Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 17 (21.5.1887)
- Date
- 1887-05-21
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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und preisgeben dürfen. .Wir sollen der-Welt nämlich die große und wichtige Lehre vo n dein ׳Wesen, dem Berufe ünd den Attributen des echten P riestert hu ms erhalten, damit es unterschieden werden, könne von dem f als ch e n, a n g e m a ß t e n, unterschobenen. Nach- und Zerrbilde, welches so unnennbares Elend über!4>ie .Menschheit gebracht hat. Das ist's, was hier nachgewiesen werden soll. sFortsetzuug folgt) Nie Juden in Tunis. Auszug aus dem Bericht der Israelitischen Allianz.zu Paris. - Die städtische Behörde von Tunis hat an einen Unternehmer das Recht der Todten-Bestattung übertragen, nämlich, dass er gegen eine tarifmäßige Gebühr den Transport der Leichen nach dem Begräbnisorte besorgen soll, welcher Beschluss mit Dekret des Bay vom 20. März an in Rechtskraft treten soll. Dieses Recht erstreckt sich aber nur auf Europäer und Juden, nicht aber auf Mohamsdaner. Dieses neue Dekret verletzt selbstverständlich auf das Tiefste die Religiousgefühlc der tunesischen Israeliten, umsomehr da sie einer alten Sitte gemäß großen . Werth darauf legen, selbst ihre Todteu nach dem Begräbuisorte zu tragen; sie betrachten .dies als eine Pflicht und eine letzte, dem Verstorbenen schuldige Ehre. Außerdem wollen sie die Sitte beibehalteu, dass Reiche und Arme gleichmäßig, bescheiden ohne Unterschied und Pomp, begraben werden, wogegen die neue Verordnung Elasten unterschiede einführt. Diese Sitten und Gesinungen sind ohne Zweifel sehr achtbar,- und da man sich in׳ diesem Dekrete hütete, den Traditionen der Mohamedaner nahe, zu treten, so hätte man auch die..eingeborenen Israeliten in dieser Gewissenssache der Todten-Bestattung mit mehr Schonung behandeln sollen. Noch einen anderen, ernsten .Einwand -erheben die Juden gegen das zu gut, um die reinen Motive Ihrer Handlungsweise zu ׳ermessen " — Lischen und 'Emma waren mittlerweile ein wenig zurückgeblie- Ken u;!d ^er^its aufein. uuderes Gesprächsthema׳ übergegangen. Lachend und scherzend schwelgten sie in den Erinnerungen an den heiteren Abe,ch und beschleunig!cn erst ihre Schritte, als sie. die Vorsnaehenden n! ziemllH׳ tneiier׳ (';!lfernuNg sahen. Indes sprach Felix nach kurzem Schweigen zu Deborah: ״Sie werden erfahren, dass ich stets Ihre Partei ergreife, wenn über Ihre Zurückgezogenheit in unseren Kreisen misbilligend geurckheilt wird. Sie thun ganz recht, wenn Sie eine gute Lectüre den gesellschaftlichen Vergnügungen vorziehen, denn die Conversation in den großen Gesellschaften ist manchmal recht flach und langweilig. Oft wünsche ich mich hinweg aus diesen geräuschvollen Verguügungen, und meine Gedanken finden den Weg in die traute Häuslichkeil Ihrer lieben Eltern, denen Sie als opferwillige Tochter, mit atfcu weiblichen Vorzügen begabt, zur Seite stehen; ich sehe dann im Geiste ihr Haupt von einem Glorienschein unistrahlt und unwillkührlrch fühle ich mich zu Ihnen hingezogen und möchte die Kniee vor Ihnen beugen und Ihnen gestehen, wie innig ich Sie verehre. Dann wollte ich von Ihren Lippen nur die Worte hören, dass Ihnen die Gefühle, die ich für Sie hege, nicht gleichgiltig sind, und dass ich hoffen darf, in Ihren Augen die ./iß ersehnte Gunst zu finden." ״Herr Weinstein". sprach Deborah, betroffen zurücktretend, ״Sie schwärmen für ein Ideal, das Ihnen gewiss einst nach Ihrem Herzenswünsche verkörpert auf Erden erscheinen wird, doch ich bin weit entfernt davon, mich so hoch zu erheben und meine geringe Persönlichkeit als jene hehre Lichtgestalt,. die Ihrem Geiste vorschwebt, erkennen zu wollen." ״Ach, Sie spotten, Fräulein Deborah, und wollen mich nicht verstehen, Sie sind es, die ich anbete, für mich sind Sie durchaus keine neue