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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1887-05-29 · Heft 18 (29.5.1887) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 18 (29.5.1887)
Date
1887-05-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreichisch-ungarische Gantoren - Zoitnng. Organ־ _ Wränrimeratioiispreis Fjie Vrreinsniitglirdrr. Ganzjährig fl. 6.— Halbjährig fl. 2.50 DUrtkljShrig; . fl. 1.25 Für Nichtmitalitder Ganzjährig fl. 6.— Halbjährig fl- 3.— Vierteljährig fl. 1.60 Für -a- AuSlan- Ganzjährig fl. 7.— 12 Mark oder « Rubel. Ar üie sifltereffe« jütliA!er ^»iitoren M ^«Itmbesmten. KrscheintzedenachtenGag. Begründe 1׳:. Obercantor Jacob Bauer. Wedaction und Administration Wie», II., Novaragajse Nr. N. Inserate . werden billigst berechnet. Manufcripte werden nicht retournirt. Nr. 18. Wie«, 29. Mai 1887. 7. Jahrgang. Die wichtigsten Tagesstagen. Schüchtern/ als sträube sich die Feder nach Jahre, langer Rast mitdem Selbstbekenntnis herauszurücken: Mensch, du wirst ein Duckmäuser! will ich nun mein Stillschweigen ex abrupto damit unterbrechen, indem ich die Aufmerksamkeit der geneigten Leser auf jene Tagesfragen lenke, deren Erörterung mir von höchster Wichtigfeit zu sein scheint. Noch bin ich in Verlegenheit über die endgiltige Wahl meines diesmaligen Thema, denn unzählig wie die Wandlungen, die im Schoße des Cantorenthums in rascher Zeitfolge sich vollziehen, fluthen die Gedanken im wirren Durcheinander in meiMm Kopfe. Unschwer ist es freilich, eine jener Tagesfragen^ die stets ungelöst wiederkehren/ zum Gegenstand eines wortreichen Essai äuszuspiunen, damit' gleichsam beweisend, dass auch wir ein Stecken« pferd hahen, darauf Geübte und Dilettanten reitend sich herumtummeln. Doch zähle ich nicht zu den Männern, die mit gruselige»! Wohlbehagen, in einen Schwall nichtsaaerchen Phrasen sich verrennen, um zu Ende anlangend dje EWeckung zu machen, dass sie über die Präliminarien der Hauptaufgabe den Grundgedanken ver-' gaßen. Mit klar vorgezeichueteu Strichen erfasse ich allmälig meine Aufgabe, und bin ich ihr gewachsen, so ist die Diction knapp, fließend, abgerundet und gemeinverständlich. / Unter' allen Tagcserscheinungeri, die seit Jahr und Tag die Eantoren - Zeitung und ihre Leser beschäftigen, sind es insbesondere einige, die wie ein rpther Faden auf den ersten Blick auffallen; nämlich folgende: . 1. Gründung eines Pensionsfondes, 2. Staatliche Anerkennung der Eantoren, 3. Einheitlichkeit des Synagogengesanges, 4. Eantoren schule, 5. Statuten-Aenderungen. ־. Schon die Nennung dieser wenigen Schlagwörter macht das Herz aller Cantorenfreunde höher schlagen und deren Realisirung begehrenswerth. Ist dieses Ziel ganz oder theilweise zu erreichen? und wodurch?.Versuchen wir uns an der Lösung der ersteil und schwierigsten Aufgabe und sehen wir, ob es möglich ist, sich in diesem Labyrinth zurechtzusinden. Die Gründung eines Pensionsfondes ist ein gordischer Knoten, schon deshalb unentwirrbar, weil die Meisten kaum eine Ahnung davon haben, wie man beispielsweise einem 30jährigen Manne bei Erreichung seines 60. Lebensjahres eine Pension von, sagen wir 200 fl. jährlich, zahlbar durch 10 Jahre, sichert. Jede solide Lebens- und Renten-Versicherungs-Gesellschaft fordert zu diesem Zwecke von einem 30jährigeu Manne, nach vorausgegangener ärztlicher Untersuchung und Constatirung der vollkommenen Gesundheit des Versichert-sein-wolleNben, einmalig st. 342 66 kr. eventuell eine Jahres- Prämie von fl. 23 94 kr., welch letzere bei sonstigem Verlust des ganzen eingezahlten Capitals 30 Jahre lang nebst 5% eventuell 3% Verzugszinsen pünktlich zu zahlen ist, wobei aber jedes Risiko im Ablebensfall des Pensionsberechtigten ausgeschlossen erscheint. Nun zeigt aber ein logarithmische Zinseszinsen - Berechnung, dass ein Anlage-Capital, per fl. 342 66 kr. schon zu 4% durch 30 Jahren verzinst, ein Capital von fl. 1075 95 kr., hingegen eine Jahres- Prämie per fl. 23 94 kr. zur selben Zeit mck VerzmWnK M WGO per fl. 1330 88 kr. ergibt. In letzter Berechnung habe M aW Me immer gearteten Verzungszinsen ausgefchloffen, denn mit dUen hinzuaddirt würde die Jahresprämie um ft. 1 kr. und das gezahlte Capital ,«w M SO 91 kr. sich vergrößern. Bedenkt man ferner, dass eine Versicherungs-Gesellschaft, wie jede andere NnternHmung, eine auf Gewinn berechnete ist, nur dass sie als solche im Ablebensfall des Pensionsberechtigten den gesetzlichen Erben desselben nichts oder nur gegen einen von 20% öi§ 9% variirten, mit der Jahresprämie zu entrichtenden Percentuat-Zuschlag, das eingezahlte Capital "jedoch ohne Zinsen, rückerstattet, so ist es mit Händen zu greifen, dass wir zur Schaffung eines Pensionsfondes, von welchem 200 Mitglieder eine Jahrespension per je fl. 200 beziehen sollen, die Kleinigkeit von fl. 270,000 benöthigen. Diese brutale Ziffernsprache ist herb, mistönend, ja gemein, aber heilsam und erlösend für jene Geistesarmen, die da meinen, durch einen Jahresbeitrag von 4 fl. sich und die Ihrigen bei hereinbrechendem Alter und Amtsuntauglichkeit vor Noth und Elend zu schützen. . Indessen, da ich einmal den Stift zur Hand genommen, so wollen wir sehen, was sich mit 4 fl. Jahresbeitrag durch 30 Jahre erzielen lässt. — Nehmen wir die Zahl der Vereinsmitglieder mit 200, eventuell die Summe der Jahresprämie mit fl. 800 an, und lassen selbe, in der Voraussetzung, dass die Prämie bis zur Jahreswende stets pünktlich und voll cingebracht wird, mit 5% durch 30 Jahre verzinsen, so erhalten wir, die Gründungsgebühr per fl. 1000 und deren Verzinsung mit fl. 2391 77 kr. eingerechnet, ein Fonds- Capital per fl. 56.147 2 kr. Nehmen wir, zum Ueberfluß, an Schenkungen, Spenden 2c. fl 3.852 98 kr. dazu, so hätten wir rund fl. 60.000. Hievon ab an Verwaltungsspesen, Remunerationen, Unterstützung hilfsbedürftiger Vereinsmitglieder u. s. w. fl. 9000, so verbleibt ein reines Fondscapital per fl. 51.000, welches mit einer einmaligen Abfertigung per st. 255 auf je ein Mitglied sich deckt. Es fragt sich nun, ob Capitalien, die im Bedarfsfall immer liquid sein müssen, zu 5% verzinst werden können. Sparcaffen

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