Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 18 (29.5.1887)
- Date
- 1887-05-29
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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3 — gen. Dagegen kann man aber, wie die Erfahrung lehrt, mit hin reichendem Fachwissen und der nöthigen Routine ausgerüstet, ein tüchtiger und gewandter Religionslehrer sein, wenn man auch nicht an einer Lehrerbildungsanstalt frequentirte; denn ״wer das Rechte weiß zu sagen, weiß auch das Rechte vorzutragcu". Den Maßstab für die Lehrbefähigung auf dem Gebiete der Religion gibt uns Maimonides in seinem Tractat ״Talmud Thora", wo es heißt: nii רשע שוטה וגם m .וכל תלמיד שלא הגיע להוראה ומרה הרי ״ Ein jeder Lehe beflissene, der lehrt, ohne die rechte Qualification hiezu zu besitzen, ist ein kühner, verwegener Narr". Dies gilt aber ebenso von dem Religionslehrer mit allgemeiner Lehrbefähigung, der in dem Neligionslehrfache ein halber oder ganzer Laie ist, wie von demjenigen ohne allgem. Lehrbefähigung, mag er dann mehr. oder weniger oder gar nicht singen können, oder mag er dabei die Function des Schochet verrichten oder nicht. Darauf kommt es nicht yn; denn nicht jede Gemeinde ist in-der Lage, zwei oder drei Beamten anzustellen und ihnen, eine vollständige Existenz zu gewähren. Dagegen ist eine jede im Stande, genau zu prüfen und zu erwägen, ob Derjenige, den sie als ihren Religionslehrer anstellt, die rechte Würde und die rechte Qualification dazu besitzt, ob er wahres, umfassendes Fachwissen und echt religiösen Charakter aufzuweisen hat. Ebenso lehrt Maimonides: הרב שאינו הולך בדרך טובה אף על פי שחכם גדול הוא וכל העם צריכין לו אין מתל מדין ממני• Freilich ist hier im engeren Sinne der Rabbiner gemeint, im weiteren Sinne jedoch gilt dies von dem Religionslehrer überhaupt. Von denjenigen Lehrern der Religion aber, die kraft ihres unzureichenden Fachwissens für dieses hohe Amt untauglich sind, sagt der große R. Maimonides: אלו התלמידים הקטנים שלא הרבו תורה כראוי והן מבקשץ להתגדל בפני צמי הארץ ובין אנשי עירם.... והם המחריבים את העולם והמכבים נרה של תורה ״ .והמחבלים כרם ה׳ צבאות וב"Dies sind jene kleinen Lehrer, die nicht viel und nicht gehörig gelernt haben, und die sich groß machen wollen in den Angen des Volkes und ihrer Stadtleute; — sie sind es, welche die -Wclt zerstören, welche düs Licht der Thora erlöschen und den Weinberg des Ewigen schädigen u. s. w." Was den speciellen Gottesdienst der Schuljugend betrifft, ist ein solcher wohl nicht zu misbiüigen, weil er nicht ganz ohne Vortheil ist; jedoch kann er immerhin nur als, ein Surrogat jenes frü- Heren allgemeinen Gottesdienstes bettachtet werden, dem auch die Schuljugend zugezogen wurde. Jener hat etwas Erkünsteltes und Gezwungenes an sich, dieser hingegen war natürlicher und zweckentsprechender, ganz besonders für die männliche Jugend. Durch ihn lernte und prägte das Kind die ganzjährige Litttrgie sich vollkommen ein, und die Abhaltung und die allgemeine Theilnahme an demselben wurde seinem Gcmüthe und seiner Seele als ein Bedürfnis eingeimpft, ans dessen Befriedigung er im Leben nicht mehr verzichten konnte;, bei dem modernen jugendl. Gottesdienste hingegen soll der Schüler die Kenntnis der Liturgie schon aus der Schule mitbringen, wo er sie aber niemals recht und korrekt erlangen wird, und hat er die Schule verlassen, so schwindet in der Regel jedes weitere Bedürsnis zur Theilnahme an einem Gottesdienste. Denn die Abhaltung des Jugendgottesdienstes wird — und nicht mit Unrecht — als eine bloße Schulübung betrachtet, von der man, wie von jeder anderen, mit dem Austritte ans der Schule sich befreit fühlt. — Wir streben nach Gleichstellung, haben selbe auch zum Theil erlangt; nun hat denn die christliche Schuljugend auch ihren speciellen Gottesdienst? Noch eines Punktes darf