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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1887-04-06 · Heft 12 (6.4.1887) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 12 (6.4.1887)
Date
1887-04-06
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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trugen im Jahre 1886 fL 609.64. Diese Auslagen von fl. 909.64 gegenüber den Stiftungszinsen von fl. 934.06 ergaben für das Jahr 1886 einen Ueberschuss von fl. 324.42, welcher gemäß den Bestimmungen der betreffenden Stiftbriefe den allgemein wohlthätigen Zwecken unseres Vereines züzuwenden ist. Wir werden im Jahre 1887 bei. 13 der unserer Aufficht anvertrauten Gräber, Restaurirungen. der Grabdenkmäler und Einsaffungsgitter, sowie Auffrischungen von Grabschriften veranlassen und sind für die Deckung der diesbezüglichen Kosten die bei den einzelnen Stiftungen vorhandenen Reserven ausreichend. Im Jahre 1886 sind uns 2 neue Jahrzeit-Stiftungen zugewachsen, u. zw. mit fl. 500.— Papier-Rente der sel. Frau Charlotte Hill er und mit fl. 100;—März-Rente des sel. Herrn I. Sachs.' Die Zahl der uns mit Schluss des Jahres 1886 anvertrauten Stiftungen für Jahrzeit, Graberhaltung und Bepflanzung, ferner für Jahresbeiträge beträgt: 38 mit einem Stistungs - Capital von nom. fl. 21945.— Zwei der Stiftungen sind, da die Stifter noch am Leben sind, noch nicht in Wirksamkeit getreten. In Bezug auf die Friedhofs-Verwaltung hat der Vorstand mit dem löblichen Vorstande der israelitischen Cultusgemeinde eine Vereinbarung getroffen, deren wesentliche Bestimmung ist, dass ein gemeinsames Friedhofs-Comitö gebildet wurde, in welches der Gemeinde- Vorstand fünf, der Chewra-Vorstand drei seiner Mitglieder als Delegirte entsendet. Diese Vereinbarung trat am 1. Juli 1884 in Wirksamkeit und hat sich durch das collegiale Zusammenwirken vollständig bewährt. Sind auch die Agenden der Chewra-Kadischa gegenüber dem früher innegehabten übertragenen Wirkungskreise und den, den Bruder-, schäften in anderen jüdischen Gemeinden übertragenen Aufgaben wesentlich eingeschränkt, so muß doch eingeräumt werden, dass den Delegirten der Chewra-Kadischa im Friedhof-Comits ein wirksamer Einfluß gewahrt ist. Seit dem Bestände des Friedhofs-Comitos ist die Chewra- Kadischa in demselben durch die Herren Vorsteher I: Hieldburghausser, Gustav Simon und Bernhard Singer als Delegirte vertreten. Geehrte Vereins - Mitglieder! Der Vorstand glaubt auch in den vorausgegangenen zwei Vereinsjahren nach bestem Gewissen seine Pflicht erfüllt zu haben. Wohl treten immer größere Anforderungen an ihn heran, die er nur innerhalb der Grenzen der ihm zugewiesenen Mittel befriedigen kann und mit denen׳ er insolauge etwas haushälterischer'umgehen muß, als er die Zahl der Vereinsmitglieder, — die beste Basis einer Vereinigung — nicht wieder stärker anwachsen sieht. Dies herbeizuführen, darin wollen Sie sich mit Ihrem Vorstände im neuen Jahre brüderlich vereinigen, damit wir dann in verstärkter Weise den Hilfesuchenden Gehör leisten können." Aer Worstand der KHewra-Kadlscha. Kleine Chronik. Wien. Mittwoch den 30. März begieng der Nestor der Cantoren, Professor Salomon Sul^er. seinen 83 K?snnEng Präsessor Sulzer erfreut sich trotz seines hohen Alters noch immer des besten Wohlseins, und wir vereinigen uns mit sämmtlichen Collegen in dem tiefgefühlten Wunsche, es möge ihm noch viele Jahre bei ungeschwächter körperlicher und geistiger Kraft gegönnt sein, die Früchte seines hervorragenden Wirkens zu genießen. - Wien. Auf eine von Seiten des Abgeordneten Zeithammer an den Minister gerichtete Anfrage, wie weit die Arbeiten zu dem 'Gesetze, betreffend die Regelung der äußeren Rechtsverhältniße der jüdischen Kirche, vorgeschritten seien, erklärte Unterrichtsminister Dr. von Gauts ch, dass die besprochene Angelegenheit zu den schwierigsten Arbeiten des Cultusressorts gehöre. Dank einer ausgezeichneten Vorarbeit, die er bei seinem Amtsantritte vorgefunden habe, seien die bezüglichen Arbeiten wesentlich vorgeschritten und zumal.im Sommer vergangenen Jahres kräftig gefördert worden, wobei er hier auch wohl der großen Bemühungen des gegenwärtigen Referenten gedenken dürfe; die Einigung mit den änderen betheiligten Centralstellen sei erfolgt, und stehe jetzt noch die Schlussredaction des Gesetzentwurfes und die Ausarbeitung des Motivenberichtes bevor. Vorbehaltlich der weiteren Berathungen im Schoße der Regierung hoffte er dem Hause 4n nicht ferner Zeit hierüber eine Vorlage unterbreiten zu können. Froppau. (Orig.