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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1887-07-16 · Heft 24 (16.7.1887) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 24 (16.7.1887)
Date
1887-07-16
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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das Familienhaus fei dem Beamten die Ruhestätte nach gethaner Arbeit ושמחת אתה וביתך. Er weile gerne in diesem Hause und .sage: זאת מנוחתי כה אשב כי אויתיה. Endlich auch die Gemeinde Israels wird בית יעקב genannt. und auch hier wird vom jüdischen Beamten verlangt: הוא MI בכל ביתי der Umgang mit jedem einzelnen Mitgliede der Gemeinde sei באמונה In seinen Worten und Handlungen bekunde sich stets eine aufrichtige Treue und Wahrhaftigkeit׳ Unsere Rabbiner sagen: הוה זהיר שלא תתפש במקום דיבורך- Nimm acht, dass deine Rede passt, damit man dich nicht beim eigenen Worte fasst. Herr Rabbiner Wollner hat Recht, wenn er verlangt, dass, die jüdischen Beamten im gesell schuftlichen Verkehr zurückhaltend seien. Der Psalmist sagt, die Götzen werden verehrt, sie haben einen Mund und reden nicht, sie haben Ohren und hören nicht, sie haben Augen und sehen picht; will der Beamte verehrt werden, so soll er außerhalb der Sphäre seiner Thätigkeit nicht alles sehen und hören und über alles reden wollen! So der jüdische Beamte in den obenbezeichneten Häusern ein MI ist, dann wird er mit froher gehobener Stimmung sagen können: בניתי לי בית נאק: Siklos, 8. Juli. Aron Roth, Be;.׳Rabb iner. Der rmheitlütsr Synagogrngesaiig. Von H. N. Heller. Obercantor zu Mißlitz. IV. Hier sei uns gestattet, eine kleine Abschweifung zu machen, um eine Parallele zwischen der Art des Gesanges bei den Israeliten und der anderer Völkern zu ziehen, damit wir uns ein klares Bild über die Verschiedenartigkeit der Tonkunst bilden können. Nur das eine Volk, nämlich die Griechen, sind in oer Lage, einen Vergleich, aber da auch nur annäherungsweise, mit dem Judenthum auszuhalten; denn die Römer erscheinen neben den Griechen in Architektur, Plastik, Malerei, Poesie und Musik lediglich als ihre Epigonen, so dass man nur in höchst bedingter Weise von einer römischen Kunst zu reden vermag. Aber selbst der Kunstsinn der Hellenen war seiner ganzen Anlage nach plastischer Natur, daher sagte ihnen das Gegenständliche und alles, was in das Gebiet bestimmt begränzter Anschauung gehört, viel mehr zu, als ein phantastisches Träumen, oder ein Schwärmen und Schwelgen in Empfindungen und Gefühlen. Eine reale Welt interessirte sie weit mehr als eine Welt, der Phantasie, -einfache Deutlichkeit berührte sie . weit sympathischer als zauberischer Dust. Dass unter solchen Verhältnißen die Skulptur die dominirende Kunst in Griechenland werden mußte, ist fast ganz natürlich, da aber Skulptur und Musik die entferntest von einander stehenden Künste sind, lässt sich leicht der Schluß ziehen, dass in Griechenland. die Musik neben jener ihrer mächtigeren das gesammte Kunstleben des griechischen Volkes beherrschenden Kunstschwester nur zu einer bedingten Entwicklung gelangen konnte. Bei den Israeliten hingegen, wo die Plastik schon von religionswegen stiefmütterlich behandelt worden, mußte, wo der reine Monotheismus der Grundpfeiler des wahren göttlichen Cultus ist, wo jedes Sinnbildliche für das Auge Anschauliche, wenn auch noch so formvollendet und kunstgerecht ausgeführt, strengstens verboten war, kurz mit einem Worte wo jedes Fassliche, Wirkliche, Handgreifliche, wenn auch nur annäherungsweise, als ketzerisch verpönt war, sondern wo nur ein innerer erhabener, gefühlvoller, empfindender, reiner Idealismus als dominirende-Macht platzgriff, versteht, es sich von selbst, dass'bei einer solchen Beschränkung