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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1887-04-19 · Heft 13 (19.4.1887) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 13 (19.4.1887)
Date
1887-04-19
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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•— S einer Concurrenzausschreibung eingelaufenen Manuscripte^zur Heraus-- gäbe eines isr. Religionsbuches für Volks- und Bürgerschulen ge- Wählte Commission eine Sitzung abgehalten. Der Obmann des isr. Lehrervereines in Böhmen Herr Springer eröffnete dieselbe und übertrug den Vorsitz Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner M. Hirsch. Bei der Wahl der Prüfungscommission hat man auch auf Mitglieder der Prager Cultus-Gem.-Repräsentanz, der böhm. Landesjudenschafts-Repräsentanz Bedacht genommen und war auch der Obmann der letzteren Herr JUDr. Moritz Lichtenstern erschienen. Nachdem nur ein einziges Manuscript eingelaufen war, und bei dem Umstande, als bereits mit dem Monate December v. I. der festgesetzte Termin zur Entgegennahme von Manuscriptcn verstrichen und an einen weiteren Einlauf solcher kaum zu denken ist, so einigte man sich über den Antrag der Herren JUDr. Friedrich Duschenes und Phil- Dr. M. Kisch dahin, dass die Prüfung des Manuscriptes einer fünfgliedrigen Sub-Cnmmission zu übertragen sei, deren Mitglieder spätestens bis September d. I. ihre Urtheile abzugeben hätten. In diese Sub-Commissiön wurden gewähtt die Herren: Dr. N. Grün, Dr. Kisch, D. Kohn (Rakonitz), S. Springer (Kralup) und L. Tborsch Rabbiner (Schlau). Welches Schicksal übrigens das betreffende Manuscript auch haben möge, so bleibt immerhin die Anregung zur Beschaffung eines den pädagogisch didactischen Grundsätzen entsprechenden isr. Religionsbuches, Verdienst des Lehrervereines und auch des Central- Vereines, bedauernswert muß jedoch hervorgehoben werden, dass die Prager isr. Cultus-Gem.-Repräsentanz derartigen eminent wichtigen Fragen gegenüber, zu denen doch gewiss.. der Religionsunterricht in erster Reihe gehört, ihre Händs im Schoße ruhen lässt. Dagegen kann es nicht genug anerkannt werden, dass die Vertretung der Wiener israel. Cultus-Gemeinde, dieser im Vergleiche zur Prager noch-jungen .Gemeinde, sich die Schaffung eines israelit. Religionsbuches für Volks-, Bürger- und Mittelschulen angelegen sein lässt und zu diesem Zwecke die großartigsten Preise von 4000 M. und 3000 M. ausgescht hat. Wistrrtz. 0. W. M. Keine Gegend unseres schönen Vaterlandes zeigt eine solche Abstufung von Kultur und Bildung, als einige Komitate jenseits des Königssteiges, wo bekanntlich der Nationalitätenkampf seine Höhe erreicht hat. Während alle Seiten Siebenbürgens von einem walachischen, allenfalls nicht sehr human gestimmten Volksstamme bewohnt sind, wohnt im Herzen desselben der Sachse und der Ungar. Dieselben Nuancen lassen sich auch an den Juden Siebenbürgens unterscheiden, und so würde es Niemand Wunder nehmen, dass der benachbarte Borgoer, Rodner und gar Marmorscher Jude ein trostloses Bild der Rohheit darbietet und, im Gegensätze zu seinen ungarischen oder deutschen Glaubensgenossen, den größten Jndifferentismus gegen jede intellektuelle oder ästhetische Bildung zur Schau trägt. Eine kleine Anzahl intelligenter jüdischer Männer in einer jedm größeren Gemeinde, scheint gleichsam , von der Vorsehung nach diesem Winkel der Erde versetzt worden zu sein, um den brachliegenden Gemütsboden anzubauen. In einem solchen Zustände geistiger Kultur befindet sich auch die israel. Gemeinde zu Bistritz, welche von. Juden aus der Bukowina, aus Galizien, Akumänien und Ungarn zusammengesetzt ist. Die jüdischen Einwohner in Bistritz sind reicher, und was. sich nicht abstreiten lässt, auch wohlthätig. Denn wo es sich um städtische oder vaterländische Zwecke handelt, spenden sie schöne (Summen und bleiben in dieser Beziehung gegen ihre nichtjüdischen Brüder in keiner Weise zurück. Die hiesigen Juden stehen bei der Behörde auch in großem Ansehen und von Tag zu Tag macht dieses Verhältnis große.Fortschritte. Nicht so Erfreuliches aber ist von den internen Gemeindeangelegenheiten zu berichten. Noch gibt es Individuen von der alten Frömmlersippschaft, die Trotz säen und Unheil ernten, auch hemmen alte Misbräuche.jede bessere Regung und führen unliebsame Zerwürfniße herbei. Die beiden wichtigsten Faktoren, die das Wohl einer Gemeinde sowie das eines ganzen . Volkes bedingen,. Tempel und Schule, erfreuen sich nicht der notwendigen Aufmerksamkeit und Theilnahme. Es ist bis jetzt noch keinem der hiesigen zahlreichen - Finanzkapazitäten ernstlich in den Sinn -gekommen, den' Bau eines Tempels anzuregen oder eine Schule zu errichten. Selbst nichtjüdische Notabilitäten der Stadt versuchten schon mehrmal