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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1887-04-27 · Heft 14 (27.4.1887) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 14 (27.4.1887)
Date
1887-04-27
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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— — Mit meiner Dissertation wäre ich zu Ende, um selbe, nicht gar zu Weit auszudehneu; nur will ich zum Schluffe noch auf die bisher ׳ unberührten Paukte int E.'scheu Aufsätze in Kürzeeingehen: Der Satz Genes. j4, .18—20 beweist wohl nichts Anderes «ß>, dass zu Abrahams Zeit schon der Diener der Religion, in der Bibel כהן genannt, den Segen zu ertheilen pflegte. Uebrigens haben auch Jsak und Jakob als moralische und geistige Oberhäupter ihrer Häuser, oder als Familienpriester, oder als Leiter ihres Familienkultus ihren Kindern und Enkeln den Segen ertheilt. Diesem patriarchalischm Usus zufolge ertheilen heute noch Väter ihren Kindern den Segen. Laban hat seiner Schwester Rebeka dm Segen ertheilt, Salomo segnete Israel, nachdem er sein Tempelweihe-Gebet verrichtet hatte. Und ist es denn nicht schon lange Brauch in Israel, dass die Kanzelredner nach beendigter Predigt der Gemeinde, und Trauungsfunktionäre nach dem Trauakte dem Brautpaare den Segen ertheilen? Aus alledem ist ersichtlich, dass die Segeuertheilung .nicht Monopol ist, und dass ein Jeder, der den Beruf und den Drang dazu in sich fühlt, den Segen ertheilen kann. Und was speciell.den'Priestersegen betrifft, ist ja gar kein Grund vorhanden, warum ein Nichtaharonide ihn nicht ertheilen sollte, da er doch nur den Wunsch ausdrückt, Gott möge diejenigen segn-n, welche soeben bereit stehen, den Segen Gottes zu empfangm. Hinsichtlich des Satzes in Sam. II. 20—26 und 8, 18 ist erwiesen, dass auch Könige oder sonstige Staatsdiener als Diener Gottes betrachtet werden, weil sie das Gesetz und Recht schirmen; unter כהן wird daher ein ״Diener Gottes" verstanden. - Wozu Herr C. beit in das Thema gar nicht hineingehörenden Satz ואתה-תדדה לו לאלהים gewaltsam hineinzieht, ist unbegreistich; Widerspruch flehen? Oder könnte auch nur eiu Anhänger des Sch ulchan-A euch sich zur Ausübung dieses GebpteS entschließen uud sein Haus einen Raub der Wammen werden lassen? Aehnliche Beispiele könnten viele anjefiifjrt werden, dass die Schulchan-Aruch-Theorie sehr hänfij nicht durchführbar ist und von dem Oorthodoxeflen der Orthodoxen oft in der Praxis ignorirt w׳'rd, ja ignorirt werden muß. HtMetoy. Der junge Cantor. Eine Erzahsuug von Cäcilie L ö w y. (7. Fortsetzung.) Rabbi Baruch wurde durch das -Klopfen an der Thür in. seinem Gedaukengauge unterbrochen. Er wollte eben wieder seinen Platz einnehmen, um sich neuerdings in das Studium der schwierigen Talmudstelle zu vertiefen, doch erwartete er stehend das Eintreten des Gastes. ־ Es war Dessauer, der die Thür öffnete und höflich grüßend die Frage stellte, ob er nicht störe, da er in diesem Falle lieber später kommen wolle. ״Treten Sie nur näher, lieber Deffauer", sagte der Rabbi, ״Sie kommen mir sehr erwünscht, denn meine Gedanken weilten gerade bei Ihnen, da ich Ihr langes Fernbleiben bereits empfand׳ Nehmen Sie Platz und hören Sie womit ich mich, eben beschäftige". Hierauf las er die Talmudstelle, die seinen Geist so lange angestrengt hatte vor und erklärte seine Auffassung derselben im herkommlichen, singenden Tone. Dessauer folgte aufmerksam den Erläuterungen des Rabbi, stimmte mit ihm auch vollkommen überein und erklärte, dass es ihm schwer geworden wäre, eine so treffende Deutung dieser mystischen Worte zu sinden. Doch fehlte seinen Worten der gewöhnliche-Eifer, den er stets beim ״Lernen" bekundete, denn dieselben entrangen sich langsam und stockend seinen Lippen und das Ende des Satzes.hörte man kaum noch, so leise brachte er es hervor. init solchen Argumentationen wird er meine Behauptungen nicht Mtkräsiten. Glaube ich schon nicht, dass Geburt und . Abstammung allein die Priesterwürde verleihen, so-werde