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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1887-03-29 · Heft 11 (29.3.1887) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 11 (29.3.1887)
Date
1887-03-29
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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— S — als ' Pflicht auferlegte, täglich Sehmone Essre zu beten. ."רבן גמליאל אומר בכל יוסויום מתפלל &דם שמונה'עשוה" Die erwähnten Citate betonen mehr die 'Einführung des 8obwou6-E3srv-Gebetes, verschweigen aber die Autorschaft desselben. Dieses führt Hu dem. Schlüsse, dass sowohl die Autorschaft .als auch die Zeit der Conception desselb en als' allgemein bekannt vorausgesetzt wird, demgemäß dessen Abfassung in die graue Vorzeit hinaufreicht, nämlich zur Zeit des ersten Exils vor Esra; denn damals mangelte es den Israeliten nicht an geistigen Größen, die es sich zur Lebensaufgabe machten, das Religionsgebäude Israels aufzurichten und zu befestigen. Noch gab es Propheten, die'dem Volke durch den Zauber ihrer begeisterten Reden den Balsam des Trostes in sein wundes Herz zu träufeln vermochten. Diese hervorragenden Männer verfassten das Esttmons E<sre, in welchem einige Theile die Erbauung Jerusalems, die Errichtung des Heiligthums und der Erhebung der Davidischen Dynastie als Inhalt des Gebetes bilden. Nachdem aber Gott diese Gebete erhört hatte, das Volk aus dem Exil nach ^Palästina heimgckehrt war, und der Tempel in seiner Glorie stand, mussten selbstredend diese"Gebetstücke, die auf die Er- Hebung Jerusalems Bezug nehmen, aus dem Sehmone E-^e elidirt werden, und man betete nur die Theile desselben, welche damals zeitgemäß waren; als aber Israel durch die Römer die staatliche Selbstständigkeit verlor, Jerusalem durch des Feindes Hand zerstört und der Tempel ein Raub der Flammen wurde, fand es wieder der Fürst Rabban Gamaliel für zeitgemäß, das. uralte Sehmone E-rsrs mit den Gebetstücken, die auf Erlangung der staatlichen Selbstständigkeit Bezug hatten, wie es die אנשי כנסת הנחלה״•» verfassten, wieder einzuführen. Durch diese Annahme erscheinen alle Widersprüche, die sich im Talmud auf die Abfassungszeit und bezüglich der Verfasser des Sehmone Essre finden, gelöst. Einige Oemerkungen. Der sehr gelehrte Verfasser der ״Fragmente" zitirt die Stelle: חסידי עמות העולם יש להםחלקלעולם הבא und verweist auf Synhedrin 96 b. Diese Stelle findet sich weder dort noch anderswo im Talmud, sondern Maimönides in Hikhot Tesehuba 3. Abschn., Paragraph EL zitirtdiese. Stelle, wie auch in seinem פרש המשניות zu der Mischnah שלשה מלבים in הלק - Maimönides hat dies aus &er Toseffca zw Synhedrin in 13 Abschnitte entnommen; dort heißt es: *ש צדיקים ׳באומות העולם שיש לד,{ הלק לעולם הבא dort wird zwischen רשעי ישראל und רשעי עמים kein Unterschied gemacht. Wer ein רשע ist, mag er Jude oder Nichtjude sein, er wird der Seligkeit verlustig- Jeder Israelit hat einen Antheil an Oiem dabo» sagt die Mischnah. Unter Israelit versteht man einen Gotteskämpfer, einen Ehrennamen, der nicht in Folge der Geburt, sondern des Verdienstes enstanden ist. Der Name ״Israel" figurirt auch bei den makkabaischen Münzen. Jeder Nichtjude, welcher den Götzendienst verwirft und für die Gottesidee kämpft und auch moralisch lebt und handelt, ist in dieser Beziehung den Israeliten gleich. Dass man im Sommer vor dem Lesen der Sprüche der Väter die Mischnah zitirt, ist eine schöne Einrichtung, um uns den erhübenen Gedanken. .