Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 22 (30.6.1887)
- Date
- 1887-06-30
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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betonte, welche die Rückkehr einer lhätigen, fleißigen, intelligenten Bevölkerung wie die Juden, für die commercielle, industrielle und finanzielle Wohlfahrt des -Landes haben müsste. Sein Vorschlag würde nicht angenommen, der König bestätigte im Geheuchelte die Vorschriften des'Edicts von 1492 in all ihrer Harte und erneuerte sie. Der erste in unserem Jahrhundert gemachte Versuch, diese Frage wieder zur Sprache zu bringen,, datirt von 1854 und geschüh'gleichzeitig mit der politischen Aenderung, welche zu jener Zeit in Spanien stattfand. Herr Dr. Philippson, zur Zeit Rabbiner in Magdeburg und Redakteur der Allgemeinen Zeitung des Judenthums, reichte unter Beistand der isr. Consistorien von Marseille, Bordeaux und Bayonne, den Cortes ein Memorandum ein, in welchem er die Abschaffung des Edicts von 1492 forderte. Den 9. Dezember wurde die Petition von den Cortes einer Commission überwiesen, und am 28. Februar 1855 wurde der Artikel 2 der Constitution votirt, welcher, wenngleich er der katholischen Religion und deren Cultus einen bevorzugten Platz anwies, festsetzte, dass weder ein Spanier noch ein Fremder wegen seiner religiösen Meinung beunruhigt werden dürfte, sobald dieselbe sich nicht durch öffentliche, der Religion zuwiderlaufende Vorgänge documentire. In den Monaten März und April wechselte der englische Gesandte in Madrid diverse Noten mit der spanischen Regierung wegen abzuhaltenden protestantischen Gottesdienstes in einer Privat- Wohnung; der Minister verwies ihn auf den Artikel 96 des Strafgesetzbuches, welcher feine Zusammenkunft von mehr als 20 Personen gestattet. Dennoch scheint es, dass, kraft der neuen Verfassung, allmählich , das Abhalten des protestantischen Gottesdienstes in Privat- Wohnungen gestattet wurde und 1855 noch autorisirte man die Protestanten, Kirchhöfe anzukaufen. Als im Jahre 1865 das Central-Consistorium der französischen Israeliten die spanische Regierung darum ersuchte, den in Madrid lebenden französischen Israeliten einen könnte, da sie die Ouvertüre im Seconda.ausgezeichnet spielt. Mich macht die Sorge um meine l. Mutter, bei der durch diese furchtbare Aufregung der schlimmste Rückfall zu befürchten ist,., doppelt unglücklich, denn meine Versicherungen, dass der liebe Vater bald hergestellt sein werde, verhallen bei ihrem lauten Jammer. Unsere gute Hannah leistet nach Kräften und vermag sie noch eher als ich zu beschwichtigen. Ich wünsche nicht, dass Deinem Edmund, dessen Wunsch es ist, die Ouvertüre von Dir zu hören, das Vergnügen durch mich gestört werde. Lasse Dich doch durch meine Mittheilung nicht beunruhigen, sondern genieße die Zeit des Glückes voll und ganz. Mit göttlicher Hilfe kann ich Dir bald Tröstlicheres über den Zustand meines geliebten Vaters berichten, deine Deborah." ״Ach, dass doch die Freude nie vollkommen sein kann, und man immer das Wörtchen ״wenn" hören muß. Ja, es wäre schön gewesen, wenn nicht dies und jenes einen Schatten auf das freudige Ereignis geworfen hätte," sprach Elise vor sich hin, indem sie sich in ihr Zimmer begab. Dort war bereits die neue Toilette, in der sie ihren Bräutigam empfangen sollte, vorbereitet. Die verschiedenen zierlichen Schmuckgegenstände leuchteten ihr auf dem Toilettetischchen entgegen und im Vorzimmer ließ sich eben die Stimme der Friseuse hören, der die Weisung ertheilt wird, sich in's Zimmer des Fräuleins zu begeben. Bald ordnete diese das schöne Haar Elisens in neuester, gefälliger Mode und half ihr beim Ankleiden. ״Sie und entzückend in dieser Garderobe, Frl. Elise," sagte schmeichelnd die junge Friseuse," nur die Atlasschleife muß ich noch etwas höher stecken, dann ist alles in Ordnung; treten Sie gefälligst vor den CSnsolspiegel und Sie werden selbst gestehen müssen,, dass Ihnen das Kleid merkwürdig gut passt und das Arrangement des