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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1887-05-13 · Heft 16 (13.5.1887) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 16 (13.5.1887)
Date
1887-05-13
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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iune ,hatten,׳-'- -für den Gesanglehrer ein un'chätzbares -Hilfsmittel -beim Unterrichte. Der Schüler erfährt dadurch nicht blös, dass er es!schlecht gemacht hat, sondern er sieht, (mm uns einer Transmutation der Sinne schuldig zu machen) seinen Fehler gleichsam im Spiegel. Ebenso wichtig aber, ja gewiss noch wichtiger, wird es -sein, - dass der Lehrer, durch vollendete Ausbildung seiner Stimme im Stande ist, dem jungen Sänger von der Wirkung einer messa di voce, 00 m Zauber eines portamento, von dem Reize einer Passage ein lebendiges Bild zu geben, ihm jedes Toncolorit, jede Vortragsnüance künstlerisch schön v o r z u s i n g e n. Auf diesem Wege wird der Schüler nicht nur inne, wie er es nicht zu machen habe, -sondern er erkennt zugleich, wohin sein Streben zu lenken sei und wie sich seine Leistung aus nehmen muß, um auf Beifall und Anerkennung Anspruch erheben zu können. Ein einmaliges gutes Vorsingen führt weiter als ellenlanges Theoretisiren und Dogmatisiren! Die Stimme jedes — auch des geschultesten — Sängers muß eilten Tag wie b e u a n b e r 1t an gehaltenen Tönen, Schwellstudien und Beweglichkeitspassagen gleichmäßig geübt werden, soll sie nicht in ihrer Leistungsfähigkeit Nachlassen. Benelli sagt: ,',die Stimme gleicht einem Instrumente/welches seinen ganzen Werth verliert, wenn es nicht fortgesetzt gebraucht wird." — Cs gießt ja in der Kunst keinen Stillstand nur Fortschritt — oder Rückschritt! Wir haben ein glänzendes Beispiel von der Wirkung solcher mit treuer Beharrlichkeit Tag für Tag fortgesetzter Stimmübung an Henriette Sonntag erlebt. Diese herrliche Künstlerin entsagte bei ihrer Vermählung mit dem Grafen Rossi in früher Jugend - der Opernlaufbahn. Nichtsdestoweniger setzte sie als Gräfin ihre Gesangstudien und Stimmübungen einen Tag wie alle Tag e mit derselben Ausdauer und Gewissenhaftigkeit fort, weil ihr die antheilvolle Beschäftigung mit ihrer geliebten Kunst ein Herzensbedürfnis, eine Nothwendigkeit geworden war. — Und, siehe da! als zwingende Verhältniße die Künstlerin nach zwanzig Jahren zur Oper zurückführten, war die Schönheit, die Fertigkeit ist ja noch unberührt von solchen Eindrücken, wie sie das meinige empfing, und ich fürchte mich ordentlich, Deinen keuschen Sinn für meine Herzensergüsse empfänglich zu machen. Aber ich bin ja so unschuldig und unbewusst in meine Lage gekommen, dass Du mir gewiss verzeihest, wenn ich Dich zu meiner Vertrauten mache " ״Sieh, liebes Lieschen, so wenig Menschenkenntnis Du mir auch Zutrauen magst, ahnte ich doch schon gestern, welcher Art das Vertrauen, das Du mir schenken willst, sein könnte, und Du findest mich daher gar nicht überrascht, wenn es Deinem Herzen Erleichterung gewährt, so erzähle nur; für meine Discretion bürgt Dir wol unsere -alte Freundschaft, die noch von unserer Schulzeit herrührt und an Wärme seitdem nicht abgenommen hat." ״Nun, so höre denn", erwiderte Lieschen, ״Du erinnerst Dich wol, dass mein Bruder Carl, der in Berlin in einem Bankhause Correspondent ist, voriges Jahr mit seinem Freunde, dem Sohne seines Chefs, Herrn Edmund Guttmann, zur Erholung von seiner anstrengenden Thätigkeit einige Wochen bei uns weilte. Welch' schöne Tage ich damals in der Nähe dieses geistvollen Menschen verlebte, habe ich Dir meines Wissens schon oft augedeutet. Besonders angemehm berührte mich sein feiner Takt im Umgänge mit Damen O er war entzückend in seiner Zuvorkommenheit, die ich doppelt wolthuend empfand, da ich in der Uebergangsperiode vom Backfisch zum Fraulein war; wie liebenswürdig findet man da die respectable Haltung .junger Leute, die uns-aufhören als Kinder :zu betrachten. Welch' wunderschöne Stimme er hat und wie artig er bitten konnte, wenn ich ihn auf. dem Klavier begleiten sollte, davon warst Du ja Augen- und Ohrenzeuge, als Du mich zu meinem Geburtstage besuchtest. Er