Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 16 (13.5.1887)
- Date
- 1887-05-13
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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weltlichen Gesänge seine Thätigkeit zn widmen beschloß. Nach der constituirenden Versammlung des Vereines, um dessen Zustandekominen sich Herr Dbercantor F r e i s i n g e r ganz besondere Verdienste erivorden, Wurde nun mit unermüdlichen! Fleiße und zielbebewusster Energie au die Ausbildung der wirkenden Mitglieder, welche bereits die stattliche ׳Zahl von 90 erreicht haben, geschritten, und nach Verhältnis-, mäßig kurzer Zeit ein derartiges Resultat erzielt, dass der Verein bereits nächsten Freitag dein! Abend-Gottesdienste im israelitischen Tempel Mitwirken und seine Feuerprobe bestehen wird; in späterer Zeit sollen dann die Leistungen der Mitglieder in einem öffentlichen Eoncerte dem weiteren Publicum bekannt gemacht werden. Dirigent des Vereines ist Herr Obercantor A. Fr ei sing er, eine in maßgebenden Kreisen als gediegener Musiker geschätzte Persönlichkeit, sein Stellvertreter Herr A. Klem ent, welcher sich gleichfalls als Organist eines guten Rufes erfreut, Namen, die für ein gedeihliches Aufblühen des jungen Vereines die beste Garantie bieten. Wir bemerken schließlich, dass der Verein, fern jedem politischen Getriebe, nur rein künstlerische Zwecke verfolgt und unter dem Protectorate der hiesigen Cultusgemeinde steht. Kozetei«. Unsere Gemeinde befindet sich seit voriger Woche in Folge der hier ftattgefundenen Judenkrawalle in großer Aufregung. Die Veranlassung hiezu war, dass vor circa 14 Tage ein Christenmadchen von 24 Jahren verschwunden ist. Obzwar das Mädchen Spuren von Geisteskrankheit zeigte — ihre Großmutter hat sich ins Wasser gestürzt und ihre Mutter hat ebenfalls einen Selbst- Mordversuch gemacht, wurde aber noch rechtzeitig gerettet, — somit bestimmt, auch jetzt ein Selbstmord durch Ertrinken angenommen werden frrnn, da dieselbe bis heute nicht aufgefunden wurde, schreit der Pöbel, dass die Juden sie gemordet und in einer Kiste per Bahn nach Bisenz, wo man das ganze Jahr Mazzot backt, expedirt worden ist. — Dienstag den 3. drang der Pöbel gegen 7 Uhr Abends in die Judengasse ein und zertrümmerte Thüren und Fensterscheiben und begann mit Verwüstungen. Die Polizei war nicht bei der Hand und wäre nicht unser ehrwürdige Herr Rabbiner, trotz der größten Gefahr dem Pöbel trotzend, um Hilfe geeilt, wäre es sehr traurig ausgefallen; dass bei dieser Gelegenheit mehrere Juden auch mit Schlägen bedacht, worden, ist selbstverständlich. Für heute Abend soll oin größerer Crawall stattfinden, jedoch hat unser geehrte Bürgerinelfter Herr Dudik, der nicht bloß rechtliebend, sondern auch ein Menschenfreund ohne Unterschied der Confession ist, Vorkehrungen getroffen, dass die Ruhe und Ordnung aufrecht erhalten!vird. Mehrere Mitglieder unserer Cultusgemeiude bemühen sich das Möglichste zu thun und besonders verdient es Herr Joses Areli, dass man ihm den Dank für seine aufopfernde Mühe ausspricht, denn, trotzdem er und die Seinigen gar keiner Gefahr ausgesetzt waren, da er in der Innern Stadt wohnt, war er der erste an Ort und Stelle, um Ab- Hilfe zu schaffen. — Die Unruhen haben sich im Laufe der Woche Mehrmals wiederholt und es mußte aus den umliegenden Ortschaften Gendarmerie und Militär . requirirt werden, um die Ruhe wieder herzustellen. Die Rädelsführer dieser von antisemittschen Agitatoren eingeleiteten Hetzereien wurden in Haft genommen und ist gegen dieselben eine strenge Untersuchung eingeleitet worden. — Mittlerweile wurde auch die Leiche des jungen Mädchens aus dem Wasser gezogen und d-ie gerichtlich vorgenommene Obduction constatirte aus den Veränderungen am Augenhintergrunde, dass das Mädchen in einem Anfalle von Geistesstörung einen Selbstmord begangen haben müsse. Gr.