Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 12 (6.4.1887)
- Date
- 1887-04-06
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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NN- und abschwellen lässt. Es'kommt bei dieser Studie nicht daraus an, ob die wiederholte 01688a -di voce ganz kunstgerecht mit allmäligen Schwellen bis zur höchsten Kraft und der ebenso allmäligen Rückkehr zum piani88imo ausgeführt wird. (Zu einem derartigen, zwei- bis dreimaligen met.ter la voce möchte wohl auch ' der größte Athemvorrath und die weiseste Eintheilung desselben nur in den seltensten Fällen ausreichen!), —- vielmehr liegt der Schwer- Punct dieser Studie darin, das ritirare und riservare des Athems zu üben, indem der Schüler vom piano schnell du rch's ml auf das torte hindrängt und ebenso rasch ins diminuendo zurückkehrt,. dabei aber doch so viel Lust reserviren lernt, um eine solche, zwar etwas ungestüme, aber doch ungefährliche Steigerung und Abnahme der Athemmaffe und des Athemimpulses mehrmals hintereinander zu bcwerkstelligen. Der Schüler wird durch derartige Uebungen sehr zweckmäßig aus die Ausführung der echten, künstlerischen me88a di voee vorbereitet, einer Kunstfertigkeit, die recht eigentlich den Mittelpuuct der gesammten gesanglichen Tüchtigkeit ausmacht, in der Megel aber viel zu früh gelehrt und geübt wird. Nur durch,plan- Mäßige - und ganz stufenweise steigernde Beschäftigung des Athems kann man den jungen Sänger endlich dahin leiten, dass er jener Grundregel des Vortrages gerecht wird, von welcher man heutzutage, kaum mehr etwas weiß: dass eine Fermate und die sich daranreihende Cadenz stets in einem AL hem ausgeführt werden muß. Mn sono i polmoni che eantano — nicht die Lungen ׳sinh es, die singen! Möchten doch diese Worte Mancini's von den jungen Anfängen in Zukunft mehr beherzigt, insbesondere -aber von den Gesanglehrern als Grundprincip alles Ge- Hanges erkannt und festgehalten werden — dann würden nicht so viele Herrliche Stimmen, vor der Zeit zu Grunde gehen! Wahrend -cs die erste Aufgabe des Unterrichts -sein sollte, die eigentlichen StiMmorga ne zu üben und zu kräftigen, die Action der. Muskeln des Kehlkopfes dem Willen des Sänger unterthan zu machen, weil doch von ihr, die gehörige — bei jedem Tone verschiedene — Spannung der Stimmbänder (corde vocalij, alsodie ganze Tonbildüng und Intonation wesentlich abhängt, .. . stellen euilletoy. Der junge Eantor. Eine Erz'ähsuug von Cäcilie L ö w y. - (6. Fortsetzung.) ״Und jetzt, liebe Frau, da Du Alles weißt, was ich von dem jungen Eantor mitzutheilen habe, bist Du gewiss mit mir zustieben, oder habe ich Deine Neugierde nicht vollständig beiriedigt, da Du mich so schweigend ansiehst?" ״Ich wollte Dich nur fragen, lieber Eduard", erwiderte die .junge Frau, ״ob sein Aeußeres einnehmend ist". ״Ach, das kann ich schwer beantworten, meine Gute; der Geschmack der Frauen ist ganz anderer Art,' als der-unsrige; daher erlaube ich mir in diesem Punkte kein Urtheil, denn ich fürchte, mich zu Llamiren, wenn das meinige dem Deinen zuwider lauft. Doch es ist dunkel geworden und Du weißt, ich liebe die Helle Beleuchtung in unseren Zimmern, sorge also dafür, dass wir's heute Abend recht hell und warni im Wohnzimmer haben, denn ich erwarte den Besuch einiger Geschästfreunde". Frau Süskind entfernte sich, um die nöthigen Anordnungen zu treffen. Doch kaum hatte sie den Dienstboten ihre Aufträge er- Heilt, als die Glocke geläutet wurde, und schon hörte man im Vorzimmer Stimmen junger LeMe. Frau Süskind vernahm die Frage ob die Frau zu Hause sei, worauf die Magd mit den Worten: ״Ja wohl!" die Thür öffnete und drei Herren einließ. unerfahrene Lehrer fast immer gleich ..im. Anfänge Anforderungen an die Tüchtigkeit