-Corresp.) Es ist wohl nichts Neues, dassviele unserer Collegen den Talar mit einem Don Juan- oder Eleazar- Costüm schon verwechselt haben. Dass es aber Jemandem mit solchem Erfolge gelang, wie. dem angehenden ״Stern" Rawner, ist uns nicht bekannt. Wir halten es für Pflicht, hier Folgendes mitzutheiten, was gewiss die gesch. Collegen sehr interessiren wird: Als Manrico im ״Troubadour" und als Eleazar in der ״Jüdin" gastirte diese Woche am hiesigen Stadttheater der Tenorist, Herr I. Rawner, gewesener Meschorer und zuletzt Chorsänger bei der türk. Jsraelitengemeinde in Wien, mit glänzendem, ja noch nie dagewesenem Erfolge. Eine solche Begeisterung, einen solchen das Orchester übertönenden Beifallssturm hat man im hiesigen Theater noch nie erlebt! Im ״Troubadour" wollte der brausende Beifallssturm gar kein Ende nehmen, und ist Herr Rawner nach der Stretta, die er wiederholen musste, nicht weniger als achtmal gerufen worden. Das Publicum war thatfächlich nicht zu beruhigen und hatte gar keine üble Lust, die soeben einigemale hintereinander geschmetterten hohen 6 noch einigemal ffich vorsingen zu lassen. Mit noch größerem Beifalle sang Herr Rawner den ״Eleazar". Das Publicum war so entzückt und bestürmte den Sänger auf offener Scene dermaßen, dass der Capellmeister Mühe hatte, Orchester und Sänger zusammenzuhalten. Im 4. Acte nach der wunderbar schön gesungenen Arie, wo er dem Publicum die hohen 0 nur so spielend hingeworfen, da war das Publicum geradezu elekttisirt, und es durchbrauste ein fast unheimlicher, nicht endenwollender Beifallssturm das bis auf den letzten Platz gefülltes Haus. Mit gleichem, großartigem Erfolge hat Herr Rawner in Olmütz, Graz und Brünn gastirt. Für das nächste Jahr ist er nach Brünn engagirt, für die darauffolgenden drei Jahre wird derselbe von dem ״Tenorvertilger" Herrn Director Pollini nach Hamburg engagirt, und zwar mit einer horrenden Gage. Daraus kann man ja schließen, überwelche phänomenale Stimme dieser gottbegnadete Sänger verfügt! Wir glauben es nicht zu übertreiben, wenn wir die Behauptung aufstellen, dass Herr Rawner stimmlich, der begabteste Tenorift der Jetztzeit ist! Wir haben Gelegenheit gehabt, sehr oft die jetzt hervorragendsten Tenoristen zu hören, u. A. Götze, Vogel, Mierzwinski, Bötel, keiner dieser Tenors vermag das stimmlich zu leisten, was Rawner leistet, keiner vermag mit seiner Höhe bis zum 0, ja darüber hinaus, mit solcher Leichtigkeit, so spielend umzugehen, wie Rawner! Die Stimme ist vom 0 bis zum so voll, so sympathisch und von solchblendendem Glanze, wie wir sie noch nie gehört haben! und dabei die schöne baritonmäßige Tiefe und und Mittellage! Allerdings wird Herr Rawner noch viele, fleißige Gesangsstudien zu machen haben, viele gesanglichen Manieren ablegen, und noch viel mehrere annehmen müssen. Die Gesangskunsr, gleich allen anderen Künsten, die ja niemals ״ausgelernt" werden kann, bietet selbst dem an Ruhm gekrönten, ״vollendeten" Gesangskünstler noch Gelegenheit genug, diese edle Kunst zu erweitern, wie groß muß erst das Feld des Studiums sein für einen angehenden Künstler, wie Rawner es ist! Dass aber Herr Rawner auch bestrebt sein wird, sich in der Gesangskunst zu vervollkommnen, dafür bürgt uns sein ernstes fleißiges Streben und sein solider Charakter, und dann der Umstand, dass sein Lehrer, Herr Pros. Emrich aus Wien, ihn überall hin begleitet. Gewiss ein Umstand, der zu fernerer künstlerischer Ausbildung des gottbegnadeten Sängers zu den besten Hoffnungen berechtigt! Was wir nur noch an dem gefeierten Sänger hervorheben wollen, ist seine treue, rührende Anhänglichkeit an das Cantorat! Kaum war . er einen Tag in Troppau, so machte er mir einen Besuch und sprach den Wunsch aus, in dem hiesigen Tempel einem Gottesdienst beiznwohnen. Er gibt auch noch, wenn er in der geeigneten Gesellschaft ist, manches ״Stückl" zum Besten, das er als ״Singerl" oder ״Meschorer" im Tempel Solo sang! Herr Rawner ist in Lemberg geboren, war daselbst bei ״Boruch Schorr" Singerl und Meschorer, später bei noch vielen anderen polnischen Chosonim, dann beim Cantor in Pressburg, von wo ihn vor 2 Jahren der Herausgeber dieses Blattes, Herr Obercantor I. Bauer, der von seiner phänomenalen Stimme gehört hatte, nach Wien brachte und für den Tempelchor der türkischen Jsraelitengemeinde engagirte. Hier bekam er eigentlich die erste musikalische Ausbildung. Gelegentlich eines Gottesdienstes hörte ihn Prof. Emerich, der nun die Ausbildung des begabten. Sängers für die Bühne übernahm und ihm auch durch seine Protection dazu verhalf, dass Fürst Metternich und Baron Rothschild Herrn Rawner ihre wolle Unterstützung zutheil werden

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