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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1887-06-06 · Heft 19 (6.6.1887) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 19 (6.6.1887)
Date
1887-06-06
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Punktes mindestens .Innerhalb der nächsten 8 Tage, das ist-bis zum 14. Juni, in unseren Händen sein. Wir erwarten nun von ' allen unseren Vereinsgenossen das ihnen zweckdienlich Erscheinende und begrüßen sie collegial und freundschaftlich. Wim den 6. Juni 1887. Aer Worstand des österr.-ung. Gantorenvereines. Fragmente. Aus dem alten jüdischen Leben im Familienkreise, im Gotteshause, im gemeinschaftlichen Verkehr. (III. Artikel-Serie.) XXIX. Israets Koffnrmg. . ,Mine Zeit wird kommen, wo der Ruhm des Hauses Jehouah's fester stehen wird, als das Gebirge, wo die Völker zu einander - sagen werden, 'lasst uns zur Wohnung des Gottes Jakobs gehen, dass er uns von feinen Wegen unterrichte. Denn das Gesetz wird von Zion ausgehen, und das Wort Gottes von Jerusalem. Er wird sein Urtheil über die Völker sprechen und viele unter ihnen tadeln- Dann wird manschen, dass sie das Eisen ihrer Lanzen und Schwerter in nützliche Werkzeuge umformen, sie werden das Bedürfnis des Streites nicht mehr haben, jeder unter ihnen wird unter seiner Weinlaube oder seinem Feigenbäume ruhen, ohne Jemanden zu fürchten/" so lautet die Weissagung Des Propheten (Micha 4, 1—5 ) Welcher' Art mag doch die allgemeine Herrschaft sein, auf welche Israel seine Hoffnung bauet, wie man uns vorwirft? Ist sie eine politische Herrschaft, die sich auf Knechtschaft anderer Völker gründet? Unwiffenheit und einige fremde Redensarten allein könnten diese Vorstellung - aufkommen lassen. Die Hebräer — wir sprechen nicht von dm Unbesonnenen, deren so viel bei allen Nationen und in so reicher Anzahl auch Lei-ihnen sind — die Hebräer, sieht man auf den Grund ihrer Lehre, erscheinen vernünftiger, sie hoffen, dass die Völler eines Tages über das Wesen des Rechts erleuchtet, in ihnen die Vorfahren in der Erkenntnis der wahren Grundlage des Gesetzes und die Musterbilder der Verständigkeit anerkennen werden. So gelangen wir zu den wesentlichen Unterscheidungszeichen der hebräischen. und christlichen Philosophie und zur Verschiedenheit. zwischen der Auffassung derjüdischen Propheten von Seitender Juden und der.Auffaffung derselben von Seiten der Christen. Es hatten vier mächtige Reiche existirt, die auf materielle Gewalt sich gegründet hatten: Assyrien, Persien, Macedonien und Rom; ein fünftes sollle sich bilden, - das auf Recht und Gesetz gebaut wäre. Dieses ist nach, der Lehre des Propheten das Gottesreich, ein wirkliches Königreich auf Erden errichtet, und deffen Vortheile, allgemeiner Frieden, allgemeiner Uebersiuss, allgemeine Entwicklung des Geistes und Glückseligkeit aller sein sollte. In den Lehren der Christen aber wurde bekanntlichdieses Königreich ein übersinnliches, fern von Men Erden gelegen, in welchem die Rolle des Menschen aufhört. Nach dem Propheten wird das Gesetz von Zion ausgehen, weil der Keim der Gesetzgebungs - Wissenschaften. in den Büchern Moses niedergelegt ist. ״Der Berg des Hauses Jehovah's wird eines Tages fester sichen als die andern Berge", weil die übrigen Völker, nachdem sie dieses höstche Prinzip lange in Vergessenheit ruhen ließen, zu demselben zurückkommen, es zu Rathe ziehen und in seinen Bediuguugen dm heftigsten Tadel über eine Menge ihrer Sitten sinden werden. Der begeisterte Mann, der diesem geistigen Reich sein Dasein geben wird, wird der Erlöser, der Befreier, der .Messias sein. Die Zeiten, wo es. existiren wird, werden den׳ Namen