Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 19 (6.6.1887)
- Date
- 1887-06-06
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Priester nur berufen sei,. zu segnen, nicht irgend ein sonstiges Vorrecht zu üben, nicht zu suchen, und dass er auch den Segen nicht selbst ertheilt, sondern nur ״den Namen Gottes auf die Gemünde legt". Wir überlasten es auch unfern Lesern, den Zusammen- Hang zwischen dem hier Erörterten und dem im letzten Absätze des Leitartikels ״Zum Schebuot 5631" (Nr. 23) zu finden. Wir knüpfen noch eine andere Erwägung an. Die Aharoniden sind in Israel ein Vorbild dessen, was Israel unter seinen Bruderstammen sein soll. ״Ihr sollt nur ein Reich von Priestern sein", heißt es im 2. B. M., ״und Ihr werdet Priester des Ewigen geuannt werden", verheißt Jesaias (61, 6) für die mestianische Zukunft. Wie die Kohanim, Priester, so sind wir Israeliten durch die Geburt: wie jene nur erhöhte Pflichten haben, keinerlei Vorrecht, so haben wir nur besondere Pflichten; froh, wenn man unser Menschenrecht' nicht verkümmert, beanspruchen wir keinerlei Vorrecht weder auf Exdcn noch ״für dm Himmel"; wie jene nur ein Ehrcnrecht genießm, ״zuerst aus der Thora zu lesen", so beanspruchen auch wir nur die eine Anerkennung, dass wir die Ersten gewesendie die Thora empfangen und in ihr gelesen haben, zuerst ״zu ihr anfgerufen" suck. Nach der dm Patriarchen gegebenen Verheißung haben wir den Bruderstämmen nur Segen zu bringen, keinen Fluch. Spricht aber ein Israelit: ״wer sind diese Kohanim?" —so bedenke' er, dass man den! Nichtswürdigsten derselben nicht halb so viel Böses Nachreden kann, wie die Welt uns nachgesagt hat (und leider hie und da noch nachsagt. Res.) Hat es denn nicht von jeher geheißen: ״wer find diese Juden, dass sie sich für erwählt halten, sind sie nicht aller Laster voll?" Wir aber antworten: ״wer und was wir sind, kümmert Euch nicht; wir tragen, bringen und bewahren Euch den Segen der Gotteslehre, die Fahne-des lebendigen Gottes; wie der Priester die Segensworte ausspricht über Freund und Feind, Gute und Böse, so bringen wir Fürbitte für freundlich und feindlich Gesinnte, ganz so wie schon unsere Vorfahren am Hüttenfeste für alle Nationen Opfer gebracht haben." Endlich noch eines. ״Schmücke Dich selbst, ehe Du Andere schmückest",- sagen unsere Weisen. Ehe Jemand fragt, ob der oder Wer junge» Cantor. Eine Erzähsuug vou Cäcilie Löwy. (11. Fortsetzung.) Deborah . eilte die Treppen hinauf, als fürchtete sie, dass während ihrer langen Abwesenheit etwas Ungewöhnliches im Hause geschehen sein könnte, und öffnete hochklopfenden Herzens die Thür. ״Ah, guten Abend, liebe Ettern", sprach sie, ״wen ich gewusst hätte, dass ihr gemüthlich beisammen sitzet und alles zu eurer Bequemlichkeit ohne mich vorberettet worden ist, wäre ich beruhigter gewesen. und hätte mich weniger beeitt, Lieschen und Emma, die sich uns auch noch anschloß, zu verlassen. Doch ich bin froh im warmen Stübchen zu sein, denn draußen wird es schon grimmig katt." ״ ״Nun man sieht cs dir gerade nicht an", sagte Rachel, die ihrer Tochter entgegen gegangen war, ״du siehst sehr erregt aus, und dein Gesicht ist ungewöhnlich heiß. Sollte eure Unterhaltung dich so aufgeregt haben, dass dir die Wangen glühen", sprach sie, ihr besorgt in's Antlitz sehend. ״Darf man nicht den Inhalt eures Gespräches erfahren?" ״O, lieb' Mütterchen, sei nur ganz unbesorgt, mir ist von der Eile, nach Hause zu kommen, warm geworden, und was unsere Unterhattung betrifft, nun, das ist wirklich ein Geheimnis und zwar Lieschens. Öb ich es euch ausplaudern darf, habe ich sie zu fragen jener Kohen würdig sei, den Segen zu s p reH en, frage er prüfend, ob er würdig sei, den Segen Gottes zu empfangen". So weit der verewigte Rabbiner Dr. Treuenfels. Da es aber anno 1871 vielleicht schon Vorkommen mochte, , in dem