Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 12 (6.4.1887)
- Date
- 1887-04-06
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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-2 hörlich die Liebe zum Schöpfer und zum Geschaffenen, und man findet Ln den Propheten vielfältige Beweise dafür, dass Israel auf keine Art der Feind derer sei, die sich zu einer anderen, als zu seiner Religion bekennen." Nicht durch die Gewalt der Waffen und nicht durch die unsinnige Bekehrungssucht, welche die Bande der Natur zerreißt, Kinder gegen ihre. Eltern ausiehnt, die Kerker öffnet und Scheiterhaufen anfacht, sollte sich Israels Gesetz in die Weite ausdehnen. Moses rechnete' auf ein mächtiges Mittel, auf das Interesse der Völker selbst. ״Wenn die Hebräer ihre Gesetze in Anwendung bringen, so werden sie glücklich und mächtig sein, besonders in dem Verhältms zu dem geringen Umfang ihres Staatsgebietes. Dann werden die erstaunten Völker die Gründe dieser ungewöhnlichen Kraft, anerkennen und gleiche Ergebniße zu gewinnen suchen. Beachtet die Grundsätze, Verordnungen und Gesetze, die ich euch vorschrieb, und führet sie aus, sie werden der Beweis eurer Weisheit und Einsicht in den Augen der Völker sein, die, wenn sie dieselben hören, sicher- Lch sagen werden: nm ׳רק עם חכם ונבון המי הגדול dieses Volk ist -einsichtig und weise, diese Nation ist groß. Denn welche Nation, so groß sie auch sein mag, hat so gerechte Anordnungen und Gesetze als es das Gesetz ist, das ich euch heute vorlege". (5- M. 4, 5—8.) Das von Moses verkündete Gesetz ist nicht sein Werk, es kommt von Gott und als ein solches sollen die Israeliten es betrachten und «hrfürchten. Dies könne ihnen denn auch nach Außen hin nur zum Ruhme gereichen. ״Denn es ist eure Weisheit und Klugheit in den Augen der Völker", d. h. die anderen Nationen werden die Weisheit und Zweckmäßigkeit dieser Vorschriften erkennen und anerkennen müssen und werden auch dem Volke, das derselben gewürdigt worden und sie gewissenhaft befolgt, ihre Achtung nicht versagen können. Sie werden Israel eine ״große Nation" nennen und hierzu werden sie gar wohl Ursache haben. Keinem Volke ist sein Gott so nahe, so schnell zur Hülfe bereit, wie Jehova dem Volke Israel; denn die Götter der Heiden sind ja nur eingebildete Mächte, in Wahrheit können sie nicht helfen. Jehova ist aber nicht nur bereit, dann und wann einmal zu helfen, zu Gunsten seines Volkes wunderthätig einzugreifen; durch weise und gerechte Gesetze hat er ein für alle Mal für die Wohlfahrt und Größe Israels gesorgt. Nicht ohne Interesse ist die Erklärung des Midrasch (Jalk. 5. M. 825). Die Völker werden Israel ״גוי נחיל״* ,,eine große Nation", wegen seines Muthes und seiner Ausdauer nennen. איזו אומה שגדולי של עולם מביא עליהם טסת גדולות והיא עומדת Wo gibt es eine Nation, die durch viele Jahrhunderte so verfolgt, geächtet, solche Qualen und Schläge erleidet und sich dennoch aufrecht erhalt, das ist heroisch, das ist groß. Also nicht durch die Gewalt der Waffen, nicht durch unsinnige Bekehrungssucht, sollte sich Israels Gesetz in die Weite ausdehnen, sondern die weisen heilbringend en Gesetze, welche durchweht sind von Duldsamkeit. Doch wollen wir sogleich auch daran erinnern und dankbar konstatiren, dass die Geschichte uns viele Päpste und Priester zeigt, die voller Duldsamkeit und Menschlichkeit aus allen Kräften bestrebt waren, die Juden gegen glaubenswüthige Haufen zu schützen. Man bewundert den Muth, mit welchem sich der heilige Gregor der Große gegen ihre Unterdrücker waffnete. Man liest mit Bewunderung die Epistel Alexanders des Zweiten an die französischen Bischöfe, welche die Gewaltthätigkeiten verdammen, die man gegen die Juden ausübte. Dsr heil. Hilarius von Arles war so beliebt bei den Juden, dass sie bei