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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1887-04-27 · Heft 14 (27.4.1887) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 14 (27.4.1887)
Date
1887-04-27
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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ישראל ולא יהיה 'בבני ישראל נגף בגשר! בני 'ישראל* אי* הקדש (4,8) u.. m. dgl. Selbst -m^dem vom Herrn C. angeführten Satze Lewit. 1% 5 -heißt ja ausdrücklich auch "להקטיר קטרת לפני ה es soll Niemand hi nzu treten,. der nicht, von den Nachkommmen Ahrons ist, ״um Rauch er werk vor dem Ewigen d arz ubringen." Herr C. aber, , der uul - jeden Preis Recht haben ׳will, verschweigt jenen wich- Eigen Beisatz und ersetzt ihn durch vier Punkte. — Wer soll denn dadurch getäuscht werden? Doch wohl der Bibelkenner nicht! Warum verschweigt denn Herr C., dass jener von ihm ausgeführte Passus: ולא יהיה כקרח וכעדתו aus die החמשים ומאתים איש מקריבי הקטרת nämlich auf die 250 vornehmen Männer der Gemeinde, die sich unter der Leitung Korachs empörten und Näucherwerk darbrachten, bezieht? Durch die Bezeichnung ״ ,הקת עולםewiges Gesetz", kann in .Angelegenheiten, die ihrer Natur und Beschaffenheit nach an palästiuischen' Boden geknüpft sind, nur die Dauer des jerusal. Tempelgottesdienstes verstanden werden, wie sich aus mehreren Stellen nachweisen lässt. Was würde denn Herr C. dazu sagen, wenn er als ,כה׳ weder Wein noch andere Getränke trinken, oder wenn er weder Haus noch Feld besitzen dürfte? Er würde gewiss dagegen protestiren und behaupten, diese Vorschriften gelten nur für die Zeit der palästinischen staatlichen Selbstständigkeit Israels und nicht mit Unrecht. Äpytirlsmen aus dem Gesangsleben. in. Die so häufig aufgeworfene Frage: Lässt sich denn die Ausdauer des Athems, seine richtige Eintheiluug und Behandlung erlernen, oder ist sie nicht dem Säuger angeboren? giebt einen recht sprechenden Beweis für die Naivetät und Urtheilslosigkeit des großen Publicums in Bezug, auf die Kunst des Gesanges. Beim Gaukler und Seiltänzer, der die größte Herrschaft über seine Muskeln und Gelenke darlegt, zweifelt wohl kaum Jemand, dass seine Geschicklichkeit nur durch die ausdauerndsten Exercitien gewonnen werden konnte, — dem Sänger soll Alles angeboren feinי — Allerdings kann die Oekonomie und Leistungstüchtigkeit des Athems nur durch rastlosen Fleiß und sehr beharrliche Studien erlernt werden, vorausgesetzt, dass der Schüler gesunde Athmungsörgane : besitze, der Lehrer aber die Kunst der Athemverwendung in allen ihren Theilen selbst praktisch ausgeübt und sich zu eigen gemacht habe. Denn mit dem gewöhnlichen Rathschlage: ,.Holen Sie tief Athem! Nehmen Sie die Brust recht voll Luft!" woraus sich die Anweisung so vieler Maestri beschränkt, ist noch unendlich wenig gefördert. Rührt doch nicht selten die Athemlosigkeit und die Ermüdung, die den Schüler befällt, gerade von der pflichtgetreuen Befolgung solcher Vorschrift, d. h. von der Angewöhnung her, beständig tief Athem zu holen, einen vollen Athemzug an den andern zn reihen rc., wodurch Brust und Lungen aufs Unverantwörtlichste angestrengt, ja zu Grunde gerichtet werden, rvährend der Ton oftmals buchstäblich erstickt und jedes Wohlklanges beraubt erscheint. Der geregelte Wechsel des sogenannten mezzo respiro, d. h. des halben, unvollständigen, und des ganzen, vollen Athemho lens (piano respiro) macht die Basis jeder Athemgeschicklichkeit aus. Wie wir im Schreiben vier, fünf und noch mehr Komma machen, ehe wir uns eines Punctes bedienen, so wird auch in ׳’ der Cantilene meist erst nach drei bis vier unvollständigen Athemzügen ein tiefer und vollständiger Athemzug nothwendig, der dann — geschickt ausgeführt — gewiss niemals seine Wirkung verfehlen . wird. Wer beständig mit vollen Segeln fahren will, der braucht Wind, während die Barke des geschickten Ruderers durch seiner Hände Kraft dem ersehnten Ziele zugeführt wird. Gerade so verhält es sich mit dem Singen: Mit möglichst wenig Athem möglichst viel Ton zu erreichen, das sollte die