ich nicht unerwähnt lassen, u. zw. anlässlich der Religionslehrbücher. Der böhm. israel. Lehrerverein, sowie die löbl. Wiener Cultusgemeinde haben sich bewogen gefühlt, einen Preis für die Abfassung neuer guter Religionslehrmittel auszuschreiben, als ob es uns an^ guten Lehrmitteln fehlen würde, oder als ob von diesen das ganze Heil und die ganze moralische Zukunft unserer Jugend abhinge. Der wttklich bewährte Fachmann bindet sich an kein Lehrmittel, weil, er nicht schablonenmäßig seinen Berus ausübt; dem Nichtfachmann aber nützen Lehrmittel sehr wenig, da er dadurch die Religion nur zu einem starren Mechanismus herabwürdigt. Meines Erachtens ist und bleibt das beste und bewährteste Religionslehrmittel die Bibel, die . in der Hand des Kenners alles bietet, was die Lehre der Religion zu bieten vermag. Nicht die bisherigen Lehrbücher und Lehrpläne haben den Heuttgen Verfall und die heutige Zerfahrenheit im Judenthume herbeigeführt, -sondern der vollständige Mangel an Sinn und Gefühl für Religion und deren Angelegenheiten in -den Herzen, Häusern und Famitten unserer Religionsgenoffen, wodurch unsere Jugend keine Anregung, kein Muster und Beispiel findet und jeder religiöse Funke in derselben erstickt wird. Dieser Mangel an religiösem Sinn in den Familien und Gemeinden Israels trägt auch Schuld daran, dass man sich um tüchtige, leistungsfähige und würdige Religionslehrer, die ihres Faches Meister sind, nicht kümmert. ״Worte, nichts als Worte!" sollen die sämmtlichen Mängel aus religiösem Gebiete ausbessern und die Lücken in demselben aussüllen! Neue Lehrbücher in der Schule sollen d.en Sinn und das Interesse, das heute in Israel mangelt, ersetzen! Wer soll diese Lehrbücher schreiben? Gewiss ist es erwünscht, dass sie aus dem Geiste und der Feder bewährterReligionslehrer hervorgeheu. Nun sollen sich diese erst nach ihren vieljährigen, ersprießlichen Leistungen den Schreibkramps zuziehen, um im günstigsten Falle —wenn Jemand dem Geschmack des Preisrichtercollegiums in jeder Weise entsprochen hat — eine Prämie zu erlangen? Wie solche Bestrebungen in der Religionslehrerwelt allgemein aufgefasst werden, ist bereits bei der Preisausschreibung des löblichen Lehrervereines bewiesen worden, indem fast niemand die Feder zu diesem Zwecke eintauchte. Viel zweckmäßiger wäre es daher, wenn die löbl. Wiener Cultusgemeinde Preise oder Prämien für anerkannte und strebsame Religionslehrer ausgeschrieben, oder nach. Art dss^ mährisch-jüdischen Landrsfondes, einen Fond zur Unterstützung verdienst'-ollcr Religionslehrer und Cultusbeamten gegründet hätte. Dadurch würden dieselben zu fernerer segensreicher Wirksamkeit ermutigt und ermuntert werden. Aus diesem Wege kann etwas zur Förderung und Hebung des Religionsunterrichtes geschehen, nicht aber durch Herausgabe unnöthiger Lehrbücher: Ein Fachmann. Aphorismen aus dem Gesangsteben. VII. Obgleich es keinem Zweifel unterliegt, dass manche Sprache sich für den Gesang ungleich vyrtheilhaster erweiset, als die deutsche, so z. B. die lateinische und vor allem die italienische Sprache, welche überreich an Vocalen ist und deshalb dem Sänger das günstige Terrain zur Tonentfaltung gewährt — so lassen sich doch vom geschickten Künstler alle Idiome sehr wohl gesanglich verwenden und zu musterhafter Deutlichkeit bringen, wenn bei der Aussprache und Silbenbehandlung gewisse, für alle Sprachen gleiche Modificattonen beobachtet werden. Der Sänger muß eben mit der Stimme stets aus den Vocal der Textsilbe hineilen, um auch diesen Ton zu entwickeln, während er die vorausgehenden Consonanten sehr schnell, jedoch mit scharfer, deutlicher Articulation, bildet und die den: Vocale nachsolgenden Mitlaute möglichst verzögert und erst im letzten Moment mit bestimmten und energischen Bewegungen der betreffenden Mund-