seinem Leichenbegängniße ihre Thränen mit denen der Christen vermischen und hebräischen Gebete sangen. Als Europa im vierzehnten Jahrhundert alle Juden ganz zu vernichten drohte, wurde Avignon ihre Zuflucht, und Clemens VI. ihr Tröster und Vater, versäumte nichts, sie abzuwehreu und das Schicksal der Verfolgten zu mildern.' (Man vergleiche das interessante und lehlrreiche Werk: ״Die Juden im Mittelalter" von Depping, Stuttgart 1834, S. 18—44, 200—220.) Das waren eben duldsame, erleuchtete Geister; mögen sie allen anderen Christen in unserem vorgeschrittenen Jahrhundert als Muster und Vorbild dienen. Sie waren eben Boten Gottes, zum Schutze seines VoUes ausgesandt, הרבה שלוחים למקום. W. .־.r. (Fortsetzung folgt.) * Priester und Priestersegen ttt Israel. Von I. Baum, Cantor und Religionslehrer. Fortsetzung. Die Profeten mussten nicht aus dem Stamme Lewi sein, sie waren aber durch geistige Vorzüge groß und berufen, den Zeitverhältnißen und Zeitbedürfnißen Rechnung zu tragen unddas Amt des Lewitenstammes mit Würde und in gottgefälliger Weise auszn-' üben. Waren sie auch nicht die Diener des Tempels, so waren sie doch die ׳ eifrigen Diener Gottes. Wohl hat es noch in der Profetenzeit ausnahmsweise wenige wahre Priester, treue Diener Gottes und Lehrer seines Volkes gegeben, wie Samuel, E s r a der Gelehrte, Simon der Gerechte, Jose b. Jo ns er, Josua b. Gamta, die im Geiste Moses gelehrt und gewirkt haben; aber in der Regel waren fast alle anderen, trotz ihrer priesterlichen Abstammung, unfähig und unwürdig das priefterliche Amt zu vertreten. Der ' Prüfet Micha klagt über die tiefe Gesunkenheit derselben, indem er ihnen vorhält, ״dass sie Bescheid in der Lehre für Geld gegeben". Und was sagt Malachi, der Zeitgenosse des großen Priesterlehrers Esra's, von den anderen Priestern? Er hält ihnen vor, dass sie Krankes, Gestohlenes, Fehlerhaftes u. dgl. zum Opfer bringen, wodurch sie den Altar und dem Namen Gottes entweihen.׳ Von solchen Priestern spricht Malachi im Namen Gottes: "׳'ושלחתי בכם את המארה וארותי את ברפתיכם Ichsende gegen euch den Fluch und ich will euren Segen in Fluch verwandeln, denn ihr seid abgewichen vom rechten Wege, habt Viele abweichen gemacht von dem Gesetze, (durch schlechtes Beispiel), habt dadurch geschädigt den Bund des Lewi", , u. s. w. (Mal. 2, 1—9.) Und wahrlich, wer die Geschichte des Jndenthums kennt, wird'einsehen, dass ehrgeizige Priester es waren, die stolz und eingebildet auf ihre priefterliche Abstammung, deren Zweck sie verkannten, der mofalschen Verfassung ein Ende inachten. ׳ Und als das Griechenthum bedrohlich hereindrang, waren es nicht Priester von Geburt, Priester von Titel, welche bar jeder priesterlichen Gesinnung und Wirksamkeit zum Abfall von der Väter Lehre und Sitte hinneigten? Sie buhlten um die Gunst der Fremden, und die Würde des Hohenpriesteramtes ward käuflich. Hat da etwa Abstammung, Geburt und Titel priefterliche Würde und Weihe verliehen? oder hätte die Beobachtung aller Reinhaltuugs- und Reinigungsvorschriften solche unreine Gesinnungen und׳ triviale Handlungen wegwaschen können? Haben ja selbst die glaubensstarken Hasmonäer dem Geiste des mosaischen Gesetzes stark zuwider gehandelt, indem sie das Priesteramt, dem alles Weltliche und Materielle fern bleiben sollte, mit der Regentenmacht vereinigten und statt des Lehramtes das Herrscheramt übernahmen! Und wie einst David den Tempel nicht bauen sollte, ״weil er Blut in Fülle vergossen", so konnten rühm- und eroberungssüchtige Priesterkönige, deren Hände mit Blut befleckt waren, nicht am Heitigthume der Gotteslehre fortbauen, von der es heißt: »״ ׳״וכל. נתיבותיה שלוםAlle ihre Pfade sind Frieden!" Konnten äußerliche Waschungen u. dgl. sie von dem Vorwurfe befreien, sie seien wohl Aharoniden, nie aber Priester