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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1887-05-21 · Heft 17 (21.5.1887) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 17 (21.5.1887)
Date
1887-05-21
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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— <£ — Die Frage nun, um die es sich handelt, ob nämlich in unfern Tagen der Unterschied zwischen Priester stand und Priesterberuf als aufgehoben zu betrachten sei, ist nicht neu.' Sie trat schon vor ungefahr zwei Decennien vor die Oeffentlichkeit, ohne dass es bis heute gelungen ist, über dieselbe anders als in streng religionsgesetzlichem Sinne entscheiden zu können. Hören wir, was mein Gewährsmann zu der Sache sagt. Es ist dies kein geringerer als der sel. Rabbiner Dr. Treuenfe-ls in Stettin, welcher in den Leitartikeln zu Nr. 25 und 28 der von ihm gegründeten ״Israelitischen Wochenschrift" vom Jahre 1871, verschrieben ״D a s e ch t e u n d d a s s a l s ch e Pr i e sie rthum" sich u. A. folgendermaßen vernehmen lässt: ״Der P.riestersegen ist von Israel zu allen Völkern der gesitteten Menschheit gekommen und ertönt in allen ihren Gottes- Häusern und bei allen religiösen Versammlungen. In feierlicher Weife sprechen ihn an den Festtagen der Synagoge die Kohanim, die Nachkommen Aharon's. Man hört indessen heut zu Tage mancherlei Ein- Wendungen gegen diese Institution, die älteste von allen unfern noch bestehenden Einrichtungen. Jene Bedenken werden nicht bloß von solchen erhoben, welche alles Ueberlieferte tadeln und reformirt sehen möchten, sie haben auch nichts mit einer principiellen Bekämpfung der Gesetze über die Kohanim — welche vielen Laien unbekannt oder gleichgültig sind — zu thun; sondern man hört sie aus dem Munde von Männern und Frauen, welche sich dabei auch lediglich auf ihre ״Gefühle und Ansichten" berufen und in änderen Punkten nicht eben resormsüchtig sind. Die Mystik, die scheue Ehrfurcht, welche sich eheden an das ״Duchenen" knüpfte,' ist dem Bewusstsein sehr vieler, sonst religiös gesinnter und lebender Zeitgenossen entschwunden — man fragt: ״Was sind denn diese Personen, welche uns da segnen sollen?" Und wenn sich nun gar im gegebenen Falle gegen die Moraütät, Religiösität, Respectabilität einzelner fungirender Kohanim wirklich Erhebliches Vorbringen lässt, so kann man an jedem Feiertage, den Tadel, die Aeußerungen des Mißbehagens von Neuem hören; der Hinweis auf das klare Schristwort und die Erläuterung, dass Der junge Cautor. Eine Erzähluug von CäiÄie L 8 w y. (IO. Fortsetzung ) ..Es gewährt mir eine unendliche Freude, mein liebes Lieschen, als erste unter allen Mädchen, Dir meinen innigsten Glückwunsch zu deinem Herzensbunde auszudrücken," sagte Deborah, mit Wärme die Hand ihrer Freundin drückend. ״Doch wir müssen jetzt hier einlenken, um bald nach Hause zü kommen; wir sind schon lange genug ausgeblieben" — Da ertönte es plötzlich hinter ihrem Rücken: ״Guten Tag, meine Damen, Sie wollen doch etwa nicht schon die Promenade verlassen." Die beiden Mädchen erwiderten den Gruß der Ankommenden, es waren Emma und Felix Weinstein, welche sie mit freundlichen Worten ersuchten, sich ihnen anzuschließen. ״Wir hatten die Absicht-ein wenig auf dem Eise herumzutummein," sprach Emma, ״doch ich bin noch zu ermüdet von unserem letzten Gesellschastsabend, daher zog.ich es vor,'mich von der Mattigkeit, die mir noch in dm Gliedern steckt, durch einen Spaziergang zu befreien und ich fühle, dass mir die Bewegung sehr wol thut. Doch in Eurer Gesellschaft, liebe Mädchen, ist es mir jedenfalls interessanter, denn Felix scheint gestern all seinen Unterhaltungsgeist aufgeboten zu haben, da er so schweigsam neben mir einhergeht. Bei Eurem Anblick scheint er aber aus seinen Träumen erwacht zu sein." ״Die Neckerei meiner Schwester lasse ich mir gefallen," erwiderte Felix, ״sie liefert nur den Damen den eclatanten Beweis, dass mir diese Begegnung ein besonderes Vergnügen bereitet, das gewiss ja nicht die Personen uns segnen, sondern nur.Gott, beschwichtigen jene Einwendungen wohl äußerlich, aber befriedigt ist der ״Raisonnirende" schwerlich. Dagegen würden dieselben Laien wohl gär nichts einzüweuden haben, wenn der Geistliche, der Prediger den feierlichen Segen spräche; dm Mann, würden sie sagen, haben wir berufen, schenken ihm׳ unser Vertrauen, sein Wandel muß tadellos sein, (ob dieses über auch immer der Fall ist? Exempla sunt odiosa. Ref.), denn sonst wäre er überhaupt seines Amtes unwürdig, er mag den Segen, über uns sprechen. Das würde denn freilich wieder, bei den ׳Wissenden einen Sturm der gerechtesten (! Ref.) Entrüstung, einen Schrei des Entsetzens Hervorrufen; wir haben bisher.auch noch nicht gehört, dass ein Rabbiner u. s. w. (so er nicht Kohen von Geburt) sich erkühnt hätte, nach Weise der Kohanim und an ihrer Statt den Segen zü sprechen;?) nochmehr, auch in den Synagogen und Tempeln, welche sonst weitgehende Reformen eingeführt haben, 'ist das Buchenen, so viel uns bekannt, überall unangetastet geblieben, d. h. nicht ״abgeschafft", wenn es auch in manchen unterbleiben mag, weil sich die Kohanim ihrer Pflicht entziehen. Daraus - könnte denn wohl der Laie ersehen, dass feine-״Gefühle und Ansichten" ihn irre leiten, dass es sich hier um ein wichtiges Prinzip handle, - welches wir nicht auf- *) Wenn wir hinßeqen in Srbbaih 1t8 S finden ואמר ר' יוסי מימי ^א עברתי על דברי חברי יודע אני בעצמי שאיני כהן ׳אומרים לי חבוי עלה לדוכן אני עולה' so wird kein Talmudkundiger diejen Ausspruch des R. Jose, wodurch derselbe nur seine Friedfertigkeit und Nachgiebigkeit den Eollegen gegenüber beweisen wollte, wörtlich nehmen. R. Jose wollte lieber etwas Auße r o rdentlicheS unternehmen, als den Frieden stören; und als etwas A ußerorden tlicheS, ja Unmögliches erschien ihm gerade das Aussprechen des Priestersegens durch einen Nichtkohen. Tofsaph. bemerken hierin לא ידא ר' יוסי מה איסור יש בזו העולה לדוכן אם לא משום ברכה לבטלה׳ שלכהנים אמרה תורה לברר את ישראל. Diese Stelle mag auch Herrn Baum belehren, dass lauge nach der Zerstörung, des Tempels diese F inktion der Priester, nimlich da s Segensprechen durch dieselben nicht aufgehoben war, wenn'auch das von mir durch 4 Punkte angedeutete הקרבת קטוה längst aufzehöct hatte. ׳ dadurch erhöht würde, wenn es mir gelänge, Sie zum ferneren Verbleiben in unserer Gesellschaft zu bewegen. :" .. ״Herr Felix, Sie sind galant und liebenswürdig, ׳ wie stets, - Ihre freundliche Aufforderung können "wir .daher, ohne unhöflich zu sein, nicht aüsschlage^" sprach Lieschen, ״und ich'denke, liebe Deborah, wir könnten noch eine halbe Stunde draußen bleiben." ״Sehr gerne würde ich-Euerem Wunsche genügen," antwortete Deborah, ״doch die Kindespflicht ruft mich leider nach. Hause; Ihr . wisset ja, dass meine Mutter noch reconvalescent ist und mich nicht lange entbehren kann; nehmt es mir daher nicht übel, wenn ich'mit der Versicherung, dass es mir herzlich leid thut, Euch schon verlassen .zu müssen, den Heimweg, antrete." ״Nun, so begleiten wir Dich,", sagte Emma, ,,da bleiben wir, wenigstens noch eine Viertelstunde beisammen, es ist ja schließlich gleich, auf welchem Wege man 'die frische Luft athmet. Uebrigens sollte ich böse auf Dich sein, denn uns so zu vernachlässigen, das grenzt beinahe ans Unschickliche. Wenn ich nicht wüsste, dass es Dir wirAich Ueberwindung kostet, in große Gesellschaften ,zu gehen und dass Dir das Tanzen nicht die.geringste Freude bereitet, so könnte ich Dir herzlich böse sein. Deine lieben Eltern haben Dir aber den Sinn für das Häusliche anerzogen und es nicht versucht, denselben für unsere Zerstreuungen zu wecken, Du bist daher entschuldigt und bleibst meine Freundin nach wie vor." ״Ich danke Dir, liebe Emma, für Deine Liebe, aber Du wirst, indem Du mich entschuldigst, ungerecht gegen meine Eltern, denn diese boten Alles auf, mich zu bewegen, Eurer Einladung Folge zu leisten, und wünschten gewiss, mich, lustig und heiter unter Euch zu sehen. Doch ich bin unverbesserlich und werde schon mein Glück in bescheidenen Verhältnißen finden müssen." ״Ueberlassen Sie es nur mir, Fräulein Deborah, Sie zu vertheidigen", sprach Felix, der an ihre Seite getreten war, ״ich kenne Sie

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