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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1887-06-22 · Heft 21 (22.6.1887) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 21 (22.6.1887)
Date
1887-06-22
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Originaltonart) singen, die ihrem, poetischen Inhalt und Sinne nach nur aus dem stunde eines Mannes kommen können, und umgekehrt; wenn z. B. ein junges Mädchen singt: ״Einsam wandelt dein Freund im Blumengarten!" oder ein Tenorist: ״Darfst mich niedre Magd nicht kennen!" Was Hilst dem Zuhörer die stohe Gewissheit, das Lied Ln der Originaltonart. zu hören, wenn es jeder dramatischen Wahrheit entkleidet wird? Mau ist deshalb auch längst von dem Vorurtheil gegen das Transponiren zurückgekommen — es spukt nur noch in den Köpfen einiger Pendanten — und gibt die Liederperlen Deutschlands, Schätze, wie sich deren keine andere Nation rühmen kann, jetzt jedem Sänger frei! Die Hauptsache beim Transponiren bleibt immer die passende Wahl der für die Stimme geeignetsten Tonart;, es kommt aus ein harmonisches Ganzes an, das nicht durch einzelne unbequeme Töne beeinträchtigt werden darf, denn so wird auch der Genuss des Hörers ein harmonischer werden. Vrreinsnachrichten. In der Donnerstag den" 16. d. M stattgehabten Vorstandssitzung des österr.-ungar. Cantorenvereines wurde aus Wunsch einiger Vereinsmittglieder abermals über den Termin des Cantorcntages verhandelt: Da sich die Mehrzahl der Ängemeldeten für den von! Vorstand vorgeschlagenen Termin entschieden hatte, und - nur- 4 Mitglieder für eine Verschiebung auf den Monat August pkäidirten, wurde beschlossen, den Cantorentag, wie ursprünglich festgesetzt war, am 10. und 20. Juli a. c. abzuhalten, jedoch den Anmeldungstermin bis 1. Juli zu verlängern. Die behufs Fahrpreisermäßigung vom Vorstande eingeleiteten Schritte waren insoiveit von Erfolg, als bisher von Seite der Nordwestbahn, Südbahn, Nordbahn und der Donaudampfschiffahrtsgesellschast den Besuchern des Cantorcntages Fahrbegünstigungen gewahrt wurden, und auch von Seiten der übrigen Bahnverwaltungen günstige Erledigungen für die nächsten Tage in Aussicht stehen. Die geehrten Collegen werden nochmals ersucht, von dieser günstigen Gelegenheit zahlreich Gebrauch zu machen, und dem Vorstand so bald als möglich mitzutheilen, mit welcher Bahn sie die Reise nach Wien unternehmen, damit derselbe noch rechtzeitig in die Lage kommen kann, den Besuchern die nötigen Fahrlegitiniationen zuzusenden. Nähere Auskünfte werden vom Vereinsvorstande bereitwilligst ertheilt.^) Der Worstarrd des österr.-ungar. Tantoreu-VereineS. Krüudungs- und Wereirrsbeikäge. H. Löwy, Neunkirchen, halbjährigen Beitrag. I. Stransky, Trautenau, ganzjährigen Beitrag.' I. Rosner, Herm. Mestec, halbjährigen Beitrag. A. Löwy, Böhm. Neustadtl, vierteljährigen Beitrag. I. Schönfeld, Tab, vierteljährigen Beitrag. S. Friedmann, Parabuty, halbjährigen Beitrag. S. Jellinek, Mistelbach, halbjährigen Beitrag. A. Mischer Easfier. *Z 3luch die..Redacti>ll ist gerne bereit, den verehrten Lollege» die nötigen Auskünfte über de» Lantoreutag zu ertheileu. Meine Chronik. . . Aerusakem. W. Am 9. Mai hatte die heilige Stadt das Glück, zwei ihrer edelsten - Freunde zu empfangen : Herrn Baron Edmund von Rothschild aus Paris und seine Frau die Baronesse Adelheide, Tochter des Baron Willy v. Rothschild. Viele wohlthätige Anstalten wurden von den edlen Gästen besucht, ebenso mehrere Synagogen, in welcben sie überall den Predigern das Thema: ״Reinlichkeit" anfgaben. Auch eine ansehnliche Summe für wirkliche׳ Arme.ließen sie zurück und sprachen wiederum dringend den Wunsch aus, dass die Reinlichkeit in den jüdischen Häusern und Vierteln .gefördert werde. (Bekanntlich stimmen alle Reisende darin überein, dass die Reinlichkeit bei den Israeliten des Orients größer sei, als bei