Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1887-06-30 · Heft 22 (30.6.1887) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 22 (30.6.1887)
Date
1887-06-30
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/1304829-3453087-3453109--2173-3456393
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

dem heiligen Lande, dem Allerheiligsten, selbst nach dessen Zerstörung zugchen mußte, ebenso wie bei den Samaritanern gegen Gerizim oder Lei dm Mohamedanern gegen Mekka. Die Orientirung von Oft nach West ist dann auch den christlichen Cultusstätten geblieben. Besondere Beachtung bei Synagogenanlagen verdimt der Umstand, dass die Leiden Geschlechter streng gesondert sind, ja der Raum der Weiber {Asarat Nasdiiin), von dem der Männer (Asarat Anaschim) zuweilm durch ein Gitter abgesperrt erscheint, so dass die dahinter Betmden völlig versteckt erscheinen. Der alte jüdische MÜus kannte die Trennung nicht, ja Ewald versuchte sogar eine Art von Priesterinnen, welche den Leviten entsprächen, nachzuweisen (die singende und spielende Mirjam.) Wann die Sonderung stattfand, ist nicht zu eruiren. Sicher steht fest, dass im Herodianischen Tempel sich eine Gynaikonitis befand, was jedoch den Umstand nicht aus» schließt, dass hier auch Männer hereindurften. Ueberhaupt widerfuhr dm jüdischm Frauen jene Ausschließung vom öffentlichen Leben nicht, wie dies bei Griechen und Orientalen der Fall gewesen ist. Erst eine Notiz über die beidm persischen Gemeinden Pumbadita und Machusa deutet auf eine Sonderung der Geschlechter. Abaji ha Kohen, der Vorsteher der erstgenannten Gemeinde, ließ (322 bis 337) zwischm Männern und Weibern eine Reihe irdener Krüge aufstellen,׳ um sie von einander fernzuhalten; Raba ben Josef, der Vorsteher der anderen Gemeinde aber ließ zu demselben Zwecke den Fußboden mit getrockneten Schilfrohrstäbchen bedeckm, auf welche man, ohne Knallen zu verursachen, nicht treten konnte. Ein ähnliches Mittel, das jedoch nur in festlichm Zeiten bei starkem Besuche seine Anwendung fand, war im Tempel zu Jerusalem die Exosträ. In der früheren christlichm Zeit war die Trennung der Geschlechter in der Kirche eine thatsächliche. Selbst bei dem nachtalmudischen Schriftsteller Maimonides ist von einer besonderen Frauenabtheilung nicht die Rede. Eine wirkliche Scheidung scheint erst zwischen den Jahren1220 und 1280 eingetreten zu sein; seit dieser Zeit blieb sie und entwickelte sich weiter. (Schluss folgt.) Aeuiiletoip Der junge Cantor. Eine Erzählung von Eäcilie L v w h. (13. Fortsetzung.) ״Es ist wirklich schade, dass ich Deine Ansichten erst heute höre, ich hätte mir vielleicht manche Rüge, mit denen Mama, wenn es sich um die Wirtschaft handelt, durchaus nicht geizt, ersparen können." . Dabei richtete sie den Blick auf ihre Mutter, die recht ernst dareinschaute, und in der Meinung zuviel gesagt zu haben, ging sie auf sie zu und drückte einen Kuss auf ihre Hand, indem sie sprach: ״Verzeihe mir heute meinm Uebermut, ich weiß es wol, dass Du es gut mit mir meinst und stets mein Wol im Auge hast." ״Geh' nur, Du Schmeichlerin," sagte Frau Bärwald, ״Du wirst Dich meiner Ermahnungen schon einmal erinnern und mir Recht geben." ״Mer Mama, ich bitte Dich, sei mir nur nicht böse, und schau nicht so ernst, ich verspreche Dir hiemit, dass ich mich von nun ab Deiner Leitung ohne Widerrede unterwerfe." ־ Da erschien plötzlich Herr Bärwald in der Küchenthür und sprach: ״Nun, meine Lieben, Ihr scheint ja so vertieft in Eure Beschästigung und noch mehr in Eure Conversation, dass Ihr gar nicht wisset, was außerhalb des Küchenraumes vorgeht. Ein Bote brachte mir eben eine Visitkarte aus dem Hotel du Nord, auf welcher mir Edmund seine und seiner Eltern Ankunft anzeigt. Es ist also höchstes Zeit, dass Ihr Toilette macht, überlasset nur den Rest der Küchenarbeit den Dienstboten." Zur Rückkehr -er Juden nach Spanieu. Der Secretär der .»Alliance Israelite universellec, Herr Isidor Loeb, veröffentlicht im letzten Monatsberichte eine gründliche und höchst interessante Abhandlung über , die Rückkehr der Juden nach Spanien, indem er diese Frage vom g eschi chtlichen, re ch tlichen, ö k o n o in i sch e» und sozialen Standpunkte betrachtet. Herr Loeb schreibt darüber folgendes:; Die großmüthige Initiative eines spanischen Publizisten, Herrn Jfidoro Lopez Lapuya, hat. die Aufmerksamkeit des israelit. Publikums und der Presse neuerdings auf ein Einwanderungsprojekt der Jsraelitey nach Spanien gerichtet. Die Frage ist von Wichtigkeit und Interesse; sie verdient, dass man ihr mtt Aufmerksamkeit nahetritt, aber es ist durchaus nothwendige das Publikum vor gefährlichen Illusionen zu warnen״ die sie Hervorrufen dürfte, und die sich durch das Prestige erklären, welches das alte jüdische Spanien, mit seiner glorreichen Geschichte, seinen Gelehrten, seinen Staatsmännern, seinen Dichtern und Literaten auf die Fantasie ausübt. Das von Herrn Lapuya gegründete Comite hatte bereits vom ersten Tage an damit zu schaffen, die Hoffnungen welche sich alsbald einer Menge armer Leute bemächtigten, zu entkrästen und gleich in ihren Anfängen einer Einwanderung, die nur schweres Unglück zur Folge gehabt hätte, Einhalt zu gebieten. Man weiß, dass die Juden durch ein Edict des katholischen Königspaares, Ferdinand und Jsabella, vom 31. März 1492, aus Spanien vertrieben' wurden. DievVertreibung aus Portugal geschah 1496 und Navarra 1498. Die Frage der Rückkehr der Juden nach Spanien ist schon ziemlich alt. Bereits zu Ende des vorigen Jahrhunderts, reichte .Don Pedro Varela, Handelsminister, dem König Don Carlos IV. ein Memorandum (22. März 1797) ein, in welchem er den Vorschlag machte, das Edict von 1492 zu widerrufen, indem er die Vorteile ״O, ich kann ja. alles beaufsichten," sagte Frau Jsaaksohn, ״mein Erscheinen ist ja vorläufig nicht nöthig, verlasset Euch ganz auf mich." Damit nöthigte sie ihre Schwester und Nichte aus der Küche, und diese eilten, sich für den Empfang der Gäste vorzubeiten. Doch als Elise das Vorzimmer betrat, wurde sie durch' die Magd Dessauers, die ihr ein Briefchen von Deborah überreichte, aufgehalten. ״Ah, Hanna, was hat sich ereignet, dass Frl. Deborah sich brieflich an mich wendet," sprach Elise freundlich zu dem ihr wölbekannten Mädchen, das mit verweinten Augen vor ihr stand. Diese brachte nur ׳die Worte hervor: ״Frl. Deborah lässt Sie ersuchen, schleunigst diese Zeilen zu lesen, und Sie mögen ihr nicht übel nehmen, wenn Sie gerade heute Ihre heitere Stimmung trüben muß." Stach diesen Worten enffernte sie sich artig grüßend. Elise sah gedankenvoll auf die zierlichen, aber in Eile und scheinbar mit zitternder Hand geschriebenen Schriftzüge der Adresse des Briefchens und wagte kaum dasselbe zu öffnen. ״O, was kann es nur enthalten, das meine starke Deborah außer Fassung bringt," dachte sie seufzend, ״ich bin wirklich zu verwöhnt, um etwas Unangenehmes hören zu können, und mein Mitgefühl für das Unglück meines Nächsten wird daher um so reger, da ich jedem so viel Glück und Zufriedenheit gönne, wie der ׳Allgütige bisher und jetzt mir beschied. Endlich öffnete sie das Schreiben und las : . ״Liebes Lieschen! Verzeih' wenn ich meinem Versprechen, die Ouvertüre aus der Zauberflöte mit Dir heute Nachmittag vierhändig zu spielen, nicht Nachkommen kann, der Grund meines Ausbleibens ist leider das plötzliche Erkranken meines theuern Vaters. Nach, einer sehr unruhigen Nacht, in welcher er von heftigem Fieber ergriffen würde, ist momentan Schlaf eingetreten, der vielleicht wolthuend auf seine erregten Nerven wirken wird. Ich benütze diese Zeit,׳ um Dich :: zu verständigen, dass Emma Weinstein mich recht gut vertreten

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.