Aufputzes vortrefflich zu Gesicht steht." Elise betrachtete ihre ganze Gestalt in dem hohen Spiegel und einige Fältcken glättend, sagte sie mit zufriedener Miene: ״Nun, Kirchhof zu gestatten, .erhielt dasselbe folgende von Madrid, 16. Oktober 1865, datirte Antwort: Wenn die in diesem Lande wohnenden französischen Israeliten ein Terrain besitzen oder ankaufen wollen, um darin Leichen beizusetzen, wenn sie dasselbe mit Mauern umgeben wollen, ohne Kapellen öder Tempel zu bauen, ohne öffentlichen oder privaten Cultus, so steht einer solchen Anlage nichts entgegen. Eine. ähnliche Erlaubnis wurde den englischen Protestanten gewährt, im Einklang mit dem Gesetz vom 29. April!855, welches die Anlage von Gottesäckern zur Aufnahme der Leichen derer, die außerhalb der katholischen Religion sterben, gestattet. Die Frage der vollständigen Cultusfreiheit in Spanien wurde zur Zeit der Revolution von 1868 mit mehr Eifer wieder aufgenommen. Gegen Ende dieses Jahres wurden Petttionen englischer Inden (Sir Moses Montefiore, H. Guedalla), der Consistorien von Bordeaux und Bayonne, an die provisorische Regierung gerichtet. Die Antworten vom Ende des Jahres 1868 und Anfang 1869, welche General Prim, Don Römers Ortiz, Justizminister, und Marschall Serrano, das Haupt der provisorischen Regierung, den Petitionirenden gegeben, sind vorhanden; man besitzt ein Manifest der provisorischen Regierung vom 22. Oktober 1868 über die religiöse Freiheit. Die Antworten sind zuerst enthusiastisch. ״Die Revolution wird alle religiösen Freiheiten gewähren," sagt der General Prim. — ״Die religiöse Freiheit, ruft Herr Römers Ortiz, ist fortan eine Thatsache in Spanien: die provisorische Regierung hat den Erlass aus dem 15. Jahrhundert, welcher die Juden aus Spanien vertrieben hatte, außer Kraft gesetzt. Die provisorische Regierung hat den Protestanten die Befugnis ertheilt, einen Tempel in Madrid zu bauen. Künftighin dürfen neben der katholischen Kirche die israelitische Synagoge, der protestantische Tempel stehen." Der Marschall I. Serrana sagt in einem Briefe vom 1. Dezember 1868 an die Consistorien von Bordeaux und Bayonne: ״Nachdem unsere liebes Fräulein, ich verlasse mich ganz auf Ihren Geschmack und sehe heute nun selbst, dass Sie etwas verstehen und nicht vergeblich in der Residenz Ihre Kunst erlernten." Da öffnete sich die Thür und Frau Barwald rauschte in seidenem Kleide herein. ״Das ist gut, dass Du schon fertig bist, mein Kind, Papa ist eben in's Hotel gegangen, um unsere Gäste abzuholen. Ich fürchte schon. Du würdest zu lange verweilen, da Dich unser Friedrich ganz, vertieft im Lesen eines Briefes im Vorzimmer sah, wie er mir eben mittheilte. Von wem erhieltest Du denn das Schreiben?" ״Ach, Mama, es ist nichts Erfreuliches, was ich vernahm, und ich bin doch wirklich recht herzlos, dass ich ganz daran vergaß, indem ich mich zum Empfange Edmunds vorbereitete. Debora schrieb wir, dass sie durch die plötzliche Krankheit ihres Vaters verhindert sei, Nachmittag herzukommeu, um nach Verabredung mit mir zu spielen. Während meine arme Freundin bangen Herzens beim Krankenlager sitzt, bin ich so froh und wolgemut, dass ich mich dessen schäme. Ach, warum sind wir doch so egoistisch und kennen vor allem Anderen nur unser werthes Ich und die Befriedigung unserer Herzenswünsche," sprach Elise mit trauriger Miene. ״Liebes Kind," antwortete Frau Bärwald, ״ich werde mich bald nach dem Befinden Dessauers erkundigen lasten, doch vergi's jetzt an die trübe Nachricht, sei heiter und unbefangen bei der Ankunft unserer Gäste und lass nicht merken, dass etwas Unangenehmes Dein Herz bedrückt. Es würde Anstoß erregen, und ich wünsche, dass die Zeit des Aufenthaltes Deiner zukünftigen Schwiegereltern in unserem Hause durch nichts getrübt werde." ״O, sei unbesorgt, Mama, ich werde das heiterste Gesicht zeigen, doch ich höre Stimmen auf der Treppe, Sie sind's" und den ' Arm ihrer Mama ergreifend, begab sie sich mit derselben schleunigst in den Empfangssalon. t Forts, tz rüg folgt)