Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1887-03-29 · Heft 11 (29.3.1887) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 11 (29.3.1887)
Date
1887-03-29
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/1304829-3453087-3453098--2072-3456281
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Luft eingesogen, so anstrengungslos floss sie am Ende der reich «üanürten Phrase aus! ' Vergleicht man mit einer derartigem Kunstfertigkeit das Aechzen und Schluchzen, und wie sonst die lärmenden Geräusche alle heißen mögen, die jeden Athemzug so manchen Sängers und Sängerin begleiten, jenes AthempumPen, bei welchem der ganze Körper gleichsam in Auftegung geräth und mitarbeitet, so wird doch selbst dem unbefangmsteu Zuhörer ad oculos, oder besser ad aures, demonstrirt, dass es die Stimme allein uicht thut, sondern vor allem die künstlerische Durchbildung derselben und hier Wiederum in erster Reihe: die Kunst der angemessenen Behandlung des Whems, des Stoffes aller Gesangstöne. — Oder kann da noch von einem reinen, ästhetischen Genüsse die Rede sein, wo die Aufmerksamkeit beständig auf den Mechanismus hingelenkt ist, mit welchem der Gesangsprszess in Scene gesetzt wird? Arber bas Schmone-Gßre-Gebet. Von Dr. Mr. Löwy, Btzirks-Rabbiuer in Butschowitz, Mähren. Ueber die Zeit der Entstehung und Abfassung des Achzehn- Gebetes wurde von den Gelehrten der neuesten Zeit viel gedacht und geforscht, und sie waren bestrebt, aus dem tiefen Schachte des Talmuds so manche Edelsteine heroorzuheben, welche Licht über diesen wie in einen dichten, undurchdringlichen Nebelschleier gehüllten Gegenstand verbreiten. Bis an die Schwelle der Jetztzeit pflichtete man gewöhnlich der Annahme bei, dass die Männer der großen Synode, welche aus 120 Männern bestand, unter denen auch einige Propheten waren, das Achtzehngebet verfassten und es. auch Kraft ihrer autoritativen Macht Ln ganz Israel einführten. In neuester Zeit wurden gegen diese Hypothese Bedenken erhoben, und das Ergebnis der; mühevollen Forschungen ist, dass die Abfassung eines großen Theilcs der Lobmoue Bssre nicht bis in die Zeit der synagoga magna hinaufreicht, sondern manche Stücke wären zur Zeit der Rabbiner, einige zur Zeit vor der Zerstörung Jerusalems und einige nach der Zerstörung Jerusalems entstanden. Jemlletoy. Der junge Cantor. Erve Erzählung von Cäcilie Löwy. (5. Fortsetzung.) IIL ״Meine Briefe sollten Dir doch einen kleinen Ersatz für unsere Trennung bieten, und was unsere gegenseitige Correspondenz anbetrifft, so kannst Du mir gewiss keinen Vorwurf machen, denn ich berichte Dir ja stets wortgetreu Alles, was sich in meinem Geschäfte ereignet, und Lin auch bestrebt, die manchmal trockenen, ellenlangen Berichte mit Lntereffanten Reiseerlebnißen zu würzen. Sei versichert, liebes Kind, dass meine Gedanken stets bei Dir sind, wenn ich auch räumlich noch so fern von Dir weile. Meine schon längst gehegte Absicht, einen Commis voyagsur zu engagiren, wird sich hoffentlich bald realisiren, und dann bleibe ich stets bei Dir, bis dahin gedulde Dich, meine Theuere, und ertrage mit Ruhe meine Abwesenheit." Frau Süßkind trocknete ihre Thränen und sah mit noch verschlcierlem Blicke in das Antlitz ihres Eduard: ״O, ich weiß es, Du bist gut, aber doch unerbittlich, wenn es sich um Dein Geschäft handelt, und ich sehe schon, dass Du meinen Wunsch, bis zur Soiree hier zu bleiben, nicht erfüllen wirst. So will ich denn auch bescheiden sein und nicht emporschauen zu denen,.' die das Vergnügen in vollen Zügen kosten, sondern mich trösten ün Hinblick auf Diejenigen, welche die Zurückgezogenheit lieben, und die ich dennoch schätze. Zu diesen Lchteren gehört Deborah Dessauer. Du kennst sie In manchen Theilen dieses Gebetes scheint in der That sich.: die mäkkabäische Zeit abzuspiegeln, wo dem israelitischen Volke das Forschen in dev Lehre, und deren Gebote zu halten, verboten wurde, wie z. B. in ״Haschivrenu ltkaurojseehoh" oder in dem Theile, welcher .