der Messianischen Zeiten tragen. Die Zeichen seiner Ankunft fehlen noch, ״denn'der Wolf," wie die Propheten bildlich sprechen, müsste nicht mehr das Schaf zerreißen, der Löwe mit der Ziege weiden (Jes. 11, .6 ), während die Menschen sich noch gegenseitig zu zersieischen fortfahren, Knechtschaft sich überall auf der Erde begegnet, . und die Menschheit im Ganzen statt Wohlsein nur Leiden empsindet; der herschende Antisemitismus ' ist der beste Beleg dafür. Die jüdischen Lehren darüber, wie sie aus den Propheten sich ergeben, zerstreut im Talmud, Midrasch und Maimonides Vorkommen, lassen sich in folgende» Sätzen zusammenfassen. Die Vernichtung aller Tyrannei, die Freiheit und der Frieden werden die Hauptverschiedenheit der gegenwärtigen Welt und ' der. Messianischen Zeiten bilden. Israel wird im Frieden, mit den übrigen Nationen leben, die ihm Achtung wegen seiner Wahrheiten und der wunderbaren Dinge wegen, die es ausführte, erzeigen werden. Um diese Zeit, deren Grenzen unmöglich zu bestimmen sind, wird es keine Hungersnoth, keinen Krieg, keinen grausamen Ehrgeiz,'keinen Hader, kein peinliches Gericht geben Glückseligkeit wird an allen Orten reichlich strömen, und alle Arten von Freuden werden so allgemein wie der Sand sein. Wir glauben indess nicht, dass eine unbedingte Gleichheit der Macht stattfinden wird; die Welt wird aber so eingerichtet sein, dass derjenige, der nur mäßig arbeitet, einen sehr bedeutenden Ertrag gewinnen wird. Auch glauben wir nicht, dass der Uebersiuss der Ernten und alle Reichthümer, guter Wein und Musik, die einzigen Gegenstände der Thatigkeit sein werben, sondern wir glauben, dass zur Vervollkommung.des Geistes die des Körpers erfordert wird, und man sich nicht der Anschauung überlassen kann, wenn man das Gewicht der׳ Bedürfniße und alle Widerwärtigkeiten des'Lebens fühlt; dass nur jene Zeit gute Sitten, viel Weisheit, viel Gerechtigkeit, viele Vereine gerechter Männer und eine vollkommene Erkenntnis, Anerkennung des Ewigen Hervorbringen wird. (S. überhaupt Maimunei, Melochim zu Ende). Unsere Propheten, die großen wie-die kleinen, haben in ihrer . Begeisterung diese Zeiten vorausgeschaut, sie haben aus dem Besonderen das Allgemeine ־ gefolgert und. mit denselben Ursachen dieselben Wirkungen verbunden. Nach ihnen führte Mangel an Gerechtigkeit, an.Weisheit, an Ordnung und Gleichgewicht das Verderben Israels herbei; es musste eben daher die übrigen Völker erreichen, sie werden sich auf. einander stürzen und von der Erde verschwinden, während' das jüdische Volk beharren wird, weit es alle Elemente der Gerechtigkeit - und des. Gleichgewichts in seinem Gesetze fände,-und weil die Uebermacht, die es daraus zog, obgleich es sich vom Ziele׳ durch Fehlgriffe, Eigensucht und Leidenschaften, zu dem äußere'Umstände hinzutraten, abgeleleitet sah, allen feindlichen Kräften widerstehen müsse, um sie-am Ende zu überwältigen. Jü der Thal kann man nicht umhin, die Erhabenheit dieser ihrer Gedanken zu erkennen; man kann die hohe-Würde der Männer nicht übersehen, deren Gedanke, wie ein unaufhaltbarer Pfeil durch Jahrhunderte, hindurch Könige und Völker erreicht, deren feierliche Stimme den Todeskampf und das/Ende derselben traurig verkündet und deren Gesänge sozusagen gefallen sinden, auf Ruinen zu tustwandeln, weil aus allen diesen umgestürzten Gebäuden, die zur Zeit ihres höchsten Glanzes ihre Bewohner nicht zu schützen vermochten, ein stetes Gebäude entstehen muß, wo der Mensch friedlich alle Freuden des Lebens im- Vollgenusse genießen/wird, darin besteht Israels Hoffnung. - W. . . , . r (Schlussartikel folgt-)

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