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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1887-05-05 · Heft 15 (5.5.1887) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 15 (5.5.1887)
Date
1887-05-05
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Der Stammbaum Derer von Schönerer. Ein eigentümliches Licht auf den Judenhass des ״Ritter Georg" Wird durch die nachfolgenden Mittheilungen und Enthüllungen der ״Wiener Sonn- und Montagszeitung" geworfen: ״Der Gutsherr von Rosenau hasst die Juden; dieses feindselige Verhältnis beruht auf Gegenseitigkeit, denn man müsste lügen, wollte man behaupten, dass die Juden Herrn v. Schönerer lieben. Der Herr Abgeordnete von Zwettl hasst aber auch Diejenigen, die er von Gott und Rechtswegen zu lieben verpflichtet wäre — und diese Thatfache zeigt seinen Hass wie seine Liebe schon in einem viel bedenksicheren Lichte. Bereits seit geraumer Zeit sickerte das Gerücht in die Oeffentlichkeit, dass Herrn von Schönerer^ Judenhass ein ganz unnatürlicher sei, man munkelte, dass die bessere Hälfte des großen Judenhassers, nämlich seine Gattin, jüdischer Abkunft wäre. Wir ließen uns die Mühe nicht verdrießen, dieser eigengearteten Mähr'auf die Spur zu gehen, und wir sind heute in der Lage, in der authentischesten und unwiderleglichsten Weise den Nachweis zu liefern, dass in den Wern der legitimen Nachkommenschaft des Herrn von Schönerer ebenso zweifellos jüdisches Blut stießt, wie nur in irgend einem aller anderen Kinder Israels, gegen die Herr von Schönerer so leidenschaftlich wüthet, und dass noch der Urgroßvater der Ehegattin des Herrn v. Schönerer ein geborener Jude gewesen. Dieses Factuin wird durch folgende, uns von verlässlichster Seite zukommende Mittheilung außer allen Zweifel gestellt: ״ .. . Der Ur-Großvater der Gattin des Herrn Georg Ritter von Schönerer, Herr Leopold Provander, hieß ursprünglich Schmuel Leeb Kohn. Derselbe war im Jahre 1762 zu Pohrlitz in Mähren geboren; sein Vater Falk Josua Kohn übte in der dortigen Synagoge die priesterlichen Functionen der ״Kohanim." SchmuelLeebKohn trat in späteren Jahren in der Gemeinde Urspitz zum Christenthum emllel-rtz Der junge Cantor. Eine ErzLhttmg von Cäcilie L ö w y. (8. Fortsetzung.) ״Ihr freundliches Anerbieten, meine freie Zeit künftighin in Ihrer Nähe dem Studium zu weihen, nehme ich dankend an und ich bin gewiss, dass nur dies mich ablenken wird von den trüben Ahnungen, die meine Brust durchwallen", sagte Dessauer, indem er seinen Blick aus den Rabbiner richtete, als wolle er in seinen Zügen einen Widerspruch der Trostesworte, die er eben so reichlich gespendet, lesen. ״Ist es Ihr Ernst, theuerer Rabbi, dass Sie aus Liebe zum Judenthum die Neuerungssucht der Israeliten verehren, wird nicht gerüttelt an den Grundpfeilern, auf denen sich der Glaube Israels emporgerichtet, aus denen er erstarkte, werden nicht die Lehren Unseres großen Moses, der dem Volke Israel die strengste Heilighaltung der Sabbatteier vorschrieb und einprägte, der seinen Sinn auf den einig einzigen Schöpfer und Erhalter lenkte und die heidnischen Elemertte von dem Glauben fern hielt, durch diesen neu erwachten Sinn für Äußerlichkeiten, für Form und Wohllaut, wie sie sich ausdrückten, getrübt? Soll der Jsraelite nicht beim Gottesdienste seinen Sinn von allem Weltlichen abzulenken suchen, sollen die Andachtsstundm nicht dazu geschaffen worden sein, die Seele über das Irdische hinwegzuheben, und sollen wir nicht während derselben im Genüsse schwelgen, uns der Gottheit, die alle guten Eigenschaften im höchsten Maße besitzt und die uns -ein leuchtendes Vorbild auf unserem Lebenspfade sein soll, näher zu fühlen? Wie ist denn dies aber möglich, wenn das Auge und Ohr nach Befriedigung schmachtet, wenn über, wobei er seinen Jüdischen