Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 23 (8.7.1887)
- Date
- 1887-07-08
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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- — härtet,! . steht ein altes. Volk mitten unter allen Nationen, obwohl aufgelöst und ^zerstreut/ dennoch aberein nnttennbaresGanzes bildend,! ein unzerstörbares Gebäude des. grauen Alterthums, ein nnverwüst- Liches / Denkmal längstdghingeischwundener .Zeiten mit - den - räthselhaften Zügen eineruralten.Geschichte beschrieben, mit einer ׳wunderbaren Kraft im Innern fort lebend und beseelt. Das Volk Israel ist einzig.und allein in der Geschichte, aus einer Familie wuchs es zu einem Volke, erräng sich ein selbstständiges Staatsleben,;unterlag wie alle Staaten dem Wechsel des Schicksals, sein kräftiger Bau stWte zusammen, es sah.mächtige Nationen kommen und verschwinden, aber nur Israel gjeng einzig, und allein mit verjüngter Kraft aus seinen Trümmern immer wieder hervqr. Zu:-Besttmdtheilen -ayöerM.Hölker; zerschmolz es nie, sondern ' es blieb' ein Sinnbild, ein-Wahrzeichen langst verklungener Zeiten. Wenn auch hin und her gezerrt, von Morgen nach Abend geschleudert, und von Mittag nach Mitternacht, verscheucht, erstarkte es stets nach einiger Ruhe, um zu seiner ursprünglichen ,Gestaltung, die sein inneres Wesen ausmachen, zurückzukehrcn. — — -4- ׳ . ... Nicht um mit Phrasen herumzuflunkern, sondern nur für diejenigen Zweifler, welche die Frage aufwerfen würden, ob es möglich ist, dass ein Volk, welches aus dem Sclaventhüme hervorgegangen, um abermals iys Sclavenjoch:zu gerathen, und schließlich in Abhängigkeit und Botmäßigkeit zerstreut, nach allen vier Windrosen der Welt! zu leben, gezwungen wurde, sich geistig und moralisch wieder erheben konnte, sandte ich das eben'Gesagte voraus. Tenn das innere Wesen> nach welchem sie strebten, das göttliche Gestirn, welches immer am Horizonte/ihres Ideals leuchtete, die Kraft w lche sie stützte, die Macht welche ihnen ihre Ausdauer verlieh, war unsere heilige Religion, Poesie 'und Musik. Nun kehren wir wieder zu unserem Thema zurück, indem wir einen Zeitraum von 248 Jahren, in welchem unsere Altvorderen den ersten bitteren Wermuthskelch der Scläverei kosteten, überspringen und zur ersten Glanzperiode gelangen, wo es sich schon im Keime zeigte, dass das Judenthum eine Theokratie, ein Gottesreich sein wird; ich meine nämlich den wunderbaren Auszug aus Egypten, den erhabenen, glänzenden Gottessieg am rothen Meeie; und was finden wir hier: die deutlichen, unverwüstlichen Spuren eines traditionellen Gesanges. Hören wir diese merkwürdige-Erzählung, lasst uns bei dieser göttlichen Wunderthat längere Zeit verweilen, betrachten wir den geschichtlichen Stoff mit klaren Blicken und lauschen wir auf diese wunderbare, märchenhaft klingende und doch wahre Begebenheit: Als die Kinder Israels nach zweihundertzehnjähriger bitterer, schwerer und unbarmherziger Sklavenarbeit ihre Ketten und Fesseln abstreiften, ihrunerträgliches Joch endlich von sich abschüttelten und die Luft der Freiheit kaum eine Zeit von sechs Tagen einathmen konnten, setzten ihnen die Egypter schon nach,. und da. heißt es ״wajizaku bne jisroel el adonaj“ da schrien die Kinder Israels zu dem Ewigen (Ex. Cap. 14, V. 11). Allein was verstehen wir hier unter dem Worte ״Zoku“ schreien? Zur Beantwortung dieser Frage müssen wir Josefus Flavins sprechen lassen, um uns die ' Erklärung dieses Wortes deuten zu können, welches er in seinem Werke ״von den alten Geschichten" B. II. Cap. 7 folgendermaßen erläutert. Da er statt des Wortes ״wajizaku“ und des darauffolgenden ״madua tizak elai“ ein vollständiges Gebet, welches Mo es in dieser Drangperiode an den Schöpfer aller Welten richtete, bezeichnete, ist daraus zu entnehmen, dass schon dazumal