Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 20 (14.6.1887)
- Date
- 1887-06-14
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/1304829-3453087-3453107--2156-3456374- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
einen Namen als Sänger! Wie soll man sich das erklären? —Der große Mangel an kellntnisreichen, aus guter Schule hervorgegangenen und in der Stimmbildung erfahrenen Gesangmeistern ist die alleinige -Ursache -dieser ausfallenden Erscheinung. " Hunderte der schönsten Stimmen fallen unwissenden Charlatanen, Hunderte den Exfindern neuer Gesangssysteme, Hunderte.selbst tüchtigen, aber in der Stimmerziehungganz unerfahrenen Musikern jährlich zum Opfer! Wir haben also so wenig schöne Stimmen, weil dieselben entweder ungekannt verblühen oder, noch ehe sie zur Blüthe und Entfaltung gelangen, im Keime erstickt werden; wir sind so arm an großen Sängern, weil ein sehr großer Theil der Männer, die sich für Gesanglehrer ausgeben, wenig oder gar "keine Kenntnis, von Stimmbehandlung, also auch nicht die entfernteste Berechtigung und Fähigkeit haben, Künstler heranzubilden. . Der neue Statuten-Entwurf. Damit die P. T. Vereinsmitglieder in der Lage sind, sich noch vor dem Cantorentage mit dem neuen Statuten-Entwurfe eingehend zu beschäftigen, bringen wir denselben imNachfolgenden zur Veröffentlichung: ' §- 1- . .. ־ Der Verein führt den Namen ״Oesterreich isch-ungarischer Cantoren-Verein" und hat seinen Sitz, in Wien. ' 8- 2. Der Zweck des Vereines besteht , in der Wahrung und Förderung der socialen Interessen des Cantorenstandes und der materiellen Interessen der Vereinsmitglieder. 8- 3. Dieser Zweck wird insbesondere erreicht: 2) Durch Besprechung der Ständesinteressen in dem Vereinsörgane, der österr.-ung. Eantoren-Zeitung, und Wahrung derselben nach jeder Richtung hin. b) Durch Anstrebung staatlicher Anerkennung der Cantoren und Gleichstellung derselben mit geistlichen Functionären. lungen, und. mein Verdienst in der Kochkunst will auch ein belobendes Wort von Dir." ״Ja, liebes Kind," antwortete Frau Bärwald, ״es ist ja höchste' Zeit, dass Du die Küche verstehst, denn wenn Du Dich morgen verloben willst, so muß ich als gewissenhafte Mutter doch Deinem Bräutigam die Aussicht auf eine gute, wirthschaftliche Hausfrau eroffnen. Eben sagte mir der Papa, dass wir uns auch auf einen anderen. Gast vorbereiten sollen, denn man erwartet heute den jungen Eantor, der morgen den Probevortrag hält, und da er im Hotel neben uns Absteigequartier nimmt und ein guter Bekannter Edmunds ist, soll er unser Gast sein und dem Verlobungsfeste morgen Abend beiwohnen. Seine Gegenwart wird jedenfalls das Fest verschönern, und ich. bin ganz der Ansicht des Papa, ihn für die Zeit seines Aufenthalte hier zu Tisch zu laden." ״Ach, darauf freue ich mich," sagte Elise, ״da wird Gesang und Spiel die Weihe unseres Festes erhöhen, und Edmund wird um so glücklicher sein, wenn sein Freund zugegen ist." ״Lieschen sieht einer schönen Zukunft entgegen," sagte Tante Jsaaksohn, als sich Elise-entfernt hatte, um den Dienstboten einen Auftrag zu ertheilen, ״jedes ihrer Worte über Edmund athmet Glückseligkeit. Wie ganz anders war es doch zu unserer Zeit, liebe Schwester, wir wurden von unseren Eltern verheiratet, ohne dass man uns auch nur fragte, ob der zukünftige Gatte uns liebt und achtet, wir vertrauten blind der besseren Einsicht unserer Eltern. Wol hatten wir es nicht zu bereuen, aber dennoch finde ich es jetzt viel schöner, wenn man prüft, ob sich das Herz zum Herzen findet. Wie bedauere ich es, in meiner Jugend so wenig Gelegenheit gehabt zu haben, etwas Tüchtiges gelernt zu haben, und wie beneidenswerth finde ich die heutige Jugend, für dessen geistige Ausbildung die Eltern keine Opfer scheuen." ״Ja, liebe Schwester," sagte Frau Bärwald, indem sie recht Emsig die feinen Nudeln schnitt, ״alles hat seine Licht- und Schattenc) Durch Unterstützung berufsunfähiger Mitglieder, sowie der Witwen nnd Waisen verstorbener Mitglieder, eventuell durch Gründung einer Pensionscassa. 