eine Anregung nach dieser Seite zu geben, und gelegentlich der Neujahrsbegrüßung des hiesigen Vorstandes beim Obergespan Baron Panfi hob derselbe-in seiner Antwort besonders hervor, man möge eine bessere Gestaltung der jüdischen Institutionen in Angriff nehmen. Am Geburtstage des Königs oder bei einer anderen nationalen Feierlichkeit ist es nicht gut möglich, einen geregelten zeitgemäßen Gottesdienst abzuhalten, und dass auf solche äußere Formen von Seiten der nichtjüdischen Mitbrüder viel Gewicht gelegt wird, das wissen die hiesigen Juden sehr gut. Denn die maßgebenden reichen und intelligenten Juden hier hören sehr'deutlich das Rauschen des Zeitgeistes. Doch was für das Gemeinwesen bis jetzt geschehen, ist eitel Flickwerk. Es ist höchste Zeit, an den Bau eines Tempels zu schreiten, zumal die Gemeinde einen dafür geeigneten Platz besitzt. Gottüns. Herr Professor Emil Breslauer, Direktor des B.rliner Klavierlehrer-Seminars und Redacteur der musikpädagogischen Zeitschrift ״Der Klavier-Lehrer", erhielt vom König von Italien das Ritterkreuz des St. Mauritius-Ordens. — Ein Fleischermeister hatte einen konservattven Wahlaufruf unterzeichnet, in Folge dessen schrieb ihm ein jüdischer Gutsbesitzer, bei welchem der Fleischermeister Hammel auf Abnahme stehen hatte, die Hammel müssten ׳ofort abgenommen werden, denn für konservative Schafe sei sein fortschrittliches Futter nicht bestimmt. — Unser Verein, ״Gesellschaft der Freunde" אהבת רעים veranstaltete am verflossenen Purimfeste eine sehr erhebende, wolgelungene Feier bestehend in Conzert, humoristischen Musikvorträgen, pracht- und glanzvollen Darstellung von lebenden Bildern, künstlerisch vollendeten, entzückend schönen Tänzen und Reigen oc., bei welcher Gelegenheit eine namhafte . Geldsumme zu edlen, wotthätigem Zweck gesammelt wurde. So offenbarte sich auch hier in mitten allseitiger Heiterkeit, mährend ungestörte Freude, Wonne und Frohsinn herrschte, die altbewährte, nie erkaltende echtjüdische Barm- Herzigkeit und Nächstenliebe in rührendster Gestalt. Aus diesem Anlasse wurde Herrn Rath Aronius ein großer herrlicher Lorbeerkranz mit breiten seidenen Schleifen und goldgestickter Widmung von einigen reizenden, lieblichen mitwirkenden ׳ Jungfrauen überreicht, zum׳ Dank für seine eminenten Verdienste um unfern Verein und um das Zustandekommen der brillanten Aufführungen, welche von einem so segensreichen Erfolg gekrönt waren. Möge unser Verein noch recht lange stehen, blühen, wachsen und gedeihen, und möge er noch viele ähnliche Freudenfeste begehen. A. Zadek. Wattorrpa. Die fremden Culte in Serbien, insbesondere der katholische und der israelitische, sollen endlich eine ordnungsmäßige Organisatton erhalten. Der serbische Cultusminister will — nach Bericht eines meiner Freunde, des isr. Cultusbeamten R. St. in Belgrad — diesen vernachlässigten Angelegenheiten seine volle Aufmerksamkeit zuwenden und hat bereits Schritte gemacht, um die Konstituirung von Kirchengemeinden zu ermöglichen. Es dürften vorerst 4 katholische und 11 israelitische Kirchengemeinden organisirt werden. -Ein bemerkenswertes Factum in einem Lande/ wo die Gleichberechttgung der Juden erst seit dem Berliner Congresse besteht. London. Die jüdisch-historische Ausstellung wurde am 2. d. M. Abends festlich eröffnet und war am ersten Tage von 2000 Personen besucht. Aus dem 13. Jahrhundert sind in dieser Ausstellung verschiedene jüdische Documente, Bilder und gottesdienstliche Gegenstände zu sehen, dann Pläne aller Londoner Synagogen, viele Fotografien und Bilder der berühmten jüdischen Persönlichkeiten Englands von mehreren -Jahrhunderten bis auf die heutige Zeit. Eine besondere und Bewunderung erregende Abtheilung bilden die verschiedenen Schriftstücke und Ehrengeschenke des unvergesslichen Sir Moses Montefiore.; so der silberne Aufsatz, welcher dem edlen Menschenfreund nach seiner Rückkehr von Damaskus aus einer Sammlung aller Juden der Welt überreicht wurde, dann Briefe und Zuschriften großer Staatsmänner an Montefiore u. s. w.- Die ״Palästinische Ausgrabungsgesellschaft" stellt Siegelringe mit hebräischen -Inschriften, Synagogengeräthe und dergleichen mehr aus. In einer eigenen Abtheilung sind zu sehen: ספדי תורות in den verschiedensten bewundernswerthen Schriften, dann פהבת׳ ירי בתר (mit Edelsteinen besetzt) נר תמיד, ביור und andere merkwürdige Gegenstände, welche sehr alt sind: Kidusch-Becher und .Haivdalah-Gewürzbüchsen (in Silber und Gold), Sabbath-Lampen, Mesusos mit merkwürdigen Gehäusen, Seder-Decken, auch die von Moses Montefiore benützte Sabbath-D.ecke. Auch Peßach-Sachen sind ausgestellt: הנביא ם ^-Becher; eine Chroses-Schale aus Jerusalem, aus schwarzem ״Moabitstein" gefertigt, welche'tagsüber schwarz, bei

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