das Beten durch Gesang und Stimmerhebung zum Ausdruck gebracht wurde- Ja noch mehr, aus dem Nachfolgenden will ich den Beweis erbringen, dass der Gesang im Judenthume so alt als das Judenthum selbst ist, dass Religion und Tonkunst im israelitischen Volke einen und denselben/ Begriff bildeten, dass dieselben wie unzertrennliche Gefährten verschlungen durch das Leben des hebräischen Volkes «änderten. Approbiren wir unser Citat und zergliedern wir es, ob sich aus demselben unsere Vermuthung herausfinden lässt. Im Ex. Cap. 14, V. 30 heißt es: ״wajoscha adonaj bajom hahu es jisroel mijfid mizraim“ so half der Ewige Israel aus der Hand ,der Egypter, ״wajaar jisroel es mizrajim, mes al sfas hajom“ und Israel sah die Egypter todt am Ufer des Meeres, ״wajar jisroel es hajod hagdolo ascher 080 adonaj bemizraim, wajiru boom es adonaj waja^minu baadonaj uwemosche awdo“ und Israel sah die große Macht Gottes, welche er an den Egyptern ausübte, da fürchteten sie den Ewigen und glaubten an den Ewigen und seinen Knecht Mösts. — Gleich darauf folgt: 08״ joschir mosche uwene jisroel es haschiro hasos laadonaj“ da sangen Moses und die Kinder Israel dieses Lied dem Ewigen". Ich glaube nun, es gäbe keinen eklatanteren Beweis, dass Glaube und Gesang im Judenthume indentisch sind, denn kaum ist das inhaltsschwere Wort Glaube vom ganzen jüdischen Volke ausgesprochen worden, nämlich: ״wajaaminu baadonaj uwemosche awdo“, so folgt schon darcnif: ״os joschir mosche uwene jisroel etc.“ Solange kein ausgesprochener Glaube vorhanden war, finden wir auch keinen Gesang, und thun wir noch einen Schritt weiter, so können wir die Hypothese aufstellen, dass wir überhaupt, das Wort emuno als Glaube nirgends vorher vorfanden, nur ein einzigesmal bei Abraham, wo es heißt Genesis Cap. 1b, V. 6 ״wheemin baadonaj“ er glaubte an Gott; und was finden wir darauf- ״wajachscheweho Io zedoko“, er rechnete es ihm zur Tugend. Daraus ist zu ersehen, dass, solange der Glaube nicht die Form einer Staats- oder vielmehr einer nationalen Religion angenommen hatte, Niemand die Pflicht hatte, an Gott zu glauben; fand sich jedoch einer oder der andere, welcher von dieser erhabenen Idee, an ein göttliches Wesen zu glauben, durchdrungen war, wurde es ihm zur Tugend angerechnet. Mit dem Momente aber, als der Glaube an ein höchstes Wesen von einem ganzen Volke anerkannt wurde, es nicht mehr einem jeden Einzelnen dieser Gemeinschaft zur Tugend angerechnet, sondern vielmehr als Pflicht auferlegt. Resumiren wir das bis nun Gesagte, so finden wir, dass unser religiöser, traditioneller Gesang ein Alter von beinahe 3500 Jahren hat, oder mit anderen Worten, dass derselbe so alt als die jüdische Nation selbst ist. Auch Josefus Flavins unterstützt uns in dieser Muthmaßung, da er in seinem Buche ״von den alten Geschichten" Buch 2, Cap. 7 des religiösen Gesanges Erwähnung thut, indem er in der Erzählung bei dem Auszuge der Kinder Israel aus Egypten folgendes sagt: ״Denn weil sie Gott dermaßen zu dieser gefährlichen Zeit so gnädig erhalten, und ihre Feinde so gräulich gestraft hatte, war auch ihre Freude viel größer, denn vormals bei Menschengedächtnis hätte sein können, und sie brachren die ganze Nacht mit Lobgesang und heiligen Uebungen zu; es hatte auch Moses einen Gesang Gott zu Lob und zur Danksagung für erwiesene Gutthat gemacht und in Versen und Reimen^ welche man Hexamettus genannt, gestellt". — lFortsetzuug folgt.) Bur Rückkehr -er Juden nach Spanien. (Fortsetzung) Auch bei der Rechtsfrage mangelt es nicht an Schwierigkeiten. Es ist feftzuhalten, dass das Ausweisungsedict von 1492 niemals formell außer. Kraft gesetzt worden ist. ״Der Thatsache nach ist das Edict des 15. Jahrhunderts abgesetzt", schrieb der Marschall Serrano in seinem Briese vom 1. December 1868 an das Consi-