Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1887-04-06 · Heft 12 (6.4.1887) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 12 (6.4.1887)
Date
1887-04-06
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/1304829-3453087-3453099--2083-3456293
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

dass der Betreffende zu schwach veranlagt oder der glückliche Besitzer | eines plonus venter ist; vielmehr weiß der Student oft nicht, wie er lernen soll, es mangelt ihm die Geschicklichkeit, den zu bewältigenden Stoff am rechten Punkte zu fassen. So ergehts auch dem reifern Manne, wenn er einmal gelaunt ist, aus den verschiedenen Wissensgebieten irgend eine Partie in dem Oberstübchen als sichere Rente anzulegen. Er plagt sich stundenoft tagelang und weiß am Ende soviel wie anfänglich. ״Wie kommt dies", fragt er sich, ״muß ich memorieren oder lernen?" Man liest von einem mechanischen, j u d i c i ö s e n und ingeniösen Gedächtnis, begleitet von schwer verdaulichen, dürren Desinitionen. Nach einigem Nachdenken legte ich mir die Sache zu recht u. z. folgendermaßen: Die Kraft, gewonnene Vorstellungen im Geiste sestzuhalten und jederzeit reproducieren zu vermögen, heißt Ge׳ dächtuis. Der eine hat ein treues, sicheres, der andere ein schwaches, schlechtes Gedächtnis; der eine erwähnt aber auch, öfters das Ereigms, den Lehrsatz, der aridere denkt an sein Bier und seine Tarok- Partie; der eine hat von Natur aus ein besseres Gedächtnis, ist also wie man sagt, begabt, dem anderen nrangelt, wie es in אברת heißt, die Kraft, sich Wissen anzueignen, und nennt er diesbezüglich sein Eigerr התעוף עינך בו ואכבד. Mit anderen Worten, er kann rveder auf kurze noch aus lange Zeit behalten. Diese Gesichtspunkte bilden das Substrat für obige Eintheilung, wobei noch zu bemerken ist, dass ein mechanisches Gedächtnis, wortgetreues Einlernen ohne Rücksicht auf den Inhalt, oder das Merken von einfachen, gesehenen oder gehorterr Ereignißen in seinen Schoß ausnimmt, das judiciöse gründliche Erfassen des zu merkenden Objects, Klarheit der Verhältniße und Zustände zu seinen Agenden zählt, während das ingeniöse Gedächtnis einem technischen Gebiete angehört, der Mnemonik. Merkwürdige Ereigniße und Vorfälle, einfacher Natur, die manchmal Freude oder Ueberraschung verursachen, bleiben lange im Gedächtnis u. z. ohne Anstrengung und Nachdenken. Das ist mechanisch und häufig von Gesten begleitet, die von unserem Willen ganz unabhängig sind. Der Anblick eines, einen Luftsprung in die Donau Machenden, bleibt uns lange im Gedächtnis, ohne dass wir diese That mit den Beziehungen des Selbstmordskandidaten in Zusammenhang bringen oder von dem Vorfälle jemals sprechen. Die Jdeenassociation thut der Erörterung keinen Eintrag. Die recitirte Formel aus der Mathematik muß verstanden sein und ihren Ausgangspunkt in frü- Heren Axiomen haben, also judiciös. Wenn endlich in der ״Salon- Magie" die mit verbundenen Augen dasitzende Dame eine Unzahl von Gegenständen und deren Merkmale angibt, so ist das nur die Antwort auf entsprechend eingeübte Fragen. Das ist Mnemotechnik, erfordert beiderseits ein gutes Gedächtnis, ist aber durchaus nicht ״Hellseherei". ^Schluss folgt.) Rechenschaftsbericht -er Chewra Äa-ischa in Wien. Vom Vorstande der Kadiseha״ in Wien werden wir um Veröffentlichung des nachfolgenden Berichtes ersucht: ״Um den Contact mit unseren verehrten Mitgliedern in wirksamerer Weise aufrecht zu erhalten, als es bisher durch den dreijährigen Turnus unserer Jahresberichte war, hat Ihr Vorstand den Beschluss gefasst, alljährlich den Bericht über die wohltätigen Leistungen des Vereines zu versenden, wodurch unsere geehrten Mitglieder nicht nur von Jahr zu Jahr in die Lage kommen, sich über das Wirken des Vorstandes Rechenschaft zu geben, sondern angeeifert durch die Ausgaben, die aus dem Berichte zu Tage treten, sich angespornt fühlen werden, für die Erweiterung unseres Mitgliederkreises Sorge zu tragen. Wir überreichen demnach an der Hand dieses Berichtes die Einnahmen- und Ausgaben-Ziffern pro 1885 und 1886 ebenso ein Bild des Vermögensstandes des Vereines -Ende 1886. . Die Einkaufsbeträge betrugen im Jahre 1885 von 61 Mitgliedern .... fl. 3050.