deren Mitbürgern, anderer Confessionen, so dass. sie, die Reisenden, stets israelitische Herbergen aussuchen. Dass dennoch darin Reinlichfett nach europäischen Begriffen viel zu wünschen übrig lasse, ist selbstverständlich.) In einer der Synagogen, deren Decke von grüner Farbe war, wünschte der Baron Entfernung dieser Farbe und Ersetzung derselben durch eine andere, da die grüne Farbe eine Eigenthümlichkeit der Moscheen sei und die׳ Moslems sie nicht gerne bei andern sehen. Dem Wunsche wurde nachgekommen. Ueber die jüdischen Cölonien berichten die ״Ärchives isr." folgendes: Die Colonie ״Beth Jehuda" ist auf dem Wege der Constituirung begriffen, sie zählt vorerst nur 30 Familien und erwartet in Bälde in den Besitz des von Simson Samson gestifteten Legates von 50,000 Dollars gesetzt zu werden,, dessen Aushändigung noch gewissen Schwierigkeiten begegnet Die Cotonie ״Jeßod Hamalah" ist gleichfalls noch nicht' in voller Thätigkeit; sie verfügt über alle Ackerbauinstrumente und durch ihre vortheilhafte Lage an den Usern des Meros scheint dieselbe eine vielsprechende Zukunft zu haben, sie besitzt indessen keine-Wohnhäuser. Die Colonie ״Rosch Pina" ist die blühendste von׳ allen, bis jetzt ge- ' gründeten. Sie ist im Besitze aller physischen, klimatischen und finanziellen Voraussetzungen, um. sich zu entfalten und neu zu blühen. Auna-Szerdahekp. 19. Juni. Heute um Mitternacht wurde das hiesige Judenviertel von drei Seiten in Brand gesteckt. 80 jüdische Familien konnten nur das nackte Leben retten. Das Elend ist unbeschreiblich. —Von anderer Seite wird gemeldet: Das ungeführ vier Meilen von Preßburg entfernte ungarische Stäbchen Dunü- Szerdahely mit einer Einwohnerzahl von circa 4000 Seelen, unter denselben ungefähr 2 Drittheile Inden, wurde bekanntlich in der Nacht vom Samstag auf Sonntag von einem schrecklichen Brande .heimgesucht. Der Umstand, dass der Brand aus vier Seiten zugleich in Jüdenhäusern, unter denselben auch bei dem Holzhändler. Goldberger an der Komorner Straßenecke, woselbst zahlreiche Holzvorräche sich befanden, zum Ausbruche kam, lässt es zweifellos erscheinen, dass das Feuer in Folge antisemitischer Wühlereien von böswilligen. Händen gelegt wurde. Ein nach. Wien gelangtes Privatschreiben meldet - hierüber: Der Brand,׳ welcher zwischen )2 und 1 Uhr Nachts zum Ausbruche kam, griff bei. der schlechten Construction der kleinen ebenerdigen Häuschen mit einer solchen Raschheit um sich, dass die Bewohner derselben — durchwegs jüdische Familien — nur mit Noth das nackte Leben retten konnten. Szenen der schrecklichsten Verzweiflung fanden in dieser Nacht statt. . Zu den Schrecken des Brandes gesellte sich noch die Furcht vor dem herumstreichenden Gesindel, welches sich aus der Umgebung , und ans dem Orte selbst eingefunden hatte. Mehr als hundert jüdische. Familien haben sich gestern aus Furcht vor den Ausschreitungen der 311־ sammengerotteten Horden nach Preßburg geflüchtet. Eine Frau, Namens'Fischer, welche heute Vormittags zur Audienz beim Kaiser in der Hofburg angemeldet war,, -befand sich gleichfalls unter den Flüchtlingen. Sie hat, nachdem ihr Häuschen bis auf den Grund niedergebrannt ist, fast nichts als das Leben gerettet. Die Noth und das Elend der armen Leute — es sind dies meist Geflügelhändler und Hausirer — sollen schrecklich sein. An 70 Häuser wurden eingeäschert. Ob auch Menschenleben dem Brande zum Opfer fielen, konnte bei der Verwirrung, welche herrschte, .noch nicht constätirt werden. Die Ortsfeuerwehr sowie die später eintreffenden Feuerwehren aus der Umgebnng konnten das Feuer erst am Morgen^ bewältigen, ^7- Ein Preßburger Telegramm meldet uns7 ״Gerüchtweise verlautet hier, dass in Duna-Szerdahely.neuerdings ein Brand entstanden ist. Von hier wurden weitere zwei Compagnien Militär requirirt, die

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