auf dem Nebengebiete der bildenden Künste, desto stärker die Entwickelung der Poesie und Musik׳ bervortreten mußte, darum -hatte auch das hebräische Volk für das Zusammensingen unb den vollen Chorgesang besondere Vorliebe. Es liegt darin einGeineingesühl, ein lebendiges Zusammenwirken, ein Anschließen des Emzelnen an das,Ganze' und schon beim Auftreten des religiösen Gesanges finden wir das Zusammensingen oder den Chorgesang, wie es heißt: »08 joschir mosche uwne jisroel« da sang Moses und die Kinder Israels. Ja noch mehr, religiösen Gesang mit Instrumentalbegleitung treffen wir schon bei den alten He- . bräern an, wie es heißt Ex. Cap. 15' V. 20 21: ״watikach mirjam hanewijo* achos aharon es hatof bejodo watezeno kol hanoschim achareho bsupim üwimecholos wataaa lohem mirjam schiru laadanaj.« Da nahm Mirjam, die Profetin, eine Schwester Aharon׳, die Trommel in ihre Hand und so gingen alle Frauen hinter, ihr mit Pauken und Reigen, und Mirjam sang ihnen vor ״singet dem Ewigen rc." Was für eine. Ironie für die Zeloten unseres Glaubens der Jetztzeit, welche religiöser als Moses selbst sein wollen, da von ihnen das moderne Judenthnm. als ketzerisch und gottlos verschrieen und verpönt wird, weil sie Chor und Orgel in den heiligen Tempel einführen, da jedoch schon, wie oben erwähnt, zu Moses Zeiten zur größeren Ehre Gottes ein Damenchor mitgewirkt hatte. Bis nun traten die Spuren des traditonellen Gesanges sporadisch auf, jedoch mit dem Erscheinen Moses, von dem Momente, . als die Kinder Israels ihren Fuß außerhalb der Gemarkung Egyp- . tens setzten, - beginnt ein neues, frischer pulsireudes Leben. Die musikalischen Leistungen zeigen sich im erhöhtem Maaße, die hundertjährigen Unterbrechungen hören auf, vielmehr bei jeder außerordentlichen Gelegenheit, bei jeder Volksversammlung wird Gesang und Musik angetroffen. - Blicken wir. auf die 40jährige Wüstenwanderschafh welche die Juden auf das Geheiß Gottes durchmachen mußten, so staunen wir über den großartigen Aufschwung, welchen die Musik in dieser kurzen Zeit nahm, denn kaum war ein Monat verflossen, als sie das Herrliche Siegeslied am rothen Meere sangen, .Moses ihnen schon eine Gesangshymne mit Instrumentalbegleitung zur größeren Ehre Gottes komponirte und wahrscheinlich auch einstudirte, nämlich den Psalm 92: »mismor schir lejom haschabbos.« Um dies zu erörtern, sind wir gezwungen ein wenig weiter aus- . zuholen. Als der allgütige, himmlische Vater seine Kinder zur Zeit der Hungersnoth mit der wunderbaren Speise, dem Manna, versorgte, da sprach er zu Moses: »wjozoh boom weloktu dwar jom bejoma lem'aan anasenu hajelech besorosi im Io«. ״Das Volk gehe hinaus und sammle den Tagesbedarf Tag und Tag, um zu prüfen, ob es meine Gebote befolge oder nicht. »Wehoju bajom haschewiji wejochinu ascher hewio wehojo misch.no al ascher jilketu jom. jom«, ״und' es soll geschehen am sechsten Tage, wenn sie zubereiten, was. sie einbringen, soll es das Doppelte sein, gegen das, was sie Tag für Tag einbringen. Ex. Cap. 16, Vers 4—5, ferner Cap. 16, V. 25—30: »wajomer adonaj el mosche ad ono meantem lischmor mizwosajwsorosai reu ki adonaj nosan lochem haschabbos etc«, »wajischbesu hoom bajom haschewiji«. Da sprach der Ewige zu Moses: wie lange weigert ihr euch zu beobachten meine Gebote und Lehren? Sehet, dass der Ewige euch den Ruhetag gegeben rc. — und das Volk ruhete am siebenten Tage". Mit einem . Worte, als der Allbarmherzige das israelitische Volk mit dem kostbaren Edelsteine, nämlich dem Sabbate, beschenkt hatte und dasselbe diesen Ruhetag das erstemal zu dieser Zeit offiziell feierte, glaube ich, hatte Moses den Psalm 92 verfasst und in Musik gesetzt.'Dass der Ver-

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