Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 12 (6.4.1887)
- Date
- 1887-04-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Oesterreiehisch-ungarisehe Wrärmm erali onspreis Füe Dertiristnitglitder. Ganzjährig fl. s.— Halbjährig fl. 2.50 Vierteljährig fl. 1.25 .Für NichtmttgNeLer Ganzjährig fl. 6.— Halbjährig fl. 3.— Vierteljährig fl. 1.2V Für daS Ausland Gauzjährig fl- 7.— 12 Mark oder 6 Rubel. Organ Ar tlie nuterHen Alliier Hsutoren uM Hvltusbrsmteu. Hrscheintzeden a ch t e nL a g. Begründer: Obercantor ^aood Bauer. Wedactio« und Administration Wie », II., Novaragaffe Nr. 27. Inserate werden billigst berechnet. Manuscripte werden nicht retournirt. Nr. 12. ien, 6. April 1887. 7. Einladung zur Pränumeration auf die üsterr.-ungar. Cantsren-Zeitung. Mit April d. 3• hat das 11. Quartal des 7. Jahrganges begonnen; wir ersuchen daher die rückständigen Herren Abonnenten, das Abonnement umgehend zu erneuern, damit die regetm äß i g e Zu sen d un g des Blattes k eine Unterbrechung erleide. Die Administration Die' nächste Nummer erscheint der Feiertage halber Dienstag den 19. April. Fragmente. Aus dem alten jüdischen §eben im Familienkreise, im Gotteshause, im gemeinschaftlichen Verkehr. (III. 2trtifel»©erie.) XXVI.. Jukdfamkeit. Duldsanikeit ist der wesentliche Charakter des Mosaismus, sobald man ihm nur seine eigene Freiheit lässt. Die jüdischen Schriften lehren, indem Gott Sonne, Sterne und alle Heerschaaren des Himmels schuf, wollte er, dass seine Wohlthaten allen Völkern der Erde gemeinschaftlich sein sollten, und dass er mit Noah, dem Vater aller Menschen, einen Bund geschlossen habe. Nie drang Moses in seinen Schwiegervater, den Priester Midians, seinen Göttern zu entsagen. Die gute Noenli sagt, als sie das Land Moab verlässt, zu ihren beiden Schwiegertöchtern Orpa und Ruth: ״Warum wollt ihr mit mir kommen, die ich so betrübt biil, dieses Opfer ist zu'groß. Möge Gott euch vergelten, was ihr Gutes meinen Söhnen und mir selbst gethan; darum kehret zu euerem Volke und zu eueren Göttern zurück". (Ruth 1, 15.) Die Abgesandten Jeftachs sprechen mit Achtung von Kemosch, dem Gotte der Kinder Amons. Mieha prophezeit sogar auf die ausdrücklichste, bestimmteste Weise die Zeilen der allgemeinen Duldsamkeit: ״Eines Tages werden US" Ire heutige Kummer sich die Völker des Streites begeben und Freude und Friede findeich. בי בל זועמים ילבו איש בשם אלהי, . alle Völker wandeln, jedes im Namen seines Gottes, wir aber wandeln im Namen unseres Gottes immer und ewig." (Mich. 4, 5.) Wohl ist das eine kritische Stelle» So bemerkt Philippsohn in seinem Bibelkomentar zu Stelle: ״Zum Theit wiederspräche dies dem Vorhergehenden, worin die Bekehrung der Völker zum Ewigen ausgesprochen werden; wenn wir nicht ein ״einstweilen", ״bis dahin", eingeschaltet denken". Auch Redak in seinem Comentar fügt Hinzu: "עד אותו זמן ילבו,, Bis zu jener Zett — wahrscheinlich der Messiaszeit — wird jedes der Völker seinem Gott nachwandeln, deswegen wird aber der Friede nicht gestört werden. Nach dieser Auffassung verkündet uns der Prophet eine Zeit der Toleranz und der Duldsamkeit, noch bevor der Messias erscheinen wird. Diese Duldsamkeit hat im Judenthum zum Glaubensartikel sich gestaltet. Welche Meinung die Juden auch von ihrer Vorzüglichkeit vor den anderen Völkern haben mochten, sie erkannten es dennoch an, dass der wahre Gott überall seine Anbeter hatte, dass es unter allen Völkern der Erde gerechte und fromme Männer gebe, die so gut als die Israeliten, Theil an der zükünf- Ligen Welt haben würden. Maimonides, Menasse-ben-Jsrael lehren dasselbe, und die neuen Juden glauben noch, was ihre Väter glaubten. Wir führen als Beweis an jene schönen, tröstenden und wenig erkannten Wahrheiten und Lehren, welche das Sanhedrin zu Paris unter der Regierung Napoleon I. verkündete*) Jeder der sich zur mosaischen Religion bekannte, und nicht Gerechtigkeit und Liebe, unabhängig von ihrem besonderen Glauben, gegen alle Menschen übt, welche die Gottheit anerkennen, sündigt ausdrücklich gegen sein Gesetz. Der Dekalog und die heiligen Bücher, welche Befehle Gottes über diesen Punkt enthalten, stellen keine besondere Beziehung auf und geben weder Würde noch Stand, noch Religion an, auf welche sie dieselben besonders beziehen, so dass jeder Israelit, der sie gegen irgend Jemand Übertritt, gleich verbrecherisch und sträflich in den Augen der Gottheit ist. Dieses ist seit langer Zeit von denen, die eingeweihet in das Gesetz waren, gelehrt worden; sie predigen unauf- *) Wir kommen über diesen Punkt ausführlicher im nächsten Artikel zurück. A. d. Vist 10 Selten stark. "W>