Gesetz: bis jetzt war der Dienst bei den Todten ein freiwilliger, folglich unentgeltlich: doch verfehlten die Familien der Ver- , storbenen nicht, der Gemeinde eine ihren Verhältnißen angemessene Gabe zu verabreichen. Diese Geschenke bildeten eine der Hanpteinnahmen der Gemeinde. Wenn man das. Elend der großen Mehrheit der tunesischen Israeliten kennt, und die Armuth der Gemeinde, so wird man ohne Mühe die Bedeutung dieser Frage erkennen und die mißlichen Folgen, welche für sie, für die vielen Armen, die sie unterstützt und ״für die bedeutende Schulen, die sie unterhält, durch den Wegfall dieser Einnahmen entstehen müssen. Der General-Resident Herr Mastiquilt, welcher übrigens nur die unter seinem Vorgänger vorbereitete Maßregel unterschrieb, hat zum Theil die von der israelitischen Gemeinde vorgebrachten Reclamationen gewürdigt. Es wurde beschlossen, dass, für die jüdischen Bestattungen die Träger des conzessionirteu Unternehmers Juden sein müssen, und dass überdies die von demselben zu beanspruchende Taxe von der Gemeinde, bezahlt werden wird, wogegen diese ihrerseits fortfahren können, .in Gestalt von Geschenken das Entgelt entgegenzunehmen. Die Taxe, welche die Gemeinde dem Unternehmer wird zahlen, ist für sie ein essectiver Verlust, da der betreffende Dienst bisher ohne Kosten geleistet wurde; für eine so geringe Kasse ist dieser Verlust sehr fühlbar. Mas wundert sich, dass die drei Israeliten, welche im Stadtrathe sitzen und Stimme h abru, gegen die Ai aßregel nicht protestirt haben. Wir wissen nicht, ob sie der. Verhandlung beigewohnt und warum sie für diesen Fall zu Gunsten der neuen Organisation gestimnit haben. Wir wissen aber ebenowenig, ob sie in ihrer Eigenschüft als Juden und Vertreter der Gemeinde diesen Sitz einnehmen. Die Ausführung der neuen Verordnung vom 20. Marz ab wurde den Israeliten am 10. März angezeigt. Selbst wenn sie gegen diese Verordnung nicht sehr ernste Einwendungen hätten, wird man ihre Aufregung gegenüber eiser Maßregel, die an hundertjährigen Gewohnheiten und qu des tiefstes Gefühlen der Menschheit rüttelt, gewöhnliche Erscheinung, und ich nehme mein Wort niemals zurück. Der Gedanke an Sie erhellt und beleuchtet meinen Lebenspfad und lässt mich in eine lichte Zukunft schauen, in eine Zukunft"- ״Hatten Sie du Herr Felix", . sprach Deborah im milden Tone, ״Sie vergessen sich rn Ihrer Schwärmerei, bleiben Sie in den Grenzen, hie Ihnen vou der Natur und den Ihnen nahe stehenden Menschen angewiesen wurden, und treten sie nicht den Absichten Ihrer Ettern, die gewiss nach ganz anderer Richtung hin Ihr Wol im Auge haben, hindernd in den Weg. Die heiligsten Pflichten, die wir zu *erfüllen haben, ־ sind, in allen ernsten Stunden unseres Lebens unfern Willen den Wünschen unserer Eltern unterzuordnen; Nehmen Sie diesen wolgemeinten Rath von mir an, die ich in einfameit Stunden oft Muße fand, recht ernstlich über den Kampf zwischen Herz und Verstand nachzudenken; immer kam ich zu dem Resultate, dass letzteres den Sieg davontragen muß." ״Ist es nur der Zweifel, ob meine Eltern ihren Segen zu unserem Herzensbunde geben werden," erwiederte Felix, ״der Sie zurückhaltend gegen mich macht? O, da kennen Sie dieselben zu wenig, wenn Sic glauben, dass ihnen die pecuniären Interessen über das. Glück ihres Kindes gehen. Leider sehe ich aber, dass Ihr Herz zu all meinen Betheuerungeu schweigt, und um dies nicht zu gestehen zu müssen, suchen Sie zartfühlend nach einer Ausflucht. Ich will jedoch Geduld haben, vielleicht wird Ihr Herz allmalig empfanglich für meine Empfindungen, die Ihnen bisher verborgen waren. Die Hoffnung gebe ich noch immer nicht auf." Mittlerweile waren sie bei der Wohnung Deborahs angelangt, und auch Lischen und Emma traten näher; Deborah empfahl sich von Allen mtt herzlichem Gruß und wandte sich eilig der Hausthüre zu. < Fortsetzung folgt.)