— —.680 ״..,.,, 16״ 1886 ״ ״ Die Jahresbeiträge im Jahre 1885 von 786 Mitgliedern . . . . fl. 8270.35 8021.75 ״ .... ״ 765 ״ 1886 ״ ״ Wir Haben im Jahre 1885 41, im Jahre 1886 40 Mitglieder leider dürch den Tod verloren, und ׳eine ziemliche Anzahl anderer Mitglieder schieden aus unserem.Vereine, theils in Folge des Wechsels des Wohnortes, theils in Folge der Veränderung materieller Verhältniße. Sohin sind wir Ende des Jahres auf den Tief- Punkt von 758 Mitgliedern gelangt, eine Ziffer die außer Verhältnis steht mit der Anzahl leistungsfähiger Glaubensgenossen der Residenz und mit der Mitgliederanzahl der Chewra - Kadischa's in anderen großen Gemeinden. Die Alten, die mit Pietät an der Chewra hingen, müssen der Zeit ihren Tribut zahlen, die Söhne und die Jungen treten aber nicht allezeit in ihre Reihen, und doch sollte die Pietät für den ältesten jüdischen Verein der Residenz, der in:das 123. Jahr seines Bestehens tritt und aus welchen! die jüdische Gemeinde hervorging, in den Kreisen der Glaubensgenossen eine regere sein, da die Aufgaben des Vereines mit der leider stetig zunehmenden Zahl der Armen in großem Maße steigen. In allen israelitischen Gemeinden hält man es für eine heilige Pflicht, noch vor Gründung einer Gemeinde, eine Chewra-Kadischa zu stiften, die den Kitt für die Gemeindegenossen bildet, und Jeder, der ein selbstständiges Heim sich gründet, rechnet es sich zur Ehre an, der heiligen Bruderschaft anzugehören. Mögen die Traditionen auch in unserer Gemeinde wieder aufleben, und wir richten insbesondere an unsere verehrten Vereins-Mitglieder die dringende Bitte, für eine Vermehrung unserer Mitglieder bedacht zu sein. Die Zinsen von eigenen Effecten betrugen einschließlich der Vortragszinsen im Jahre 1886 fl. 510 .51 Vy, jene aus Stiftungs- Capitalien st. 934.06. Wir enipfingen 4 Legate, und zwar von Fryu Susanne Bramson fl. 200.— abzüglich Spesen mit netto Gulden, 176.40, von den Erben nach dem sel. Herrn Salomon Bermann fl. 100.—, aus dein Aachlasse des sel. Herrn Meyer Arthur Ritter v. Schnapper fl. 1000.— Papier-Rente und vonder Wiener Cultusgemeinde ans der fl. 10000.— Spende der Erben uach dem sel. Herrn Eduard Ritter Wiener v. Welten st. 500.—, zusammen יי st. 1613.00 wozu noch 85 Spenden im Betrage von 2033.10 ״ und. 2147.75 ״ als Ergebnis der Sammelbüchsen hinzurechnen sind, . sonach zusammen '* fl. 5894.75 gegenüber von fl. 3740.57־im Jahre 1885. Wir waren im abgelaufenen Jahre in besonderer Weise durch Spenden begünstigt und sagen unseren verehrten Wohlthätern hiefür unseren wärmsten und besten Dank, daran die Hoffnung knüpfend, dass dieses schöne Beispiel Nachahmung fände. Die Auslagen für Kranken- und Reconvalescenten-Pstege haben im Jahre 1886 betragen für 22 Bethciligungen an 2874 Parteien . . . ... fl. 9579.52 ״ Curbeiträge —.400 ״.....,. ״ 22 ״ ״ Bandagen, Augengläser und Arzneien . . . . . . . -981,53 ״ ״ Spende und Jahresbeitrag an das Seehospiz, .das Spital für scrophulöse Kinder in Baden, den Verein für Spitalkrankenkost und barmherzigen Brüdern 155 ״.-— zusammen . . st. 1t 116.03 gegenüber einem Betrage von . .. 11554:10 ״ im Jahre 1885.; -;}/ Die Unterstützungen. betrugen im Jahre 1886 an 5 Arme st. 130.—; an 15 Vereins-Mitglieder fl. 1255.— (ich Jahre 1885 fl. 595.— ); der Aufwand für Grabstätten für Mitglieder fl. 380.— (im Jahre 1885 fl. 1211) und für 11. arme Glaubensgenossen st. 74.— Die Auslagen für Jahrzeit und für Grabbepstanzüngen, sowie die stiftungsgemäß für Graberhaltung reservirten Beiträge be-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.