״G'wurauth" genannt wird und dessen Inhalt den Glauben an die Wiederbelebung befestigen soll und einen Protest gegen die ״Sadduzäer" bildet, die an der Belebung der Todten nicht glaubten. Nach meinem Bedünken aber sind diese erwähnten neueren Ansichten. . nur vage Hypothesen, die auf keiner festen Unterlage basiren; ich will vielmehr Belege aus uralten Quellen erbringen, dass das Schmoiie Esare uralt ist, wie auch der Talmud dessen Abfassung den Männern der großen Synagoge, die zur Zeit Esras lebten, vindicirt. ... Im Sifre heißt es, dass der Betende vor dem Vortrage des Gebetes für seine eigene Person oder für die Gesammtheit Israels, zuvörderst dasselbe mit einem Lobe Gottes einleite, denn Möses, David und Salomo richteten auf diese Weise ihre Gebete, ..die sie in tieffter Andacht zu Gott verrichteten, ein; sie begannen zuvörderst die Eigenschaften Gottes zu preisen, - sodann traten sie erst in medias; res ein, um ihre persönlichen Wünsche, ihre Regungen des Herzens vorzulegen; das 8״ebmou6-Bs;r6-Gebet", welches die Ghaöhamtm borisehonim" einführten, beginnt zuerst mit der Benede ung Gottes 8061 bagodaul hagibaur u. s. w. nachher wird das eigentliche Gebet eröffnet. Diese Stelle wirft keineswegs Licht, weder auf die. Entstehungszeit noch auf die Verfasser des Sehmone E3sre, es erhellt nur aus derselben, dass die ersten Weisen, worunter wahrscheinlich die ersten Tauaim gemeint sind, . Schau ne Essre ... einführten. ׳'■' Eine wichtigere Angabe erfahren wir aus dem Talmud Megilla 17 b; daselbst berichtet R. JochaNan: 120 Skenini führten die 18 Eulogicn der Reihe nach ein, darunter wahrscheinlich die Ansche Kusses hagdaulo verstanden sind. Dagegen. geht aus der Talmudstelle Beraeh. 28 b hervor, dass Simon Pekuli gegen Ende des ersten Jahrhunderts vor Rabban Gamliel das Sehmonö Bssre der Reihe nach geordnet habe und letzterer es jedem. Israeliten . vielleicht kaum, und - doch verdient sie, ihrer hohen Bildung upd».... Schönheit halber gekannt zu sein. Ich, die ich reges Interesse für. meine Mitmenschen habe, glaube, mir ein Urtheil bilden zu können. Neulich besuchte ich die Mutter derselben, die lange krank war, und mußte ich mich wieder überzeugen, dass ich mich - in meinem Urtheile über das junge Mädchen nicht getäuscht habe. Doch bemerkte ich^ dass auf der Familie Dessauer ein stiller Druck - liegen müsse, dev , mir anfangs unbegreiflich, schien, doch ich habe darüber nachgedacht ,. und bin zu dem Schluffe gekommen, dass dem braven Deffauer. das Entsagen auf sein Amt schwer wird. Wer so mit Leib und Seele für seinen Beruf lebt und strebt, wie David Dessauer, für welchen. . . mein gottseliger. Vater eine Unbegrenzte Verehrung empfand, und den er deshalb stets als Muster eines biederen Characters hinstellte, für einen solchen Mann muß es wahrhaft schmerzlich sein, wenn seine. ' Leistungen dem heutigen Zeitgeiste nicht mehr genügen wenn er wahrnehmen muß, dass er sich, so zu sagen, überlebt hat." ׳ ״Sieh, sieh, wer hätte das gedacht," scherzte Eduard, ״meinekleine Frau befasst sich mit Psychologie! Nun, Du I Magst Recht ' haben, und es würde mich recht schmerzlich berühren, wenn Deine Wahrnehmung Dich nicht getäuscht-hätte.. Denn auch ich bin ein Verehrer Deffauers, und folge ebenfalls hierin dein Beispiele meines guten Vaters." ״Du bringst mich aber da, liebes Weibchen, auf ein Thema, das ich Vielleicht gar nicht berührt hätte, und welches für Dich doch gewiss von hohem Interesse sein mag. Als ich vorige Woche in Berlin war, lernte ich zufällig den jungen Cantor, der unserem Vorstände empfohlen wurde, kennen. Ermüdet von vielem Gehen, suchte ich Mittwoch Abend ein Local auf, wo ich einen warmen Imbiß , nehmen konnte; da begegnete mir mein Freund Adolf Kohn, der mich

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.