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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1887-06-14 · Heft 20 (14.6.1887) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 20 (14.6.1887)
Date
1887-06-14
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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juwol hu hojo awi kol tofes km־or •vv’ugow" und der Name seines Bruders war Jubal, der Vater der Harfe und Flöte. — Wird aber die Frage aufgeworfen, ob es möglich sei, dass die Musik sich auch nach der. Sintsluth erhalten konnte, da doch alles Lebendige bis auf Noah zugrunde, ging, so. erlaube ich mir zu bemerken, dass wir die Namen dieser zwei Instrumente auch" in den andern heiligen Schriften erwähnt chnden Daraus ist zu ersehen, dass die Musik mit der Sintfluth nicht zu Grunde gegangen, und wenn ich nicht fürchtete, zu kühn zu sein, würde ich die Hypothese aufstellen, dass dazumal schon eine Notenschrist existirt hatte; denn Iosefus Fla.vius erzählt uns in seinem Buche von dm alten Geschichten •1 B. C. 3." Da die Söh ne Seths sich noch von - der Prosezeihung des Adams zu erinnern wussten, dass die Welt einst durch Feuer und Wasier zu Grunde gehen werde, so hatten dieselben zwei Säulen errichtet, auf welchen sie alle Künste und Wissenschaften verzeichneten, damit selbe nicht vollkommen erlöschen." Allein sei es wie immer, hatten sie zwei Säulen errichtet oder nicht, oder ist es eine mündliche- Ueberlieferung des Noah'und seiner Söhne, jedenfalls steht es fest, dass von dieser Wissenschaft nichts verloren ging (Fortsetzung folgt) Äusgeprrsste Citronen. ״Welche eine sonderbare. Ueberschrift", dürfte mancher Leser ausrufen. Sollen die ausgepressten Citronen etwa unser Symbol, unser Wappen oder Schild sein? Es 'mag für manchen Collegen beleidigend klingen und doch werden wir sehr oft daran erinnert, dass wir, nachdem wir während unserer ganzen Frühlings- und Sommers-Lebenszeit gesungen und gerungen haben, in der Herbstzeit und in den rauhen Wintertagen nach Belieben — tanzen können. Wahrlich, diejenigen Herren Collegen, die das Glück haben, in einsichtsvollen, intelligenten Gemeinden zu wirken, vermögen sich kaum einen Begriff zu machen, wie rücksichtslos und unbarmherzig die meisten kleineren Gemeinden Deutschlands mit ihren Cultusbeamten verfahren, und ich nahm schon, oft Veranlassung, Ihnen ein wahrheitsgetreues Bild von unseren Verhältnißen und Zuständen zu entwerfen und unsere Aussichten für die Zukunft zu schildern, in der festen Zuversicht, dass mein Worte in den warmfühlenden, treuen Herzen der geehrten Leser 'Ihres Blattes stets ein vielstimmiges theilnahmsvolles Echo gefunden; denn wir sind alle Brüder, die . sich im Geiste gerne die Hände zum Gruße reichen und die collegiale Freundschaft kennt keine Grenzen. Darum empfinden auch wir die innigste Theilnahme sür Ihr Wohl und Weh-, und alles was sich in Ihren Kreisen regte.und Ihr Inneres bewegte, hat. auch in unserer Mitte stets das aufrichtigste und lebhafteste Interesse wachgerufen. So ist es mir denn auch heute gestattet, Ihnen ein eklatantes Beispiel von vielen zu reprdduciren und über ein sensationelles Ereignis zu berichten, das sich in meiner nächsten - Nähe vor Kurzem zugetragen: Ein freudiges Familienfest führte mich neulich mit einem sehr ehrwürdigen Greis zusammen, und ich war überaus angenehm überrascht, als er sich mir unter Nennung'seines Namens vorftellte, mußte jedoch unwillkürlich laut, auflachen, als er mit bitterem Humor hinzufiigte: ״Ein ausrangirtes Pferd, oder besser:- Lastthier — wie Sie sehen". Er war bis vor ungefähr 1% Jahren Cultusbeamter und wirkte in einer Gemeinde ununterbrochen 34 Jahre als Vorbeter, Religionslehrer, Prediger, Schächter, Menaker, Bal Kore, Bat Tokea, Krankenpfleger, Synagögendiener rc. rc.