der L ungeu, denen dieselben gar nicht gewachsen sein können. Sie setzen an die Stelle der heilsamen Muskelbewegüng, der eigentlichen Gymnastik des Kehlkopfes und seiner Bänder, eine fortdauernde Beschäftigung dr Athemkraft in erster Reihe und zwingen so den.Schüler beständig mit vollen S egeln zu fahren, wo ein leichter Ruders chlag zu gleichem Ziele geführt haben würde! —ד Ist denn aber das׳ Segel -nicht weit ergötzlicher und interessanter? O ja, nur muß der nöthige Wind dazu da sein, der aber geht unfern Sängern nur zu oft aus, und da sie das Rudern nie gelernt haben, bleibt'dann das Schifflein im Sande stecken! ' - Einige physiologische Stimmkünftler wollen den Kehlkopf beim Gesänge unbeweglich wissen, wnt sie bei ihren Experimenten an Leichen den ^ausgeschnittenen Kehlkopf (der sich freilich Alles gefallen lassen muß, wenn er selbst dem arrogantesten aller Heldentenöre angehört hätte) aufein Brett genagelt und alsdann durch ein Rohr in ihn hineingetutet haben, wobei sich alle Töne willig einfanden, ja sogar ein Umfang von fünf .bis sechs Octaven für einen Sänger — oder besser: Kehlkopf herüusstellte! Nun ist aber bei uns lebendigen Menschen der Kehlkopf beim Singen in steter Beweglichkeit, wovon sich jeder leicht überzeugen kann. Cr ist in einem fortwährenden Steigen und Fallen begriffen, und nicht etwa blos beim Naturalisten und ungeübten Sängern, - sondern erst recht bei den gefeiertsten Künstlerinnen, da. eben' alle Gesangstüchtigkeit auf der leichten-Beweglich kei-t und Action des Kehlkopfes und seiner Muskeln basirt! ~ Der PH y s io lo g ruft dem Gesanglehrer zu: Was hilft fchr ׳ deine Erfahrung, wenn du nicht den Bau und die Functionen aller 'Stimm־ und Athmungsorgane genau kennst. Dagegen ist er höchst erstaunt, wenn der praetische S i n g m e i si e r den Sp ieß Umkehrt und erwidert: Was willst du mit deiner Anatomie und Physiologie, ohne langjährige empirische Erfahrung ׳ aufdem Felde der Stimmbildung, ohne ein'.richtiges Verständnis dessen, was von einer Stimme verlangt werden kann, ohne tüchtige musikalische ״Guten Abend, gnädige Frau! So ganz allein?",, fragte Herr Engelmann, der mit seinen Freunden von Frau Süskind empfangen wurde. . »Ich bitte, nur weiter zu gehen", erwiderte dieselbe, ״mein Mann erwartet Sie bereits". Mit 'diesen Worten geleitete sie "die Gäste in den Salon, wo sie von ihrem Manne herzlich begrüßt wurden. Der prächtige Lüfter mit seinen 6 Lampen. verbreitete Helles Licht im ganzen Gemache und beleuchtete die rothen Plüschfauteuls und die eleganten׳ Möbel des. Salons. Der Wohlstand des steißigen Kaufmanns prägte sich deutlich in. der kostbaren. Einrichtung /aus. Eduard war bald im eifrigen Gespräch mit den Kaufleuten, und ihre Conversation bewegte sich so ausschließlich in den Grenzen der geschäftlichen Speculationen, dass Frau Süskind sich gelangweilt in die Küche zurückzog, um beim.Zubereiten des Abendbrotes behülflich zu sein und die Herren ungestört ließ.- . IV. Wer im regen Weltgetriebe seine Beschäftigung sucht und findet, wer da sorgt und strebt, seinen Besitz zu mehren und mit den ersparten Reichthümern den Glanz seines Hauses zu vergrößern trachtet, wer von Stadt zu Stadt, von Land'zu Land zieht, um Aussicht auf Verbreitung seines Geschäftsverkehrs zu gewinnen, wer in seinem Geiste nur mit Ziffern arbeitet, kleine Summen zu großen und größeren anwachsen sieht, die Geldsummen in Waren verwandelt und aus diesen wieder die Summe mit einem bestimmten Proncentsatze Gewinn herauszuschlagen.sucht, der hat sein Sinnen und Trachten auf das Materielle gerichtet, er kennt das reale Leben, weiß die Menschen, mit denen er in Verbindung-tritt, zu beurtheilen und zu behandeln und lebt mit und für die Außenwelt. Fragen wir aber