war es ja auch, der den Vorstand auf den jungen Cantor Berehns, der nächstens Probevortrag halt n soll, , aufmerksam machte und seinem Urtheile schenkte man, wie du weißt, volles Vertrauen, da ja selbst der Laie sich von seiner Stimme hingerissen fühlen muß. Sie und Ausdauer -ihrer Stimme noch so überraschend, ihre Meisterschast sobewWigend, dass sie die Triumphe ihrer Jugend noch einmal durchleben und die ganze musikalische Welt — wie zur Zeit ihres ersten Auftretens — in Entzücken und Begeisterung versetzen konnte. Kleine Chronik. Wien. (Israelitisches Blinden Institut). Die Pleuarversammlung des israelitischen Blindeu-Juftitutes in Wien fand am 8. d. statt. Der Verein des -Institutes zählt 7 Stifter, 494 Mitglieder und 25 Ehrenmitglieder und hatte im letzten Jahre Ausgaben von 10,466׳ fi. und Einnahmen von 18,893 fl. In dem Institute, in welchem die Zöglinge außer den Gegenständen der Volksschule auch Gesang, Musik, ModeMreu, weibliche Handarbeiten, je ein Handwerk oder Clavierstimmen erlernen, befanden sich während der fünfzehn Jahre seines Bestandes 72 Zöglinge, von denen 26 ihre Bildungszeit ordnungsmäßig absolvirt und ihre volle Erwerbsfähigkeit erlangt haben, so dass keiner von ihnen bisher in die Lage gekommen ist, den Unlerstützungsfsnds für die entlassenen Zöglinge in Anspruch zu nehmen. Einer dieser Zöglinge, um dessen Ausbildung sich Obercantor I. Singer und Kammervirtuos Labor, beide Lehrer am Institute, besonders verdient gemacht, legte vor der Prüfungs-Commission die Prüfung für das Lehramt au Mittelschulen über Ctavier- und Orgelspiel, Harmonielehre und Geschichte der Musik ab und wurde als Lehrer an Lehrer-Bildungsanstalten im Orgelspiet für befähigt, im Clavierspiel für ausgezeichnet befähigt erklärt. Derselbe wirkt nun als Organist im Stadttempel, sowie in der Anstalt als zweiter Musiklehrer. Das bisherige Curatorium: die Frauen Cäcilie Jos. Adler, Amalie Benedikt, Autalie Mayersberg und Marie Tauber, sowie die Herren Wilhelm Engel, Dr. Philipp Ritter v. Mauthner, Stephan Freiherr v. Schey, Gustav Simon, Theodor Ritter v. Taussig und Dr. Bernhard Wölsier, wurde durch Acctamation wiedergewählt. Freiherr Moriz v. Königswarter gehört nach dem Statut dem Curatorium als ständiges Mitglied an. (Chorgesangs-Verein). Auf Anregung mehrerer Musikfreunde wurde vor circa 3 Monaten der oben genannte Verein gegründet, welcher sich in erster Reihe die Hebung und Veredlung des Kirchengesanges zur Aufgabe stellte, nicht minder jedoch auch dem müssen recht befreundet mit einander sein, da Edmund oft seine» Namen nannte und voll des Lobes über ihn war. Wenn Behrens zur Bühne gienge, sagte er oft, das wäre eine Acquisition für die Oper, doch der Mann ist zu religiös, um sich dazu entschließen zu können." ״Aber das will ich Dir ja gar nicht erzählen, Du wirst schon ungeduldig, wie ich sehe, weil ich vom Thema abweiche, doch das Beste bewahrt man gerne lange aus dem Herzen." ״O, nein," wandte Deborah ein. ״Du langweilst mich durchaus nicht, wiederhole mir nur noch ein u d, ob Herr Guttmann betonte, dass der junge Cantor sehr religiös sei, sagte er das wirklich?" Lieschen mußte erstaunt ihrer Freundin in's Antlitz sehen, so ungewöhnlich erregt sprach die gemessene Deborah, die gespannt auf Antwort wartete. ״Ich erinnere mich besten ganz bestimmt", sagte Elise. ״Warum ist Dir das aber so wichtig." Deborah schwieg eine Weile, dann sagte sie: ״Nun, weil das auf meinen Vater einen guten Eindruck machen wird." ״Doch erzähle nur weiter," und Lieschen begann: ״Edmund ist seit Kurzem Compagnon im Bankhause seines Vaters geworden und schrieb mir neulich, nachdem er zuvor die Erlaubnis meines Papas erbeten hatte, einen Brief, indem er mir feine Liebe gesteht und seine Hand anbietet. Obgleich es mir mein Herz sagte, dass es so kommen müsse, war ich nicht meiner Sinne mächtig, als ich den Brief in meinen zitternden Händen hielt. Erst allmälig erwachte ich aus dem süße» Traume zum vollen Bewusstsein meines unbegrenzten Glückes. Der Tag unserer offiziellen Verlobung ist bereits bestimmt, aber noch Familiengeheimnis." (Fortsetzung folgt.)

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