- Er ist ein ausgezeichneter Gelehrter ans hebräischem und talmudischem Gebiete und auch im profanen Wissen sehr bewandert; er ist, wie gesagt, hochbetagt und hätte im nächsten Monat, wenn er.bis dahin im Amte geblieben wäre, sein 5H-jähriges Amts-Jubiläum feiern können. Wir waren bald in einer tiefen Unterhaltung verwickelt, und so erzählte er mir die alte und doch leider ewig neue Geschichte von der ausgepressten Citrone: Nachdem er also zuletzt vierunddreißig Jahre hindurch seiner Gemeinde, deren Mitglieder ohne Ausnahme auf seinen Knien erzogen wurden, treue Dienste geleistet, wurde er nichtsdestoweniger ohne jegliche Subvention verabschiedet, und so ist er auf die Unterstützung seiner Kinder angewiesen. Ein. Gesuch um eine, wenn auch noch so geringe Pension, welches er seinem bisherigen Vorstände unterbreitete, wurde von sämmtlichen Repräsentanten ein-, stimmig abschlägig beschieden.. ־ Mit welchen- Gefühlen unser braver College dieses Schreiben las, kann man sich leicht vorstellen; er entsckloss sich daher zu einem Schritte, der bisher höchst selten von unseren Collegen gewagt wurde. In seiner Ratlosigkeit und Verzweiflung wandte er sich nämlich beschwerdeführend an die -k k. Regierung, worauf ihm folgender Bescheid zuging: Dem Cultusbeamten I. gegenwärtig in Berlin ........ theilen wir bedauernd mit, dass die k. Negierung nicht befugt ist, die Gemeindeverwaltung zu .... . zur Zahlung einer Pension im Sinne Ihres Gesuchs vom ..... zu veranlassen u. s. w. Aber auch diese Mittheilung konnte unserem Collegen selbstverständlich keinen Trost gewähren; schmerzerfüllt desinirte er den Wortlaut obiger Antwort mit echt populistischem Scharfsinn. Hier dachte er, ist noch nicht alles verloren, da lässt sich noch etwas thun, denn die k. Regierung hat ja nicht gesagt, dass die betreffende Gemeinde nicht verpflichtetsei, ihm eine Pension zu gewähren. Einige Tage später reiste unser ehemalige Kollege nach Berlin, woselbst ein alter Freund ihm sämmtliche diesbezüglichen Dokumente sorgfältig sammelte und schließlich ohne sich lange zu besinnen dieselben dem Herrn Minister v. G. überreichte. Wer beschreibt nun die unermessliche Freude des schwer geprüften Mannes, als ihm nach wenigen Tagen ein ministerielles Reskript zuging, des Inhaltes, ״dass er nur ruhig sein möge, denn der Herr Minister würde das Weitere veranlassen und Alles zum Guten lenken." Er kann nun in stiller Resignation dem weiteren Verlauf der Dinge entgegensehen, da er seine kühnsten Erwartungen und Wünsche noch weit übertroffen sieht!-Es braucht wol -nicht erst hiuzugefügt zu werden,׳ dass dieses ministerielle Schreiben von größter Wichtigkeit und weitgehendster Bedeutung ist für alle Cantoren des deutschen Reiches. Sobald ich von meinem Freunde das endgiltige Resultat erfahre, werde ich nicht verfehlen, Ihnen darüber ausführlichen Bericht zu erstatten. . A. Z. Bunt nächsten Cantorentag. Collegen, gestattet mir ein sreimüthiges Wort! Wenn wir nicht zum Spott und Hohn der Welt werden sollen, wenn wir nicht den Beweis liefern wollen, dass wir noch lange nicht den nöthigen Fond, an Intelligenz, an Ernst und genossenschaftlichem Sinn besitzen, dann ist es unsere Pflicht, und Schuldigkeit, den vom Vorstande ausgeschriebenen Cantorentag vollzählig zu beschicken. Wird der in der letzten Nummer unseres Vereinsorganes veröffentlichte warme Appell an Euere Standesehre umsonst verhallen.

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