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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1887-05-29 · Heft 18 (29.5.1887) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 18 (29.5.1887)
Date
1887-05-29
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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zahlen, wenn unter 1000, -4%; Anlagewerthe, wie Renten, Obligationen, Consols,׳ Salinen - Scheine, Bahnprioritäten und überhaupt Papiere mit staatlicher Garantie liefern nur 4% bis 40%!/ד/ rvo- Lei wir von Hausse und Baisse und deren unberechenbaren Folgen. absehen. .Die Grundprincipien eines Pensionsfondes,- nach obcitirter Basis angelegt, habe ich nun dargethan. Werden sie 'Anklang finden? Eollegen, Vater und Ernährer, wer stimmt mir bei und wer be- 'kämpft mich? Eröffnet eine Discussion und sehet zu, wie wir in diesem Punkte einig werden. Schwierig ist das Werk, ich gestehe es unum- . wunden, aber lohnend und segenbringend. Allein ist der Mann, allein, wir ganz allein müssen unsere Zukunst in Händen nehmen, denn die Gemeinden--- Ihr kennt sie ja und wisset, dass sie uns im Alter, beim Hereintritt der Gebrechlichkeit dahin verweisen, wo Jammer und Elend winkt. ' Es wäre mir ein Leichtes amter Zuhilfenahme eines Ziffern-Appärakes nachzuweisen, dass man sich auch mit weniger denn fl. 23 04 kr. Jahrespramie eine Pension von 200 fl. und im Ablebensfalle auch die Rückerstattung - des .eingezahlten Capitals ohne jeglichen Perzentual-Zuschlag sichern kann, weil unsere Pesionsfonds - Leitung wol auf ein stetiges Anwachsen der Fondscapitalien nicht aber auf Persönlichen Gewinn bedacht sein wird; ich hüte mich indessen, des Lesers Geduld . durch langathmige Gedankenübungen auf eine harte Probe zu stellen und schließe -mit dem Bemerken, dass ich mein Möglichstes zur Beleuchtung der schuldigen 4 Punkte - leisten werde. M. Weiskirchen im Mai 1887 J. Schwarz. Ueber ReligisnsMterricht. (Schluss.) Welchen Vortheil ein solcher mannigfacher Unterrichtsplan im Großen und Ganzen gewährt, will ich - im Nachfolgenden darthun. Angenommen, es wären z. B-. in einer Großstadt fünfzehn Schulen, an denen die isr. Religion nach fünfzehn verschiedenen freien Lehrplänen gelehrt würde. An jeder dieser Schulen wären durchschnittlich 25 -theilnehmende Schüler, die eine Gesammtzahl von 375'Schülern repräsentirten. An diesen 15 Lehranstalten würden nun in den verschiedenen Elasten folgende 15 bibl. Urtexte ihrem wahren Geiste und didaktischen Gehalte gemäß gelehrt : 1. erstes Buch Mosis mit den -^!VUchM WeglaffuriZs«, % rmeites Buch Mosis bis einschließl. der Gesetzgebung, 3. aus dem dritten Buche' Mosis dtp Abschnitte ,שמיני בהר ׳אמר ׳קדשים und בחקתי mit den nöthigen Weglassungen, 4..das vierte B. M. mit. den erforderlichen Ausscheidungen, . 5. die erste Hälfte des fünften B. M, 6. die.zweite'Hälfte des fünften B. M., 7. Josua, 8. Die Richter 1., 0. Die Richter II., 10. Samuel L, 11. Samuel II., 12. ein'Theil der Psalmen, 13. Die Sprüche Salomo's, 14. Auszüge aus den ersten Profeten, 15. Auszüge aus den letzten Profeten. Welches biblische Wissen würden diese 375 Schüler, zusammen für's praktische Leben mttbriugen, und wenn je 25 auch nur einen kleinen Theil der Bibel im Urtexte und dessen moralische Anwendung erlernt hätten, so wäre dies unbestreitbar.für's Judenthum im Allgemeinen von großem Werte, indem in solcher Weise der' Gesammtheit der ganze Jnhatt des bibl. Urtextes zugänglich gemacht, würde*). Selbstverständlich gehört zu einem vollkommenen und zweckmäßigm Religionsunterrichte nicht die Bibel im Urtexte allein, sondern auch bibl. Geschichte, hebräisch Lesen, Liturgisches, Grammatikalisches und Katechismus, die methodisch in entsprechenden Zeiträumen gelehrt werden müffeu. Freilich genügen die gesetzlich vorgeschriebenen zwei wöchentlichen Unterrichtsstunden dazu'nicht; ein solcher Unterricht bedarf einer größeren Stundenanzahl. .