-Kamsza. Herr Obercantor Leon Kartschmaross feierte am 3. Mai im engsten Familienkreise seine silberne Hochzeit. Trotzdem das Fest nicht osticiell begangen wurde, kamen dennoch dem Jubelpaare von Seite der Honorattonen der Cultusgemeinde, als auch von vielen Gönnern und Freunden, zahlreiche Gratulationen und Glückwünsche zu und erhielt dasselbe ehren- und wertvolle Geschenke. Möge es unserem bewährten und beliebten Obercantor noch gegönnt sein, bei vollster Gesundheit und Rüstigkeit au der Seite seiner geschätzten Gattin, im Kreise seiner Familie auch die goldene Hochzeit zu feiern. (Wir schließen uns mit Freuden dem Wunsche des geehrten Einsenders an, und bedauern, erst post festum dem verehrten G)llegen Kartschmaroff unsere herzlichste Gratulation über- Mitteln zu können. , (Die Red.) London. Der Berliner Correspondent des ״Standard" berichtet über eine interessante Begebenheit aus dem Euraufenthalte des deutschen Kaisers in Gastein, die einen schönen Beweis von der Hoch- Herzigkeit und Leutseligkeit desselben liefert: ״Kaiser Wilhelm verlebt, wie. bekannt, alljährlich einige Wochen in dem Curorte Gastein und liebt es, sich ganz ungezwungen unter den Curgästen zubewegen. Vor sechs Jahren begegnete der Monarch auf der Promenade einem jungen, hübschen Mädchen aus Mähren, namens Kern, welchem, die Auszeichnung zu Theil wurde, vom Kaiser angesprochen zu werden. Letztes Jahr erfuhr Kaiser Wilhelm, dass Fräulein Kern eine Jüdin sei und demnächst verlobt werde. Ihr Bräutigam war ein Jglaüer Kaufmann, naruens Kilian. Vor einigen Wochen, kurz vor ihrer Hochzeit, erhielt Fräulein Kern einen reichen Diamaütenschmuck, dessen Etui mit der kaiserlichen Krone geziert war. Demselben war ein Schreiben des ersten kaiserlichen Kammerherrn beigelegt,7 in welchem dieser mittheilte, es sei der Wunsch des Monarchen, dass die Braut den Schmuck während der Tranungsceremonie trage. Die Trauung des Fräulein Kern mit Herrn Kilian wurde in der Jglauer Shnagoge vollzogen, und gemäß dem Wunsche des Kaisers, war die schöne Braut mit jenem herrlichen Diamantenschmuck geschmückt. Kründungs- und Wereinsöetträge. S. Rosenberger, Komotan, vierteljährigen Beitrag. M. Schorr, Groß-Wardein, einundeinvierteljährigen Beitrag. M. Rosenfeld, Laab, Gründungs- und halbjährigen Beitrag. A. Aifcher Cassier. Korrespondenz der Aedactron. R.׳ in N. werden Ihre Ansicht in der nächsten Vorstaudssitzung zur Kenntnis bringen. L- C. in R a. Rh. Sehen der Einsendung Ihrer angekündigten Arbeit entgegen. . Schm, in Kr. Herzliches 21V מזל znr Verehelichung Ihrer Tochter. Die geehrten Herrn Cöllegen, die eine Spur von dem gegenwärtige» Aufenthalte deS Cantor Kaufmann, der Weib und Kinder im größten Elend in Nagy-FödemeS zurückgelaffen hat, erfahren sollten, werden dringend ersucht, uns dieselbe umgehend mitzutheilen. " — .__ Die Redaktion. CONCURS. An der isr. Oultnsgemeinde in Kremsier (Mähre ) gelangt die Stelle eines ersten Cantors zur Besetzung. Bewerber müssen ihre Befähigung in musikalischer und cantoraler Bildung nachzuweisen in der Lage sein. Diejenigen erhalten bei der Verleihung dieser Stelle den Vorzug, welche; die vollkommene Eignung besitzen den hebräischen Unterricht an der hiesigen Talmud Thora-Sehule zu ertheilen. Mit diesen beiden Functionen ist ein Jahresgehalt von 4000 fl. verbunden. ׳ Die mit beglaubigten Documenten belegten Gesuche sind an den Vorstand der isr. Cultusgemeinde in Kremsier bis längstens den 31. Mai d. J. za richten. Beisespesen werden nur dem Acceptirten vergütet. Kremsier, im April 1887. Der Cultusvorstand. oonsroTTEs. An der Waizner isr. Status quo-Gemeinde ist die mit einem Jahres Gebalte von fl. 800, freier Wohnung und Neben-Emolnmenten dotirte Stelle eines tüchtigen, musikalisch gebildeten Cantors חזן der auch עופת שוחט und von anerkennten Babbinen dazu autorisirt sein muss, mit 1 September 1. J. zu besetzen. Bewerber wollen ihre Offerte sainmt Zeugnissen und Familienausweis bis Ende Mäi an den gefertigten Vorstand einsehden. Zum Probevortrag werden nur die Berufenen zugelassen und Spesen nur dem Acceptirten vergütet. Gutmann G 01 d her g e ly Präses.