Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 19 (6.6.1887)
- Date
- 1887-06-06
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Weber den Neligisnsnnterricht. An den Herrn Fachmann von Nr. 17. u. 18. Es. kostet mich wohl große Ueberwindung, von. meiner dem Dienste gewidmeten Zeit etwas «bzuzwicken, um einen Artikel zu schreiben;-doch um nicht glauben zn machen, qui tacet, consentire yidetur, will ich mich heute nochmals über die obgenannte Frage in ergänzender Weise äußern. . ׳ - Wer mich kennt, weiß, dass mir nichts ferner liegt, als Ueberschätzung meiner selbst, und was das Wort ״Meschubed“. anbelangt, muß ich nur die löbl. Redactwn hiefür verantwortlich machen, denn im Manuskripte schrieb ich nicht dies Wort, sondern ״Schochei", was der Herr Redacteur bestätigen kann. Es kann mir also der Vorivurs, dass - ich Jemanden oder den ganzen Stand beleidigen wollte, nicht-,gemacht werden, zumal ich. selbst ja auch Cantor hin. Dass es leider viele unwissende und unwürdige Personen gibt, die in ihrem Leben nichts anderes thaten, als Behemos in's Jenseits befördern, bestreitet selbst der Herr Fachmann nicht, obwohl sie nebstbei auch Cantoren sind. Was nützt alles Geschrei und alles Geschreibsel, so ,lange dieser Spreu-nicht ausgeschieden werden kann? Solche Religionslehrer, die vielleicht für sich ganz gut in dem bekannten, näselnden Tone ein Blatt Gemoroh Herunterleiern können, sind,- und wenn der Herr Fachmann es tausendmal behauptet, absolut untauglich als Religionslehrer für unsere Jugend. Was versteht übrigens der Herr Fachmann unter dem Ausdrucke ״dem Fache ganz gewachsen?" Das ist ein so dehnbarer Begriff, dass ich mir darunter sehr viel und wieder gar nichts denke. Verlangt er vollständiges talmudisches Wissen, dann ist unser Streit zu Ende; denn ein derartiges vollständiges Wissen ist Sache des Rabbiners, dann darf niemand Anderer Religionsunterricht ertheilen, als dieser. Ein Rabbiner muß aber auch pädagogisches Wissen, nicht bloß talmudisches haben; hat er es nicht, dann wehe den Kindern, wehe der Generation! Ein theoretischer Stubengelehrter ist mit Rambam 2c. noch immer kein Religionslehrer und verdient nicht den Namen Mori. Was für Lehren er weiters unter den ״wichtigen und schweren Lehren" versteht, ist mir schon gar nicht erklärlich, und wie wissbegierige und geistreiche Kinder den Religionslehrer in Verlegenheit bringen sollen, noch weniger. Ich glaube nicht, dass ein Religionslehrer sich in philosophische Dispute mit einem Volksschüler einlassen wird, woher kann dann eine Verlegenheit kommen? Geistreich soll das Kind auch schon sein, vielleicht von der eingesogenen Muttermilch? Ist etwa dessen Geist schon gestärkt von Nore Nebochim, den es vielleicht nie lesen wird? Was soll an einem Kinde geistreich sein? Woher soll der hohe Geist kommen? Sind es die Classiker, die es in der ersten und zweiten Classe liest! Der Herr Fachmann wirst mir vor, dass er seine Religionskenntniße nicht aus der Lehrerbildungsanstalt hat. Ich habe auch gar nicht behauptet, dass man sie dort in diesem Fache erwirbt oder erwerben muß, sondern nur erklärt, dass man dort Methode aus den anderen Fächern erlernt, und dieselbe Methode kann man auch bei dem Religionsunterrichte verwenden. Es diene ihm übrigens zur Beruhigung, dass ich sie auch vom Hause mitgebracht, da ich Sohn eines Rabbiners bin, und dass ich auch Willen hatte, mein Wissen in verschiedenen Cursen fortzubilden; Dies führe ich jedoch nur deshalb an, um den! Herrn Verfasser zu sagen, dass er es nicht mit einem Laien zu thun hat. Ich bilde mir wohl nicht im geringsten ein, Gelehrter zu sein; aber düs Bewusstsein habe ich, auch etwas davon zu verstehen. Die Behauptung, dass nur aus der Bibel, (ich verstehe unter diesem Worte nur die 5 Bücher Moses) gelehrt