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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1887-03-29 · Heft 11 (29.3.1887) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 11 (29.3.1887)
Date
1887-03-29
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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im ungarischen Parlament neulich eine :große^..Heiterkeit, als der Unterrichtsminister stets ״Israeliten" sagt^ mi^ein geistlicheruber.geistloser Antisemit schrie: Nicht Israelit, sondern Jude. In Nummer 7 polemisitt Herr L. Cohen, .Lehrer und Cantor, gegen Herrn B a um, welcher in Nummer 5 behauptet, dass zur Ertheilung des Priestersegrns die priesterliche Abstammung nicht-ersorderlich sei, auch Rabbiner und Cantor können ihn ertheilen, wenn sie auch keine geborenen Priester sind. ... Ich und gewiss Viele, welche inden Codices vcrsirt sind, stimmen mit Herrn L. Cohen uberein, dass es einen Unterschied gibt zwischen Priester und Priesterbernf, die an' einem Stamme geknüpft war; auch ich habe in diesem Blatte über.. den Begriff כהן. geschrieben, dass es nicht immer Priester bedeute, sondern meistentheils Diener Gottes, zu welchen alle Israeliten, gehören, 'wenn sie, wie die heilige Schrift sagt, zu dem heiligen Volke stch bekennen. Unsere׳ Rabbinen sagen: זר נושא בפיו עובר בעשה, d. h., wenn ein Nichtcohen allein ohne mit anderen Cohanim den Priestersegen ertheilt, so hat er ein Gebot Gottes übertreten.*) Was aber Herr L. Cohen in seiner Polemik sagt: ״Lächerliche ist die Behauptung, dass die sich heute noch als Abkömmlinge Ahrons: gerirenden Cohanim nicht im Stande sollen sein können, sich wirkliche als solche zu documcntiren׳" Diese Behauptung ist nicht neu und; nicht lächerlich, der Mögen Abraham fogt: 2J אין לנו כהן מיוחס. Viele Kapazitäten sagen: ״Wenn ein Cohen, eine Gefangene, wie eiue Chaliza heiratete, die ihm verboten sind, so kann man ihm nicht zwingen, sich von ihr zu scheiden, weil er. sagen kann, beweiset es mir, dass ich ein Cohen bin 3). Auch im Talmud Chesuboth 24 b sagt der Talmud דריע הזקייהו. Hiezu bemerkt Tosefot שלא-2:2או כו7בפ; nun gibt es aber wiederviele große Gelehrte, welche diese Ansicht nicht Heilen und sagen, man dürfe selbst von unseren Cohanim. nicht zweifeln, ob sie vom Stamme Ahron sind, man müsse - ihnen ihre Rechte lasten; man ruft sie erst zur Thora, sie ertheilen . den Segen- und durch sie geschieht die Auslösung der Erstgeborenen, sie dürfen, keine Geschiedene und Chaliza heiraten Nur zur Zeit, als die Israeliten aus Babel'gingen, wo-noch Jeder ein כתב המת\חש, ' ein Geschlechtsverzeichnis hatte, so wurden Diejenigen, welche ein. solches nicht hatten, des Priesterthums unwürdig erklärt, wie auD Esra Cap. 2, Bers 61 und 62 zu entnehmen ist. Aron Roth, Bezirks-Nabbiner. S zLklos, .im׳-März 1887. . ') Mögen Abraham 126. s) Siehe Mögen Abraham 201׳ und 457 .; ■ 8)' Responsen Lbaweth Joir und Nächlath Schivdth. *) Responsen Keueseth ZecheSkel 66. Kleine Chronik. Mrürm- 21. März. (Jüdischer Landesmassafonds.) Die am 20. d. M. stattg ehabte General Versammlung des mährisch jüdischen Landesmassafonds war von 43 Delegirten besucht und genehmigten Len Voranschlag pro 1887 mit 48,556 fl. Einnahmen und Gulden 47.82 Ausgaben. Der Vorsitzende Obmann-Stellvertreter, widmete dem verstorbenen Joses Ritter von Wertheimer einen warmen Nachruf, dessen Verdienste um das JudenHum, Humanität und Fortschritte preisend. Die Versammlung gab ihrem Mitgefühle durch Erhchey von den Sitzen Abdruck. Budapest. (Per Landsturm und die israel. Mattikenführer.) Der Euttusminister hat eine Circularverordnung erlassen, nach welcher die israelitischen Mattikenführer gehatten find, künfttghin bei Sterbefällen landsturmpflichttger Personen jedesmal einen Auszug aus dem Todtenregister vorzulegen. ' Jerva-WAnia,. (Eine 9b.jährige Ballkönigin.) Aus Dewa- Wania.wird uns geschrieben: Äm 10 d.M. wurde voniHiesigen Frauenvereine ein Purimball zum wohlthätigen Zwecke abgehalten, bei welchem . die Vereinspräsidentin, Frau Rosalia G r o ß, die Heute im 96. Lebensjahre steht, mach jeder'Richtung hin glänzte: Fürstlich gekleidet, trat die stattliche. Greisin, der' man ihr hohes Alter bei Weitem nicht anmerkt,.in den Ballsaal, legte eine Fünfzig-Gulden-Note als Enttse