Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 20 (14.6.1887)
- Date
- 1887-06-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreichisch-uDgarisehe H'rünumerationspreis FÄ« SctthUtnUßlicbcY. Ganzjährig fl. 5.— Halbjährig fl. 2.50 Vlkrttljährig fl. 1.25 Für SttchlmttglitLcr Ganzjährig fl. 6.— Halbjährig fl. 3.— Dirrtkljährig fl. 1.50 Für Las Ausland Ganzjährig. fl. 7.— 12 Jliark oder 6 Rubel. Org־an für dir liniere ff en jndifcher Hnntore« umt ^ulinsbesmte«. Erscheint jeden achten Gag. Begründe r: Obercantor Jacob Bauer. - Uedaction . und Administration Wie», ll, Novaragaffe Nr. 27. Inserate werden billigst berechnet. Manuscripte werden nicht retsurnirt. Nr. 20. irn, 14. Juni 1887. 7. Jahrgang. Der emheitliche Synagogengesang. Von H. N. Heller, Obercantor zu Mißlitz. II. Bevor ich zur Lösung der mir selbst gestellten Ausgabe schreite, muß ich noch einige Bemerkungen vorausschicken, um die Tendenz und den Zweck meiner nachfolgenden Arbeit zu illustriren. Unser verehrter College, Herr-Obercantor I. Singer in Wien, sagt in seiner Brochüre ״über die Tonarten des traditionellen Synagogengesanges" Seite 6: ״Auch die einschlägige Liiteratur von Zunz, Saalschütz, Frensdorf rc. fand eingehende Beachtung, allein die bedeutenden Schöpfungen dieser Autoren handeln ausschließlich von der Entstehung und -Entwicklung synagogalliturgischer Poesie und berühren die musikalische Seite nur andeutend. Da jedoch die vorliegende Arbeit den spezifisch musikalischen Standpunkt im Auge behält, so muß von den diesbezüglichen sonst hochbedeutenden Erörterungen Umgang genommen werden." Allein nach meiner unmaßgeblichen Ansicht ist es die Pflicht eines jeden Alterthllmsforschcrs, der. sich die Lösung eines Problems zur Aufgabe stellt, uni die Echtheit eines Kunstgegenstandes aus uralten Zeiten, oder dessen wahrhafte Existenz sicherzustellen, sich in erster Linie ein Dokument zu verschaffen, ob dieser Gegenstand je existirte. Gelingt ihm dieses, wenn auch nur theilweise, dann kann er durch Styl, Bau und Form die vollkommene Echtheit des alter- ,thümlichen Kunstobjektes fest- und sicherstellen. Unterlässt er es aber, oder will er sich diese Mühe ersparen, so scheitert unbedingt die Lösung seiner Aufgabe, wenn er noch soviel Beweise durch Form, Bau und Styl erbracht hat. Denn, wer bürgt uns für deren Echtheit? — Kann das nicht Imitation sein, wenn es auch ein charakteristisch alterthümliches Gepräge an sich trägt, wie wir es auch heute durch die so vielen Fälschungen von Alterthümern erleben? Ich glaube, dass der verehrte Herr College Singer mittelst seiner Brochüre genüg bittere Erfahrungen insoferne gemacht hat, da von einigen Fachmännern die Hypothese aufgestellt wurde, dass der traditionelle Gesang ein Produkt des ״Davidl Brod und Schlome Kaftan" oder höchstens 150 Jahre alt wäre. Hätte er aber diesen Herrn ein Dokument vor die Augen gehalten und ihnen zugerufen: ״Hier ist der Geburts- und Geleitschein, der den traditionellen Gesang durch 4000 Jahre begleitet, der sich wie ein goldener Faden durch die Blätter der Geschichte fortgewebt und fortgesponnen hat — dort der Anfang — hier der Schluss des Fadens, dann hätten die Herren Zweifler den von ihm erbrachten Beweis weder abstreiten noch abläugnen können. Um aber dem traditionellen- Gesänge zu feinem legitimen Rechte zu verhelfen, will ich ihm aus den zerstreuten Abhandlungen der> Geschichte, welche sich mit goldenen Lettern durch dieselbe fortwinden, sein bestrittenes 4000jähriges Recht chronologisch verschaffen, und das sei die Aufgabe meiner gegenwärtigen Arbeit. Es ist eine ausgemachte Thatsache, dass alle Völker des Alterthums, sowohl die klassischen als die vorklassischen, den Geist und die Macht der Musik erkannten; denn die Legenden und Mythen über die Wirkungsfähigkeit derselben erzählen uns zur Genüge von deren Kraft; jedoch der Unterschied der hervorragenden oder geringeren Stellung, welche die Tonkunst bei den verschiedenen Völkern des Alterthums eingenommen hat, ist insoferne bemerkenswert, da sie auf das innigste mit der vorgeschrittenen oder zurückgebliebenen, allgemeineu Bildung der Bewohner der betreffenden Kulturstaaten zusammenhing — namentlich Poesie und Religion. Die Musik ist keine kalte Sprache der Gedanken, welche durch Buchstaben oder Zahlenkalkulation hervorgebracht werden kann, sondern es ist eine Sprache der edelsten Empfindungen des menschlichen Herzens, es ist die wahrhafte Tochter der Mutter Religion. Daher je erhabener durch die sinnbildlichen Entäußerungen derselben, desto inniger und gefühlvoller ist ihre Tochter — die Musik. Ziehen wir eine Parallele über die Entstehung der Musik bei den. ältesten Völkern, den Chinesen, Indern, Egyptern, Griechen, Römern und Israeliten, so finden wir, dass bei den früher Genannten die Entstehungsperiode 2000 Jahre, bei den Israeliten aber schon 3894 Jahre , vor der gewöhnlichen Zeitrechnung feftzusetzen ist, da wir 70 Jahre nach Erschaffung der Welt eine Andeutung über Musik finden. Während bei den obigen Völkern-die Erfindung eines jeden einzelnen Instrumentes einer anderen Gottheit zugeschrieben wird, sehen wir hingegen bei den Hebräern, dass zwei Jnstruinente, nämlich ein Blas- und ein Saitenistrüment, von Einem erfunden wurden, wie es heißt Genesis Cap. 4, V. 21: ״W’schem ochiv