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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1887-04-06 · Heft 12 (6.4.1887) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 12 (6.4.1887)
Date
1887-04-06
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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— © nach mosaischer Institution ׳ gewesen? Wären sie bei ihrem Ursprunglichen Religionseifer und bei ihrem bewunderungswürdigen Heldenmuthe in und nach ihrem Besreiungskriege wahre mosaische Priester gewesen,-weder ein Antipater, noch ein Herodes wäre Judäas Ver- .räther geworden. Hätten daher nur Priester von Geburt und Abstammung, wie sie uns zumeist nach Samuel die Geschichte vorsührt, das Lehramt in Israel in Händen behalten und wären sie nicht durch die Profeten ersetzt worden, das Verderben hätte viel früher schon Israel ereilt und viel schlimmere Folgen für dessen Zukunft herbeigeführt. , Bedarf es nun etwa noch mckrere Beweise dafür, dass nicht die priesterliche Abstammung die Würde und Weihe für das Priesteramt verleiht? Dass es-vielmehr nur auf die Selbstheiligung, auf den Adel der Gesinnungen und Triebe ankommt? Deswegen ist es ja auch ganz natürlich, dass die Profeten aller Zeiten für die Selbstheiligung und einen hieraus entstandenen gottgefälligen Lebenswandel eifern. Nirgend wird' den Priestern der Vorwurf gemacht, dass sie Reinheitsgesetze mehr oder weniger außer Acht ließen, hingegen wird-deren verwerfliche Gesinnung und Handlungsweise oft gerügt. Oder wird etwa irgendwo in der Bibel den Profeten zum Vorwurf, gemacht, dass sie bei Abgang der priesterlichen Geburt das Lehramt in Israel übernommen haben? Sagt doch Moses selbst: "״ "נבי מקרבך מאחיך כמני יקים לך ה" אלהיךEinen Priester, wie ich bin, .wird der Ewige, dein Gott, dir aus deiner Mitte, aus deinen Brüdern, entsetzen, ihm sollt ihr gehorchen". (Deut. 18, 15,18׳). Warum heißt es; ״Wie ich bin, aus deinen Brüdern" und nicht: ״wie ich bin, aus dem Stamme Lewi"? Und Moses war doch gemiss der erste Priester, der von Gott selbst die Weihe empfangen, von dem es heißt: '״ "ועליתה אתה ואהרן עמך׳Du, und Ahron mit dir sollen den Berg besteigen; aber die Priester*) und das Volk sollen sich nicht vordrängen zum Ewigen hinaufzusteigen". (Ex. 20, 24) u. s. w. Ferner heisst es: * ״ ׳ ורהצו ממנו משה ואהרן רבניוMoses, Ahron und seine Söhne wuschen ihre Hände und Füße, wenn sie dem Altäre nahe traten." (Ex. 40, 31, 32). Und wennn wirklich der Stamm Lewi ausschließlich das Priesteramt inne haben sollte, warum wurden nicht die Söhne Moses dazu mit berufen? Und ruft nicht Moses, der unvergleichlich als Priester wie als Prüfet ist: "״ ׳•ומי יתן כל עם ה׳ נביאיםWollte doch, das ganze Volk Gottes wären lauter Profeten". Herr Cohen, will zwar die Begriffe der Wörter נביא (Profet) und בהן (Priester) nicht identistciren.und ist der Ansicht, jeder Priester sei ein בהן und jeder Profet ein ׳נביא aber nicht umgekehrt. Seine hiefür angeführten Beweise sind jedoch sehr unzureichend und nicht . stichhältig, denn bloße Worte haben in wissenschaftlichen Diskussionen ׳ keine Beweiskraft. Selbst aus Etymologien, die doch.sehr häusig unsicher sind, lassen sich derartige Wortbedeutungen schwer bestiinmen, vielmehr ist stets nur der praktische und verschiedenartige Gebrauch derselben entscheidend. In der Bibel sinden wir das Wort נביא zuallererst im 1. B. M. 20, 7, wo Gott zu Abimelech spricht: ״Gib dem Manne (Abraham) sein Eheweib zurück, בי נביא הוא denn er ist ein Profet unh wird deinetwegen beten!" Da hier von Beten die Rede ist, und ans Weissagen nicht im geringsten gedacht wird, so muß Abra- Ham wohl als ein heiliger Mann, als ein Vertrauter und Geweihter Gottes, kurz als ein Priester, gelten, .der den Namen נביא führt. Dass Abraham in Wirklichkeit der erste, wahre Priester des einzigeinigen Gottes war, der' das Bestreben hatte, die reine Gotteserkennt- *) Wer waren diese