ich kaum annehmen, dass Moses der איש האלהים dem Aharon dem Wortlaute gemäß ein Gott sein sollte, zumal ich kraft meiner wahrhaft religiösen Tendenz kein sanatischer Wortvergötterer der Bibel bin. Bei 'mir gilt vielmehr der Grundsatz : ״ ,השכל וידעmit Vernunft evfcnncn nnb &egneifen״. Wenn die Institution l>e§ erblichen PriesteAhums, das in dem Satze והיתד. לו ולזרעו אחריו ברית כמנת עולה seine Bestätigung sindetz. mit der Zerstörung Jerusalems und der dadurch herbei geführten Ms- Hebung des Opferkultus, wie Herr C. meint, nicht aufgehoben situ kam^ warum ist man seit jener Zeit von der vorgeschriebenen Kleidung, Salbung und Waschung abgekommen, von denen es ebenfalls heißt r להקת עלם לו ולזרעו אחריו׳ והיתד,להם כהנה להקת עולם Hierauf wird Herr C. gewiss antworten : diese Vorschriften, wie noch manche andere in ׳תורת כהנים stehen ausschließlich mit dem jerus. Tempel- und Qpferkultus in Verbindung. Was könnte er denn auch anderes antwarten? Ich stimme hierin nicht nur überein, sondern ich wiederhole meine Ansicht und behaupte noch hiezu, ganz תורת כהנים sei nur für palästinischen Boden geschaffen und gehöre in das Gebiet des jerusa: lemischen Tempelgottesdienstes*). Wie könnte denn sonst die Sistirung der ipriesterlichen Funktionen, bei Schäden an Personen, Häusern und K^idungsstückeu oder bei den verschiedenen Reinigungsceremonien auf-^ußerpalästinischem Boden Begründung und Rechtfertigung finden? Ist doch der Zweck der Einsetzung des Priesterstandes,' mit Ausnahme seines Lehrberufes, fast überall ausdrücklich und unzweideutig angegeben!H So heißt esr »תה ובניך . .-י. תשאו את עון המקדש . . . . ואתה ובניך אתך לפני אהל זזעדת ... ואמרתם את משמרת הקדש ואת משמרת המזבח .... ואתה ובניך אתך ^שפרו את כהנתכם לכל דבר המזבח. ולמבית לפרכת ועבדתם (4, 18). Ferner: לעבד אח. 'עבדת בגי ישראל באהל מועד ולכפר על בני Herr C. will den Gottesdi nst. in dem משכן אהל פועה!öe111 ‘״t jerus. Temptt nicht indcntificiien, als ob erfleres nicht ein mteckmistischo^s trag׳ bares Heiligthum, מקדש ge.iaiuu. gemejen wäre. >_ Rabbi Baruch blickte fragend in das Antlitz seines Gegenüber und erst jetzt bemerkte er die Veränderung in den Zügen des alten Freundes. Ernst und theilnehmend ruhte der Blick des Rabbi a׳uf dem Antlitze Dessauer und tröstend wandte er sich zu ihm. ״Wariurs verbergen Sie mir den Kummer Ihres Herzens, was bedrückt Sie,י lieber Freund,. das ich nicht wissen dürste? Ist denn plötzlich das ד alte Vertrauen, welches Sie mir stets so rückhaltstos entgegeubrachteu, geschwunden und muß ich' in meinen alten Tagen sehen, dass mein tröstender Zuspruch Ihnen nichts mehr gilt?" Und wieder blickte Rabbi Baruch theilnahmsvoll in das^ kum- -mervolle Antlitz des schweigenden Dessaner, der einen tiefen Seufzer vergeblich zu unterdrücken suchte. ״Jetzt weiß ich, was Sie bedrückt", Hub der Rabbi nach langem, tiefen Schweigen wieder an, ״mein Sinn für dte Außenwelt wird abgestumpft, indem ich mich in meine Bücher vertiefe, das sehe ich wieder einmal klar und ich bedarf eines Freundes, der mich hin und wieder dem realen Leben zuführt, der״ mir die Tagesereignisse vörführt und mich erinnert, dass ich unter lebenden Wesen wandte, die Anspruch auf meine Theilnahme haben und mit denen ich in stetem Cöntact bleiben muß, wenn ich meinen Nächsten so lieben will, wie es unsere heilige Schrift lehrt. Und Sie waren ja stets mein treuer Freund und Berather, wenn es sich um das Wohl eines Anderen handelte, nur in diesem Falle, wo Sie selbst es sind, der ein Wort des Freundes hören muß, da schweigen Sie, da lassen Sie mich im -Dunkel über ihr Gemütsleben? — Ja, die Selbstlosigkeit, die. ich wol immer preise und schätze, muß aber eine Grenze haben, und Sie hätten sich längst vor mir aussprechen sollen, denn wie oft fandenwir, dass ein Gedankenaustausch das beschwerte Herz erleichterte, dass die Ueberzeugung von der besseren Auffassung der Lebensverhältruße wie lindernder Balsam die wunde Stelle des Herzens trifft.—

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