nieder und unterhielt sich von 8 Uhr Abends bis 3 Uhr Morgens. Der stimmungsvolle Abend warf für die Armen ein ansehnliches ' Sümmchen ab. Werlin. (Falb's Theorie und die Evangelien.) Rudolph Falb veröffentlicht in der ״Gegenwart" einen Artikel über seine Erdbeben-Theorie und macht bei dieser Gelegenheit auf einen historisch besonders-hervorragenden Fall des Zusammentreffens von Erdbeben und Finsternißen aufmerksam, der durch seine Theorie die richtige Erklärung erhält. Er schreibt: ״Die astronomische Berechnung lehrt, dass im Jahre 33 unserer Zeitrechnung, am 3. April, eine Mondfinsternis stattfand. Der Mond ging an jenem Abend verfinstert über Jerusalem auf. Eine weitere Rechnung zeigt mit gleicher Gewissheit, dass dieser Tag ein Freitag war. Und eine dritte Rechnung liefert den Beweis, dass auf -diesen Freitag unmittelbar das Osterfest der Juden folgte. Diese drei Umstünde trafen innerhalb einer ganzen Generation weder vor 'noch.nach dem Jahre33 ׳ zusammen. Ich brauche wol nicht daran zu erinnern, dass ein Tag von-großer Be-, deutung nach den Berichten der neutestamentlichen Schriftsteller genau dieselbe vierfache Charakteristik trägt. Der Todestag Jesu Christi fiel in das Jahr 33; er war ein Freitag; am darauf folgenden Tage feierten die Juden das Osterfest, und es trat eine Finsternis ein,, über deren genauere Umstände die Berichte abweichend lauten. Dass dieselbe allgemein als Sonnenfinsternis aufgefasst wird, haben wir nur. dein Evangelisten Lucas zu danken, der zu dem allgemeinen Ansdrucke der beiden ersten Biographen ״Finsternis" noch den Zusatz bringt:- ״Und die Sonne verlor ihren Schein". Aus dem Berichte -der drei ersten Evangelisten folgt zwar, dass der erste Festtag ein Freitag und der ׳Todestag Christi war. Allein schon Jdeler hat die Gründe beigebracht, welche uns bestimmen müssen, der Darstellung des Evangelisten Johannes zu folgen und änznnehmen, dass Christus am Tage vor dem ersten- Passahfeste gekreuzigt wurde und dass der erste Festtag im Todesjahre Christ( auf einen Sabbath ftel. Dass, aber, so lange Christus üm Kreuzehing, keine Finsternis stattfand, geht ans dem Stillschweigen desselben Evangelisten hervor, der selbst' -unter dem Kreuze stand und dem ein solches-Zeugnis der Natur gewiss nicht ans" dem Geständnisse entschwunden sein würde. Die Mondfinsternis fand aber offenbar erst nach der Kreuzabnahme״ statt, da letztere vor Einbruch des Sabbath-Abends geschehen musste und konnte daher viel leichter von den» trauernden Jünger unbeachtet bleiben. So viel zur Feststellung der Constellation. Nun wird aber ein fünfter Umstand erwähnt, welcher nach unserer Theorie als Naturgesetzliche Folge dieser Constellation aufzufassen ist; es trat ein Erdbeben ein, welches den Vorhang im Tempel von oben bis unten zerriss und die Erde spaltete, so dass die Gebeine der Todten aus denGräbern geschleudert wurden, wie dies auch bei dem Erdbeben von Riobämba 1797 geschah.-Die traditionelle Erinnerung hielt das Jahr 33 fest, verwechselte aber diese Mondesfinsternis mit einer vierzehn Tage später, ebenfalls an einem Freitage eingetretenen Sonnenfinsternis. Maris, 21. Gestern haben in Tunis anlässlich, des neuen Reglements in Betreff der Beerdigung Unruhen stattgefunden. Die Israeliten wollten zwei Begräbniße begehen, ohne die geforderten Formalitäten zu erfüllen. Es .entstand eine Rauferei und wurden mehrere Verhaftungen vorgenommen. Die Polizei veranlasste die Räumung des Friedhofes und stellte die Ordnung her. Heute begannen die- Israeliten wieder, - nachdem sie ihre Gewölbe geschlossen hatten, ihre Kundgebungen auf dem Friedhofe und vor dem Municipalitäts-Gebäude. Die Polizei zerstreute, die Ansammlung und nahm einige neu- ' erliche. Verhaftungen vor. Drei Personen wurden verwundet.. . . KottVus, im März. Im hiesigen Volksbildungsverein, dem auch sämmtliche Mitglieder unserer Gemeinde, angehören, hielt von einigen Tagen, der Gymnäsial-Oberlehrer Dr. Maier einen Vortag über Bulgarien, der ' uns Israeliten in vielfacher Beziehung ganz besonders interessirte. So hob der Redner z. <B. hervor. und wies u, A. laut authentischen, Historischen Quellenangaben und 'zu? verlässigen Urkunden nach, dass unsere Glaubensgenossen, w Ährend

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