wurde, ist auch unrichtig, denn wir lernten Jesaias, Thilim und mussten sogar bei der Maturitätsprüfung daraus Prüfung machen. Wir mussten auch ganz gut in der Geschichte der Juden beschlagen sein. Der Herr Fachmann schlägt sich selbst mit seinem cjtirten Satze: Ein jeder Lehrbeflissene, der ohne die rechte Qualification lehrt, ist ein kühner Narr. Wie kann man lehren, wenn man eben das Lehren nicht gelernt hat? Es versteht sich doch von selbst, dass jeder Lehrer den zn lehrenden Stoff genau inne haben muß, sonst ist er ja ein Schwindler. Wenn er aber noch so viele Kenntniße hat, und das Lehren nicht gelernt hat, so nützen ihm diese nicht, und ich spreche ihm jede Fähigkeit zum Unterrichte ab, weil er anderen nicht geben kann, was er will. Keine Gemeinde ist Uebrigens in der Lage, zu erwägen, ob ihr Religionslehrer die Qualification hat; denn die Gemeindemitglieder sind Laien im Unterrichte. Was die Unkenntnis der Kinder in der Liturgie anbelangt, ist der Herr Fachmann wieder auf Abwegen. Die Zeit, wo der Vater sein Kind im Tempel darin unterwies, ist leider vorüber; denn die Eltern sind zu apathisch. Sollen deshalb diese Fehler gar nicht gut gemacht und die Kinder in ihrer Unwissenheit belassen werden? Ist da nicht vielmehr die Schule verpflichtet, diesen Fehler dadurch gut zu machen, indem sie, so oft als möglich, in. der Schule dahin arbeitet,' dass sich die Kinder die Liturgie einprägen? Ich glaube, wenn ein Kind geläufig mechanisch beten kann, so ist die Schwierigkeit nicht so groß, uod es wäre traurig, wenn man dann in 5 Stunden nicht die Liturgie für ein Wochenschacharith einprägen sollte. Ganz so kann man cs in derselben Zeit .mit den anderen Gebeten machen. Der christliche Gottesdienst kann hier nicht in Betracht gezogen werden, da jedes Kind in seiner Muttersprache betet und sich die Gebete im Inhalte aufsuchen kann, vorausgesetzt, dass es lesen kann. Es braucht sich nach keinem Cantor zu richten. Auch die Ansicht, dass der Fachmann sich an kein Lehrmittel zu binden hat, ist leider eine falsche und hat uns großen Schaden zugefügt, weil eben beim Juden leider keine Autorität gilt. Jeder Rabbiner oder Religiönslehrer hält sich für unfehlbar,׳ jeder unterrichtet, was ihm für gut scheint. Warum darf der Katechet nicht nach Belieben Vorgehen? Nur durch diese Unordnung ist diese Zerfahrenheit eingetreten. Hier tritt der Mangel eines jüd. Consistoriums am fühlbarsten auf, hier wäre eine stramme Disciplin nöthig. Wie oft hört man von Laien den Stab brechen über unsere Rabbiner, weil der eine ganz andere Ansichten hat, als der andere. Erft letzthin hörte ich derartige Auslassungen, weil ein Rabbiner in der Sephira. traute, während ein anderer die Trauung nicht vornahm. Der Laie weiß nicht, wer Recht hat, er schimpft nur. Und so ist es auch mit der Religion. Der Handwerker kann ohne Werkzeug nicht arbeiten, der Lehrer ohne Lehrmittel nicht unterrichten. Abel es. Der Priester m Israel. Von L. Lohen, Lehrer und Lantor in Rees a. Rhein. (Schluss.) ״Nun können wir es den Lesern überlassen, selbst die Frage zu beantworten, ob es zeitgemäß sei, dass wir aufhören, der Welt das Schibolet des echten Priesterthums und die Unterscheidungsmerkmale des Priester- und Lehramtes zu erhalten; ob das untergeschobene Priesterthum bereits so machtlos, kraftlos und hinfällig geworden, ob es seine Ansprüche so herabgemindert hat, dass wir das Andenken des echten Priesterthums auslöschen dürfen? Wir reden nicht davon, dass wir das weder können, noch nach dem- Religionsgesetze dürfen, wir verweisen lediglich auf die Zweckmäßigkeit, ja Nothwendigkeit seiner Erhaltung. Für das Bewusstsein des jüdischen Volkes aber wird das Priesterthum der Ahronideu hauptsächlich durch das feierliche Segensprechen bewahrt, zugleich mit der Lehre, dass der