Priester? Waren diese auch aus dem Stamme Lewi? Um diese Abhandlungen nicht viel zu weit auSzudehnen, will mich jeder Auseinandersetzung über diesen Punkt enthalten, stelle es aber Anderen frei, auf diese Frage 'näher einzugehen. tnis und Gottesverehrung durch That und Beispiel, mit Herz und Sinn zu lehren und zu verbreiten und einen geweiheten Gottesdienst zu begründen, wird wohl fein Bibelkundiger in Abrede stellen. Erzählt doch die Schrift, dass er sich aus höheres, göttliches Geheiß von seinem Vaterlande, von seinem sichern Wohnsitze losreißt, nach Kanaan zieht, um Gott zu dienen, und überall, wo es ihm möglich ist, Hauet er Attäre, weihet diese Stätten Jehova und lehrt die Menschen, Gott in Wahrheit dienen und verehren*) (Genes. 12). Wir sind umso berechtigter zu diesem Schluffe,'als Abraham auch "״ ,נשיא אלהיםFürst Gottes" oder ״Geweihter Gottes" genannt wird, womit die Söhne Chefs gewiss nur einen hohen Diener des höchsten Gottes bezeichnen wollten, der wert und würdig war, die auserlesensten ihrer Grabstätten zu benützen; denn Abraham war ja im ganzen Lande Kanaan als ein ״Gottesmann" bekannt. (Genes. 23). Bei einem Charakter wie Abraham, den die Schrift als einen Bundesgenossen Gottes bezeichnet, war der Name ״Fürst Gottes" gewiss nicht zu hoch, um dadurch einen Mann zu bezeichnen, dessen Lebensberuf es war, das edle Werk der Lehre und Bildung der Menschheit im Gebiete der Gotteserkenntnis und Gottesverehrung mit Aufopferung des eigenen Lebens zu vollführen. *) Eine solche geweihete Statte errichtet er bei Sichern zwischen den Bergen Gerisim und Ebal, wo sich eine uralte, der Abgötterei gewidmete Herr» liche ״Wahrsager-Eiche" (,1אלון מודה befand. Abraham aber weihet mit der Errichtung seines Attares dreien ^Ocr Jehova. Dann zieht er weiter nach dem vier Meilen entfernten, südlich gelegenen Bet-El. eine ebenfalls allheilige Eultstatte, wo zur Zeit Samuels der Sitz der Stiftshütte war. Auch hier erbaut er einen Altar und ruft den Namen Gottes an, dem er diese Stätte von nun an geheiligt hat. (Fortsetzung folgt.) Aphorismen aus dem Gesangsieben. n. Unsere Lungen sind im Stande, nahe an 4000 Cubikcentinleter Luft in sich aufzunehmen und werden selbst nach einer starken Ausathmung niemals von Luft leer. Im kräftigen Mannesalter athmet der Mensch mit jedem ruhigen Athemzuge durchschnittlich 500—600 C.-C. Luft ein. Ziemlich ebenso viel giebt er beim ruhigen Athmen auf einmal aus. Nach einer gewöhnlichen Ausathmung, kann, wie L. Büchner lehrt — durch Muskelanstrengung noch eine Menge von 1248—1809 C.-C. sogenannte ״Res erveluft", d. h. rückständige Luft (welche nach Aufgebot aller den Brustkorb verengenden Kräfte noch in den Lungen bleibt) ausgestoßen werden. Demllach finden sich nach einer gewöhnlichen Ausathmung immer noch 2500—3490 C.-C. Luft in unserer Lunge, während sie nach einer ebenso ruhigen Einathmung 3500—4000 C.-C. Luft enthalten. Diese Berechnungen gelten — wie schon oben bemerkt wurde — für die Lungen eines gesunden erwachsenen Menschen, welcher in der Minute 14—20 Mal zu athmen pflegt, so dass in der Regel auf etwa vier Pülsschläge ein Athemzug kommt. — Beim Gesänge ist natürlich die Einathmung eine tiefere und vollständigere, da ihr ebenso eine größere Dauer der Ausathmung, d. h. des Sin ge ns, Nachfolgen muß. Der Sänger athmet etwa 8—10 Mal im Zeitraume einer Minute; durch andauernde Uebung wird es ihm möglich, die Dauer eines Fermatentones — d. h. also den Ausathmu n gsproceß bis auf 20—22 Secunden zu verlängern, doch können freilich nicht mehrere solcher langen Noten hintereinander vom Componisten verlangt, sondern es muß erst den Lungen durch geringe Anforderungen an den Athen! wieder Erholung und Zeit zu erneuten Kraftanstrengungen gegönnt werden. Eine der besten Athemübungen besteht darin, dass man einen langanszuhaltenden Ton m e hrma ls in einem und demselben Athem

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