כל ישראל יש לרם הלק לעיר einzuführen, dass jeder Gotteskämpfer der Seligkeit theilhaftig wird; denn Israel war stets ein Märtyrervolk Gottes. Wohl gab und gibt es noch Märtyrer auch unter anderen Völkern und Confessionen. aber als Märtyrervolk in seiner Totalität steht einzig und allein Israel da. Als das Gesetzbuch vom Himmel herablaugte, lautet eine talmudische Parabel, war ln demselben ein Dolch eiugewickelt. Gott machte nämlich Israel aus seine Bestimmung aufmerksam, dass die Lehre ihm nur in Begleitung und Androhung des Dolches übermittelt werden kann; nur unter der Bedeutung, als Märtyrervolk dafür einzustehen und die Wahrhaftigkeit mit seinem Blute zu besiegeln, kann es als Inhaber der göttlichen Lehre auftreten. Als vierten Beweis für die Wahrhaftigkeit der h. Lehre, sagt Josefus, ist die Thatsache, dass die Israeliten, so es nöthig war, für die göttliche Lehre willig den Tod erlitten, während unter den Hellenen nicht ein Einziger, sollte es auch der Erhaltung der ganzen griechischen Litteratur gelten, sich der Todesgefahr aussetzen würde. In neuester Zeit nennen die Nichtjuden den Juden: Israelit, sie glauben, dass in diesem Namen kein Schimpf liegt, als wenn der gläubige Jude sich je des Namens ״Jude" geschämt hätte; so entstand für den Abend in Beschlag nahm und nicht von meiner Seite,wich. Er führte mich in eine Restauration, wo er Stammgast ist und daher auf gute Bedienung rechnen kann; dort wurde mir natürlich auch ein vorzügliches Abendbrod servirt, und nachdem wir uns bei einer Flasche guten Weines in heitere Laune getrunken hatten, bestand er darauf, obgleich ich mich, wie ich es in der Fremde gewöhnt bin, im mein Hotel zurückziehen wollte, ihn in den Gesangverein, dessen Mitglied er ist, zu begleiten. Und da ich, wie Du weißt, ein Lieb- Haber von Musik bin, konnte ich seinen dringenden Bitten nicht widerstehen und begleitete ihn. Cohn führte mich in einen einfachen, aber hell erleuchteten Saal, der sich in . einem Hause neben erwähntem Restaurant befand. Wir traten gerade ein, als die versammelten Herren im Chore das Lied: ״Wer hat dich, du schöner Wald, aufgebant so hoch da droben" sangen. Ich ließ es mir nicht nehmen, gleich mit einzustimmen, denn ich war recht angenehm berührt, mein Lieblingslied zu hören." ״O ja," unterbrach ihn Frau Süßkind, ״mit diesem Liede hast Du schon oft mein Trommelfell belästigt, denn ich will doch nicht voraussetzen, dass Du Dir auf Deine Stimme etwas zu gute thust. Doch, Du sprichst von Nebensachen und spannst meine Nengierde -auf die Folter, Du wolltest doch von dem jungen Cantor erzählen. So komm doch endlich auf's eigentliche Thema." ״Jawohl, liebes Kind, aber vor Allem nimm nur den besten Dank für Dein Compliment; wenn ich Dich so recht neugierig sehe, dann gefällst Du mir am besten. Gönne mir doch das Vergnügen, in Dir ein echtes Weib mit all' seinen Vorzügen und Fehlern zu betrachten." M״Aber geh' doch, lieber Mann," erwiderte sie lächelnd, ״Du willst mich wieder einmal ärgern, nicht wahr? Lass uns lieber die kurze Zeit unseres Zusammenseins angenehm verplaudern, und erzähle weiter; Du hast in mir jedenfalls ein dankbares Auditorium". ״Nun, so höre denn, meine gute Frau: Als die letzten Töne des Liedes verhallt waren, schauten die Herren mit fragenden Blicken auf Adolf Cohn, der mich nun natürlich der Reihe nach Allen vorstellte. Einer der Herren schien mich aber nicht beachtet zu haben, denn er blätterte eifrig in einem Stoße Noten, der sich auf dem Tische befand. Mein Freund klopfte ihm auf die Schulter und sagte : ״Nun, Herr Candidat, wollen Sie nicht auch Herrn Süßkind aus D. kennen lernen?" Schnell stellte er sich in Positur, um die übliche Verbeugung zu machen, und Cohn sprach: ״Der Name dieses Herrn ist Simon Behrens, welcher auf die vacante Cantorstelle in D. reflectirt. 'Wie er mir gestern mittheilte, wird er in 14 Tagen zum Probevortrage reisen. Wir würden ihn ungern aus unserem Vereine, in dem er die leitende Kraft geworden ist, vertieren, aber die Aussicht dazu ist vorhanden, denn ich zweifle nicht an seinem Erfolge in D." ״Es freut mich, sprach ich, Sie kennen zu lernen und meinen Landsleuten ein so gutes Nrtheil überbringen zu können. Behrens errötete ein wenig und erwiederte, er gehe nicht ohne Zagen zur Probe, da er gehört, dass iu D. reger Sinn für Musik sei und daher gewiss sehr hohe Ansprüche gestellt werden, doch wolle er mit Gott sein Glück versuchen. Ich unterhielt mich iu -den Pausen noch viel mit ihm und fand ihn als einen bescheidenen und für sein Fach hochbegabten Mann." (Fortsetzung folgt).

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