seelen, in denen Lehramt und Cantorat ganz oder theilweise getrennt sind, nennen wir Königsberg, Danzig, Stettin, Posen, Beuthen, Hannover und Cöln, von Gemeinden mit 1—2000 Seelen: Tilsit, Thorn, Lissa, Ostrowo, Rogasen, Schrimm, Kempen, Bromberg, Jnowrazlaw, Gnesen, Gleiwitz, Kattowitz, Ratibor, Altona, Kassel und Aachen; von kleineren Gemeinden mit 400—1000 Seelen: Pr. Stargard, Deutsch-Krone, Potzdam,. Stolp, Pinne, Wreschen, Filehne, Czarnikau,. Graudenz, Kolmar, Strasburg, Zempelburg, Labischin, Königshütte, Tarnowitz, Mislowitz, Halberstadt. Osnabrück, Eschwege und Trier. Ich hatte dabei zunächst nur die preußischen Gemeinden im Auge; in den genannten Gemeinden amtiren 120—150 Lehrer theilweise als Neligions-, theilweise als Elementarlehrer, in jedem Falle aber von cantoralen Leistungen vollständig befreit. Meine kurze statistische Uebersicht macht durchaus nicht den Anspruch auf Vollkommenheit, es gibt außerdem noch eine ganze 'Anzahl kleinerer Gemeinden in den Provinzen Preußen. Posen, Schlesien, Westfalen, Rheinprovinz, deren Lehrer ebenfalls nicht als Cantoren zn amtiren brauchen, so dass die Zahl 200 für sämmtliche jüdische Lehrer Preußens — ich spreche selbstverständlich nur von seminaristisch gebildeten — die eben' nur Lehrer zu sein brauchen, wohl nicht zu hoch gegriffen sein dürfte. Hoffentlich vergrößert sich die Zahl derjenigen Gemeinden, die sich im Interesse der Schule und des Gottesdienstes beit genannten rühmlichen Beispielen anschließen, immer mehr und mehr, und es ist darum nicht einzusehen, warum man nicht intelligente Kräfte, die nicht die nöthige Fähigkeit, oder auch wohl aus manchen Gründen nicht Neigung zum Cantorate haben, infolge dessen dem Lehrerberuse fern halten wollte. M. Steinhardt. Zur Rückkehr -er Jude» nach Spanien. (Schluss.) Außer der Rechtsfrage ist noch die ökonomische und soziale Seite in Betracht zu ziehen, ob eine Einwanderung der Juden in Spanien von Nutzen wäre und ob der geistige Zustand Spaniens nicht hinderlich sein dürste. Spanien ist kein reiches Land. Wenn man dessen sinanzielle und commerzielle Macht mit derjenigen anderer Staaten vergleicht, wird man sich nicht gerade versucht fühlen, dorthin nach Glücksgütern auszugehen. Die Bodenfläche Spaniens kommt ungefähr derjenigen von Frankreich und Deutschland gleich (Frankreich 529,000 □ Kilometer; Deutschland 540,000 cp Kilometer; Spanien 507,000 cp Kilometer; alles in abgerundeten Zahlen); dennoch zählt Frankreich 38 Millionen Bewohner, Deutschland 45 Millionen und Spanien nur 17 Millionen. Das Budget der Einnahmen und Ausgaben betrug in Spanien im Jahre 1883 ungefähr 900 Millionen, wogegen dasjenige Frankreichs (aus ganz besonderen Gründen zwar) drei