6) Bei.Vorhandensein zureichender Mittel durch Gründung einer Cantorenschule. $. 4. Der Verein wird sich jeder politischen Thätigkeit enthalten. 8-5. Die zur Erreichung der Vereinszwecke erforderlichen Geldmittel - werden beschafft: 2) Durch die statutenmäßigen Beiträge der ordentlichen Mitglieder, b) Aus den Erträgnißen des unantastbaren Stammfondes. Zu . diesem werden die Ausnahmsgebühren, die Beiträge der unterstützenden Mitglieder, die Spenden der Gründer und Gönner des Vereines, die Ueberschüsse, sowie andere außerordentliche Einnahmen hinzugeschlagen. 8-6. Der Verein besteht aus' ordentlichen und unterstützenden Mitgliedern, sowie aus Gründern und Ehrenmitgliedern. 8- 7. Ordentliche Mitglieder können Cantoren, Chasonim und Chordirigenten werden, die das -40. Lebensjahr noch nicht überschritten haben, eine einmalige Aufnahmsgebühr von 20 fl. (zahlbar in vier Raten im Laufe' des ersten Jahres) und einen Jahresbeitrag von 6 fl. leisten. Alle Beiträge sind an dm V.ereinscassier zu senden, der dieselben in der österr.-ungar. Eantoren-Zeitung veröffentlicht. 8-8. Unterstützende Mitglieder sind jene Personen und Corporationen, ׳die einen jährlichen Beitrag von mindestens 4 fl. oder eine einmalige Spende von mindestens 50 fl.; Gründer, die einen einmaligen Beitrag von mindestens 100 fl. entrichten. Dem Vorstände steht das Recht zu, Personen, die sich um den seiten; siehst Du, ich möchte fast die alte Zeit loben, da hatten die Mädchen wahren Sinn für die Häuslichkeit und für Ordnung, sie nähten, strickten und flickten mit Geduld und Ausdauer und zogen sich von weltlichem Tand zurück. Und wie sieht es heute aus. Die liebe Mutter muß froh sein, wenn das Töchterchen auch ein wenig Sinn für die- Küche zeigt, sie hat ja auch so viel anderes im Kopfe, dass man es dem Kinde verzeihen muß. Und der ästetische Sinn, der durch den heutigen Unterricht geweckt und gepflegt wird, raubt den jungen Mädchen alle Lust zu häuslichen Arbeiten, die wir in der Jugend ohne Widerrede verrichteten. Ja, man muß heute ein ansehnliches Vermögen haben, um die junge Welt nach ihren Ansichten schalten und walten zu lassen." ״Aber, liebe, gute Schwester, Du übertreibst," sagte Frau Jsaaksohn, ״ich zweifle gar nicht daran, dass Deine Elise und meine Anna als tüchtige Hausfrauen ihre Männer glücklich machen werden; sie werden höchstens darin einen Unterschied machen, dass sie ihre freie Zeit weniger faden Plaudereien widmen, sondern sich in den Künsten, und Wissenschaften, die sie im Elternhause erlernt, üben und vervollkommen und ihren Kindern ein musterhaftes Beispiel sein werden." ״Das war gut gesagt", sprach Elise, die mittlerweile wieder zurückgekehrt war, ״Mama ist immer kampfbereit, wenn ich einmal keine Lust, verspüre in Töpfe zu sehen, seufzt nach der guten alten Zeit und kann nicht enden, mir Vorwürfe zu machen und mich zu ermahnen, in dem Küchendunst mein Elysium zu finden. Wenn ich gewusst hätte, dass Du liebe Tante, ganz anderer Meinung bist, so hätte ich Dich längst ersucht, meine besorgte Mama zu beruhigen. Ich dachte aber, es geht bei Euch ebenso zu und Anna bekommt dieselben Vorwürfe, deshalb . hütete ich mich wol, dieses heikle Thema zu berühren." (Fortsetzuug folgt.)