Verbreiter solcher Ansichten einen aus ״Ahnenstolz" aufgeblähten Aharoniden. zu vermuthen, hat es״ der. Verfasser für gut befunden, in einer Note noch zu bemerken: ״Redakteur ist kein Kohen".. ״Was soll aber dieses Alles nun beweisen?" höre ich fragen; ״das ist ja der leibhafte ״Schulchan-Aruch" und der sollunserm nach Fortschritt ringenden Geiste nicht mehr als Hemmschuh dienen!" Gemach, lieber Leser! Wem diese Erörterung zu rigoros scheint, dem׳ kann ich mit einem Pröbchen aus einer Zeit dienen, die den Vorwurf eines allzucrasten Rigorismus als eine pure Verleumdung mit Recht von sich weisen würde. Lesen Sie gefälligst den Leitartikel ״Mosis und Korah's Standpunkt" in Nr. 2, Jahrgang 2 der ״Populärwissenschaftlichen Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen. Frankfurt a. M. 1882." Hier heißt es nach einigen einleitenden Worten über das Mensch heit spriesterthum: ״Dass inmitten eines Volkes, das eine solch' hohe Anschauung sich aneignen, eine solch' große Sendung vollführen sollte, Unterschiede zwischen Mensch und Mensch, Unterschiede des Standes und des Ranges, die nur an äußerliche Lebensverhältniße sich knüpfen, kein Recht der Geltung hatten, ist so klar, dass die wiederholte, ausdrückliche und nachdrückliche Betonung dessen in den Schriften unserer Lehre (wo denn, so weit dies den Priest er stand betrifft? Res.) fast als überflüssig erscheinen mag. In dem Reiche Gottes müssen alle Menschen, die in Wahrheit ihn ehren, gleichgeachtet sein; ist. Israel das, was es seiner Bestimmung nach sein soll, ein Volk von Priestern,, dann kann an eine Weihe, die nur auserwLhlten Dienern des göttlichen Namens zu Theil wird, hier nicht gedacht werden. Nun hat aber doch und dies scheinbar (ja nur scheinbar! Res.) in ausgesprochenstem Widerspruche zu diesem Grundgedanken des Judenthums, das alte Israel seinen Priesterstand gehabt, dem eine höhere Weihe und Heiligkeit zuerkannt wurde, und dies im Namen der Religion, die nur ein Recht für Alle kennt und uns lehrt, dass wir vergessen. ״Seht ihr", sagte sie scherzend, indem sie sich zum Tische ihrem Vater gegenüber setzte, ״das war wieder einmal unbesonnen von mir, denn ihr werdet nun neugierig sein, und ich kann euch nicht befriedigen, da ihr mir ja von Jugend auf eingeprägt, dass man nichts ausplaudern darf יי ״ Dessauer, der über einen großen Folianten gebückt saß, blickte auf und sagte,, seinen Finger auf der Stelle, bei der er eben stehen geblieben war, festhältend: ״Behalte nur alles für dich, liebes Kind, und bleibe treu dem Grundsätze, von den .Angelegenheiten Anderer, die dir bekannt sind, zu schweigen, denn sehr leicht führt die Plander- Hastigkeit zur Klatschsucht, und das ist ein übler Fehler, vor dem sich das weibliche Geschlecht hüten muß." Dabei sah.er seiner Tochter, die ihn mit unschuldsvollen Blicken ansah, in's Gesicht, und über die ernsten Züge des alten Mannes glitt ein Freudenschimmer. ״Dich scheint aber die Mittheilung der Elise Bärwald aufgeregt zu haben", fuhr er fort, ״denn ich bemerke .ebenfalls, dass du ein wenig echauffirt bist. Berührt die Geschichte denn dich selbst, dann wäre es natürlich, wenn dn deinen Ettern das mittheilest, was mit deiner eigenen Person in Verbindung steht." ״O nein, gar nichts sprach Elise, das im Entferntesten mit mir in Zusammenhang stände, wir haben uns nur verplaudert, d. h. Lieschen erging sich in ihren Schwärmereien, die heute recht ernster Natur sind, und wir^bemerkten endlich, dass es spät geworden, und beschleunigten unsere schritte. Jndess für dich lieber Vater, wird eine Thatsache, die ich von ihr erfuhr, jedenfalls von Interesse sein. Sie erzählte mir nämlich, dass der neue Cantor durch einen Freund ihres Bruders empfohlen wurde, und derselbe war voll des Lobes über den jungen Candidaten, der nicht nur ein sehr talentvoller ---1ד—ר,״■ 1—mi