*) Viel, zweckmäßiger und natürlicher erschiene uns eine Lhresto matte im Urtexte, welche die wichtigsten Abschnitte enthielte. Würde diese die Grundlage ves Religionsunterrichtes bilden, so fiele die Verschiedenheit des Lehrplanes, die immerhin große Nachtheile hat, weg, und dennoch könnten die Schüler liu umfangreiches biblisches. Wißen erlangen. (Die Red.) - Wie verhall sich aber die allgemeine Lehrfähigkeit zur Religionslehrfähigkeit? Herr Abeles in Laun, der mit Pathos und ein wenig- Selbstüberschätzung in Nr. 10 der ״C.-Ztg." ausruft : ״Wir von der Prager Lehrerbildungsanstalt", jeden anderen Lehrer der Religion aber, der nicht aus der Prager, resp. aus einer Lehrerbildungsanstalt überhaupt hervorgegangen, ,für einen.״hergelaufenen Meschubet halt, der nebstbei ein bischen singen' kan n" *), wähnt oder will glauben machen, die Lehrerbildungsanstalt bilde den Religionslchrer heran. Er ist aber sehr im Jrrthum; das isr. Religionslehrfach bildet ein ganz eigenes Fach, das lange sehr eingehend, mit warmen Interesse, mit Herz und Sinn und mit wahrer , Hingebung gepflegt werden will. - Ist der Religionslehrer diesem Fache nicht ganz gewachsen, so ist er erfahrungsgemäs auch kein bewährter Religionslehrer und mag er an drei Lehranstalten-herangebildet worden sein; er würde deswegen den Kindern ״wichtige und schwere Lehren" der Religion beizubringen nie im Stande sein und wird häufig in die unangenehme Lage kommen, von wissbegierigen und geistreichen Kindern in Verlegenheit gebracht zu werden. . Schreiber dieses gehört auch zu jenen Glücklichen, welche an der Prager Lehrerbildungsanstalt die Reife- und Lehrbefähigungs- Prüfung überstanden haben, hat aber glücklicherweise seine Kenntniße in dieselbe mitgebracht und oft die traurige Wahrnehmung gemacht, dass so manchen Lehramtszöglingen ein entsprechendes, religiöses Wissen mangelte; an einer Kenntnis der Liturgie war bei solchen selbstverstündlich gar nicht zn denken. Sollten sie etwa als Lehramtscandidaten in- oder außerhalb der Lehranstalt das ihnen fehlende religiöse Fachwissen erlangen? Dazu fehlte es ihnen theils an Willen und Zeit, theils an Gelegenheit, denn -eine allgem. Lehrerbildungsanstalt ist kein Lehrerseminar, wo jüdische Lehrkräfte herangebildet werden sollen öder können. Mit den Religionsprüfungeu, die eine bloße Form waren, sah es daher in der Regel traurig aus. Die Beantwortung einiger Fragen aus dem Joel so hn'schen oder Breuer'schen Religiönslehrbuche, die Nebertragung irgend eines vorher einstudirten Abschnittes aus der Bibel und die. Abhaltung eines kleinen. Religio ns- Vortrages über irgend ein-bibl. Thema׳ (eine Art Exhorte) bildeten die Prüfsteine des religiösen Wissens der Candidaten. Wie viele der- - selben ließen sich die Ausarbeitung ihres Religionsvortrages,' welcher .gleichzeitig dein Prüfern schriftlich vorgelegt werden musste, von Anderen besorgen, weil ihnen die Fähigkeit dazu fehlte, begaben sich mit fremden Geistesproducten, die sie einstudirt hatten, zur Religions- Prüfung, und' wurden dann aus der Anstalt als ״vorzüglich befähigte" Haupt- oder Volksschullehrer entlassen, ohne dass sie religöses Wissen oder hinreichenden pädagogischen Takt für den Religionsunterricht besaßen. Ist es dann ein Wunder, wenn man nicht gar selten angestell!e Lehrer mit sehr guten Lehrbefähigungszeugnißen findet, die aber im Gebiete des Religionsunterrichtes nichts oder nur blutwenig zn leisten vermögen? Durch diese Auseinandersetzungen wollte ich nur den Nachweis liefern, dass nicht j e d e r ans einer Lehrerbildungsanstalt hervorgegangene Lehrer die Fähigkeiten eines Religionslehrers besitzt, und betone wiederholt, dass für dieses Amt ein specielles Fachftudimn nöthig ist, wodurch man sich umfassende Fachkenntniße erwirbt, die in Ver- Lmdung mit entsprechendem religiösen Sinn, Gehalt und religiösem Charakter im Wallen und Leben des Lehrers zur Anwendung gelan- *) Welch' eine geringschätzende, verletzende Aeuß.׳rn!rg gegen die Cau« toren, welche häufig auch Religionslehrec sind! Freilich ist es bedauerlich und beklagenswert, dass es nicht selten unwissenden, unwürdigen Personen gelingt, mit dem Religionsunterricht betraut zu werden; aber dennoch war eine solche allgemeine, versetzende Aeußerung nicht am Platze. <Der Autor.)

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