Losung jedes anfangenden Schülers sein, während leider meistens umgekehrt verfahren, gleich zum Schwellen des Tones und zuur vollen Athem geschritten wird, der die Kräfte des jungen Sängers über alle Gebühr in Anspruch nimmt k Das Resultat solcher Lehren ist dann freilich gleichfalls das umgekehrte: es wird mit sehr viel Luft sehr wenig Ton erreicht! — Wie hart müssen Sie Ihr Geschick, in den Ruhestand zu gehen? nun empfinden, wenn Sie dieses Ereignis. zurückhaltend macht gegen mich, der Ihnen gewiss am besten nachfühlt, was es. heißt, den heiligen Beruf, dem wir uns gewidmet, zu dem ׳uns unsere Frömmigkeit begeistert und in dem wir den vollen׳Genuss des Lebens finden, aufgeben zu müssen." ״Ich gebe-Alles zu", fuhr der Rabbiner nach kurzer Pause fort, womit Sie Ihren Schmerz begründen, doch, mein lieber Dessauer, es scheint mir rathsam ..sich festen Muthes und heiteren Gemüthes in - Ihr Schicksal zu finden. Es. gibt Niemanden in der Gemeinde, der Ihrem biederen Sinn, Ihrem aufrichtigen Bestreben׳ und Ihrer Begeisterung für die Erfüllung Ihrer Pflichten nicht volle Gerechtigkeit widerfahren ließe, und das ist eine hochschätzbare Genugthuung für Sie. Denn Sie können mit. Chamisso sagen: ״Ich habe in meinen Grenzen und in meinem Bereich erfüllt, was ich erfüllen sollte." Hat sich über mittlerweile, der Geschmack geändert,, hat sich der Jsraelite zu seinem Vörtheil verändert, ist sein Sinn für Formschönheit, für Wohllaut der Sprache, für höheres Wissen und geschulten Gesang geweckt worden, so müssen wir gerade, weil wir das Jüdenthum lieben,-weit wir den Glauben׳ unse er Väter schätzen und Hochhalten, diesen Aufschwung verehren, das alte' Vorurtheil abstreifen, uns mit den Ideen der jüngeren Generation befreunden und sie zu den unseren zu machen: suchen Wer kann den: Zeitenstrome einen Damm entgegen' setzen;! Eaun das Individuum der Gesammtheit Halt gebieten, können die Anschauungen des Einzelnen überzeugend auf die Masse wirken?: Nein,! lieber ,Dessauer, Sie werden es Ansehen, dass wir uns fügen muffen, - dass wir den Anschauungen der Jetztzeit unsere Gegenbe- -weise nicht--entgegen Hallen können, und was bleibt da anderes übrig, ׳ Äls unsere Gesinnungen in den Mantel des Schweigens zu hüllen, -nm' nicht-Len Sarkasmus der jugendlichen Schwärmer hervorzurufen.". Den Kopf auf die Hand gestützt und den Blick unverwandt auf den Rabbiner gerichtet, lauschte Deffauer auf die Worte des Seelsorgers, der im Eifer der Rede aufgestanden war und auf- und niedergehend heftig gestiknlirte. Eben blieb er vor Dessauer stehen, wie auf eine Antwort wartend. Dieser seufzte schwer und sprach: ״Mit ähnlichen Gedanken habe ich auch schon mein aufgeregtes Gemüt zu beruhigen gesucht, doch wer kann dem Ansturm der bitteren Gefühle Einhalt gebieten, wer kann die Thränen zurückdrängeu, wenn das Theuerste entrissen wird, wer erliegt nicht eine Zeitlang dem tiefen Schmerze, der uns in's innerste Herz hinein getroffen, wann haben Vernnnftsgründe -es vermocht den herbsten Schmerz zu lindern? Ihre Theilnähme, verehrter Rabbi, erleichtert inir das Herz, aber ich fühle mich zu schwach der Zeitströmuug Trotz zn bieten." »Die Zeit, die Zeit, lieber Deffauer, die mit ihrem mächtigen Flügelschlage ' dahiurauscht und mit sich fortträgt die Angst, den Schmerz, die Trauer und das Leid, die das Schicksal an die Menschen ohne Wahl vertheilt, sie wird auch Ihnen hinweg helfen über den momentanen Kummer Ihrer Seele, sie wird allmäliz besänftigend aus Sie einwirken, und Ihr zur Zufriedenheit neigender Sinn wird versöhnend zwischen Ihre und die Joee der jungen Generation treten. Nur Muth und Selbstbeherrschung bewahren Sie, und nehmen Sie in jeder.bangen Stunde, die an Sie herantritt, Zuflucht in mein stilles Heim,., daD mich -schon. so oft die Außenwelt mit all ihren Neuerungen vergessen ließ und schöpfen auch Sie Vergessenheit aus dem ewig frischen Born unserer Helligen Lehre in die wir unseren Geist me rurd; nimmer genug versenken käunen. ''' <F°rt'>-'tz1n,g folgt:)

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