Namen ״Leeb", in ״Leopold" umwandelte und den Familiennamen seines Taufpathen ״Provander" annahm. Der getaufte Schmuel Leeb Kohn erlangte nach seiner Taufe den Tabak-Großverschleiß für Pohrlitz und Umgebung, wodurch er sein Fortkommen sicherte, später wurde er auch Armee-Getreidelieferant und gelangte so zu Vermögen. Die Tochter des früheren S chmuel LeebKohn und nachmaligen Leopold Provander, Namens Therese, heirathete den in dem benachbarten Großhof bediensteten, erzherzoglichen Wirthschaftsbeamten Edlen von Gschmeidler, der sodann, nach Pohrlitz übersiedelte und daselbst das Posthaus erwarb. Dieser Ehe entsproß der Vater der jetzigen Frau Philipine von Schönerer, der Gattin des Abgeordnete» von Zwettl. Schmue.l Leeb Kohn, alias Leopold Provander, starb im Juni 1832; sein Bruder Mayer Kohn, welcher ihn überlebte und Jude blieb, war bei Herrn.von Gschmeidler als Briefträger in Verwendung. In Pohrlitz leben noch heute jüdische Gemeindeangehörige, die bei dem Gottesdienste in der dortigen Synagoge den Ur-Großvater der Gattin des Herrn Georg Ritter von Schönerer die ritualen Gebete verrichten gesehen haben. Er wurde beim Vorlesen , der Thora mit dem Namen SchmuelLeebKohn, den Rabbi Joschua zum Segensspruche über die Thora aufgerufen". Gegen diese notorischen Thatsachen, welche die unverfälscht jüdische Race der Kinder des Herrn Georg Ritter v. Schönerer erweisen, kämpfen alle ״unverfälscht deutschen Worte" vergebens. Ja, Herr v. Schönerer hasst und schmäht seine eigenen Sprößlinge, und Niemand Anderer klagt ihn dieses unnatürlichen Gefühles an, als — er selbst. In seiner jüngsten in! Abgeordnetenhaus gehaltenen Rede sagte Herr v. Schönerer (wir citiren wörtlich nach dem officiellen stenographischen Protocoll Seite 4962—65) folgendes: ״Unser Antisemitismus richtet sich nicht. gegen die Religion, sondern gegen die Raceeigenthümlichkeit der Juden." wir in das Gotteshaus eilen, um uns an schönen Tönen zu ergötzen. O, da kann nur die Sinnlust befriedigt, aber nie und nimmer der echte, wahre Glaube im Herzen des Israeliten befestigt werden! Ich sehe einer Zukunft entgegen, die mich für unseren Glauben zittern macht." Und muthlos senkte Deffauer das Haupt, indem er seine Hände in einander faltete. Der Rabbi hatte ihm stehend zugehört, jetzt nahm er wieder Platz und sprach, nachdem er sein Käppchen mit beiden Händen zurecht rückte: ״Ja, lieber Dessauer, wenn alle Juden so durchdrungen wären von den Lehren des Jndenthums, wie Sie, wenn jeder so reinen, geläuterten Herzens vor seinen Schöpfer hintreten könnte, wie es nach Ihrer und auch nach meiner Ansicht sein soll, wenn der Jsraelite nicht seinen Geist in neuer und neuester Zeit in profane. Wissenschaft versenkt hätte und dadurch auch das Forschen in der heiligen Schrift vernachlässigte, wenn der Umgang' mit Andersgläu- Ligen seinem Geschmacke und seinen Anschauungen keine andere Richtung gegeben hätte, dann, ja dann, mein lieber Dessauer, ließen sich Ihre.Ideen, die Sie mir so herrlich an den Tag legten, verwirklichen. Doch die Zeiten haben sich geändert, und ich muß es wiederholen, so unendlich tief ich es bedauere, dass unsere Religion an wahren, eifrigen Anhänger eingebüßt. Müssen wir doch das Streben der israelitischen Jugend nach Gleichberechtigung mit ihren Mitbürgern auf wissenschaftlichen: und commerciellem Gebiete dankend anerkennen und wir dürfen uns daher nicht wundern, wenn es äußerer erhebender Einstüsse bedarf, den Weltmann zur' Andacht zu stimmen." ״Doch es ist spät geworden", sprach Rabbi Baruch, auf seine Uhr sehend, ״wir müssen zum Abendgottesdienste eilen, wir kommen nächstens wieder auf dieses Thema-" Er wechselte hierauf seinen Hausrock und trat mit seinem Gaste den Weg zur Synagoge an.

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